www.steine-und-erden.net > 2001 > Ausgabe 4/01 > „SiGe-Plan“ - das Grundgesetz der Großbaustelle Lengerich

[Die Industrie der Steine + Erden]






„SiGe-Plan“ - das Grundgesetz der Großbaustelle Lengerich

Im westfälischen Lengerich errichtet die Dyckerhoff Zement GmbH eine komplett neue Produktionslinie zur Zementklinkerherstellung. Mit einem Investitionsvolumen von 240 Millionen DM wird die neue „Drehofenlinie 8“ eine Kapazität von 3700 Tonnen Klinker pro Tag erreichen. Die Großbaustelle erfordert ein umfassendes Baustellenmanagement unter dem Blickwinkel des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Dieser „SiGe-Plan“ ist notwendig zur Umsetzung der „Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen“ (Baustellenverordnung – Baustell-V) vom 10. Juni 1998.



Ansicht der Baustelle Drehofenlinie 8 im Werk Lengerich
Ansicht der Baustelle
Drehofenlinie 8 im Werk Lengerich


Die wesentlichen Ziele der umfangreichen Baumaßnahme in Lengerich sind:
  • Ersatz der drei vorhandenen Lepol-Ofenanlagen,
  • Reduzierung des Energieverbrauchs um mehr als 16 Prozent bei gleicher Produktionskapazität,
  • Reduzierung der Abgasmenge um mehr als 25 Prozent und
  • Sicherung des Standortes und der Produktqualität.

Die in kompakter Bauweise an das bestehende Zementwerk angegliederte Anlage der Drehofenlinie 8 wird aus folgenden Haupt-Bauwerken bestehen:

  1. die Schottersiloanlage und Zuschlagstoff-Lagerhalle zur Lagerung und Vordosierung der Rohstoffe,
  2. das Rohmehlsilo für 10.000 Tonnen Rohmehl,
  3. das Rohmühlengebäude mit einer Wälzmühle und der aufgesetzten elektrischen Gasreinigungsanlage,
  4. der sechsstufige Wärmetauscherturm mit nachgeschaltetem Kalcinator mit einer Bauhöhe von 113 m,
  5. der Drehofen mit einer Länge von 58 m bei einem Durchmesser von 4,6 m,
  6. der Pendelrostkühler zum Kühlen des gebrannten Klinkers sowie
  7. die beiden Klinkersilos mit einer Kapazität für 48.000 Tonnen Klinker.

Schnittstellen zum bestehenden Zementwerk sind eingangsseitig die Brechanlage des Steinbruchs und ausgangsseitig die Zementmahlanlagen und Packerei.
Zum „Tag der offenen Tür“ Ende Oktober soll die Anlage bereits Zementklinker produzieren. Zur Zeit (Juli 2001) sind die rein baulichen Maßnahmen weitgehend abgeschlossen, es werden mehr die anlagenspezifischen, verfahrenstechnischen Montagearbeiten ausgeführt. Ein guter Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen über die Erfahrungen mit dem detailgenauen Baustellenmanagement, das vor Beginn der Bauarbeiten aufgestellt wurde.



SiGe-Koordinatoren gesetzlich vorgeschrieben

Die SiGe-Regelungen der Baustell-V tragen der Tatsache Rechnung, dass auf größeren Baustellen mit gleichzeitigem Einsatz mehrerer Bauunternehmen die Organisation des Arbeitsschutzes oft problematisch ist. Einzelfirmen fühlen sich in erster Linie für ihre eigenen Mitarbeiter verantwortlich, eine gegenseitige Gefährdung wird oft nicht erkannt oder beachtet. Die Baustellenverordnung fordert daher den Einsatz geeigneter Koordinatoren, die sich schon in der Vorbereitung der Baumaßnahme um eine sichere Baustellenorganisation bemühen. Eine Neuerung besteht darin, dass die Baustell-V diese Pflicht zur Bestellung eines Koordinators ausdrücklich dem Bauherrn überträgt.
Die Verordnung enthält keine konkreten Forderungen zur Qualifikation des Koordinators, sondern beschränkt sich auf den Begriff „geeignet“. Verschiedene Interpretationen verlangen vom Koordinator neben arbeitsschutzfachlichen Kenntnissen insbesondere eine baufachliche Berufsausbildung und -erfahrung. Für die speziellen Eigenarten der Baustelle Lengerich wurde seitens des Bauherrn ein anderer Weg gewählt: Als Koordinator wurde Dipl.-Ing. Rolf Nowak bestellt, der als Leiter der Instandhaltung des bestehenden und des zukünftigen Werks und gleichzeitig als Fachkraft für Arbeitssicherheit eingesetzt ist. Zur Unterstützung im Tagesgeschäft auf der Baustelle wurde Dipl.-Ing. Michaela Gendries eingestellt, die als Diplom-Sicherheitsingenieurin Fachkenntnis in allen Bereichen des Arbeitsschutzes besitzt.
Auf dieser Baustelle, wo außer den baufachlichen Grundbau- und Betonierarbeiten mehrheitlich Montagearbeiten der großtechnischen Industrieanlage durchgeführt werden, hat sich diese Kombination auch im Hinblick auf den späteren Betrieb der Anlage bestens bewährt. Die gleichzeitige Beschäftigung von bis zu 370 Personen verschiedener Gewerke, in deren unmittelbarer Nachbarschaft das bestehende Zementwerk den Produktionsbetrieb weiterführen muss, ergab besondere Aufgabenschwerpunkte. Beispiele aus dem gemeinsam erarbeiteten „Sicherheits- und Gesundheitsschutzbericht“ verdeutlichen, dass die Grundforderungen der Baustell-V vorbildlich und in praktikabler Weise umgesetzt wurden.


