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[Die Industrie der Steine + Erden]






Augenblick mal

Sehen und Schutz unserer Augen bei der Arbeit


Mit der zunehmenden Bedeutung moderner Technik haben sich in allen Bereichen des Lebens die Anforderungen an unsere Sehschärfe erhöht. Gesunde Augen und eine gute Sehschärfe sind wichtige Voraussetzungen, um den Anforderungen der Arbeit in der Steine und Erden-Industrie gewachsen zu sein. Mechanisierung und Automation von Arbeitsprozessen führen dazu, dass der Anteil der Arbeitsplätze mit vorwiegend körperlicher Beanspruchung ständig abnimmt. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die menschliche Fähigkeit zur Aufnahme wie auch zur Verarbeitung und Ausgabe von Informationen. Die Augen tragen dabei die Hauptverantwortung, die allerdings zur Belastung wird, wenn wir nicht für ihre Sehschärfe und für die jeweils optimalen Sehbedingungen sorgen. Der Sehprozess ist ein kompliziertes Zusammenspiel von Augen als optisches Aufnahmesystem und Gehirn als Organ für die visuelle Wahrnehmung und Steuerzentrum für die möglichst optimale Einstellung der Linse und der Augen zueinander.



Wie ist das Auge aufgebaut?

Das menschliche Auge besteht aus dem Augapfel und den Hilfseinrichtungen, die der Bewegung und dem Schutz des Auges dienen (Augenmuskeln, Augenlider mit Wimpern und Tränenapparat). Der Augapfel ist in die knöcherne Augenhöhle eingebettet. Die Hülle des Augapfels besteht aus der derben Lederhaut, die im vorderen Bereich in die empfindliche durchsichtige Hornhaut übergeht. Nach innen folgt die gut durchblutete Aderhaut, an die sich nach innen zu die Netzhaut anschließt.

Das Augeninnere ist zweigeteilt: Die vordere Augenkammer wird durch die ringförmige Regenbogenhaut (Iris) begrenzt. Die Iris liegt der Augenlinse auf und umgrenzt die Pupille, die die Sehöffnung darstellt. Der Durchmesser der Pupille kann in Abhängigkeit vom einfallenden Licht vergrößert oder verkleinert werden. Die Pupille unterstützt außerdem den Vorgang der Schärfeneinstellung, indem sie sich bei Naheinstellung der Linse verkleinert und beim Sehen in die Ferne vergrößert. Auch Gefühlsregungen haben Einfluss auf die Pupillenweite, so vergrößert sie sich bei Schreckreaktionen. Den vorderen Abschluss des flüssigkeitsgefüllten Glaskörpers (hintere Augenkammer) bildet die Linse, die aus Schichten unterschiedlicher Brechkraft aufgebaut ist und von einer durchsichtigen, elastischen Membran umschlossen wird. Die Linse ist in einem ringförmigen Muskelstreifen an Fasern aufgehangen, durch Muskelanspannung und Erschlaffung kann die Linse in ihrer Form und damit in ihrer optischen Eigenschaft verändert werden. Der bildentwerfende Apparat des Auges besteht aus der Hornhaut, die das auf die Augenoberfläche fallende Licht als Konvexlinse nach innen richtet, der Iris als Blende und der Linse als Sammellinse, die die einfallenden Lichtstrahlen sammelt und ein umgekehrtes Bild des betrachteten Gegenstandes auf die Netzhaut wirft. Dieses Bild wird von der Netzhaut aufgenommen und in Nervenimpulse umgewandelt, die in verschlüsselter Form dem Gehirn die empfangenen Informationen zuleiten.


Querschnitt durch das Auge Querschnitt durch das Auge



Präzises Sehen ein Leben lang?

Ab einem Alter von etwa 40 Jahren kann die Einstellfähigkeit des Auges auf verschiedene Entfernungen nachlassen. Für das Lesen oder beim Arbeiten in der Nähe werden die Arme einfach zu kurz. Da sich beim Betrachten naher Gegenstände die Linse etwas wölben muss (Naheinstellung), wird diese Funktion mit zunehmendem Alter eingeschränkt. Die Flexibilität der Linse nimmt ab, da sich die Zellstruktur zunehmend verdichtet. Man spricht dann von der Alterssichtigkeit. Für diese Probleme gibt es verschiedene Lösungen, wie das Tragen von Zwei- oder Dreistärkengläsern oder Multifokalgläsern und auch verschiedene Einstärkengläser. Sicher ist, dass präzises Sehen in allen Entfernungen sogar mit einer Brille möglich ist. Da auch andere Funktionen des Auges ab einem Lebensalter von etwa 45 Jahren regelmäßig untersucht werden sollten, empfiehlt sich unbedingt bei den ersten Anzeichen einer Alterssichtigkeit der Besuch eines Augenarztes.



