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Kranführer durch umstürzenden Lkw-Anbaukran tödlich verletzt

Ein Mitarbeiter eines Erdöl fördernden Unternehmens hatte den Auftrag, Pumpengestänge vom Lagerplatz zu einer Förderstelle zu transportieren und dort abzuladen. Der Mitarbeiter ist seit 1995 hauptsächlich mit solchen Aufgaben betraut worden. Der Förderplatz inmitten von Weinbergen wird durch einen asphaltierten Feldweg erschlossen. Der Mitarbeiter stellte den Lkw, einen DB Unimog mit Anbaukran und Anhänger, auf dem rechten unbefestigten Seitenstreifen zwischen Feldweg und Zaun der Förderstelle ab. Durch die Nähe zum Zaun konnte er anschließend die Stützen nicht horizontal ausfahren. Er senkte sie nur auf den weichen Boden ab und verzichtete auch auf das Unterbauen mit Kanthölzern. Warum er trotz ausreichendem Platz diesen Aufbauort wählte und auch die vorhandenen Unterbaumaterialien nicht nutzte, kann nicht mehr nachvollzogen werden.
Der Anbaukran bietet drei Bedienmöglichkeiten, nämlich rechts und links hinter dem Führerhaus oder Fernsteuerung.
Der Mitarbeiter schlug das Bündel Pumpengestänge (Gewicht ca. 1100 kg) an und stellte sich zwischen Kranfahrzeug und Zaun, um den Kran zu bedienen. Er hob die Last an und schwenkte sie seitlich über den Zaun. Um die Lagerstelle zu erreichen, fuhr er den Kran aus. Bei einer Ausladung von ca. 8 m sackten die rechten Stützen auf dem weichen Untergrund ein und das Fahrzeug kippte um. Wegen der Nähe zum Zaun konnte sich der Mitarbeiter nicht mehr in Sicherheit bringen und wurde zwischen Fahrzeug und Zaun eingequetscht. Ein weiterer auf dem Förderplatz anwesender Mitarbeiter wurde durch den umstürzenden Kran an Arm und Fuß getroffen.
Die anwesenden Mitarbeiter versuchten, erste Hilfe zu leisten, konnten den unter dem Fahrzeug eingeklemmten Kollegen aber nicht befreien. Erst mit Hilfe eines durch die alarmierte Feuerwehr herbeigerufenen Autokranes konnte der Lkw aufgerichtet werden. Der zwischenzeitlich eingetroffene Notarzt konnte nur noch den Tod des Mitarbeiters feststellen. Anschließend trafen, durch die Leitstelle alarmiert, Mitarbeiter des DRK ein, die sich speziell mit Krisenintervention und Notfallnachsorge befassen. Durch diese Personen wurden die Kollegen des Verunglückten psychologisch betreut. Auch der Betriebsleiter wurde unterstützt. Die Kräfte des DRK machten die Angehörigen ausfindig und überbrachten die Nachricht von dem Unfall. Erst später wurde dann der Kontakt zwischen Angehörigen und Betriebsleiter hergestellt. Auch die weitere psychologische Nachsorge von Angehörigen, Kollegen und Betriebsleiter wurde durch das DRK übernommen.
Vor Ort nahmen die Kriminalpolizei, Bergbehörde und der Technische Aufsichtsbeamte der StBG die Ermittlungen auf. Das umgestürzte Fahrzeug wurde durch einen Gutachter untersucht. Es konnten keine technischen Mängel festgestellt werden.
Weiterhin wurde ermittelt, dass die vorgeschriebenen regelmäßigen Sachkundigenprüfungen ordnungsgemäß durchgeführt worden waren.
Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wurde der Komplex "Unterweisung" intensiv unter die Lupe genommen. Es konnte nachgewiesen werden, dass der Verunglückte 1995 durch den Hersteller des Krans sorgfältig eingewiesen worden war. Auch die geforderten jährlichen Unterweisungen waren alle durchgeführt und lückenlos dokumentiert.
Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Staatsanwaltschaft den Fall bereits wenige Tage später abschloss und das Verfahren einstellte.


Hinweise zur Arbeitssicherheit:
  1. Ein Kran darf erst in Betrieb genommen werden, wenn der korrekte Aufbau nach Herstelleranleitung erfolgt ist (§ 40(2) der BGV D6 "Krane").
  2. Die wiederkehrenden Prüfungen müssen dokumentiert werden (§ 27 der BGV D6 "Krane").
  3. Die Unterweisung der Mitarbeiter (§ 7(2) der BGV A1 "Allgemeine Vorschriften", § 12 ArbSchG) sollte dokumentiert werden, auch wenn dies nicht ausdrücklich gefordert ist.
  4. Der Unfall hätte vermieden werden können, wenn der Kranführer,
    • für einen sachgerechten Aufbau des Ladekrans gesorgt hätte,
    • den Standplatz so gewählt hätte, dass die Stützen hätten vollständig ausgefahren werden können,
    • für einen tragfähigen, lastverteilenden Unterbau der Stützen gesorgt hätte und
    • den Kran nicht im gefährdeten Bereich, sondern mittels der Fernsteuerung bedient hätte.

Dipl.-Ing. Jochen Stürtz, StBG


umgestürzter Ladekran
Umgestürzter Unimog
mit Anbaukran






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