Montage des Drehofens
Montage des Drehofens




Sicherheits- und Gesundheitsschutzbericht

Die Abwicklung von Anlagenbauprojekten ist eine außerordentlich komplexe und komplizierte Aufgabe. Sie ist unter anderem durch zahlreiche Schnittstellen, durch ständiges Ringen um Qualität sowie durch Interessenvielfalt und Kooperation vieler Unternehmen und Personen gekennzeichnet. Die Risiken bezüglich Kosten, Terminen, Technik, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind erheblich.
Neben die eigentliche Planung und Ausführung der verschiedenen Baugewerke in Beton- und Stahlbauweise mit deren Maschinen- und Anlagenequipments sowie elektronischen Verkabelungen gehört auch eine der Baustelle angepasste Infrastruktur.
So standen weit vor dem eigentlichen Beginn der Baumaßnahmen im Februar 1999 die vorbereitenden Maßnahmen. Parallel in diesem Zusammenhang wurde eine Baustellenordnung erarbeitet, die de facto das Grundgesetz der Baustelle darstellt. In der Baustellenordnung werden die wichtigsten sicherheitstechnischen und organisatorisch-technischen Regeln auf der Baustelle zusammengestellt. Außerdem erhält sie neben vielen allgemein gültigen Regeln auch zahlreiche projekt- und baustellenspezifische Informationen und Festlegungen.
Diese wurde vor Baubeginn in dem vom Gesetzgeber geforderten Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan integriert. Die von den Bau-Berufsgenossenschaften erlassenen Vorschriften und Regelwerke flossen ebenfalls baustellenbezogen in den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan ein. Der so komplettierte Ordner „Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan“, im Weiteren kurz „SiGe-Plan“ genannt, wird jedem Auftragnehmer vor Aufnahme der Arbeiten erläutert und zur Verfügung gestellt.
Im § 2 Absatz 2 der Baustellenverordnung wird vorgegeben, dass für Bauvorhaben die voraussichtlich fünfhundert Personentage überschreiten, eine Vorankündigung an das Staatliche Amt für Arbeitsschutz zu übermitteln ist. Die Vorankündigung für die Drehofenlinie 8 ist am 16. August 1999 verschickt worden.
Im August 1999 wurden Dipl.-Ing. Michaela Gendries und Dipl.-Ing. Rolf Nowak zum Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator ausgebildet. Hauptschwerpunkte der Ausbildung und der anschließenden Tätigkeit sind wie folgt definiert:
Während der Planung und Ausführung des Bauvorhabens hat der Koordinator für folgende Punkte Sorge zu tragen:
  • die Einhaltung der allgemeinen Grundsätze nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes,
  • die Beachtung der anzuwendenden Arbeitsschutzbestimmungen,
  • die Ausarbeitung des Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes und dessen Anpassung im Zuge des Baufortschrittes,
  • die Organisation und Zusammenarbeit und
  • die Überwachung der ordnungsgemäßen Anwendung der Arbeitsverfahren durch die Auftragnehmer.

Der SiGe-Plan muss bei der Ausführung des Bauvorhabens dem Arbeitsfortschritt und den eingetretenen Änderungen angepasst werden. Im SiGe-Plan-Ordner der Dyckerhoff Zement GmbH sind enthalten:

  • Vorankündigung (zur Information)
  • Baustellenordnung
  • Baustellenbrandschutzordnung
  • Fahrordnung
  • Baustelleneinrichtungsplan
  • Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan
  • Bauzeitenplan (zur Information)
  • Meldebögen
  • Formulare
  • Sonstiges, z. B. Betriebsanweisungen.

Die in der Baustellenverordnung in der Anlage 1 beschriebene Vorankündigung mit folgenden Angaben: Name und Anschrift des Bauherrn, Bezeichnung und Ort der Baustelle, Art des Bauvorhabens, Koordinatoren, voraussichtlicher Beginn und Ende der Arbeiten und andere, wurde dem SiGe-Plan-Ordner zur Allgemeininformation beigelegt.
Baustellenordnung
In der Baustellenordnung werden die wichtigsten sicherheitstechnischen und organisatorisch-technischen Regelungen auf der Baustelle zusammengestellt. Sie enthält neben vielen allgemeingültigen Regelungen auch zahlreiche projekt- und baustellenspezifische Informationen und Festlegungen. Mit Stand vom 14. Mai 1999 wurde die Baustellenordnung verabschiedet und in den SiGe-Plan-Ordner integriert.


