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[Die Industrie der Steine + Erden]






Die Besten in Berlin ausgezeichnet

Die deutsche Kalkindustrie wird sicherer

Am 30. Juni 2000 traf sich die deutsche Kalkindustrie aus Anlass der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie e. V. in Berlin. Der Tagungsort und die Kalkindustrie verbindet eine ganz besondere Beziehung, denn: Das historische Berlin ist mit Baustoffen aus Kalk gebaut. Seit Jahrhunderten kamen sie aus den umliegenden Kalksteinbrüchen und Kalkwerken. Besonders Rüdersdorf war und ist ein Zentrum der Kalkherstellung. Das in die alten Kalksteinbrüche integrierte Baustoffpark-Museum Rüdersdorf avancierte in diesem Jahr zum externen Projekt der EXPO. Auch heute, beim Ausbau Berlins zur Hauptstadt eines wiedervereinigten demokratischen Deutschlands sind Baustoffe aus Kalk im Einsatz - z. B. Schotter, Splitte, Zuschlagstoffe, ebenso Putze, Mörtel, Estriche, Porenbeton, Asphalt sowie Kalksandsteine. Kalk ist aber nicht nur Baustoff, sondern äußerst vielseitig in seinen Anwendungsbereichen: In der Eisen- und Stahl-Industrie, der chemischen Industrie, im Umweltschutz und in der Landwirtschaft ist Kalk wesentlicher Bestandteil moderner Technologien und Prozesse. Über diese Vielfalt von Kalkanwendungen informierten Klaus Schaefer und Dr. Hans Peter Hennecke, Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes sowie Dietmar von Landsberg und Dr. Bernhard Oppermann, die beiden Geschäftsführer des Verbandes, anlässlich einer Pressekonferenz.


Kalkwerk Rüdersdorf Die Preisträger des Sicherheitswettbewerbes 1999

Die deutsche Kalkindustrie geht mit gedämpftem Optimismus für das Jahr 2000 in die Zukunft, nachdem der Absatz ungebrannter Kalkprodukte im letzten Jahr gegenüber 1998 um 2,7 Prozent auf circa 37,1 Millionen Tonnen zurückgegangen war. Beim Absatz gebrannter Produkte betrug der Rückgang 1,3 Prozent. Für das Jahr 2000 erwartet man beim Branntkalk Steigerungsraten von drei bis fünf Prozent, so dass das Niveau des Jahres 1997 wieder erreicht werden dürfte. Dies wird durch ein deutliches Plus beim Kalkabsatz an die Eisen- und Stahl-Industrie sowie für Umweltschutzanwendungen wesentlich beeinflusst. Auch die Entwicklung am Bau, vor allem in den Bereichen Kalksandstein und Porenbeton, wird leicht positiv bewertet.

Der Gesamtumsatz von 1,3 Milliarden DM im letzten Jahr wird von 5.500 Beschäftigten in 140 Betrieben der deutschen Kalkindustrie erwirtschaftet, die pro Jahr rund 40 Millionen Tonnen Kalkstein und 6,5 Millionen Tonnen gebrannten Kalk verkaufen. Erfreulicherweise hat die Mitarbeiterzahl 1999 sogar um 0,4 Prozent zugenommen.

Wie Klaus Schaefer berichtete, sind Kalkeinlieferungen aus Tschechien und Polen kaum noch ein Problem. Der dort erzeugte Kalk wird in erster Linie für die gestiegene heimische Bauindustrie benötigt, so dass kaum noch Importe nach Deutschland kommen. Bei der Kalksandsteinindustrie habe man jedoch in Ostdeutschland eine Überkapazität von 60 Prozent, so dass es voraussichtlich zu Werksstilllegungen kommen müsse. Die größten deutschen Kalkproduzenten sind Rheinkalk, Fels-Werke, Schaefer Kalk und Heidelberger Zement.

Um zukünftig effektiver die Interessen der Industrie vertreten zu können, plant man zurzeit vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen eine Neuausrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie. Vor allem die deutliche Verstärkung der europäischen Interessenvertretung steht im Vordergrund. Durch die Gründung eines gemeinsamen Dachverbandes will man ab Januar 2001 noch enger mit dem Bundesverband Naturstein-Industrie e.V. zusammenarbeiten.



Hoher Stellenwert der Arbeitssicherheit

Unfallgeschehen in der Kalkindustrie Unfallgeschehen in der Kalkindustrie

Seit 14 Jahren führt die deutsche Kalkindustrie einen Arbeitssicherheits-Wettbewerb durch. Durch diesen Wettbewerb und durch viele weitere Initiativen des außerordentlich aktiven Arbeitskreises "Arbeitssicherheit" des Bundesverbandes, die zum Teil auch gemeinschaftlich mit der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in enger Abstimmung stattfinden, ist es gelungen, die deutsche Kalkindustrie sicherer zu machen. Welch positiven Einfluss das Instrument "Arbeitssicherheit" auf Wirtschaftlichkeit und Produktionsergebnisse hat, ist der deutschen Kalkindustrie nach den Worten ihrer Vorsitzenden Klaus Schaefer und Dr. Hans Peter Hennecke schon lange bewusst. Insofern engagiere man sich für die Arbeitssicherheit nicht nur aus sozialer Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern, sondern auch wegen der harten wirtschaftlichen Fakten.

