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[Die Industrie der Steine + Erden]






50 + 100 = Zeppelin

Zeppelin feiert im Sommer sowohl 50- als auch 100-jähriges Jubiläum

 

Cat D250 Selten können zwei Jubiläen zum gleichen Zeitpunkt gefeiert werden, noch seltener zusammen das 50- und 100-jährige. Einmalig dürfte es aber sein, wenn diese Feier so gegensätzliche Themen wie schwebende Luftschiffe und schwergewichtige Baumaschinen vereint. Zeppelin in Friedrichshafen feiert im Sommer das 100-jährige Jubiläum des ersten Aufstiegs eines Luftschiffs und zudem das 50-jährige Jubiläum des Firmenneustarts nach dem 2. Weltkrieg.

Untrennbar ist der Name Zeppelin nicht nur mit Luftschiffen verbunden, sondern auch mit Baumaschinen und Motoren von Caterpillar. Der Lauf der Geschichte führte die beiden traditionsreichen Unternehmen trotz ihrer unterschiedlichen Produkte zusammen. "Man muss nur wollen und daran glauben, dann wird es gelingen", lautete der Wahlspruch des Grafen Ferdinand von Zeppelin, des Erfinders und Erbauers der Luftschiffe. Dass diese Worte bis heute Gültigkeit haben, beweist die neuere Geschichte des Unternehmens.

 



Die gelben Riesen prägten deutsches Baugeschehen

Wie gestaltete sich der so ungewöhnliche Wandel von schwebenden Zeppelinen zu schwergewichtigen Baumaschinen? In den Jahren des 2. Weltkrieges hatte Zeppelin Aufgaben der Rüstungsindustrie zu übernehmen. Kurz vor Kriegsende wurde das Werksgelände durch Luftangriffe schwer beschädigt. 1950 wurde als Nachfolgebetrieb des Luftschiffbaus die Metallwerke Friedrichshafen GmbH gegründet.

Basierend auf den beim Bau der Luftschiffe gesammelten Erfahrungen mit extrem leichten, aber hochfesten Strukturen, wurde beschlossen, die Fertigung auf neue Geschäftsbereiche zu verlagern. Dazu zählten Parabolantennen für Radar- und Richtfunkanlagen, Aufbauten für Spezialfahrzeuge für den zivilen und militärischen Bedarf sowie der Behälter- und Apparatebau für die chemische und kunststoffverarbeitende Industrie.

Da nach Kriegsende auch Flugzeuge und Fahrzeuge für die französische Armee instandgesetzt und so Erfahrungen mit den meist amerikanischen Geräten gesammelt werden konnten, bot es sich an, dass Zeppelin 1954 die Generalvertretung der amerikanischen Caterpillar Tractor Co. für die Bundesrepublik übernahm. Der sogenannte "gleislose Erdbau" mit den gelben Riesen von Caterpillar war im Nachkriegsdeutschland noch so gut wie unbekannt Feldbahnen und Seilbagger, oft sogar noch dampfgetriebene aus der Vorkriegszeit, waren gängige Baumaschinen. Deshalb erklärten die Zeppelin-Mitarbeiter damals in Seminaren und Gesprächen deutschen Unternehmern die Vorteile der neuen Methoden und leisteten erneut in der Tradition des Grafen Zeppelin Pionierarbeit.

Bald erkannten die Unternehmer, dass die amerikanischen Riesenmaschinen gegenüber Feldbahnen, Loren und Seilbaggern ihre Arbeit schneller, besser und wirtschaftlicher erledigten. Weil für die Caterpillar-Hochleistungsmaschinen ein erstklassiger Kundendienst unabdingbar war, wurde schon in den 50er Jahren geplant, ein immer dichter werdendes Netz von Niederlassungen aufzubauen. Die Niederlassungen sollten mit erfahrenem Fachpersonal besetzt sein und über umfangreiche Werkstatteinrichtungen und Servicefahrzeuge verfügen. Durch das Niederlassungsnetz blieben Vertrieb und Kundendienst in den Händen von Zeppelin, so dass auf fremde Händler verzichtet werden konnte.

 



Alles aus einer Hand

Bereits in den 70er Jahren galt das Zeppelin-Zentralersatzteillager als das Rückgrat der Organisation. Mehr als 40.000 Ersatzteile mit einem damaligen Lagerwert von 30 Millionen DM wurden disponiert. Schon damals konnten über 90 Prozent aller Ersatzteile binnen 24 Stunden ausgeliefert werden, was die Ausfallzeiten von Cat-Maschinen minimierte.

Fortschrittliche Wartungsstrategien waren seit jeher typisch für Zeppelin. 1975 bot das Unternehmen seinen Kunden erstmals die Zeppelin Öldiagnose an. Dabei wurden Ölproben aus Motor, Getriebe, Hydraulik und Achsen regelmäßig im eigenen Öllabor analysiert, um Verschleißschäden zu verhindern und damit überraschenden Maschinenausfällen vorbeugen zu können.