Inhalt:

  1. Allgemeine Angaben
  2. Arbeitssicherheit
  3. Baustellenmanagement des Auftragnehmers
  4. Baubesprechungen
  5. Betriebsmittel
  6. Ordnung auf der Baustelle
  7. Versicherungen
  8. Verzeichnis der Anlagen

Inhaltlich einige Auszüge aus der Baustellenordnung:
Im „Allgemeinen Teil“ werden Angaben zum Projekt, Definitionen, Gültigkeitsbereich, Ansprechpartner des Auftraggebers und Notrufkontakte dargestellt.
Im Abschnitt „Arbeitssicherheit“ wird darauf verwiesen, dass die einschlägigen Sicherheitsbestimmungen nach UVV einzuhalten sind, wobei insbesondere die UVVen/BG-Vorschriften der StBG und die Unfallverhütungsvorschriften (UVVen) der jeweiligen Fremdfirmen anzuwenden sind.
Darüber hinaus sind besondere Sicherheitshinweise des Auftraggebers beschrieben, wie zum Beispiel:
Der Auftragnehmer ist verpflichtet, seine Beschäftigten vor Arbeitsaufnahme mit den UVVen/BG-Vorschriften und sonstigen Sicherheitsbestimmungen vertraut zu machen. Dazu findet durch den Auftraggeber (Koordinator) eine Erstunterweisung statt. Hierzu einige Beispiele:

  • die eigenmächtige Benutzung betrieblicher Einrichtungen der Dyckerhoff Zement GmbH insbesondere von Maschinen, Fahrzeugen, Hebezeugen, Krananlagen oder elektrischen Anlagen ist nicht gestattet.
  • in und an Kohlenstaubanlagen ist für Schweiß- und Schneidarbeiten eine schriftliche Schweißerlaubnis einzuholen.
  • über Produktionsplätzen, die mit Arbeitskräften besetzt sind, darf nur mit Genehmigung des zuständigen Instandhaltungsbetriebes und nach vorheriger Übereinkunft mit der Leitung des betreffenden Produktionsbetriebes gearbeitet werden.

Zudem sind unter Punkt 2 „Arbeitssicherheit geregelt:

  • die Erstunterweisungen
  • das Weisungsrecht durch den Auftraggeber und
  • letztlich das Kapitel „Alkoholverbot“.


Produktionsschema der Zementklinkerherstellung auf der neuen Drehofenlinie 8
Produktionsschema der Zementklinkerherstellung auf der neuen Drehofenlinie 8


Beim „Baustellenmanagement“ des Auftragnehmers sind Fachbauleiter bzw. Richtmeister, die Sicherheitsbeauftragten und die Ersthelfer zu benennen, auch wird der Einsatz von Fahrzeugen, die Nutzung der Lagerplätze, Einrichtung der Baustelle, Anlieferungen, innerbetrieblicher Transport, Montageanweisungen, Einsatz von Mobilkran und Gabelstaplern sowie Mitteilungen über Wareneingänge an den Auftraggeber geregelt.
Unter dem Abschnitt „Betriebsmittel“ sind organisatorische Dinge wie Telefonanschluss, Telefonanlagen, Bereitstellung von Energie sowie Wasserver- und -entsorgung festgehalten.
Im Abschnitt „Ordnung auf der Baustelle“ wird der Aufenthalt auf dem Werksgelände, die Besucherregelung, Arbeitszeiten, Umweltschutz, sanitäre Einrichtungen, Wohncontainer, Reststoffentsorgung sowie Pkw-Benutzung und letztendlich auf bestehende Versicherungen hingewiesen.
Der Baustellenordnung sind folgende Anlagen beigefügt:

  • Verzeichnis der Ansprechpartner
  • Lageplätze für Ausrüstungen und Materialien
  • Fahrwege auf dem Baustellengelände, Anfahrtswege zum Baustellengelände, Telefonverzeichnis des Werkes Lengerich.

Die Baustellenordnung wurde und wird jedem Auftragnehmer mit der Vergabe des Auftrages zugestellt oder übergeben. Zusammen mit der Baustellenordnung werden zwei Erklärungen mitgeliefert oder übergeben, die vom Auftragnehmer zu unterzeichnen und zurückzusenden sind.
Hier muss der Auftragnehmer sowohl die Baustellenordnung als auch den Koordinator nach § 6 Absatz 1 der Unfallverhütungsvorschriften/BGV A1 anerkennen.

