 |
|
Wir Deutschen haben zwei Seelen in unserer Brust. Erfinder und Menschen mit Unternehmergeist haben in den letzten
50 Jahren eine Erfolgsstory geschrieben, die unser Land auch ohne große Rohstoffvorkommen zu der Industrienation
gemacht hat, die wir heute (noch) sind. Andererseits haben wir in jüngster Zeit anscheinend eine Mentalität
entwickelt und kultiviert, die darauf vertraut, dass andere uns ein sorgenfreies Leben garantieren. Wir scheuen
uns vor Veränderungen - uns fehlt der Mut, auch einmal ein Risiko mit neuen Chancen einzugehen. Die Folgen
werden uns tagtäglich vor Augen geführt: Die Kennzahlen im internationalen Vergleich sind schlecht -
die Arbeitslosenzahlen hoch. Und dies, obwohl die demografische Entwicklung in Deutschland schon bald zu einem
Arbeitskräftemangel führen wird.
Wir brauchen Veränderung, wir brauchen Reformen! Die Lähmung betrifft auch das soziale Netz in Deutschland
und damit auch die gesetzliche Unfallversicherung.
Doch es gibt Hoffnung! Im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung - und für die kann ich hier sprechen
- ist etwas in Gang gekommen. Seit die Selbstverwaltungen der beiden ältesten Berufsgenossenschaften Deutschlands,
der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Ende letzten Jahres beschlossen haben,
eine Verwaltungsgemeinschaft einzugehen, führen jetzt auch eine Reihe anderer Berufsgenossenschaften Gespräche
über Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die bis hin zu Fusionen reichen. Insofern kann man erwarten, dass
unser System der gesetzlichen Unfallversicherung - und ich möchte keinerlei Zweifel daran lassen, dass wir
dieses bewährte System auch in Zukunft brauchen, weil es leistungsfähig, gerecht, transparent und effizient
ist - in den nächsten Jahren einen Veränderungsprozess durchlaufen wird. Mittelfristig werden wir wohl
nur noch 20 Berufsgenossenschaften statt 35 vorfinden, ohne die branchenspezifische Gliederung aufzugeben.
Seit Anfang Juli sitzen wir nun „in einem Boot" mit der Bergbau-Berufsgenossenschaft. Dieser Schritt wurde
beschlossen, weil zwischen beiden BG'en eine große fachliche Nähe besteht und die Grundphilosophie beider
Selbstverwaltungen, konsequent auf Prävention zu setzen, übereinstimmt. Zudem sollen neue Synergien erzielt
und schlankere Strukturen erreicht werden, damit wir noch schlagkräftiger werden.
Die sozialen Sicherungssysteme Europas befinden sich zunehmend im Wettbewerb miteinander. Dabei bin ich fest davon
überzeugt, dass die Zukunft unserer Sozialversicherung nicht in der Privatisierung liegt. Die Fakten sprechen
klar dagegen. Allerdings müssen wir die offensichtlichen Probleme bei der Finanzierung der gemeinsamen Lasten
lösen. Hier liegen bereits erste Konzepte auf dem Tisch.
Ich glaube also, dass wir durchaus hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können. Lassen Sie uns die notwendigen
Veränderungen gemeinsam in Angriff nehmen! Lassen Sie uns gemeinsam im wahren Sinne des Wortes etwas unternehmen
- für unsere Zukunft und für die Zukunft unserer Kinder!
Ihr
Willi Lange
|