www.steine-und-erden.net > 2001 > Ausgabe 4/01 > Vom Zementwerk zur schlagkräftigen Baustoffgruppe

[Die Industrie der Steine + Erden]






Vom Zementwerk zur schlagkräftigen Baustoffgruppe

Prof. Dipl.-Chem. Augustin Rauen Professor Dipl.-Chem. Augustin Rauen (65), technischer Geschäftsführer, Sprecher der Geschäftsleitung der Unternehmen Rohrdorfer Zement und Honorarprofessor für Baustofftechnologie an der TU München, tritt nach über 30 Jahren intensiver Arbeit für Wirtschaft und Forschung in den Ruhestand. Mit Wirkung vom 1. April 2001 wurde Dipl.-Ing. Mike Edelmann zum alleinigen Geschäftsführer der Unternehmensgruppe berufen. Er bringt Erfahrungen aus verschiedenen kaufmännischen und technischen Positionen der nationalen und internationalen Baustoffindustrie in die neue Funktion ein.
Georg Wiesböck, der 1930 am Stammsitz im oberbayerischen Rohrdorf das gleichnamige Zementwerk gründete, ein gesundes Unternehmen aufbaute und bis 1980 als geschäftsführender Gesellschafter leitete, hätte sicher mit großer Zufriedenheit regis-triert, wie sich „sein Werk“ besonders in den vergangenen zehn Jahren zu einer bedeutenden Unternehmensgruppe der Baustoffindustrie mit derzeit 850 Mitarbeitern entwickelte. An über 40 Standorten in Bayern und Österreich werden neben zementgebundenen Baustoffen auch Transportbeton, Betonwaren und Fertigteile sowie Kies und Sand für die regionale Baunachfrage produziert.
Noch heute befindet sich die Gruppe mehrheitlich im Besitz der Gründerfamilien. Prof. Augustin Rauens langjähriges Wirken war durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Eigentümerbeirat bestimmt. Diese vertrauensvolle Basis lieferte Raum für Pioniergeist, wissenschaftliches Know-how und das Gespür für Entscheidungen, die den Erfolg der Unternehmensgruppe ermöglichten.
Als Augustin Rauen Ende der 60er Jahre vom Leiter des chemischen Labors des Materialprüfungsamtes der TU München und Mitarbeiter des Instituts für Massivbau nach Rohrdorf wechselte, hatte er gerade eine Reihe von Forschungsaufträgen begonnen. Seine kontinuierliche wissenschaftliche Arbeit, gepaart mit praktischem Erfindergeist befähigte ihn dazu, immer das maximal Mögliche anzustreben. Sein Anspruch, Ressourcen effizient und nachhaltig zu nutzen, sorgte dafür, dass die Gruppe bei der umweltfreundlichen Zementproduktion heute auf eine herausragende Position verweisen kann. Bis zu 75 Prozent der benötigten Wärmeenergie kann durch den Einsatz von Sekundärbrennstoffen abgedeckt werden. Diese Quote erhält besonderes Gewicht, wenn man sie mit dem Durchschnittswert deutscher Zementwerke vergleicht, der bei etwa 25 Prozent liegt.
Eine derartige Abhebung vom Wettbewerb ist natürlich nur durch eine Verfahrenstechnik möglich, die auf diesen hohen Anspruch nachhaltiger Produktion abgestimmt ist. Bereits 1991 demonstrierte Rauen in einem Betriebsversuch der von ihm entwickelten Pilottechnik außerdem, dass auch beim Rohstoffeinsatz längst noch nicht alle Substitutionspotenziale ausgeschöpft werden. Er belegte damals, dass hochwertiger Zement nicht ausschließlich mit primärem Quarzsand, sondern ebenso mit Gießereialtsanden hergestellt werden kann. Seine geniale wie außergewöhnliche Idee war es, den Altsand direkt an der Brennstelle des Zementofens einzuspeisen. Da an dieser Stelle eine Temperatur von etwa 1000° Celsius herrscht, werden die im Altsand enthaltenen Schadstoffe emissionsfrei eliminiert.
Das Umweltamt hatte 800° Celsius gefordert. Gleichzeitig gelang es Rauen, dass das grobkörnige Material die hohe Qualität des Zementklinkers nicht beeinflusst. Heute werden jährlich rund 30.000 Tonnen Gießereialtsande als Sekundärrohstoff verwendet. REAgips und seit neuestem Altreifen kommen ebenfalls zum Einsatz.


Das Portland-Zementwerk in Rohrdorf
Das Portland-Zementwerk in Rohrdorf






Inhaltsverzeichnis Ausgabe 4/01 | Zurück zu unserer Homepage