www.steine-und-erden.net > 2001 > Ausgabe 4/01 > Dem Umweltschutz verpflichtet

[Die Industrie der Steine + Erden]






Dem Umweltschutz verpflichtet

Auf großes Interesse stieß das 2. Readymix Umweltforum Rüdersdorf, das am 12. Juni 2001 in Rüdersdorf stattfand. Unter dem Motto „Dem Schutz der Umwelt verpflichtet - Sekundärstoffeinsatz in der Zementindustrie“ nutzten über 100 Interessierte aus Politik und Wirtschaft sowie Medienvertreter die Gelegenheit, sich über neueste Ergebnisse und aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet des Sekundärstoffeinsatzes in der deutschen Zementindustrie und im Speziellen im Zementwerk Rüdersdorf zu informieren.
Die Ausschöpfung der Möglichkeiten zur Ressourcenschonung durch die Nutzung von Sekundärstoffen ist ein Schwerpunkt der Umweltpolitik der Readymix-Baustoffgruppe. Wegen der allgemeinen Bedeutung des Sekundärstoffeinsatzes innerhalb der Zementindustrie und der diesbezüglichen aktuellen gesetzlichen Entwicklungen wurde dieses Thema zum diesjährigen Veranstaltungsschwerpunkt gewählt.
Im Rahmen der Eröffnung der Tagung wies Rüdiger Wirthwein, Geschäftsführer bei Rüdersdorfer Zement, darauf hin, dass das Werk Rüdersdorf das erste Zementwerk mit Öko-Audit sei.
Im Mittelpunkt des Vormittags standen die Referate von Prof. Dr. Albrecht Wolter, Technische Universität Clausthal, und Dr. Martin Oerter, Abteilungsleiter Umweltmesstechnik beim Verein Deutscher Zementwerke e. V., Düsseldorf.



Parallele Einspeisung von Tiermehl am Hauptbrenner (schwarze Schlauchleitung)
Parallele Einspeisung von Tiermehl
am Hauptbrenner (schwarze Schlauchleitung)




Modernes Brennverfahren

Prof. Wolter verwies in seinem Vortrag zum Thema „Technische Voraussetzungen für den Sekundärstoffeinsatz in der Zementindustrie“ auf die sehr guten prozessgegebenen Voraussetzungen und die oberste Priorität der Produktqualität. Allgemein gilt, dass sich für das Brennen von Zement während der vergangenen 20 Jahre weltweit eine Technologie durchgesetzt hat, die durch folgende Verfahrensschritte gekennzeichnet ist:
  • Bereitstellung eines fein aufbereiteten und homogenisierten Rohmehls mit mindestens 75 Prozent Kalksteingehalt (CaC03),
  • Vorwärmung des Mehls mit den heißen Ofenabgasen in einem Zyklonvorwärmer (4-, 5- oder 6-stufig),
  • Calcination des Rohmehls in einer ersten Brennstufe ohne bewegliche Teile bei 830 bis 900 °C;
  • Sinterung des Zementklinkers in einem Drehrohrofen als zweite Brennstufe bei circa 1.450 °C,
  • Kühlung des Klinkers mit gleichzeitiger Vorwärmung der Verbrennungsluft auf circa 900 °C in einem Rostkühler.

Zum Thema „Anforderungen an die umweltverträgliche Verwertung von Sekundärstoffen in der Zementindustrie“ referierte Dr. Martin Oerter. Er verdeutlichte die wegen seiner verfahrenstechnischen Besonderheiten sehr gute Eignung des Klinkerbrennprozesses zur energetischen und stofflichen Verwertung von Abfällen. Auswahl und Überwachung der einzusetzenden Abfälle unterliegen dabei strengen Kriterien. Monofraktionen, wie beispielsweise Altreifen, oder produktionsspezifische Abfälle mit definierten Herkunftsbereichen können hinsichtlich ihrer Spurenelementgehalte über Deklarationsanalysen sehr gut beschrieben werden. Gemischt anfallende Abfallfraktionen müssen vor einem Einsatz im Zementwerk aufbereitet werden. Ziel der Aufbereitung ist ein Brennstoff, der bestimmte, hinsichtlich der verfahrenstechnischen und umweltrelevanten Anforderungen definierte Gütekriterien sicher einhält. Unlängst in Kraft getretene neue Verordnungen sowie die bevorstehenden Anpassungen nationaler Richtlinien an europäische Vorgaben in den nächsten Jahren stellen erweiterte Anforderungen an eine qualifizierte Güteüberwachung.