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Anfang der 90er Jahre wurden bei Zeppelin neue Produktbereiche ins Leben gerufen, so die Tiefbautechnik mit dem Vertrieb von Spezialgeräten für die Ramm- und Bohrverfahren des Spezialtiefbaues. Die Zeppelin Hochbautechnik stellte ein lückenloses Kranprogramm zusammen, das von kompakten Schnellmontagekranen bis zum ausgesprochenen Großkran reicht.

Ab 1993 bot Zeppelin mit dem neuen Produktbereich Aufbereitungs- und Recyclingtechnik auch eine komplette Palette an mobilen Brecher- und Siebanlagen an, und jüngst kam der neue Bereich Forsttechnik dazu. Eine breite Auswahl an Anbaugeräten und Ausrüstungen für Baumaschinen sowie komplette Baustellenausrüstungen vom Kompressor bis zum Baucontainer machen Zeppelin inzwischen zum Full-Liner, der den Kunden alles aus einer Hand zur Verfügung stellen kann.

"Unsere Produktphilosophie ist es nicht, nur ein Produkt zu verkaufen, sondern unseren Kunden eine fachlich qualifizierte Beratung, leistungsstarke umweltfreundliche Produkte, eine umfassende Produktpalette, eine perfekte Ersatzteillogistik, einen professionellen Service, kurz- und langfristige Mietprogramme und interessante Finanzierungen anzubieten, und dies alles aus einer Hand", meint der heutige Vorsitzende der Zeppelin-Geschäftsführung, Ernst Susanek.


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In keinem anderen Land der Welt mit Ausnahme der USA wurden 1999 mehr Caterpillar-Maschinen auf den Markt gebracht als in Deutschland: Mit über 4000 verkauften Cats hält Zeppelin damit als Europas größte Vertriebs- und Serviceorganisation einen Weltrekord. Der Konzernumsatz lag 1998 über 2,3 Milliarden DM. In den letzten Jahren übernahm Zeppelin außerdem die Cat-Vertretungen von Österreich, Tschechien, der Slowakei, der Ukraine und Nordwest-Russland samt den Großräumen Moskau und Petersburg.

 



Namensgeber war genialer Konstrukteur und mutiger Unternehmer

Graf Ferdinand von Zeppelin Begründer des Unternehmens Zeppelin und Initiator des Luftschiffbaues war der 1838 in Konstanz am Bodensee geborene Graf Ferdinand von Zeppelin. Als 24-jähriger Oberleutnant entsandte ihn der württembergische König als Beobachter des amerikanischen Bürgerkrieges in die Vereinigten Staaten. Dort nahm Graf Zeppelin erstmals an Fesselballonaufstiegen teil. Weitere Impulse lieferten 1874 Vorträge des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan zum Thema "Weltpost und Luftschifffahrt".

Obwohl als "Narr vom Bodensee" belächelt, investierte Graf Zeppelin sein gesamtes Privatvermögen in die Entwicklung funktionsfähiger, lenkbarer Luftschiffe. Im Juli 1900 erhob sich LZ 1 in der Nähe von Friedrichshafen in die Luft, ein 128 m langes Luftschiff mit elf Metern Durchmesser und 11.300 m3 Inhalt.1908 ereignete sich ein schweres Unglück, erfreulicherweise ohne Verletzte: Der vierte Zeppelin riss bei einem Sturm aus der Verankerung, geriet in Brand und war nur noch ein Trümmerhaufen. Der Bau der vier Luftschiffe hatte das Vermögen Graf Zeppelins verschlungen, so dass an die Fortführung der Entwicklung aus eigenen Mitteln nicht mehr zu denken war. Doch eine Welle der Hilfsbereitschaft erfasste das deutsche Volk in einer Spendenaktion wurden 6,25 Millionen Mark aufgebracht. Im September 1908 konnte die Stiftung Luftschiffbau Zeppelin GmbH gegründet werden. Schon 1909 rief Graf Zeppelin die erste Luftverkehrsgesellschaft der Welt ins Leben, die bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges 1500 Luftschifffahrten ohne Unfälle und Personenschäden durchführte.

Luftschiff Mit dem 1928 in Dienst gestellten Luftschiff LZ 127 namens "Graf Zeppelin" gelang erstmals die Umrundung der Erde auf dem Luftweg. Die "Graf Zeppelin" stieg am 15. August 1929 mit 20 Wissenschaftlern aus aller Welt an Bord zu einer Forschungsfahrt auf. In nur zwölfeinhalb Tagen wurden über 35.000 Kilometer zurückgelegt! Insgesamt fuhr die "Graf Zeppelin" rund 1,7 Millionen Kilometer, überquerte mehr als 150mal den Atlantik und beförderte unfallfrei 13.000 Passagiere.

Das tragische Unglück des LZ 129 "Hindenburg", ein 245 m langes Riesenluftschiff mit 4200 PS Antriebsleistung, 45 t Nutzlast und 130 km/h Reisegeschwindigkeit für die 43-stündige Non-Stop-Reise Frankfurt-New York, bereitete 1937 der Luftschiffahrt ein jähes Ende. Das war mehr als schade, denn in der Passagierluftschifffahrt wurden bis 1937 mehr als 2,25 Millionen Kilometer ohne Schaden zurückgelegt.





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