Aushang über die Arbeitssicherheitsvorschriften Aushang über die Arbeitssicherheitsvorschriften
Mit Klick auf die Vorschau erhalten Sie
eine vergrößerte Darstellung (109 KB)



Baustellenbrandschutzordnung

Im Arbeitsschutzgesetz wird im § 10 „Erste Hilfe und sonstige Notfallmaßnahmen“ gefordert, dass Maßnahmen zur ersten Hilfe, Brandbekämpfung und Evakuierung der Beschäftigen geregelt sind. So wurde eine Brandschutzordnung gemäß DIN 14096 erarbeitet, die sich wie folgt gliedert:

Teil A
Der Aushang zur Brandschutzordnung richtet sich an alle Personen, die sich in einer baulichen Anlage aufhalten. Dort wird das Verhalten im Brandfall erläutert. So ist ein Brand an den zentralen Leitstand unter der Rufnummer 333 zu melden. Gefährdete Personen sind zu warnen und Hilflose mitzunehmen. Zudem sind Löschversuche zu unternehmen.

Teil B
Im Teil B werden ausführlich die vorbeugenden Brandverhütungsmaßnahmen, die Flucht- und Rettungswege, die Melde- und Löscheinrichtungen, das Verhalten im Brandfall, die Brandmeldung, das Alarmsignal, Anweisungen für Löschversuche und besondere Regeln beschrieben.

Teil C
Teil C enthält den Alarmplan. Dort ist personenbezogen definiert, welche Ansprechpartner bei welchem Ereignis zu informieren sind.
Die Anlage 1 zur Brandschutzordnung enthält eine Zeichnung, in der die Notrufmeldeeinrichtungen, der Sanitätsraum und der Sammelplatz gekennzeichnet sind.

Aushang über die Arbeitssicherheitsvorschriften Aushang zur Brandverhütung
Mit Klick auf die Vorschau erhalten Sie
eine vergrößerte Darstellung (109 KB)




Fahrordnung

In den Unfallverhütungsvorschriften „Bauarbeiten“ BGV C 22 (bisher VBG 37) ist im § 15 a „Baustellenverkehr“ vorgeschrieben, dass Fahrordnungen aufzustellen und Verkehrswege festzulegen sind.
Die Fahrordnung gliedert sich in neun Unterpunkte:
  1. Gültigkeitsbereich
  2. Grundregeln
  3. Vorfahrtsregelung
  4. Wenden und Rückwärtsfahren
  5. Lieferverkehr
  6. Informationspflicht
  7. Unfall
  8. Zustand der Fahrzeuge
  9. Sicherheitsabstände

Weiterhin sind folgende Anlagen der Fahrordnung beigefügt:
Anfahrtsskizze, Zeichnungen der Verkehrswege, eine allgemeine Kurzinformation für alle Mitarbeiter „nur sichere Arbeit ist gute Arbeit“ und die Bedingungen von Fremdfahrzeugen auf dem Betriebsgelände .


Baustelleneinrichtungsplan
Zur besseren Orientierung und Koordinierung neuer Auftragnehmer ist ein Baustelleneinrichtungsplan mit den Montage- und Lagerplätzen im Ordner „Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan“ enthalten.



SiGe-Plan bei Dyckerhoff

Im Ordner SiGe-Plan ist eine Tabelle enthalten, die den eigentlichen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan wiedergibt.
Der SiGe-Plan Drehofenlinie 8 weist eine Besonderheit auf: Es gibt nur einen SiGe-Plan für 24 neu zu erstellende Bauwerke. Daher gliedert sich die Tabelle (siehe nächste Seite) in drei Spaltenbereiche.


1. Spaltenbereich

  • Gewerk,
  • gegenseitige Gefährdung,
  • Maßnahmen,
  • Koordination,
  • Regelwerk Bausteine (GM),
  • gesetzliche und berufsgenossenschaftliche Bestimmungen,
  • Verantwortlichkeiten,
  • Bemerkungen


2. Spaltenbereich
Den Betriebseinheiten zugeordnete Bauwerke und Auftragnehmer.


3. Spaltenbereich
Bauablauf-Terminplan



Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan
Sicherheits- und
Gesundheitsschutzplan



Durch diese geteilte Gliederung kann zu jedem Gewerk und zu jedem Bauwerk jedem Auftragnehmer ein Termin beziehungsweise eine mögliche Gefahr zugeordnet werden.
Der waagerechte Teil des SiGe-Plans untergliedert folgende Gewerke: Baustellenorganisation mit ihren Gefährdungen, Baustellenvorbereitung, Baustelleneinrichtung und Verkehrswege, Einsatz von Baugeräten, Fahrzeugen, Autokranen, Gabelstaplern, Arbeitsbühnen, Maschinen und Handwerkszeugen, die Gefährdungen bei Kranarbeiten, Erdarbeiten, Beton- und Stahlarbeiten sowie Montagearbeiten, Maurerarbeiten, Dachfassade und Klempnerarbeiten.
Bauzeitenplan
Zur allgemeinen Information für die Auftragnehmer ist ein grober Bauzeitenplan abgedruckt.
Meldebogen
Im Arbeitsschutzgesetz wird in § 8 „Zusammenarbeit mehrerer Arbeitgeber“ gefordert, dass diese bei der Durchführung der Sicherheits- und Gesundheitsschutzbestimmungen zusammenarbeiten. Um diese Zusammenarbeit zu organisieren, müssen die richtigen Ansprechpartner bekannt sein. Daher hat jedes Unternehmen, das auf der Baustelle „Drehofenlinie 8“ tätig wird, Angaben zu seinem eigenem Unternehmen zu machen. Unter anderem sind dieses:

