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Krank im Ausland - muss das sein?

Die Auslandsaktivitäten deutscher Unternehmen steigen Jahr für Jahr rapide an. Doch gerade der beruflich Reisende ist gegenüber Erkrankungen, insbesondere gegenüber Infektionskrankheiten, stark gefährdet. Häufigste Krankheiten sind Durchfall- Erkrankungen, fieberhafte Infekte, infektiöse Gelbsucht, Malaria und Typhus. Auch hier gilt die altbekannte Weisheit: "Vorbeugen ist besser als heilen".
Nicht nur der Reisende, sondern auch der Unternehmer, der seine Mitarbeiter zu einem längeren Arbeitsaufenthalt ins Ausland sendet, muss bei bestimmten Ländern im Rahmen seiner Fürsorgepflicht einige Dinge im Vorfeld beachten.
Impfen ist dabei ein wichtiger Baustein zur Vermeidung von Erkrankungen, aber keinesfalls die alleinige Prophylaxe. Der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften hat seit langem den vielfältigen gesundheitlichen Gefährdungen und Belastungen bei beruflichem Einsatz im Ausland, insbesondere in den Tropen, Rechnung getragen und einen Baustein zur speziellen arbeitsmedizinischen Untersuchung der Betroffenen erarbeitet.
Rechtsgrundlage für diese gesetzliche Untersuchungspflicht ist die Unfallverhütungsvorschrift "Arbeitsmedizinische Vorsorge" (BGV A4). Als Untersuchungsgrundlage steht den ermächtigten Betriebsärzten der Berufsgenossenschaftliche Grundsatz G 35 "Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen und gesundheitlichen Belastungen" zur Verfügung.
Dem Unternehmer sollen Auswahlkriterien für die spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Grundsatz G 35 (BGI/ZH 1/600.35) die Festlegung des zu untersuchenden Personenkreises erleichtern.
Hier werden z. B. Tropen und Subtropen als Länder mit geographisch-klimatischen Besonderheiten genauer definiert, aber auch auf die Untersuchungspflicht bei Reisen in andere Länder mit ungünstigen klimatischen und vor allem auch unzureichenden hygienischen Bedingungen, wie wir sie z. B. in einigen südosteuropäischen und asiatischen Ländern vorfinden, hingewiesen. Letztendlich informieren Berufsgenossenschaftliche Informationen (BGI) insbesondere den Versicherten zu ausgewählten Krankheitsrisiken, wie z. B. das Malaria-Merkblatt (BGI 805).



Wie oft ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich?

Eine Erstuntersuchung ist grundsätzlich vor der Aufnahme der Tätigkeit am "Arbeitsplatz Ausland" durch den Unternehmer zu veranlassen. Nachuntersuchungsfristen sind für einen Intervall zwischen 24 und 36 Monaten festgelegt.
Grundsätzlich sollte eine weitere Nachuntersuchung, eine sogenannte Rückkehruntersuchung, nach Beendigung des Auslandseinsatzes innerhalb der nächsten acht Wochen erfolgen.
Kernstücke der ärztlichen Konsultation sind natürlich die klinische Untersuchung hinsichtlich der körperlichen Belastbarkeit und Blut-, Urin- und Stuhluntersuchungen, speziell auf die Gesundheitsrisiken des Einsatzlandes abgestimmt. Eine ganz wesentliche Bedeutung kommt der qualifizierten ärztlichen Beratung zu der zu erwartenden Gesundheitsgefährdung, zum Gesundheitsverhalten des Reisenden und dem notwendigen Impfschutz zu.



Wie sinnvoll ist eine Schutzimpfung?

Infektionskranheiten sind auch heute noch die Todesursache Nummer eins. Insgesamt sterben weltweit etwa 50 Millionen Menschen pro Jahr, davon immerhin ein Drittel an Infektionskrankheiten. Durch Impfungen können Millionen dieser Todesfälle vermieden werden.
Wie wirksam Impfschutz sein kann, zeigt sich beispielsweise daran, dass mittlerweile etwa 85 Prozent der möglichen Todesfälle durch Kinderlähmung verhindert werden.
Impfungen gehören zu den effektivsten und kostengünstigsten Maßnahmen der Prävention im Gesundheitswesen. Ein Schema für Standardimpfungen für Kinder wird von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-lnstitut Berlin (STIKA) vorgegeben. Gut verträgliche Impfstoffe, zum Teil als Kombinationsimpfstoffe mit bis zu sechs Einzelkomponenten, stehen zur Verfügung. Leider wird die Tuberkuloseschutzimpfung (BCG) von der Ständigen Impfkommission nicht mehr als Standardimpfung in Deutschland empfohlen.
Da die Tuberkulose auch heute noch im indischen Subkontinent und in Südostasien eine der häufigsten Infektionskrankheiten, einhergehend mit hoher Sterberate ist, kommt der ärztlichen Überprüfung der individuellen Abwehrkräfte (Tuberkulintest) und gegebenenfalls Schließen der Impflücke vor Reiseantritt bei diesem Krankheitsrisiko eine besondere Bedeutung zu.


