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[Die Industrie der Steine + Erden]






Die Gefahr lauert im toten Winkel

Sichteinschränkungen bei Erdbaumaschinen führen häufig zu schweren Unfällen

Die Deutsche Verkehrswacht stellt fest, dass rückwärts fahrende Lkw`s für Fußgänger im öffentlichen Straßenverkehr besonders gefährlich sind. Kindern solle man deshalb zu Hause und im Verkehrsunterricht den „toten Winkel" erklären. Doch nicht nur im öffentlichen Straßenverkehr sind tote Winkel und mangelnde Sicht nach hinten ein Problem. Das Problem wird umso größer, je größer die Fahrzeuge sind. Es betrifft besonders den Einsatz großer Erdbaumaschinen in Steinbrüchen und in Betrieben der Steine und Erden-Industrie.



Unfälle in der deutschen Steine und Erden-Industrie

Aus England sind Zahlen bekannt, aus denen hervorgeht, dass bei mehr als 40 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle in Steinbrüchen fahrende Erdbaumaschinen beteiligt sind. Die Situation in den 6.400 Unternehmen der Steine und Erden-Industrie in Deutschland stellt sich wie folgt dar: Die Zahl der anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle ist 1999 auf 14.365 Fälle gesunken. 390 Arbeitsunfälle hatten so schwerwiegende Folgen, dass Rentenleistungen durch die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gewährt werden müssen. Dies bedeutet, dass 1999 das beste Sicherheitsergebnis erreicht wurde und ein historischer Tiefststand zu verzeichnen war. Bei den Fällen, die zu Rentenzahlungen führen, stehen Unfälle beim Umgang mit Fahrzeugen, wie z. B. mit Radladern, Muldenkippern, Gabelstaplern, Betonpumpen, seit Jahren in der Unfallstatistik an vorderer Stelle. 1999 war allein jeder fünfte schwere Arbeitsunfall auf den Umgang mit Fahrzeugen zurückzuführen. Der Anteil der Fahrzeuge bei den schweren Arbeitsunfällen stagniert seit zehn Jahren nahezu unverändert auf diesem hohen Niveau. Diese Situation ist Anlass genug, das Unfallgeschehen näher zu analysieren und zu untersuchen, ob Unfalltypen identifiziert werden können, die immer wiederkehren.


Anteil von neuen Arbeitsunfallrenten mit Fahrzeugen



Unfalltypen bei Erdbaumaschinen

Aus der Unfallstatistik der StBG können drei wesentliche Unfalltypen identifiziert werden, die immer wieder nach dem gleichen Schema ablaufen.

Unfalltyp 1 ereignet sich beim Zurücksetzen von Erdbaumaschinen, wenn sich Personen im Gefahrenbereich des Fahrzeuges aufhalten. Ein Beispiel: In einem Natursteinbetrieb transportierte ein Radladerfahrer einen Rohblock in die Sägehalle. Als er rückwärts wieder ins Freie fahren wollte und niemanden hinter dem Radlader bemerkte, setzte er sein Fahrzeug in Bewegung. Eine "Unebenheit" veranlasste ihn anzuhalten. Hinter dem Radlader lag der Betriebsleiter tot am Boden. Er hatte ihn überfahren.

Beim Rückwärtsfahren wurde der Betriebsleiter überrollt


Unfalltyp 2 wird durch den folgenden Ablauf charakterisiert: Der Fahrer eines Muldenkippers wollte die Fahrertür aufschließen, um seine Arbeit zu beginnen. Dabei bestieg er über den frontseitigen Aufstieg das Zugangspodest vor der Kabinentür. Er rutschte mit dem rechten Fuß vom Trittgitter ab, bekam Übergewicht und stürzte aus zwei Metern Höhe auf den geschotterten Boden. Dabei zog er sich eine Trümmerfraktur des Fersenbeines zu. Ähnliche Unfälle ereignen sich nicht nur beim Aufsteigen, sondern häufig auch beim Absteigen oder Abspringen von den Maschinen.