Nutzung von Sekundärrohstoffen

Peter Scur, Abteilungsleiter Verfahrenstechnik, Umweltschutz und Arbeitssicherheit der Rüdersdorfer Zement GmbH, berichtete von den Entwicklungen zur Nutzung von Sekundärstoffen im Zementwerk Rüdersdorf. Durch das große Engagement aller Beteiligten sowie ein umfangreiches Investitionsprogramm, in welchem der Umweltschutz einen hohen Stellenwert hatte, wurde das Zementwerk Rüdersdorf innerhalb von wenigen Jahren zu einem modernen, umweltorientierten Unternehmen umgebaut. Die bekannten und heute weltweit im breiten Maßstab praktizierten Möglichkeiten zur Nutzung von Sekundärstoffen im Zementherstellungsprozess wurden in Rüdersdorf durch einen innovativen Schritt erweitert – der Ofenanlage wurde erstmals eine zirkulierende WirbeIschicht vorgeschaltet. Hier werden Sekundärstoffe durch einen Vergasungsprozess in ihre brennbaren und mineralischen Bestandteile zerlegt und diese dann in Form eines Schwachgases als Brennstoff und in Form einer ausgebrannten Asche als Rohstoffkomponente an der jeweils optimalen Stelle dem Ofen zugeführt. Die Palette der einsetzbaren Stoffe konnte dadurch erheblich erweitert werden. Im Jahre 2000 wurden im Zementwerk Rüdersdorf insgesamt folgende Sekundärstoffmengen eingesetzt:
  • Sekundärbrennstoffe 110.000 t
  • Aschen und andere mineralische Reststoffe 220.000 t

Der Nachweis der Umweltverträglichkeit des Produktionsprozesses und des Produktes ist wichtige Voraussetzung für den Einsatz der konkreten Sekundärstoffe. Umfangreiche Emissionsmessungen, Bewertungen der Auswirkungen auf die Nachbarschaft des Betriebes sowie Untersuchungen der Stoffe in einem eigens dafür eingerichteten Umweltlabor geben die Sicherheit.
Die Vorteile der zirkulierenden Wirbelschicht liegen in der exakten Dosierbarkeit von Leichtgas und Asche (mineralische Rohstoffe), wodurch die Qualität des Produktes ansteigt. Letztlich habe die Einführung dieses Verfahrens auch zur Einführung des Umweltmanagementsystems geführt. Eine neue Herausforderung liege im Einsatz von geschreddertem Geld aufgrund der EURO-Umstellung, sagte Scur augenzwinkernd. Zur Zeit liege Rüdersdorf bei circa 40 Prozent Sekundärbrennstoffen – Ziel sei es, mehr als 50 Prozent zu erreichen.
Im Rahmen einer Werksbesichtigung konnten sich die Teilnehmer von den Ergebnissen der kontinuierlichen Umweltpolitik der Rüdersdorfer Zement GmbH überzeugen. Dabei wurde auch der Einsatz von Tiermehlen in einer soeben fertiggestellten Anlage erläutert. Das Tiermehl wird im geschlossenen System verwertet. Nach der Anlieferung mit Silozügen wird es im Silo gelagert und von dort aus pneumatisch an mehreren Stellen dem Brennprozess zugegeben.
Das Diskussions-Forum am Nachmittag wurde durch Kurz-Statements von Dr. Mathias Schubert, Mitglied des Bundestages, Richard Bolwerk, Bezirksregierung Münster, und Dr. Joachim Lohse, Ökopol Institut für Ökologie und Politik GmbH, Hamburg, zum Veranstaltungsthema und den Vorträgen des Vormittags eröffnet.
Die Moderation übernahm Andreas Oberholz, Vorsitzender des Arbeitskreises Umweltpresse.


Im Werk Rüdersdorf werden durch die Nutzung von Sekundärstoffen im Zementherstellungsprozess natürliche
Rohstoffreserven geschont und Deponieraum entlastet
Im Werk Rüdersdorf werden durch die Nutzung von
Sekundärstoffen im Zementherstellungsprozess natürliche
Rohstoffreserven geschont und Deponieraum entlastet






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