Aufstellung der häufigsten Infektionskrankheiten
Aufstellung der häufigsten
Infektionskrankheiten





Regelmäßige Auffrischung ist wichtig

Grundsätzlich sollte jeder Erwachsene seinen Impfstatus jährlich überprüfen lassen bzw. mit Hilfe einer sorgfältig geführten Impfdokumentation (z. B. Impfausweis) selbst kontrollieren und auffrischen lassen. So werden z. B. Auffrischungsimpfungen zum Erhalten eines wirksamen Schutzes gegen Diphtherie oder Tetanus (Wundstarrkrampf) alle zehn Jahre erforderlich. Auf Länderebene bestehen auf der Basis der Impfempfehlung der STIKO Vereinbarungen zur Übernahme von Impfkosten, zum Teil werden also Kosten für notwendige Auffrischungsimpfungen von den verschiedenen Krankenkassen übernommen.
Bei erhöhter Gefährdung von Personen gibt es sogenannte Indikationsimpfungen im Zusammenhang mit spezifischen beruflichen Tätigkeiten wie z. B. die Hepatitis-B-lmpfung (ansteckende Gelbsucht), z. B. bei medizinischem Personal mit nachgewiesenem erhöhten Ansteckungsrisiko. Auch regionale Besonderheiten im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit können ausschlaggebend sein als Indikation für eine Schutzimpfung. Hierzu gehört z.B. die Impfung gegen Frühsommermeningitis (FSME) bei Forstarbeitern, die in sogenannten endemischen FSME-Gebieten im südlichen bayerischen Wald arbeiten.



Wer trägt die Verantwortung?

Die Verantwortung sowohl zur Realisierung der gesetzlich vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchung als auch Kostentragepflicht zur Gewährleistung des notwendigen Impfschutzes liegt beim Unternehmer. Nach § 21 Sozialgesetzbuch VII ist der Unternehmer generell für die Durchführung aller Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten und für die Verhütung von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sowie für eine wirksame Erste Hilfe verantwortlich. § 2 der Unfallverhütungsvorschrift BGV A 1 "Allgemeine Vorschriften" unterlegt diese Forderung: "Der Unternehmer hat... Anordnungen zu treffen, die ... den allgemein anerkannten sicherheitstechnischen und arbeitsmedizinischen Regeln entsprechen." Unterstützt und beraten wird er dabei vom zuständigen Unfallversicherungsträger und seinem Betriebsarzt. Das gleiche Fürsorgepflicht gilt selbstverständlich bei Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland zur Wahrnehmung beruflicher Aufgaben. Ergänzend wird auf Antrag des Unternehmers für die ins Ausland entsandten Personen versicherungsschutz gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten (Versicherungsfälle) gewährt, wenn diese Personen nicht bereits aufgrund des Sozialgesetzbuches oder des zwischen- oder überstaatlichen Rechts versichert sind. Einzelheiten dazu enthalten Berufsgenossenschaftliche "Richtlinien für die Auslandsunfallversicherung".
Sollte es dennoch zu einer Erkrankung im Ausland kommen, steht zur Dokumentation ein sogenannter Medikal-Report zur Verfügung, der vom behandelnden Arzt vor Ort auszufüllen ist, damit eine eventuell notwendige Weiterbehandlung am Heimatort unverzüglich erfolgen kann. Auf diesem Medikal-Report wird auch die Arbeitsunfähigkeit ärztlich bescheinigt. Einige bei einem Arbeitseinsatz im Ausland erworbenen Krankheiten können durchaus zu einer Berufskrankheit werden und eine Entschädigungspflicht nach sich ziehen.



Wie groß ist die Aids-Gefahr?

Bei der Aktualisierung des berufsgenossenschaftlichen Grundsatzes G 35 im Jahre 1990 wurde sehr sorgfältig geprüft, ob und in welcher Weise ein HIV- Antikörpertest Bestandteil des Untersuchungsprogramms sein sollte. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand über HIV-lnfektionen hat der Test u. a. Bedeutung für die Beratung des Versicherten im Hinblick auf die Risiken einer Schutzimpfung und mögliche Infektionen im Ausland. Hier ist man dem Votum des Nationalen Aids-Beirates gefolgt, wonach sich prinzipiell niemand einem HIV- Test zu unterziehen hat. Der Test kann aber durchaus nach individueller ärztlicher Entscheidung in begründeten Fällen einbezogen werden, wenn der Versicherte bzw. Patient entsprechend aufgeklärt worden ist und sich mit dem Test einverstanden erklärt. Deshalb, wenn Mitarbeiter zu längerem Arbeitsaufenthalt außerhalb Deutschlands entsendet werden sollen, beraten Sie sich rechtzeitig mit ihrem Betriebsarzt oder den beratenden Arbeitsmedizinern Ihrer Berufsgenossenschaft. Für Reisende stehen zahlreiche Informationsquellen jetzt auch im Internet zur Verfügung. Beispielhaft sei hier die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.bzga.de mit "Gesundheit! Tipps für unbeschwertes Reisen" genannt. Der einfachste Weg ist eine Konsultation des Hausarztes.

Dr. med. Sigrid Schmidt, StBG
Geschäftsstelle Berlin,


Info   Schutzimpfung: Was der Arzt tun muss
Der Arzt hat jede Impfung unverzüglich in einen Impfausweis beziehungsweise eine Impfbescheinigung einzutragen. Wie bei jedem anderen ärztlichen Eingriff muss vorher eine entsprechende Aufklärung erfolgen. Die ärztlichen Leistungen bei einer Impfung im Überblick:
  • Informationen über den Nutzen der Impfung und die zu verhütende Krankheit
  • Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen
  • Erhebung der Vorgeschichte und der Impfgeschichte einschließlich der Befragung über das Vorliegen möglicher Kontraindikationen
  • Feststellen der aktuellen Befindlichkeit zum Ausschluss akuter Erkrankungen
  • Empfehlungen über Verhaltensmaßnahmen im Anschluss an die Impfung
  • Aufklärung über Beginn und Dauer der Schutzwirkung
  • Hinweise für Auffrischimpfungen
  • Dokumentation der Impfung im Impfausweis oder Ausstellen einer Impfbescheinigung.




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