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[Die Industrie der Steine + Erden]






Allgemeiner Staubgrenzwert wurde verschärft

Auf seiner Sitzung am 7. Mai 2001 hat der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) einen neuen Allgemeinen Staubgrenzwert beschlossen. Mit der Veröffentlichung wird voraussichtlich im September 2001 zu rechnen sein.

Durch Begrenzung der Staubkonzentration auf den Allgemeinen Staubgrenzwert soll einer Beeinträchtigung der Funktion der Atmungsorgane infolge einer allgemeinen Staubwirkung vorgebeugt werden. Hinsichtlich der Partikelfraktion wird in die einatembare Staubfraktion - E (früher Gesamtstaub) und die alveolengängige Staubfraktion - A (früher Feinstaub) unterschieden (siehe Tabelle).

Alveolengängige Fraktion - A
  • für Tätigkeiten/Arbeitsbereiche gemäß Nr. 2.4 Abs. 4 i.V.m. Abs. 5 der TRGS 900
6 mg/m3
  • im Übrigen
3 mg/m3
Einatembare Fraktion - E
  • für Stoffe gemäß Nr. 2.4 Abs. 3 der TRGS 900
10 mg/m3
  • im Übrigen (ab 1. 4. 2004) (i.V.m. Nr. 2.4 Abs. 6 der TRGS 900)
10 mg/m3

Die Spitzenbegrenzung für beide Grenzwerte wurde mit dem Faktor 4 festgelegt.
Der Allgemeine Staubgrenzwert ist als Schichtmittelwert definiert und anzuwenden für schwerlösliche beziehungsweise unlösliche Stäube, die nicht anderweitig geregelt sind, oder für Mischstäube. Er darf nicht angewendet werden auf Stäube, bei denen erbgut-verändernde, krebserzeugende, fibrogene, toxische oder allergisierende Wirkungen zu erwarten sind. Hier gilt der Grenzwert als allgemeine Obergrenze; zusätzlich sind die stoffspezifischen Grenzwerte einzuhalten. Der Allgemeine Staubgrenzwert gilt nicht für lösliche Stäube, ultrafeine und grob- disperse Partikelfraktionen, für Lackaerosole und die Tätigkeit „Schweißen“.

Alveolengängige Fraktion - A:
Der höhere Grenzwert von 6 mg/m3 für die alveolengängige Fraktion - A gilt für
  • bestimmte Arbeiten in der Bau-, Steine und Erden-Industrie sowie für Bereiche und Tätigkeiten, die in einem Analogieschluss den genannten Arbeiten zugeordnet werden können:
  • Rückbau-, Abbruch- und Stemmarbeiten,
  • Schleif-, Schneid- und Fräsarbeiten,
  • Be- und Verarbeitung von Werkstein (Natur- und Betonstein) im Trockenverfahren mit Handmaschinen,
  • Beton-Oberflächenbearbeitung,
  • maschinelle Putzarbeiten,
  • Erd- und Verdichtungsarbeiten sowie bei Fahrzeugverkehr auf Baustellen,
  • Bauarbeiten unter Tage,
  • Baureinigungsarbeiten,
  • mobile Baustoffrecyclinganlagen,
    • Altanlagen bei der Aufbereitung von Naturstein (Brech-, Klassier- und Sortieranlagen) einschließlich Verladung,
    • Altanlagen bei Gewinnung und Aufbereitung in der Bau- und Grobkeramik und der Kalksandstein-Industrie,
    • Altanlagen bei der Formgebung (Pressen) in der Kalksandstein-Industrie,
    • Altanlagen zur Abfüllung und Verpackung stark staubender Güter in der Baustoff- und chemischen Industrie und in vergleichbaren Arbeitsbereichen,
    • Bekohlungsbereich in Kraftwerken,
    • bestimmte Arbeitsbereiche in der Stahlindustrie:
      • Oxygenstahlwerk (Konverterbetrieb, Sekundärmetallurgie),
      • Elektrostahlwerk (Ofenbetrieb, Sekundärmetallurgie),
      • Sinteranlagen.

Kann der Grenzwert von 3 mg/m3 für die alveolengängige Fraktion - A bei Einhaltung des Standes der Technik nachweislich nicht eingehalten werden, gilt gleichfalls der Grenzwert von 6 mg/m3. In diesem Fall ist für die betreffenden Tätigkeiten und Arbeitsbereiche die Arbeitsplatzbeurteilung mit den zugehörigen Messergebnissen der Aufsichtsbehörde und dem AGS mitzuteilen. Ferner ist ein Schutzmaßnahmenkonzept zu erarbeiten.
Sofern an Arbeitsplätzen eine Staubkonzentration von 3 mg/m3 für die alveolengängige Fraktion - A generell nicht eingehalten werden kann, sind für die Beschäftigten arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen vorzusehen.
Der Grenzwert für die alveolengängige Fraktion - A wird den Übergangsregelungen gemäß TRGS 001 unterliegen.

Einatembare Fraktion - E:
Der Grenzwert von 10 mg/m3 für die einatembare Fraktion - E gilt ohne besondere Übergangsfrist für Boroxid, Tantal, Molybdän und unlösliche Molybdänverbindungen. Die Übergangsfrist 1. April 2004 erlangt insbesondere Bedeutung für mineralische Stäube. Zur Gefährdungsbeurteilung sollte hierfür jedoch der neue Luftgrenzwert bereits heute herangezogen werden.
Hinsichtlich der Beurteilung der Staubsituation wird klargestellt, dass nach Bestimmung der Konzentration der A-Fraktion und der E-Fraktion der jeweils höhere Bewertungsindex zur Beurteilung heranzuziehen ist. Bei der Berechnung von Bewertungsindizes von Stoffgemischen nach TRGS 403 bleiben die Bewertungsindizes für den Allgemeinen Staubgrenzwert unberücksichtigt.

