www.steine-und-erden.net > 2001 > Ausgabe 4/01 > Es muss nicht immer der weiße Arztkittel sein

[Die Industrie der Steine + Erden]






Es muss nicht immer der weiße Arztkittel sein

Beratung am Schweißarbeitsplatz durch den Arbeitsmediziner Die großen Mitgliedsbetriebe der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft aus der Baustoffindustrie arbeiten schon seit Jahrzehnten mit Arbeitsmedizinern zusammen, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten. Aber für kleine Betriebe war die Betreuung durch einen Betriebsarzt oft Neuland. Mit dem Arbeitsmediziner war lediglich die vorgeschriebene arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung verbunden. Durch das Angebot der „Alternativen Arbeitsmedizinischen Betreuung“ seit Mitte der 90er Jahre wurden hier die Weichen für eine positive Entwicklung im Arbeits- und Gesundheitsschutz gestellt.


Die Auswertung des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens in den Kleinbetrieben zeigte, dass hier die Versicherten ein höheres Arbeitsunfall- beziehungsweise Berufskrankheitenrisiko trugen. Das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen hängt erfahrungsgemäß von einer Vielzahl von Faktoren, wie der wirtschaftlichen Situation der Betriebe, von klimatischen Bedingungen, von Einflussfaktoren, die sich aus den natürlichen Rohstoffvorkommen ableiten, von den Risiken im öffentlichen Straßenverkehr und natürlich nicht zuletzt von den Sicherheits- und Gesundheitsrisiken im Betrieb ab.
Hier setzt die bedarfsgerechte Betreuung durch die Arbeitsmediziner an, wobei sich eine enge Kooperation mit den Sicherheitsingenieuren durch den Anspruch „Gesundheitsschutz für Kleinunternehmen aus einer Hand“ von selbst ergibt.
Unser Arbeitsmediziner oder unsere Arbeitsmedizinerin wird immer dann geholt, wenn es Probleme oder Fragen zum Gesundheitsschutz gibt. Ein Beispiel: Es treten Hautprobleme bei einzelnen Mitarbeitern im Betrieb auf. Hier geht die Beratung von der Schulung der Mitarbeiter zum Hautschutz unter Einsatz unseres Dermalux-Gerätes bis zur Hilfestellung bei der Auswahl geeigneter Hautschutzpräparate und der Erstellung eines Hautschutzplanes.
Ein zentraler Bestandteil der Tätigkeit im und für den Betrieb ist die Begehung, also der Rundgang durch den Betrieb. Hier werden den Mitarbeitern Anregungen gegeben, wie sie sich bei der Arbeit am besten vor Gesundheitsschäden schützen können. Im Bereich der Baustoffindustrie liegen die Gefahren vor allem in silikogenen Stäuben und Lärm.
Beim Rundgang durch den Betrieb gehört die Beratung zum Tragen des richtigen Atemschutzes oder der Einsatz einer mobilen Absauganlage am Entstehungsort der Feinstäube, wie auch der Hinweis auf das Tragen einer Schutzbrille, dazu. Erfreut werden dabei die ausgehängten Betriebsanweisungen, die vom Betrieb in enger Zusammenarbeit mit den technischen Experten unserer BG – unter anderem dem Sicherheitsingenieur – erstellt wurden, zur Kenntnis genommen. So können die Mitarbeiter jederzeit über die im Betrieb vorkommenden Gefahrstoffe und deren richtigen Umgang nachlesen.
Dass diese Betriebsanweisungen jederzeit griffbereit sind, ist besonders wichtig, wenn tatsächlich mal ein Unfall passiert, denn bei Erster Hilfe kann es um Sekunden gehen. Hier ergibt sich gleich das nächste Thema für die Beratung, da gerade in Kleinbetrieben die Organisation der Ersten Hilfe den Unternehmer vor Probleme stellt. Bei einer engen Personaldecke ist die Anwesenheit eines ausgebildeten Ersthelfers nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Hilfestellung gibt es durch Aufzeigen der Aus- und Fortbildungswege für den Ersthelfer - zur Erinnerung: ein Ersthelfer muss bei bis zu zwanzig Beschäftigten anwesend sein, er muss eine Grundausbildung in Erster Hilfe von acht Doppelstunden und alle zwei Jahre eine Auffrischung von vier Doppelstunden nachweisen. So können zum Beispiel aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, die im Betrieb tätig sind, auch in die Erste Hilfe mit einbezogen werden.
Schweres Heben und Tragen spielt in unserer Industrie noch eine ausgeprägte Rolle. Vor Ort kann die Akzeptanz eingesetzter Hilfsmittel kontrolliert werden. Nehmen die Mitarbeiter die Hilfsmittel überhaupt an und sind sie benutzerfreundlich. Ein Tipp zur richtigen Körperhaltung könnte hier angebracht sein, um keine Rückenschmerzen von der harten Arbeit zu bekommen. Manchmal sind die Mitarbeiter gezwungen, eine ungünstige Körperhaltung einzunehmen; hier ist Ausgleichssport eine wichtige Empfehlung. Auch der beste Arbeitsmediziner wird Haltungsprobleme nicht völlig aus der Welt schaffen, aber auch die Aufklärung bringt schon viel, denn wer weiß, was seine Gesundheit schädigt, kann selbst etwas dagegen tun. Durch Vermittlung des Arbeitsmediziners könnten sich hier Angebote der Krankenkassen zur Rückenprävention etablieren.
Ein weiteres Thema beim Betriebsrundgang ist sicherlich Lärm. Durch Einsatz lärmarmer Sägeblätter oder Verfahrenstechniken konnte in vielen Bereichen die Belastung drastisch gesenkt werden; wo noch gehörschädigender Lärm herrscht, ist das Tragen von Gehörschutz Pflicht. Durch die Vielzahl von Gehörschutzmitteln, die die Industrie zur Verfügung stellt, ist eine Beratung durch den Arbeitsmediziner sicherlich sinnvoll, denn nicht passender Gehörschutz wird erfahrungsgemäß nicht getragen.

