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[Die Industrie der Steine + Erden]






Mücken

"Haben Sie die Frühlingszeit auch so genossen, das erste zarte Grün, die Knospen, die ersten lauen Abende?" Herrlich! Man kann die Fenster noch gefahrlos öffnen und für eine ungestörte Nachtruhe lüften, ohne an irgendwelche Plagegeister zu denken. Im Biergarten muss man sein Bier noch nicht gegen Wespen oder ähnliche Mittrinker verteidigen. In einem Satz: "Hoch lebe die Frühsommerzeit!"
Bald bewegt uns wieder die Frage: "Kommen sie in diesem Jahr oder nicht? Lohnt es sich, Vorsorge gegen Insekten zu treffen?" Nach dem quälenden Mückenjahr 2002 drängen sich solche Gedanken auf. Zu frisch ist noch die Erinnerung durchwachter Nächte. Müssen wir wieder die Schlafzimmer mit Blutsaugern teilen? Sollen wir wieder mit Zeitung und Handtuch bewaffnet über Stühle und Tische turnen? Wie ein Großwildjäger dem Gegner auflauern, urplötzlich zuschlagen und damit ein großes Luftloch oder einen Blutfleck hinterlassen?
Es zählt nur der Kampf "Mann gegen Bestie". Chemische Hilfsmittel sind ebenso unsportlich wie nutzlos. Gegen Ultraschall hat die mutierte Stadtmücke offensichtlich Gehörschutz aufgesetzt, und irgendwelche Lockstoffe müssen derart widerlich riechen, dass selbst eine ausgefuchste Hausmücke einen Umweg macht. In Zimmer, deren Fenster mit einem Fliegengitter gesichert sind, schleichen sie zur Tür hinein.
Was lehrt uns dies? Auch in diesem Jahr werden wir uns wieder Abende um die Ohren schlagen. Sobald das Licht gelöscht ist, werden sie mit lauter werdendem Summen angreifen. Sie werden wieder um unsere Köpfe sirren ohne zu verraten, auf welchem Körperteil sie landen und ihr blutiges Handwerk beginnen. Wie immer werden wir unkontrolliert durch die Gegend schlagen, kaum die Mücke, wohl aber den Partner in Gefahr bringend. Grell wird das Licht der verzweifelt angeknipsten Schlafzimmerlampe in unsere schläfrigen Augen scheinen und uns so lange blenden, bis unsere Gegner ihre Verstecke wieder aufgesucht haben.
Auch der nächste Schlafversuch wird scheitern, denn selbst wenn man einen fliegenden Kleinvampir erwischt hat, lauern zwanzig andere, um den gefallenen Kameraden zu rächen.
Wie jedes Jahr wird wieder nur eines helfen: das Eindringen der Plagegeister weitgehend durch konservative Mittel eindämmen, Angriffe kaum oder nur sehr lax abwehren und am nächsten Morgen die juckenden Stellen mit Hausmitteln oder solchen aus der Apotheke behandeln.
Vielleicht sollte man es einmal mit dem Verzehr größerer Mengen Knoblauchs versuchen, denn der hilft ja angeblich gegen kleine Vampire. Darüber hinaus ist er auch sehr gesundheitsfördernd. Aber, er macht einsam.

Hans-Jürgen Bahr

Cartoon: Mückenplage





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