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[Die Industrie der Steine + Erden]






Unternehmer der Kalkindustrie diskutierten Arbeitssicherheit

Der Ausschuss „Arbeitsgestaltung und Betriebsorganisation“ (ABO) des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie e.V. hat sich Ende April 2001 zwei Tage lang mit dem Schwerpunktthema „Arbeitssicherheit” beschäftigt. Diese Tatsache ist deshalb bemerkenswert, weil der Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie gemeinsam mit dem Bundesverband der Natursteinindustrie auch noch einen eigenen Ausschuss „Arbeitssicherheit” hat, in dem die namhaften Sicherheitsingenieure der Branche aktuelle Fragen erörtern.

Beeindruckendes Panorama: der Kalksteinbruch des Werkes Peggau
Beeindruckendes Panorama: der Kalksteinbruch des Werkes Peggau


In Graz (beziehungsweise Peggau) trafen sich also jetzt circa 40 Unternehmer und Geschäftsführer aus der deutschen und österreichischen Kalk- industrie, um eine umfangreiche Tagesordnung „abzuarbeiten". Wegen der engen und erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der Kalkindustrie und der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft hatte der Leiter des Geschäftsbereiches Prävention, Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, Gelegenheit, den Unternehmern in einem Referat zum Thema „Unternehmensziel Arbeitssicherheit – Unterstützung betrieblicher Maßnahmen durch die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft” einen Überblick über die Dienstleisungsangebote zu geben.
Auf der Grundlage der wichtigsten Unfallkennzahlen erläuterte Dipl.-Ing. Ehnes den organisatorische Aufbau des Geschäftsbereiches Prävention. Angefangen von dem umfangreichen Ausbildungsangebot über die Unterstützung bei der arbeitsmedizinischen Vorsorge durch mobile Untersuchungsfahrzeuge, die Sicherheitspakete zu verschiedensten Unfallschwerpunkten und die Praxismodelle, wie das Förderbandmodell, präsentierte Ehnes dann das Handbuch „Sicher mit System”, mit dem Arbeitssicherheit praxisnah organisiert werden kann. Natürlich durfte auch der Förderpreis Arbeit • Sicherheit • Gesundheit in dem Überblicksvortrag nicht fehlen.
Nach einigen Fakten, aus denen der aktuelle Stand der meldepflichtigen Unfälle und der neuen Unfallrenten im Bereich der Kalk- und Gipsindustrie im Vergleich zu den anderen Branchen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft hervorging und Informationen zu den finanziellen Aufwendungen, beendete Ehnes seinen Vortrag mit einem kurzen Ausblick auf die in Planung befindlichen Präventionsaktivitäten. Besonderes Interesse fanden dabei insgesamt das Präventionskonzept „Prävention 2000 plus” sowie einzelne Elemente hieraus, wie die „Bildzeitung” zur Präventionskampagne gegen Stolper- und Sturzunfälle und die Überlegungen zur Einrichtung eines Qualitätssiegels „Sicher mit System – StBG-geprüft”.
Am zweiten Tag ging es um die Praxis bei der Besichtigung des Kalk- und Zementwerkes der Wietersdorfer Gruppe in Peggau. Zunächst erläuterte Dipl.-Ing. Plank die dort angewandte Sprengtechnik aus dem Blickwinkel der Arbeitssicherheit. In diesem Werk kommt es besonders auf schonende Sprengverfahren an, weil eine unter Naturschutz stehende Grotte, die Lur-Grotte, die beiden Steinbrüche des Unternehmens teilt und von beiden Seiten von Sprengarbeit beeinträchtigt wird.
Im Anschluss an diesen Vortrag war dann die Besichtigung des Steinbruches und des Kalk- bzw. Zementwerkes möglich. Dabei erfordern es die alpinen Steinbruchverhältnisse, das in den oberen Sohlen des Steinbruches gewonnene Material über ein senkrecht bis zur untersten Steinbruchsohle verlaufendes Rollloch auf die Werksebene zu fördern – eine Technik, die im Allgemeinen in deutschen Steinbrüchen nicht anzutreffen ist. Vom erfolgreichen Umbau des Kalkwerkes konnten sich die Teilnehmer zum Abschluss der Besichtigung überzeugen.
Der abschließende Eindruck eines Neulings, der zum ersten Mal an einer Sitzung des ABO-Ausschusses teilgenommen hat: Es ist bemerkenswert, in welch konstruktiver Offenheit der Erfahrungsaustausch auch auf dieser höchsten Entscheidungsebene der Kalk-industrie geprägt wird. Und dass das Thema „Arbeitssicherheit” im Mittelpunkt einer zweitägigen Tagung stand, freut den Verfasser dieses Artikels natürlich ganz besonders. Der Erfolg, der aus den Zahlen der meldepflichtigen Unfälle und der neuen Unfallrenten hervorgeht, gibt der Kalkindustrie aber mit Sicherheit Recht: Es lohnt sich eben, in Arbeitssicherheit zu investieren. Zur Nachahmung empfohlen!


Tagung des Ausschusses „Arbeitsgestaltung und Betriebsorganisation“ (ABO) in Graz
Tagung des Ausschusses „Arbeitsgestaltung und
Betriebsorganisation“ (ABO) in Graz


Der Bundesverband der deutschen Kalkindustrie im Internet




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