  • Adresse
  • durchschnittliche Beschäftigtenzahl
  • Ansprechpartner vor Ort
  • Verantwortlicher für den Arbeitsschutz für das Bauvorhaben
  • Sicherheitsbeauftragter vor Ort
  • Ersthelfer vor Ort
  • arbeitsmedizinische Betreuung
  • zuständige Berufsgenossenschaft
  • zuständige technische Aufsichtsperson
  • zuständige Arbeitsschutzbehörde.

Das gleiche gilt für den Einsatz von Subunternehmen.
Im zweiten Teil der Meldebögen ist der Unfall- und Schadensmeldebogen aufgeführt. Dort hat jedes Unternehmen, das einen Unfall oder Schaden verursacht oder erleidet, einen Bericht an den Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator zu übermitteln.


Formulare
Folgende Formulare sind unter diesem Kapitel zu finden:

  • Bestätigung der Teilnahme an einer Sicherheitsunterweisung
  • Gemäß § 10 Arbeitsschutzgesetz „Erste Hilfe und sonstige Notfallmaßnahmen“. Dort wird gefordert, dass Geräte und Pläne zur ersten Hilfe, Brandbekämpfung und Evakuierung der Beschäftigten vorgehalten werden. Das Formular „Heute auf der Baustelle Dyckerhoff Zement GmbH“ dient dem Auftragnehmer dazu, eine tägliche Meldung abzugeben, welche Mitarbeiter auf der Baustelle arbeiten, damit im Gefahrenfall bekannt ist, wie viele Personen gegebenenfalls gerettet werden müssen.
  • Gem. § 8 Arbeitsschutzgesetz ist die „Zusammenarbeit mehrerer Arbeitgeber“ zu koordinieren. Daher ist das Informationsblatt „Zusammenarbeit mehrerer Auftragnehmer“ und das dazugehörige Formblatt „Abstimmungsgespräch“ ins Leben gerufen worden, damit die Abstimmungsgespräche, die untereinander zwischen den Baufirmen stattfinden, protokolliert werden können.
  • Seit langem ist der „Erlaubnisschein für Arbeiten in brand- und explosionsgefährdeten Bereichen“ Bestandteil der vorbeugenden Gefahrenabwehr im Werk Lengerich. Dieser wird verwendet, wenn in Bereichen der Braunkohlenstaubanlagen feuergefährliche Arbeiten durchgeführt werden müssen.
  • Von den Fachkräften Elektrotechnik im Werk Lengerich ist die „Bestätigung elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ erstellt worden. Damit bestätigt der Auftragnehmer, dass er nur Betriebsmittel und elektrische Anlagen auf der Baustelle verwendet, die der BGV A2 / VBG 4 entsprechen.


Sonstiges
Hier wird im Allgemeinen noch einmal auf die erste Hilfe hingewiesen sowie auf den berufsgenossenschaftlich zugelassenen Durchgangsarzt und das berufsgenossenschaftlich zugelassene Krankenhaus genannt.
Dazu gehört ein Merkblatt zum Verhalten bei Unfall, in welchem auch die Telefonnummer für die Anforderung des Rettungswagens steht. Zudem sind dort die Ersthelfer und Betriebssanitäter des Auftraggebers genannt .
Ferner ist die bei Dyckerhoff erarbeitete Betriebsanweisung gemäß § 34 BGV
D 6 (bisher UVV 9) „Turmdrehkrane“ enthalten. Diese Betriebsanweisung regelt die Zusammenarbeit von Turmdrehkranen und Mobilkranen. Dort wird unter anderem gefordert, dass alle Kranführer untereinander mit einer Notfunkfrequenz erreichbar sein müssen. Dafür wurden im Anhang die gesamten Fundfrequenzen genannt, die im Werk Dyckerhoff und auf den Kranen benutzt werden.
Der Ordner „SiGe-Plan“ wird an die Bau- oder Montageleiter, die unmittelbar an dem Projekt Drehofenlinie 8 tätig werden, übergeben und mit einer Erklärung zur Anerkennung des Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes quittiert.
Innerhalb eines Jahres nach Übermittlung der Vorankündigung am 16. August 1999 wurden 28 Ordner „Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan“ an die Montage- bzw. Bauleiter verteilt. Weitere siebzehn Ordner haben alle Betriebsleiter und Werksangehörigen, die an der Planung oder Überwachung der Drehofenlinie 8 mitwirken, erhalten.



