www.steine-und-erden.net > 2002 > Ausgabe 4/02 > Neues Seminarangebot für die Betonstein-Industrie

[Die Industrie der Steine + Erden]






Neues Seminarangebot für die Betonstein-Industrie

Pilotseminare für Mitarbeiter in automatischen Anlagen

Beim Betrieb von automatisierten Anlagen in der Beton- und Fertigteil- Industrie kommt es immer wieder zu Gefährdungen, die zu Unfällen und Ausfallzeiten führen. Der Ausfall von Mitarbeitern und Maschinen verursacht im Unternehmen hohe Kosten. Die Analyse der Arbeitsunfälle in der Beton- und Fertigteilindustrie zeigt darüber hinaus, dass sich in dieser Branche relativ häufig schwere Unfälle insbesondere im Zusammenhang mit automatisierten Anlagen ereignen.
Um die Ursachen für diese Tatsachen zu ermitteln, wurde die Organisation des Arbeitsschutzes und die Funktionstüchtigkeit der Sicherheitstechnik in Mitgliedsunternehmen der Branchen Betonstein, Herstellung großflächiger Betonelemente sowie der Rohr- und Schachtringfertigung mit den dazugehörigen Anlagenbereichen überprüft.
Hauptinhalt der sicherheitstechnischen Überprüfungen war, die Funktion aller Sicherheitseinrichtungen und die Kenntnisse des Anlagenpersonals über Wirkmechanismen von elektrischen Sicherheitseinrichtungen und Zusammenhänge von Steuerungsprozessen zu ermitteln. Die Überprüfungsergebnisse zeigten ein sehr differenziertes Bild und mussten zwangsläufig zu weiteren Maßnahmen führen; und zwar
  • zur Nachkontrolle besonders auffälliger Unternehmen
  • zur Erstellung von Informationsmaterial für die Branchen
  • zum Erstellen von Prüflisten zur Eigenkontrolle für die Betriebe
  • zu speziellen Schulungsmaßnahmen.

In Ausgabe 3/2001 (Mai/Juni) dieser Zeitschrift wurde über die Ergebnisse bereits informiert. Im Folgenden werden die Vorbereitung und Durchführung der Schulungsmaßnahmen erläutert.
Aufgrund der Anzahl der Betriebe sowie der Vielzahl und Schwere der Arbeitsunfälle konzentrieren sich die Aktivitäten zunächst auf die Betonsteinbranche.

negatives Beispiel ...  ... positives Beispiel
negatives Beispiel ... ... positives Beispiel




Vorbereitung der Pilotseminare

In der Seminarplanung wurde grundsätzlich zwischen Schulung von Führungskräften sowie dem Anlagenpersonal getrennt. Bei den Seminaren für das Anlagenpersonal liegt der Schwerpunkt im Bereich der Maschinenbedienung.
Bei den Seminaren für die Führungskräfte wird auf deren Verantwortung für die Prozesssicherheit näher eingegangen. Aufgrund der komplexen Anlagensteuerungen wurde die Einbeziehung der Maschinenhersteller in die Seminare als unbedingt notwendig erachtet. Für beide Zielgruppen wurde für das Erreichen des Lernerfolges von zweitägigen Seminaren ausgegangen. Grundlage des Seminarkonzeptes war die Analyse des gesamten Arbeitsunfallgeschehens in der Betonsteinbranche, insbesondere nach Tätigkeiten, Gefährdungen und verletzten Körperteilen. Die ermittelten Schwerpunkte
liegen in den Bereichen Störungsbeseitigung beim Brettumlauf, Sortierarbeitsplatz an der Senkleiter sowie im Bereich der Pakettierung und Umreifung. Die automatische Anlage wurde in der Gesamtheit, beginnend vom Kübeltransport des Betons bis zur Abnahme der fertigen Steine, betrachtet.
Dabei wurde die Anlage in elf Bereiche aufgegliedert. Alle weiteren Betrachtungen bezogen sich auf diese.
Für die Seminarvorbereitung wurden folgende Arbeitsmaterialien erstellt:
  • o Zusammenstellung von typischen Arbeitsunfällen. Diese Zusammenstellung beinhaltet Folien mit Darstellung von Unfallhergang und -ursache sowie, falls es zu ermitteln war, die Kosten der Unfälle.
  • o Videosequenzen - Es wurden typische Arbeiten und das Verhalten der Beschäftigten in den einzelnen Bereichen erfasst.
  • o Folien mit Darstellungen von positiven bzw. negativen Beispielen bei den technischen Lösungen.