Präventionsmaßnahmen:
Parallel zur Festlegung des neuen Allgemeinen Staubgrenzwertes hat der Fachausschuss „Steine und Erden“ am 29. Mai 2001 die unter seiner Federführung erarbeiteten „BG-Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit für den Umgang mit mineralischem Staub“ (BGR 217) beschlossen. Mit einer Veröffentlichung des Regelwerks wird voraussichtlich im Herbst 2001 zu rechnen sein.
Nach Außerkrafttreten der Unfallverhütungsvorschrift „Gesundheitsgefährlicher mineralischer Staub“ (VBG 119) am 1. April 1999 war eine Informationslücke entstanden.
Die neue BG-Vorschrift „Umgang mit Gefahrstoffen“ (BGV B1) nimmt in ihrem § 1 zwar auf die allgemeinen Schutzzielvorgaben der Gefahrstoffverordnung Bezug, Erläuterungen für den Bereich mineralischer Stäube fehlen dort allerdings.
Die nun vorliegende BGR 217 soll diese Lücke schließen und versteht sich als praxisorientiertes Rahmenkonzept für Schutzmaßnahmen beim Umgang mit mineralischen Stäuben. Durch Branchenregelungen können spezifische Staubprobleme einzelner Gewerbezweige weiter präzisiert werden, wenn dies erforderlich ist. Der Geltungsbereich erstreckt sich auf mineralische Stäube mit oder ohne stoffspezifischen Grenzwert; ausgenommen sind Asbest- und Mineralfaserstäube. Stoffe mit stoffspezifischen Grenzwerten sind: Quarzstaub, Calciumoxid, Portlandzement.
Die BG-Regeln gelten unter anderem für Betriebe der Baustoff-Industrie, der Bauwirtschaft und der keramischen und Glas-Industrie mit Ausnahme der Betriebe des untertägigen Bergwesens, soweit sie dem Bergrecht unterliegen. Für Betriebe der Metall-Industrie sind branchenspezifische, tätigkeitsbezogene Regelungen beabsichtigt, um das dortige breite Gefahrstoffspektrum abzudecken.
Die am 7. Mai 2001 vom AGS getroffenen Beschlüsse zum neuen Allgemeinen Staubgrenzwert sind durch entsprechende Hinweise in den BG-Regeln auf die vom Quarzgehalt in der alveolengängigen Staubfraktion (Feinstaub) abhängenden Grenzwerte einschließlich der Ausnahmen berücksichtigt.
Das Regelwerk ist in vier Abschnitte, denen eine Vorbemerkung vorangestellt ist, und drei Anhänge gegliedert.
Die Vorbemerkungen enthalten den ausdrücklichen Hinweis auf branchenspezifische Regelungen. Der Festlegung des Anwendungsbereiches (Abschnitt 1) folgen die Begriffsbestimmungen (Abschnitt 2).

Der Hauptabschnitt 3 befasst sich mit den Maßnahmen zur Verhütung von Gesundheitsgefahren beim Umgang mit mineralischem Staub und ist in sieben weitere Unterabschnitte gegliedert.
Diese behandeln:

  • das Ermitteln und Beurteilen der Staubverhältnisse (Ermittlung, Gefährdungsbeurteilung, Durchführung der Messungen, Gefahrstoffverzeichnis),
  • die zu ergreifenden Staubschutzmaßnahmen (Anforderungen an Arbeitsräume, Arbeitsverfahren, Maschinen und Geräte; lufttechnische Maßnahmen, Reinigung der Betriebseinrichtungen, Aufbewahrung und Reinigung der Arbeitskleidung, Durchführung staub-intensiver Arbeiten),
  • die Überwachung der Einhaltung der Luftgrenzwerte,
  • den Atemschutz,
  • die Betriebsanweisung und die Unterweisung,
  • die Durchführung arbeitsmedizinischer Vorsorgeuntersuchungen,
  • Beschäftigungsbeschränkungen für Jugendliche und weibliche Beschäftigte.


Im vierten Abschnitt wird der Anwendungszeitpunkt der BG-Regeln festgelegt. Die Anhänge 1 bis 3 befassen sich mit der Auswahl von Atemschutzgeräten entsprechend der Staubbelas-tung und enthalten eine Musterbetriebsanweisung für Quarzstaub (A-Fraktion) sowie ein Unterweisungsbeispiel für einen Natursteinbetrieb.
Es bleibt zu hoffen, dass die BG-Regeln von der Praxis in angemessener Weise umgesetzt werden. Hierzu bedarf es insbesondere für die in der Bauwirtschaft häufig anzutreffenden instationären oder temporären Tätigkeiten zweckmäßiger Branchenregelungen, welche möglichst kurzfristig zur Verfügung stehen sollten.
Des Weiteren ist beabsichtigt, auf Grundlage der BG-Regeln einen Sicherheits-Check für Quarzfeinstaubexposition zu erstellen. Dieser kann von den Unternehmen dazu verwendet werden, systematisch die betrieblichen Staubverhältnisse zu ermitteln, zu beurteilen und darüber hinaus die im Rahmen der nach § 6 des Arbeitsschutzgesetzes und § 18 Abs. 3 der Gefahrstoffverordnung geforderte Dokumentation des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen.

Dipl-Ing. Kurt Kolmsee,StBG
Tel. 05 11 / 72 57 - 7 03





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