Unterweisung

In der Baustellenordnung wird eine Erstunterweisung durch den Auftraggeber gefordert. Vor Arbeitsbeginn erhalten alle Mitarbeiter des Auftragnehmers mit Führungsverantwortung einmalig eine Erstunterweisung zur Arbeitssicherheit, zum Verhalten auf der Baustelle und auf dem Werkgelände durch den Auftraggeber erhalten. So werden mit Beginn der Baustelleneinrichtung eines neuen Unternehmens der jeweilige Bau- und Montageleiter zur Sicherheits- und Gesundheitsschutzunterweisung gebeten.
Diese einstündige Unterweisung behandelt die Themen: Baustellenordnung, Baustellenbrandschutzordnung, Fahrordnung, Meldebögen, Formulare und erste Hilfe aus dem Ordner „Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan“. Die Teilnehmer der Unterweisung haben mit ihrer Unterschrift zu quittieren, dass sie an der Unterweisung teilgenommen haben.
Somit wurden in einem Jahr nach Übermittlung der Vorankündigung 121 Personen von 28 Firmen in 45 Unterweisungen in den SiGe-Plan eingewiesen.
Zuzüglich zur Erstunterweisung wurden weitere Unterweisungen durchgeführt, wie: Einführung in Sanitätsraum, Gleitbauarbeiten, Fertigteilmontage, Braunkohlestaubanlagen, Bauaufzug, Arbeiten in brand- und explosionsgefährdeten Bereichen und anderes.



Begehungen

Die Baustelle wird täglich mehrmals vom Koordinator inspiziert. Auffallende Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutzmängel werden direkt der zuständigen aufsichtsführenden Person gemeldet, um unverzüglich diesen Missstand zu beheben.
Darüber hinaus ist die Überwachung des Arbeitsschutzes nach dem Arbeitsschutzgesetz eine staatliche Aufgabe. Dies wird durch das duale Arbeitsschutzsystem erreicht, welches durch die Staatlichen Ämter für Arbeitsschutz und den Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (hier die Berufsgenossenschaft) vertreten wird. In den §§ 21 bis 23 des Arbeitsschutzgesetzes sind die Aufgaben, Befugnisse der Behörden und die gemeinsame Zusammenarbeit im Arbeitsschutz verankert. So ist es auch im Werk Lengerich favorisiert worden, die Bestimmungen einzuhalten und eng mit dem Staatlichen Amt für Arbeitsschutz in Coesfeld zusammen zu arbeiten. In dieser Zusammenarbeit sind die Berufsgenossenschaften der einzelnen Auftragnehmer je nach Einsatz mit einbezogen.
Bereits vier Wochen nach dem offiziellen Bauanfang wurde die erste Begehung mit dem Staatlichen Amt für Arbeitsschutz Coesfeld und der Bauberufsgenossenschaft Rheinland und Westfalen durchgeführt.
Die Mängelpunkte wurden protokolliert und den zuständigen Stellen zur Behebung weitergegeben. Die Beseitigung der Mängel obliegt dem Auftragnehmer. Sie haben nach Beseitigung die Information an den Koordinator weiterzugeben


Montage des Drehofens
Montage des Drehofens




Unfallstatistik

Im ersten Jahr nach Übermittlung der Vorankündigung wurden dem Koordinator fünf Sachschäden gemeldet. Zehn nicht meldepflichtige Unfälle wurden dem Koordinator mitgeteilt sowie vierzehn meldepflichtige Unfälle.
In dieser Zeit sind in den Meldebüchern je Auftragnehmer pro Tag zwischen ein und 110 Mitarbeiter gemeldet gewesen. Insgesamt ergibt dieses 38.136 gemeldete Personentage, Besucher blieben dabei unberücksichtigt.
Jedes Unternehmen hat neben unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen nicht nur eine differierende Zahl an Beschäftigten und verfahrenen Arbeitsstunden, die das Unfallgeschehen im Betrieb bestimmt. Auch ausgewählte Arbeitsmethoden- und -verfahren und natürlich die im Unternehmen vorherrschende Sicherheitsphilosophie beeinflussen die Unfallhäufigkeit in einem Unternehmen nachhaltig. Die auf der Baustelle statistisch ermittelten Daten sind daher ohne Bezugsgrößen nicht aussagefähig für arbeitssicherheitstechnische Belange.
In der Unfallstatistik werden daher Unfälle und Beschäftigtenzahlen in ein Verhältnis zueinander gebracht. Dort ist es üblich, die „1000-Mann-Quote“ (Unfallhäufigkeit) als Vergleichszahl zu berechnen:
Unfallhäufigkeit = Anzahl der meldepflichtigen Unfälle x 1000 Vollarbeiter / Beschäftigte
Als Anzahl der Beschäftigten gilt dabei die durchschnittliche Zahl der „Vollarbeiter“.
Der „Vollarbeiter“ ist dabei eine statistische Rechengröße. Die verschiedenen zeitlichen Beschäftigungsverhältnisse (z. B. Teilzeitbeschäftigung, Überstunden) der Versicherten werden zur Ermittlung der Zahl der Vollarbeiter auf Beschäftigungsverhältnisse mit normaler ganztägiger Arbeitszeit (für 1999: 1.560 Stunden, Quelle: Jahresbericht StBG) umgerechnet.
Legt man für einen Vollarbeiter besagte 1.560 Arbeitsstunden zugrunde, so ergibt sich bezogen auf einen achtstündigen Arbeitstag ein Arbeitspensum von 195 Arbeitstagen im Jahr.
Auf der Baustelle „Drehofenlinie 8“ wurden insgesamt 38.136 Personenarbeitstage geleistet. Somit ergibt sich eine durchschnittliche Beschäftigtenzahl von 195,6 Vollarbeitern pro Arbeitstag auf der Baustelle.
Auf der Baustelle ereigneten sich im Berichtszeitraum insgesamt 14 meldepflichtige Unfälle. Bei den 14 Unfällen steht ein meldepflichtiger Unfall nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Baustelle, da hier eine Person betroffen war, die beim Anlieferungsverkehr lediglich im Umfeld der Baustelle tätig wurde.
Aufgrund der oben genannten Berech-nungsformel ergibt das eine Unfallhäufigkeitsrate von 66,46.
Somit ist die Möglichkeit geschaffen, die Unfallhäufigkeit mit geeigneten Statistiken der Berufsgenossenschaft zu vergleichen. Dabei muss beachtet werden, dass nur Daten miteinander verglichen werden, die ein ähnliches Gefahrenpotenzial beinhalten. Verständlicherweise waren während der Rohbaumaßnahmen in dem Berichtszeitraum der Baustelle „Drehofenlinie 8“ überwiegend Bauunternehmen an dem Projekt tätig. Daher wird zum Vergleich der Unfallhäufigkeit die Unfallstatistik der Bau-BG Rheinland und Westfalen genutzt.
Zur Information sind auch die Zahlen der für Dyckerhoff zuständigen StBG dargestellt.

