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Zerknall eines Silofahrzeuges

Eine Speditionsfirma lieferte mit Hilfe eines Silofahrzeuges am Unfalltag 24 t Zement an eine Transportbetonanlage. Nachdem der Fahrer des Fahrzeuges die Schlauchverbindung zwischen Fahrzeug- und stationärem Silo hergestellt und den Verdichter am Silozug eingeschaltet hatte, begann er mit dem pneumatischen Umfüllen des Zementes.
Als der Befüllvorgang der Mischanlagensilos bereits lief, begab sich der Fahrer in den nur wenige Meter entfernt gelegenen Steuerraum der Anlage, um die Liefermodalitäten mit dem Disponenten abzuklären. Kurz darauf vernahmen beide Personen einen dumpfen Knall. Verbunden mit einer intensiven Zementstaubwolke war das Fahrzeugsilo zerknallt.
Infolge des Zerknalls wurde der gesamte Siloinhalt im Umkreis von circa 50 m auf dem Gelände der Mischanlage verteilt und ein 1,5 m2 großes Blechteil aus der Silohaut über 50 m weit geschleudert. Dank glücklicher Umstände wurde jedoch niemand dabei verletzt.




Silofahrzeuge zerknallen häufiger

Ereignisse dieser Art sind gar nicht so selten, wie vermutet wird. Nach Auskunft der Hersteller findet an allen in Deutschland zugelassenen Silofahrzeugen immerhin alle drei bis vier Jahre ein Zerknall statt, davon in mehr als einem Fall mit tödlichen Folgen für im Umfeld beschäftigte Personen.
Im Allgemeinen wird ein Silofahrzeug über die Dauer von 15 bis 20 Jahren genutzt. Die Fahrzeugsilos zum Transport von Zement bestehen aus Aluminium mit einer Wandstärke von 5 mm. Mit Hilfe eines fahrzeugeigenen Verdichters, welcher maximal etwa 2,5 bar leistet, wird der zum pneumatischen Befüllen bzw. Entleeren erforderliche Betriebsdruck von 2 bar erzeugt. Die Silos unterliegen der Druckbehälterverordnung und müssen im Abstand von zwei Jahren einer äußeren und alle fünf Jahre einer inneren Prüfung durch einen Sachverständigen für Druckbehälter unterzogen werden. Vor ihrer Auslieferung durch den Hersteller werden die Silos mit 2,6 bar Wasserdruck geprüft.
Ein am Fahrzeugsilo installiertes Sicherheitsventil sorgt bei entsprechender Wartung dafür, dass der Betriebsdruck nicht überschritten wird.
Wie kann es nun trotz vorhandener Sicherheitseinrichtungen, Überdruckprüfung und Pflicht zur regelmäßigen Prüfung des Druckbehälters zu derartigen Ereignissen kommen? Häufige Ursachen dafür sind insbesondere:
  • Beschädigung des 5 mm dicken Aluminiumkörpers mit Verringerung der Wandstärke oder Kerbwirkung (z. B. häufig durch unbemerktes Ritzen oder Entlangschleifens eines spitzen Körpers beim Verfahren des Fahrzeuges,
  • unzulässige Beaufschlagung des Silos mit Fremdluft (zu hoher Druck),
  • die Prüfungen gemäß Druckbehälterverordnung werden nicht oder nicht regelmäßig durchgeführt (äußere und innere Prüfung) und
  • das Sicherheitsventil wird nicht regelmäßig geprüft bzw. kontrolliert (Anlüften des Ventils gemäß Herstellerangabe in der Regel einmal wöchentlich).



Genaue Ursache nicht ermittelbar

Im konkreten Fall konnte die genaue Ursache für den Silozerknall nicht ermittelt werden. Da der Betreiber den Siloanhänger unmittelbar nach dem Unfall plötzlich vom Unfallort entfernt und verschrottet hatte, war eine Untersuchung am Fahrzeug nicht mehr möglich. Die Speditionsfirma konnte jedoch keinerlei Prüfung des Silos gemäß Druckbehälterverordnung nachweisen. Ausgehend vom Ablauf des Geschehens ist daher anzunehmen, dass das Sicherheitsventil bei Überschreitung des zulässigen Betriebsdruckes von 2 bar versagte und die entstehende unzulässige Druckerhöhung in Verbindung mit einer Vorschädigung der Aluminiumhülle das Silo zerbersten ließ.


Dipl.-Ing. Jürgen Pester, StBG Sektion VI, Dresden
Tel. 03 51 / 2 54 72 24



Das zerknallte Fahrzeugsilo
Das zerknallte Fahrzeugsilo


Der fahrzeugeigene Verdichter des Unfall-Lkw
Der fahrzeugeigene Verdichter des Unfall-Lkw


Sicherheitsventil am Fahrzeugsilo
Sicherheitsventil am Fahrzeugsilo


Das Zerknallen eines Silofahrzeuges ist nicht so selten, wie man vermutet
Das Zerknallen eines Silofahrzeuges ist nicht
so selten, wie man vermutet





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