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[Die Industrie der Steine + Erden]






Ladungssicherung - aber wie?

Ein Seminarangebot mit viel Resonanz

Täglich werden auf unseren Straßen und Autobahnen Zehntausende Tonnen Ladung mit Lkw transportiert. Unzureichend gesicherte Ladung birgt enorme Gefährdungen des Lkw-Fahrers sowie aller anderen Teilnehmer am öffentlichen Straßenverkehr. Die Sicherung der Ladung auf den Ladeflächen der Lkw dient aber auch dem Schutz der Ladung und der Fahrzeuge vor Beschädigungen. Nach einer vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. geführten Statistik waren im Jahr 1999 rund 57.000 Unfälle mit einer Schadenssumme von 430 Mio. DM zu regulieren, die allein durch unzureichend gesicherte Ladung verursacht wurden. Die gesetzlichen Regelungen, insbesondere die Straßenverkehrsordnung, die Straßenverkehrszulassungsordnung, das Transportrechtsreformgesetz und die BGV D29 "Fahrzeuge" weisen dem Spediteur / Transporteur und dem Absender Verlader die Verantwortung zum sicheren Transport einer Ladung zu. Vielfach gehören Spediteur / Transporteur und Absender / Verlader unterschiedlichen Unternehmen an, so dass einerseits die wahrzunehmende Verantwortung und andererseits die praktische Umsetzung der Anforderungen zum Sichern der Ladung im Mittelpunkt der Diskussionen stehen.

Schulungsteilnehmer vor Lkw
Begutachtung der gesicherten Ladung.
Die Last auf diesem Lkw wurde so verteilt,
dass der Ladekran mit Greifzange auf der
Ladefläche "geparkt" werden kann





Das Seminarkonzept

In Zusammenarbeit mit den Landespolizeischulen der Bundesländer Sachsen und Thüringen, der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltung und der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft wurde, ein Seminarkonzept entwickelt, das sich mit den Schwerpunkten
  • Erfahrungsbericht der Polizei zur Ladungssicherung,
  • gesetzliche Regelungen zur Ladungssicherung,
  • Lastverteilung und Lastverteilungsplan sowie
  • Theorie und praktische Realisierung der Ladungssicherung
an den genannten Problemen orientiert.


Seminarsituation
Seminarsituation





Erste Bilanz

Am 12. und 13. Dezember 2002 fanden im Mitgliedsunternehmen EHL Baustoffwerke Erfurt GmbH & Co. KG, Betriebsstelle Hainichen zwei Ladungssicherungsseminare statt. Dabei nahmen Vertreter der Geschäftsleitung und Verlademeister aus 17 Werken der EHL-Gruppe sowie 24 Inhaber bzw. Geschäftsführer der Hausspeditionen der einzelnen Werke teil.
Nach der Erörterung rechtlicher und theoretischer Grundlagen zur Ladungssicherung wurden die Belade- und Ladungssicherungssituationen am praktischen Beispiel zweier Fahrzeuge (Sattelauflieger-Lkw, Dreiachs-Lkw mit Anhänger) beurteilt. Beide Fahrzeuge waren mit paketierten Betonteilen beladen. An den Lkw wurden folgende Probleme erkannt:
  • Die Ladungsverteilung auf den Ladeflächen orientierte sich an den Platzverhältnissen auf den Ladeflächen oder an der Erreichbarkeit der Ladung mit dem Ladekran des Lkw. Diese entsprach nicht der geforderten, an die zugelassenen Achslasten angepasste Lastverteilung und führte zu einer Überlastung der Vorderachse mit negativen Auswirkungen auf das Fahrverhalten des Lkw.
  • Als häufigste Sicherungsvariante wurde das Niederzurren angewendet. Die dabei aufzubringende Vorspannung auf die Sicherungsgurte wird oft nicht erreicht bzw. bewusst nicht aufgebracht, um die Ladung, z.B. Pflanzkübel, nicht zu beschädigen. Zurrpunkte waren unzureichend dimensioniert bzw. ungünstig auf der Ladeflächen verteilt.
  • Formschlüssige Sicherungsmethoden waren oft unbekannt. Diese effektive Sicherungsmethoden lassen sich auch für paketierte Betonteile anwenden.
  • Der Lückenschluss zwischen den Paletten und der vorderen Bordwand sowie zwischen den einzelnen Paletten war bei der Beladung mittels Ladekranen und Greifzangen oft nicht realisiert. Die Vermeidung von Ladelücken, insbesondere in Fahrzeuglängsachse bietet mehr Sicherheit und bedarf eines geringeren zusätzlichen Sicherungsaufwandes.


Unterschiedliche Sicherungsvarianten: hier das Niederzurren Unterschiedliche Sicherungsvarianten: hier das Diagonalzurren
Unterschiedliche Sicherungsvarianten:
hier das Niederzurren
Unterschiedliche Sicherungsvarianten:
hier das Diagonalzurren




Wie geht's besser?

Im Ergebnis der Begutachtung der Fahrzeuge sowie unter Berücksichtigung der zwischen den Werken und den Speditionen bestehenden Verträgen wurden erste Maßnahmen zur Verbesserung der Situationen erörtert. Folgende Handlungsschwerpunkte ergaben sich:
  1. Es müssen geeignete Fahrzeuge bereit gestellt werden. Dabei gilt es die bereit zu stellenden Fahrzeuge nicht nur auf die zu transportierende Ladungsmasse sondern auch auf das Ladungsvolumen und die Ladungsform abzustimmen. Die Ladeflächen müsse mit Zurrpunkten in ausreichender Anzahl und Verteilung ausgerüstet sein.
  2. Es sind Sicherungsvarianten und Verlademuster zu erarbeiten, welche auf die verkehrssichere Lastverteilung auf den Fahrzeugen abgestimmt sind. Eine Vereinfachung kann durch die Zusammenfassung der Vielzahl von Produkten zu Produktgruppen, z.B. Plaster- und Bordsteine, Pflanzkübel, Winkelelemente erzielt werden.
  3. Es besteht Bedarf zur Schulung der Verlader und Lkw-Fahrer zum Thema Sicherung von Ladung auf den Ladeflächen.
Zusammenfassend schätzten die Seminarteilnehmer ein, dass das Seminar wertvolle Anregungen zur Verbesserung des sicheren Transportes von Ladung vermittelte. Eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg derartiger Seminare ist die Anwesenheit der Geschäftsleitungen sowohl der Versand- als auch der Transportunternehmen.

Im Jahr 2002 fanden im Bereich der Sektion VI bereits in neun Mitgliedsunternehmen Seminare statt, an denen insgesamt 230 Geschäftsführer, Spediteure, Disponenten, Lademeister und Verlader teilnahmen.

Dr.-Ing. Bernd Schneider, StBG



Lückenschluss durch Einsetzen von Euro-Paletten
Lückenschluss durch
Einsetzen von Euro-Paletten


Lastverteilungsplan   Aus dem Lastverteilungsplan ist für diese Beladesituation eine Überlastung der Vorderachse ersichtlich

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