Unfallhäufigkeit pro
1000 Beschäftigte
Baustelle
Drehofenlinie 8
Bau-BG
1999
StBG
1999
meldepflichtige
Arbeitsunfälle
66,46 88,64* 81,04*
tödliche
Arbeitsunfälle
0,0 0,08* 0,13*
* Die Zahlen sind den Jahresberichten 1999 entnommen



SiGe-Plan hat sich gelohnt

Dass sich eine geeignete Sicherheitsorganisation durchaus lohnt, zeigt diese Unfallstatistik. Die auf der Baustelle „Drehofenlinie 8“ erreichte Unfallhäufigkeit liegt wesentlich unter den Vergleichszahlen der Berufsgenossenschaften. Auch hier ist darauf hinzuweisen, dass dieses auf ein konsequentes Benutzen der persönlichen Schutzausrüstung, die durchgeführten Unterweisungen und eine geeignete Sicherheitskoordination zurückzuführen ist.
Auch können zwei Unfälle an den Kreissägen nicht unerwähnt bleiben: Unfälle auf Baustellen geschehen immer wieder und sind in letzter Konsequenz auch nicht vollständig zu vermeiden – absolute Sicherheit gibt es nicht. Wenn sich zwei Arbeiter aber an einer Kreissäge die Finger absägen, so hat dies sehr wenig mit Sicherheitsmängeln oder der berühmten „Verknüpfung unglücklicher Umstände“ zu tun. Vielmehr liegt hier ein persönliches Fehlverhalten vor: Aus „Gewohnheit“ wurde der Schiebestock nicht benutzt.
Jede falsch ausgeführte Tätigkeit muss durch den direkten Vorgesetzten sofort geahndet werden. Sonst geschehen solche Unfälle immer wieder und kosten die Unternehmen und die Unfallversicherungsträger nicht nur einiges an Geld sondern - wie geschehen - auch die Finger der Arbeiter . Der Ausfall von 62 Arbeitstagen (über drei Monate!) wäre durchaus vermeidbar gewesen.



Zusammenfassung

Auf Baustellen arbeiten viele Firmen mit Arbeitnehmern unterschiedlichster Nationalitäten zusammen. Durch die vorhandenen Verständigungsprobleme und die sich ständig ändernden Arbeitsplätze ergibt sich zwangsläufig ein hohes Gefahrenpotenzial und ein erhöhtes Unfallgeschehen. Daher wollte die Dyckerhoff Zement GmbH das Unfallrisiko durch den Einsatz von Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren minimieren.
Dabei ist es Aufgabe des Koordinators, die für das Bauvorhaben zutreffenden Arbeitsschutzbestimmungen aufeinander abzustimmen und bei den Auftragnehmern vor der Ausführung der Gewerke auf eine sichere Ausführung hinzuwirken.
Dies wird für regelmäßig wiederkehrende Arbeiten durch den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan erreicht. Für einmalige Arbeiten ist die Abstimmung vor Ort mit den betreffenden Firmen notwendig, die hierbei zu erwartenden Gefahren werden definiert und Maßnahmen zur Minimierung festgelegt.
So ist es im ersten Jahr der Baumaßnahme zur „Drehofenlinie 8“ dem Projektmanagement gelungen, die Unfallhäufigkeit gemessen an Vergleichszahlen der Bau-BG 1999 deutlich geringer zu halten.
Diese gemeinsam erbrachte Leistung soll auch in das laufende Projektjahr übernommen und ein mindestens ebenso gutes Ergebnis erzielt werden. Das erfordert allerdings von allen für und auf der Baustelle Tätigen ein gemeinsames Handeln – zum Nutzen aller.