Bei Unfalltyp 3 geht es um den Absturz von Fahrzeugen: In einem Steinbruch war ein Mitarbeiter beauftragt, Material mit einem Muldenkipper an einer Kippstelle auf Halde abzukippen. Bei der letzten Fahrt vor Arbeitsende geriet das Fahrzeug über die Böschungskante und stürzte die Haldenböschung hinunter. Der Fahrer wurde während des Fahrzeugabsturzes im Führerhaus umhergeschleudert und erlitt tödliche Kopfverletzungen. Er hatte den Sicherheitsgurt nicht angelegt.

Sturz von Erdbaumaschinen


Diese drei Unfalltypen sind diejenigen Unfallmuster, nach denen sich immer wieder schwere und tödliche Arbeitsunfälle ereignen. Auch eine Unfallstatistik des Fachausschusses „Tiefbau" zeigt, dass nur fünf Ursachen zu mehr als 80 Prozent aller Unfälle mit Erdbaumaschinen führen. Wie bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft sind auch dort Absturzunfälle beim Auf- oder Abstieg und Unfälle durch Aufenthalt im Gefahrenbereich unter diesen fünf Ursachen.



Ursachenforschung

Unfälle sind selten auf eine einzige Ursache zurückzuführen. Häufig ist das Zusammentreffen mehrerer Faktoren ausschlaggebend für das verheerende Ereignis. Nicht immer kann, insbesondere nach schweren und tödlichen Arbeitsunfällen, die eindeutige Unfallursache ermittelt werden. Dennoch muss der Versuch unternommen werden, auf der Grundlage einer detaillierten Unfallanalyse Erkenntnisse für die Vermeidung ähnlicher Unfälle zu gewinnen.

Bei Unfalltyp 1 kamen bei der Unfalluntersuchung folgende Ursachen in Betracht: Aufgrund konstruktionsbedingter Sichteinschränkungen hatte der Fahrer nicht die Möglichkeit, das unmittelbare Umfeld der Maschine vollständig zu überblicken. Trotz dieser Sichteinschränkungen hat er sein Fahrzeug in Bewegung gesetzt. Die überfahrene Person begab sich außerdem bedenkenlos in den Gefahrenbereich der rückwärts fahrenden Maschine. Möglicherweise war der Fahrer überfordert, während des Rangiervorganges den vorderen und zugleich hinteren Bereich zu kontrollieren.

Ursachenforschung zum Unfalltyp 1 (Rückwärtsfahren)


Rückwärtsfahren von Erdbaumaschinen Rückwärtsfahren von Erdbaumaschinen


Beim Unfalltyp 2 liegen häufig konstruktive Mängel bei Aufstiegen, Standflächen, Arbeitspodesten und Absturzsicherungen an den Geräten vor. Außerdem verhalten sich Beschäftigte nicht selten unsachgemäß und springen aus großer Höhe von ihren Baumaschinen ab.

Ursachenforschung zum Unfalltyp 2 (Absturz des Fahrers)


Den Ursachen von Unfalltyp 3, dem Absturz von Erdbaumaschinen, ist meist nicht sicher auf die Spur zu kommen. Technische Defekte an den Bremsanlagen liegen selten vor. Naheliegend ist, die Ursache in mangelhaft gestalteten Kippstellen zu suchen oder auf Unachtsamkeit des Fahrers zurückzuführen. Die Frage aber ist, ob nicht auch hier konstruktionsbedingte Sicht-einschränkungen zumindest mit unfallbeteiligt sein können. Wäre der Muldenkipper auch abgestürzt, wenn der Fahrer gesehen hätte, wo genau die Hinterräder des Fahrzeuges positioniert waren?

Weitere Analysen zeigen, dass die Fahrer zwar häufig vor der Fahrt nach rückwärts blicken, während der Rückwärtsfahrt aber ausschließlich mit dem Überwachen des Frontbereiches beschäftigt sind.

Außerdem hat sich erwiesen, dass bei rückwärtiger Kurvenfahrt über die Schulter zum Fahrtziel, d. h. ins Wendekreisinnere geblickt wird. Personen auf der Kreisaußenseite können deshalb nicht erkannt werden.

Ursachenforschung zum Unfalltyp 2 (Absturz der Maschine)


Aus der Analyse der Unfallursachen ergibt sich, dass bei zwei von drei Unfalltypen konstruktionsbedingte Sichteinschränkungen eine ausschlaggebende Rolle einnehmen können. Deshalb soll untersucht werden, welche Verpflichtungen das Europäische Recht den Herstellern oder Importeuren für die Sicherheit von Maschinen auferlegt.



