www.steine-und-erden.net > 2002 > Ausgabe 4/02 > Lust auf Veränderung

[Die Industrie der Steine + Erden]






Lust auf Veränderung

Willi Lange Wir Deutschen haben zwei Seelen in unserer Brust. Erfinder und Menschen mit Unternehmergeist haben in den letzten 50 Jahren eine Erfolgsstory geschrieben, die unser Land auch ohne große Rohstoffvorkommen zu der Industrienation gemacht hat, die wir heute (noch) sind. Andererseits haben wir in jüngster Zeit anscheinend eine Mentalität entwickelt und kultiviert, die darauf vertraut, dass andere uns ein sorgenfreies Leben garantieren. Wir scheuen uns vor Veränderungen - uns fehlt der Mut, auch einmal ein Risiko mit neuen Chancen einzugehen. Die Folgen werden uns tagtäglich vor Augen geführt: Die Kennzahlen im internationalen Vergleich sind schlecht - die Arbeitslosenzahlen hoch. Und dies, obwohl die demografische Entwicklung in Deutschland schon bald zu einem Arbeitskräftemangel führen wird.
Wir brauchen Veränderung, wir brauchen Reformen! Die Lähmung betrifft auch das soziale Netz in Deutschland und damit auch die gesetzliche Unfallversicherung.
Doch es gibt Hoffnung! Im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung - und für die kann ich hier sprechen - ist etwas in Gang gekommen. Seit die Selbstverwaltungen der beiden ältesten Berufsgenossenschaften Deutschlands, der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Ende letzten Jahres beschlossen haben, eine Verwaltungsgemeinschaft einzugehen, führen jetzt auch eine Reihe anderer Berufsgenossenschaften Gespräche über Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die bis hin zu Fusionen reichen. Insofern kann man erwarten, dass unser System der gesetzlichen Unfallversicherung - und ich möchte keinerlei Zweifel daran lassen, dass wir dieses bewährte System auch in Zukunft brauchen, weil es leistungsfähig, gerecht, transparent und effizient ist - in den nächsten Jahren einen Veränderungsprozess durchlaufen wird. Mittelfristig werden wir wohl nur noch 20 Berufsgenossenschaften statt 35 vorfinden, ohne die branchenspezifische Gliederung aufzugeben.
Seit Anfang Juli sitzen wir nun „in einem Boot" mit der Bergbau-Berufsgenossenschaft. Dieser Schritt wurde beschlossen, weil zwischen beiden BG'en eine große fachliche Nähe besteht und die Grundphilosophie beider Selbstverwaltungen, konsequent auf Prävention zu setzen, übereinstimmt. Zudem sollen neue Synergien erzielt und schlankere Strukturen erreicht werden, damit wir noch schlagkräftiger werden.
Die sozialen Sicherungssysteme Europas befinden sich zunehmend im Wettbewerb miteinander. Dabei bin ich fest davon überzeugt, dass die Zukunft unserer Sozialversicherung nicht in der Privatisierung liegt. Die Fakten sprechen klar dagegen. Allerdings müssen wir die offensichtlichen Probleme bei der Finanzierung der gemeinsamen Lasten lösen. Hier liegen bereits erste Konzepte auf dem Tisch.
Ich glaube also, dass wir durchaus hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können. Lassen Sie uns die notwendigen Veränderungen gemeinsam in Angriff nehmen! Lassen Sie uns gemeinsam im wahren Sinne des Wortes etwas unternehmen - für unsere Zukunft und für die Zukunft unserer Kinder!


Ihr
Willi Lange




Inhaltsverzeichnis Ausgabe 4/02 | Zurück zu unserer Homepage