Anlässlich der Mitgliederversammlung in Berlin wurden die Preisträger des Jahres 1999 ausgezeichnet. Die Verleihung der Urkunden nahm der stellvertretende Vorsitzende, Dr. Hans Peter Hennecke, vor. Sieger des `99er Wettbewerbs ist die Firma Fels-Werke GmbH, Kalkwerk Saal. Silberne Urkunden erhielten die Firmen Rheinkalk GmbH & Co. KG, Flandersbach, sowie Schaefer Kalk, Diez. Urkunden in Bronze gingen an das Werk Rheinkalk GmbH & Co. KG, Neandertal, Großtagebau Kamsdorf, und an die Firma Lanwehr Naturstein GmbH & Co. KG in Müschede.

Am Arbeitssicherheitswettbewerb haben sich 1999 insgesamt 82 Mitgliedswerke beteiligt. Die Zahl der in der Statistik erfassten anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle hat sich erfreulicherweise weiter um 38 verringert. Dies entspricht einem Rückgang von 16,5 Prozent. Der Sicherheitsindex als zentraler Branchenmaßstab ist von 33,18 auf 36,47, also um 9,9 Prozent angestiegen. Der Sicherheitsindex wird errechnet aus der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden gewerblicher Arbeitnehmer im Berichtszeitraum, dividiert durch die Zahl der gewerblichen Arbeitsunfälle, dividiert durch 1.000. Dies zeigt, dass sich die Unfallsituation in der Kalkindustrie effektiv verbessert hat und den besten Stand seit Beginn des Wettbewerbs erreicht hat. Auch hinsichtlich der Zahl der Unfälle je 100 gewerblicher Arbeitnehmer ist 1999 über ein positives Ergebnis zu berichten. Allerdings ist auch in der deutschen Kalkindustrie, wie in der gesamten Steine und Erden-Industrie in den letzten Jahren bei diesen Zahlen eine Abflachung der sinkenden Kurve erkennbar: Weitere Erfolge in der Reduzierung der meldepflichtigen Unfälle sind nur noch mit großen Anstrengungen erreichbar.

1999 blieben 23 Werke (Vorjahr: 24 Werke) unfallfrei, teilweise bereits mehrere Jahre hintereinander. Ihr Sicherheitsindex reichte jedoch für eine Prämierung noch nicht aus. Diesen Werken werden die aufgelaufenen, unfallfreien Stunden allerdings für das nächste Jahr gutgeschrieben und gehen dann in die Statistik mit ein. Sie haben sich damit eine gute Ausgangsposition geschaffen, bei weiter anhaltender Unfallfreiheit in den nächsten Jahren in die Prämierung zu kommen. Auch die unfallfreien Stunden haben einmal mehr mit einem Wert von fast 1,5 Millionen einen neuen Höchstwert erreicht.

Erfreulicherweise ist 1999 kein tödlicher Arbeitsunfall in der Kalkindustrie eingetreten. Das Credo der deutschen Kalkindustrie lautet:

Der im Betrieb erlernte, gewohnte und geübte - meist sehr hohe - Sicherheitsstandard darf nicht am Werkstor enden. Er muss auch auf dem Weg von und zur Arbeit und selbstverständlich auch im privaten Bereich zu Hause angestrebt und eingehalten werden. Die Vorsitzenden des Bundesverbandes appellierten daher an die Mitgliedswerke, die Förderung der Arbeitssicherheit weiter zu verstärken und in ihren Bemühungen nicht nachzulassen. "Sicherheit ist eine Daueraufgabe - rund um die Uhr!", so das Bekenntnis von Dr. Hennecke.

Erfreulich: Die gemeinsam mit der StBG durchgeführten Arbeitssicherheits-Seminare für Mitarbeiter mit Führungsverantwortung erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit! Die Resonanz aller Teilnehmer an den Seminaren ist durchgehend außerordentlich positiv. Sie berichten, dass sie die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten im Hinblick auf Schulungen und Motivation ihrer eigenen Mitarbeiter in den Betrieben unmittelbar mit Erfolg einsetzen können. Das anhaltende Interesse, vor allem aber die Breitenwirkung der nachgeschalteten Sicherheitsarbeit in den Betrieben, sind nach Einschätzung des Arbeitskreises "Arbeitssicherheit" daher ursächlich am Erfolg des Arbeitssicherheits-Wettbewerbs der letzten Jahre beteiligt. Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gratuliert dem Bundesverband zu seiner konsequenten Sicherheitsarbeit und allen Preisträgern des Jahres 1999 für die herausragenden Leistungen!

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG,

Tel. 05 11/72 57-9 70, Fax /72 57-7 91





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