Rechtliche Grundlagen

Die in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in nationales Recht umgesetzte Maschinenrichtlinie fordert in Anhang 1, Abschnitt 3.2.1 hinsichtlich des Fahrerarbeitsplatzes, dass „die Sicht vom Fahrerplatz aus so gut sein muss, dass der Fahrer die Maschine und ihre Werkzeuge unter den vorgesehenen Einsatzbedingungen ohne jede Gefahr für sich und andere Personen handhaben kann. Gefahren durch unzureichende Direktsicht muss erforderlichenfalls durch geeignete Hilfsvorrichtungen begegnet werden". Aus dieser Formulierung wird deutlich, dass die Maschinenrichtlinie hier keinen Spielraum lässt. Es ist davon die Rede, dass die Erdbaumaschinen „ohne jede Gefahr benutzbar sein müssen". In eine Risikobewertung sind aufgrund der Formulierung nicht nur der Fahrer selbst, sondern auch dritte Personen einzubeziehen. Außerdem ist klar gesagt, dass bei unzureichender Direktsicht, die zu Gefahren führt, geeignete Hilfsvorrichtungen eingebaut werden müssen. Das Unfallgeschehen aber belegt, dass solche Gefahren durch unzureichende Direktsicht bei vielen Großgeräten vorhanden sind.

Die Maschinenrichtlinie wird durch Europäische Normen konkretisiert. Für Erdbaumaschinen gilt die Normenreihe EN 474. Es werden allgemeine Sicherheitsanforderungen und spezielle Anforderungen an Erdbaumaschinen festgelegt. Unter Berücksichtigung der generellen Forderungen der Maschinenrichtlinie verlangt Teil 1 der Norm, dass der Arbeitsplatz des Fahrers von Erdbaumaschinen hinsichtlich des Sichtfeldes so angeordnet und gestaltet sein muss, dass der Maschinist hinreichende Sicht im Hinblick auf die Fahr- und Arbeitsbereiche der Maschine hat. Außerdem wird gesagt, dass Hilfsmittel, wie z. B. Spiegel, Ultraschallsysteme oder Kamerasysteme, eingesetzt werden müssen, um Sichteinschränkungen zu minimieren.

Es ist also klar, dass sowohl die Maschinenrichtlinie als auch die einschlägigen Normen seitens der Hersteller oder Importeure Maßnahmen fordern, um die vorhandenen Sichteinschränkungen, die sich auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung leicht ermitteln lassen, hinreichend auszugleichen.

An dieser Stelle muss ein häufiger Einwand angesprochen werden. Es wird behauptet, in Steinbrüchen seien im Arbeitsbereich von Muldenkippern und Radladern keine weiteren Beschäftigten anzutreffen. Daher könnten zusätzliche Maßnahmen entfallen. Dass dieses Argument nicht zulässig ist, belegen die zitierten Unfälle. Außerdem kann der Regelfall nicht die Risikoabschätzung des Herstellers hinreichend abdecken. Vielmehr hat dieser von allen zu erwartenden und denkbaren Situationen auszugehen. Immer gibt es Situationen, in denen Erdbaumaschinen in Bereiche fahren, in denen mit dem Aufenthalt von Personen zu rechnen ist. Schließlich passieren Unfälle auch nicht im Regelfall – es sind stets außergewöhnliche, aber nicht unvorhersehbare Situationen.

"... Die Sicht vom Fahrerplatz aus muss so gut sein, dass der Fahrer die Maschine und ihre Werkzeuge unter den vorgesehenen Einsatzbedingungen ohne jede Gefahr für sich und andere Personen handhaben kann.
Gefahren durch unzureichende Direktsicht muss erforderlichenfalls durch geeignete Hilfsvorrichtungen begegnet werden. ..."



Maßnahmen zur Risikominimierung

Die Frage ist nun, ob Einrichtungen am Markt zur Verfügung stehen, die diesen Anforderungen genügen. Hierbei sollte auch berücksichtigt werden, ob die möglichen Maßnahmen zur Beseitigung der Defizite zuverlässig, praxistauglich, fehlersicher und auch wirtschaftlich zumutbar sind. Nur dann werden solche Zusatzeinrichtungen auch in der Lage sein, den erhofften Sicherheitsgewinn zu garantieren und die erforderliche Akzeptanz sowohl bei den Fahrern als auch bei den Betreibern finden. Die Hersteller tun also gut daran, eine sorgfältige Marktanalyse durchzuführen. Die gängigsten Maßnahmen – mit ihren jeweiligen Vor- oder auch Nachteilen – werden vorgestellt und analysiert.