Seminarthemen
  • Die Vorstellungsrunde ist eine wichtige Informationsquelle für die Referenten und Teilnehmer. Hier werden die Erfahrungen der Teilnehmer im Arbeitsprozess, insbesondere auch im Arbeitsschutz erläutert.
  • Darstellung der Präventionsangebote der StBG
  • Verantwortung. - Nach Erläuterung allgemeiner Grundsätze erfolgt eine Diskussion auf der Grundlage einer Gruppenarbeit. Die Führungskräfte werden intensiver mit diesem Thema vertraut gemacht.
  • Auswertung der Überprüfung von Fertigungsanlagen im Land Brandenburg
  • Erläuterung des Schutzkonzeptes für Betonsteinanlagen durch die Hersteller. Im Vordergrund stehen dabei die steuerungstechnischen Zusammenhänge.
  • Die Hersteller gehen von der allgemeinen Gefährdungsbeurteilung aus und stellen deren Umsetzung mit dem Anlagenkonzept dar.
  • Diskussion der Videosequenzen nach Störungs- und Unfallschwerpunkten. Die in der Vorstellungsrunde und im Verlauf des Seminars erarbeitete Reihenfolge der Schwerpunktarbeitsbereiche aus den Unternehmen der Teilnehmer werden nach Gewichtung abgearbeitet. Anhand der Videosequenzen erleben die Teilnehmer, wie in den Bereichen gearbeitet wird. Es werden die Ursachen für die positiven bzw. negativen Verhaltensweisen diskutiert. Schwerpunkt bildet die Diskussion der Gefährdungen und Belastungen besonders im Zusammenhang mit den Wirkmechanismen der sicherheitstechnischen Einrichtungen. Bei diesen Diskussionen ist sowohl die Kompetenz der BG als auch der Hersteller gefragt.
  • Erfolgskontrolle. Im Anschluss an das Seminar wird anhand eines Fragebogens eine schriftliche Befragung durchgeführt.




Durchführung der Pilotseminare

Für die Seminare wurden zwei namhafte Betonsteinhersteller gewonnen, mit deren Führungskräften bzw. Mitarbeitern je ein Seminar durchgeführt wurde. Im Bereich der Geschäftsstelle Berlin wurde das Seminar für Führungskräfte der Firmengruppe EHL mit dem Maschinenhersteller Schlosser/Pfeiffer durchgeführt. In der Sektion VI, Dresden, wurde das Seminar für Mitarbeiter der Firma Nüdling mit dem Maschinenhersteller OMAG bestritten. Insgesamt nahmen 42 Teilnehmer an den Veranstaltungen teil. Die Teilnehmer empfanden beide Seminare als sehr positiv. Besonders wurde von ihnen die Kombination der Problemdarstellung über kurze Statements und der Möglichkeit der allumfassenden Diskussion hervorgehoben. Gut gefielen die klare Aufdeckung von Gefahrenquellen, die Darstellung des neuesten Standes der Technik, die Diskussionen über spezielle Sicherheitsprobleme sowie die Darstellung der Verknüpfungen von Sicherheitseinrichtungen, insbesondere an Schnittstellen der Anlagentechnik.
Hierbei erwies sich die aktive Einbindung der Maschinenhersteller als notwendiger Seminarbestandteil. Die überwiegende Teilnehmerzahl schätzte den Nutzen der Seminare für ihre betriebliche Praxis als gut bzw. sehr gut ein.



Ausblick

Die durchgeführten Veranstaltungen zeigten, dass es notwendig ist, die Seminare über die Pilotphase hinaus
weiter fortzuführen. Die gesammelten Erfahrungen aus den beiden Pilotseminaren wurden zusammengetragen. Es erfolgt eine Optimierung der zeitlichen Ablaufplanung sowie eine Ergänzung der Seminarunterlagen.
Ab dem 1. Quartal 2003 werden die überarbeiteten Seminarunterlagen zur Verfügung stehen.
Von diesem Zeitpunkt an wird das Seminar deutschlandweit angeboten und kann von Interessenten über die
zuständige Sektion bzw. die Hauptverwaltung der StBG angefordert werden.
Im Jahre 2003 werden analog zur beschriebenen Verfahrensweise die Unterlagen für Seminare der Branche - Herstellung großflächiger Betonelemente - erarbeitet.

Karl-Heinz Hegenbart, StBG
Jürgen Pester, StBG



Pilotseminar beim Maschinenhersteller OMAG
Pilotseminar beim
Maschinenhersteller OMAG






Inhaltsverzeichnis Ausgabe 4/02 | Zurück zu unserer Homepage