Der Arbeitsmediziner zeigt einem Mitarbeiter einen neuartigen Gehörschutz
  Das Dermalux-Gerät macht die Schwachstellen bei der Hautpflege mit UV-Licht sichtbar
Der Arbeitsmediziner zeigt einem
Mitarbeiter einen neuartigen Gehörschutz
  Das Dermalux-Gerät macht die
Schwachstellen bei der Hautpflege mit UV-Licht sichtbar


Neben der Gewinnung und Produktion von Baustoffen halten viele Betriebe eine Instandhaltung vor, um schnell und kostengünstig Reparaturen und Wartungen durchführen zu können. Das Augenmerk in diesen Bereichen richtet sich neben den einfachen Dingen, wie Ordnung und Sauberkeit, auf Gefahrstoffe wie Lösungsmittel, Lacke, Kleber und gesundheitsgefährdende Schweißrauche. Hier ist die Information durch den Beschäftigten eine wichtige Grundlage, um die Gefährdung richtig einzuschätzen, und gleichzeitig Basis für eine arbeitsplatzbezogene Belehrung zur Minimierung der Gefährdung durch richtiges Verhalten, wie persönliche Hygiene und Tragen geeigneter persönlicher Schutzausrüstung.
Nicht alle Gesundheitsgefahren sind im betrieblichen Umfeld zu finden. So spielen bei den Wegeunfällen fehlende Erfahrung und Überschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit gerade bei den jüngeren Mitarbeitern eine gewichtige Rolle; die Vermittlung eines Fahrsicherheitstrainings kann hier eine sinnvolle Maßnahme sein. In Bezug auf Lärm kommt gerade dem Freizeitverhalten der jüngeren Mitarbeiter eine große Bedeutung zu. Die Auswertung eines Hörtestes mit gezielter Beratung in Richtung Vermeidung außerberuflicher Hörschädigungen kann hier hilfreich sein.
Die Verwaltung mit ihren Sitz- und Bildschirmarbeitsplätzen rundet häufig den Betriebsrundgang ab. Hier kann man nur immer wieder erklären, wie wichtig zum Beispiel bei der Büroarbeit die richtige Aufstellung des Bildschirmes, die perfekte Sitzeinstellung und natürlich eine gerade Sitzhaltung zur Vermeidung von Schulter-/Nackenbeschwerden ist.
Im abschließenden Gespräch mit dem Unternehmer oder dem betrieblich Verantwortlichen können gleich Probleme geklärt und Lösungsvorschläge gemacht werden. Hier kann man nicht häufig genug auf die Arbeitserleichterung durch unsere Checklisten und den „Sicher mit System“ Ordner hinweisen. Auch wenn die Führungskräfte erfahrungsgemäß unter Druck stehen, sollte der Blutdruck stimmen und mit einer kleinen praktischen Empfehlung zum Stressabbau beenden wir unseren Besuch im Betrieb. Bis uns der Unternehmer oder ein Beschäftigter mit einem Problem, das in die Kompetenz des Arbeitsmediziners fällt, wieder in den Betrieb ruft. Sollte sich hier kein Bedarf ergeben, wird in regelmäßigen größeren Abständen aus eigener Veranlassung der Betrieb aufgesucht. Daneben sehen wir Unternehmer und auch Beschäftigte bei einem der zahlreichen Seminare die unsere BG ausrichtet, oder bei unserem bundesweiten Einsatz auf dem Röntgenmobil zur Untersuchung staubexponierter Versicherter.


Arbeitsmediziner unterwegs mit dem StBG-Audiomobil. Gezielte Beratung jüngerer Mitarbeiter zur Vermeidung auch außerberuflicher Gehörschädigung
Arbeitsmediziner unterwegs mit dem StBG-Audiomobil.
Gezielte Beratung jüngerer Mitarbeiter zur Vermeidung
auch außerberuflicher Gehörschädigung





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