Maßnahmen zur Risikominimierung: Heckgestaltung


Vorweg ist eine klassische Maßnahme zu nennen, nämlich der Einsatz eines Einweisers, also eines zweiten Mannes, der auch in deutschen Arbeitsschutzvorschriften noch gefordert wird. Dies ist eine Lösung, die für absolute Einzelfälle angewandt werden kann. Es wäre jedoch utopisch, unter den heutigen wirtschaftlichen Gegebenheiten zu glauben, dass die personelle Besetzung der Unternehmen den grundsätzlichen Einsatz von Einweisern, z. B. an Kippstellen, ermöglichen würde. Der Vorteil eines Einweisers liegt darin, dass dieser direkte Sicht auf sensible Engstellen oder Gefahrenpunkte hat. Nachteilig ist, dass er nicht direkt Einfluss nehmen kann auf die Bewegung des Fahrzeuges. Außerdem wird er selbst erheblich gefährdet. Hier hat es in der Vergangenheit immer wieder schwere Unfälle gegeben, bei denen gerade Einweiser eingequetscht oder überfahren wurden.

Unter den realistischen Gegebenheiten haben Hersteller zunächst die Möglichkeit, durch konstruktive Maßnahmen in der Heckgestaltung der Erdbaumaschinen die Sicht nach hinten zu verbessern. Hier gibt es in den letzten Jahren bereits beachtliche Neuentwicklungen. Bei der Risikoanalyse wird sich unmittelbar ergeben, ob noch tote Winkel verbleiben oder das Problem hinreichend gelöst ist. Aus heutiger Sicht scheint eine derartige Maßnahme allerdings nur bei Radladern oder Baggern Erfolg versprechend.

Maßnahmen zur Risikominimierung: Konvexspiegel Maßnahmen zur Risikominimierung: Kamerasystem


Eine zur Zeit noch häufig angewandte Maßnahme ist die akustische Rückfahrhupe. Die Vorteile sind darin zu sehen, dass diese Hupen automatisch beim Einlegen des Rückwärtsganges aktiv werden, robust sind und zuverlässig arbeiten. Nachteilig ist, dass die Lautstärke häufig störend wirkt, das Warnsignal auch dann ertönt, wenn keine Gefahr droht und eine Gewöhnung von gefährdeten Personen an ständiges Hupen vorliegt, die so weit geht, dass das Hupen nicht mehr wahrgenommen wird. Für den Fahrer entsteht keinerlei aktive Sichtverbesserung – er fährt genauso blind rückwärts wie zuvor.

Maßnahme Nr. 4 sind verbesserte Spiegelsysteme. Konvexspiegel vergrößern das Sichtfeld des Fahrers nicht nur zur Seite, sondern auch nach vorn zur Fahrzeugfront erheblich. Sie sind einfach nachzurüsten und preisgünstig. Nachteilig wirkt sich aus, dass sie den abgebildeten Bereich verkleinern und verzerren bzw. bei Regen, Tau, Reif oder Dunkelheit nur eingeschränkt oder gar nicht nutzbar sind. Außerdem ermöglichen sie einen Ausgleich der Sichteinschränkungen nur zu den Seiten hin und nicht nach hinten.