Dipl.-Ing. Michaela Gendries,
Dipl.-Ing. Rolf Nowack, Dyckerhoff
Dipl.-Ing. Uwe Pätzold, StBG
Tel. 01 71 / 3 36 90 36



Fragen an die Koordinatoren zu ihren Erfahrungen mit dem SiGe-Plan
Die SiGe-Koordinatoren der Baustelle Lengerich: Dipl.-Ing. Michaela Gendries und Dipl.-Ing. Rolf Nowak
Die SiGe-Koordinatoren
der Baustelle Lengerich:
Dipl.-Ing. Michaela Gendries
und Dipl.-Ing. Rolf Nowak
Das Arbeitssicherheits-Team der Baustelle „Drehofenlinie 8“, Dipl.-Ing. Michaela Gendries und Dipl.-Ing. Rolf Nowak äußerten sich zu ihrer Koordinatorentätigkeit, ihren Anregungen und Wünschen aus dem praktischen Einsatz vor Ort:
Frage StBG: Welche Erfahrungen beziehungsweise Schwierigkeiten haben Sie in der Vorbereitung der Baustellenorganisation und bei der Erstellung des Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes erlebt?
Nowak: Als Grundlage für den SiGe-Plan wurde von allen beteiligten Fachfirmen eine eigene Gefährdungsbeurteilung angefordert. Diese scheinbar noch ungewohnte Forderung seitens des Bauherrn stieß bei einigen Firmen auf inhaltliche Probleme. Sie war aber für die Abstellung gegenseitiger Gefährdungen unverzichtbar und ist unmittelbar in den SiGe-Plan eingeflossen. Insbesondere die frühzeitig erstellte „Baustellenordnung“ – das „Grundgesetz“ für alle auf der Baustelle tätigen Firmen – war sehr hilfreich, um die Auftragnehmer bereits bei Auftragsvergabe auf ihre Verpflichtungen im Arbeitsschutz hinzuweisen.
StBG: Sind Probleme bei der Umsetzung der Sicherheitsanforderungen gemäß SiGe-Plan im täglichen Baustellengeschäft aufgetreten?
Nowak: Auffallend war, dass die meisten Firmen die erforderlichen Schutzmaßnahmen für ihr eigenes Personal weitgehend wahrgenommen haben. Für angrenzende Gewerke, wie bei Übereinanderarbeit, wurden jedoch gegenseitige Gefährdungen nicht berücksichtigt, obwohl im SiGe-Plan sowie in den erfolgten Einweisungen und Unterweisungen hierauf besonderer Wert gelegt wurde. Hier hat sich besonders die tägliche Anwesenheit von Frau Gendries als Ansprechpartnerin mit Kontrollfunktion bewährt.
StBG: Wie bewerten Sie die Akzeptanz der Sicherheits-Organisation beim Baustellenpersonal?
Gendries: Die täglichen Sicherheitsgespräche vor Ort einschließlich der Baustellenbegehungen sind von den Beschäftigten ausnahmslos positiv aufgenommen worden und haben wesentlich zu einem positiven „Klima“ auf der Baustelle beigetragen.
StBG: Wenn Sie erneut eine derartige Baustelle im Sinne des Arbeitsschutzes zu koordinieren hätten: Gibt es spezielle Wünsche oder Anregungen, wie diese Arbeit noch effizienter gestaltet werden könnte?
Gendries: Die Führungskräfte aller beteiligten Firmen sollten die Gefährdungsbeurteilung ihrer Mitarbeiter frühzeitig und umfassend ausarbeiten, um eine angemessene Vorlaufzeit der Baustellenorganisation zu ermöglichen. Zudem sollten auch die Sicherheitsfachkräfte der ausführenden Firmen – einschließlich der Subunternehmer waren etwa 200 Finnen beteiligt – gelegentlich auf der Baustelle erscheinen. Nur von drei Auftragnehmern hat sich deren eigene Sicherheitsfachkraft mit der Durchführung der Bauarbeiten befasst.
StBG: Frau Gendries, Herr Nowak, vielen Dank für Ihren Einsatz und dieses Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei der Aufgabe, insbesondere einen unfallfreien Abschluss der Baustelle und einen dauerhaft sicheren Betrieb der Anlage.

Das Gespräch führte Dipl.-Ing. Uwe Pätzold, StBG, Langenhagen.
Dyckerhoff im Internet




Inhaltsverzeichnis Ausgabe 4/01 | Zurück zu unserer Homepage