Kamerasysteme werden heute in hoher Stückzahl in großer Vielfalt mit Farbmonitoren oder auch LCD-Flachdisplays hergestellt, sind hinsichtlich der Bildqualität leistungsfähig und preisgünstig. Über den Monitor am Fahrerarbeitsplatz kann der Fahrer direkt den toten Winkel im hinteren Bereich seines Fahrzeuges einsehen. Kamerasysteme, deren Monitore ergonomisch günstig angebracht sind, ermöglichen dem Fahrer, alle Bereiche seines Fahrzeuges ständig im Blickfeld zu haben. Er muss nicht seinen Blick vollkommen nach hinten wenden, um den Rückraum zu überblicken, soweit dies überhaupt möglich ist. Die Systeme wirken wie ein „drittes Auge" für den Fahrer. Durch eine intelligente Anordnung der Kameras oder durch die Verwendung von Kameras mit Objektivverschluss ist die Verschmutzungsanfälligkeit der Objektive nicht höher als die Verschmutzungsanfälligkeit von Spiegeln. Im Regelfall muss einmal je Arbeitstag gereinigt werden. Die Systeme bieten Erfassungswinkel von mehr als 120 Grad. Dies reicht aus, um bei sinnvoller Anordnung das gesamte Heck von Fahrzeugen zu überwachen. Der Einbau der robusten und preiswerten Systeme ist an allen Fahrzeugtypen möglich. Nachteilig wirkt sich allenfalls aus, dass auch Kameras hin und wieder gereinigt werden müssen und bei Sonneneinstrahlung eine Blendwirkung mit verminderter Sicht möglich ist. Die Systeme sind fehlersicher – Fehlalarme treten nicht auf.

Maßnahmen zur Risikominimierung: Kamerasystem Maßnahmen zur Risikominimierung: Ultraschallsensoren


Abschließend sind Ultraschallsensorsysteme zu nennen. Die Systeme warnen den Fahrer mittels optischer und akustischer Warneinrichtungen vor Hindernissen. Sie sind praktisch kaum verschmutzungsanfällig und erleichtern das Manövrieren bei engen Einsatzbedingungen. Die Systeme verfügen über einen Vorwarn- und über einen Hauptwarnbereich. Nachteilig wirkt sich aus, dass tote Winkel nicht vollständig abgedeckt werden. Die Systeme unterscheiden nicht zwischen Menschen, baulichen Einrichtungen, Maschinenteilen oder Geländehindernissen. Aufgrund der noch geringen Stückzahlen sind die Systeme circa fünf- bis achtmal so teuer wie Kamerasysteme.

Außer den vorgestellten Maßnahmen, die zur Reduzierung von Sichteinschränkungen eingesetzt werden können, existieren noch weitere Technologien, die sich jedoch bisher am Markt für den Einsatz in Steinbrüchen kaum oder noch nicht durchgesetzt haben. Dies sind Radarsysteme und auch Lasersysteme. Möglicherweise werden programmierbare Lasersysteme, mit denen die Schutzfelder frei definiert werden können, in Zukunft eine weitere Alternative zur Absicherung nicht einsehbarer Gefahrenbereiche bei Erdbaumaschinen darstellen.

Es muss hervorgehoben werden, dass Tests mit Kamerasystemen und Ultraschallsensorsystemen positiv verlaufen sind. Fahrer, deren Maschinen mit solchen Hilfsmitteln ausgerüstet sind, wollen auf diesen Sicherheitsgewinn nicht mehr verzichten. Häufig erhöht sich bei entsprechend ausgestatteten Geräten auch die Produktivität, weil die Fahrzeuge exakter und schneller rangiert und positioniert werden können. Neben der Vermeidung von Personenschäden dienen die Hilfsmittel auch der Verringerung von Sachschäden.



Zusammenfassung und Ausblick

Unfälle mit Muldenkippern, Radladern und sonstigen Erdbaumaschinen bilden einen bedeutenden Unfallschwerpunkt in Steinbrüchen. Eine wesentliche Unfallursache ist die unzureichende Sicht des Fahrers nach hinten.

Technische Möglichkeiten zur Verringerung der Unfallrisiken sind vorhanden. Diese sind bewährt, kostengünstig, zuverlässig und werden von den Fahrzeugführern akzeptiert.

Die Verantwortung für die Arbeitssicherheit der Maschinen tragen die Maschinenhersteller und Importeure. Die Betreiber müssen den arbeitssicheren Zustand der Geräte erhalten.

Die Hersteller sind aufgefordert, ihrer Verpflichtung, die sich aus der Maschinenrichtlinie ergibt, nachzukommen, eine Risikoanalyse durchzuführen und Erdbaumaschinen mit Sichteinschränkungen serienmäßig mit Rückraumüberwachungssystemen auszurüsten.

 

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG, Hauptverwaltung,
Tel. 05 11/7257-970, Fax /7257-791, E-Mail: GBPHV@aol.com





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