Kurzsichtigkeit – die häufigste Sehschwäche

Kurzsichtigkeit bedeutet, dass alles in der Nähe sehr gut und scharf gesehen wird, entfernte Gegenstände dagegen werden unscharf gesehen. Die Augenfunktionen selbst sind genauso gut wie beim normalen Auge, der Augapfel ist lediglich etwas länglicher geformt und es kommt deshalb zu einem Brechungsfehler bei der Betrachtung entfernter Gegenstände. Die Kurzsichtigkeit lässt sich selbstverständlich durch eine Fernbrille oder entsprechende Kontaktlinsen korrigieren. Es trifft leider nicht zu, dass man die organisch bedingte Kurzsichtigkeit durch „Augentraining" beseitigen könnte.

Man kann lediglich die sog. Akkomodation (Nahanpassung) etwas verbessern und so die Kurzsichtigkeit geringfügig mildern. Außerdem ist es falsch anzunehmen, dass Brillen oder Kontaktlinsen die Augen verändern und damit die Akkomodationsfähigkeit reduziert wird. Bei Kurzsichtigkeit sollte man regelmäßig, insbesondere ab 45 Jahren, eine augenärztliche Untersuchung durchführen lassen. Durch den länglichen Bau des Augapfels ist die Netzhaut stärker gedehnt und es kann zu Spannungen und Ablösungen der Netzhaut kommen. Bei einer Netzhautuntersuchung kann dies meist rechtzeitig erkannt und therapiert werden.



Weitsichtigkeit - der zweithäufigste Grund für eine Brille

Bei der Weitsichtigkeit (Hyperopie) kann man sehr gut in der Ferne, aber weniger scharf in der Nähe sehen. Die Weitsichtigkeit ist also das Gegenteil der Kurzsichtigkeit. Die Weitsichtigkeit kann mit einer Brille oder Kontaktlinsen korrigiert werden. Die Weitsichtigkeit ist nicht zu verwechseln mit der Alterssichtigkeit. Während bei der Weitsichtigkeit eine Abweichung des Augapfels die Ursache ist, ist es bei der Alterssichtigkeit die Flexibilität der Linse.



Unfallursache: eingeschränktes Sehvermögen

Bei Autofahrern ist eine häufige Unfallursache mangelhaftes Sehen, da ein Großteil der Unfallfahrer das eigene Sehvermögen völlig überschätzt. Sollte uns diese Tatsache nicht auch bei der beruflichen Tätigkeit zu denken geben? Hinzu kommt ein nachvollziehbares menschliches Fehlverhalten, die aktuelle „teure" Sehhilfe wird privat getragen und bei der Arbeit durch ein älteres, nicht mehr der Sehschwäche angepasstes Exemplar ersetzt. Hier sollte eine Zweitbrille mit Kunststoffgläsern in einem bruchfesten Gestell getragen werden.



Augenverletzungen – Gefahren werden unterschätzt

Arbeitsschutzbrille Leider nehmen Augenverletzungen im Rahmen des Unfallgeschehens in der Steine und Erden-Branche einen großen Raum ein. Da es sich zumeist nicht um meldepflichtige Arbeitsunfälle (>= 3 Tage arbeitsunfähig) handelt, wird Augenverletzungen und den auslösenden Gefahrenquellen leider nicht genügend Beachtung geschenkt. In jedem Fall sind solche Verletzungen jedoch für den Betroffenen schmerzhaft und führen zu mehrstündigem oder mitunter mehrtägigem Arbeitsausfall. Oft werden die Augen von wegspringenden Teilchen (Bearbeitung, Reparaturen etc.) oder Stäuben – in der Produktion oder bei Wartung und Instandhaltung, beim Öffnen von Luken oder Ausblasen von Anlagen – getroffen. Weitere Gefahren: Chemische Einwirkung von Säuren, Laugen und organischen Lösungsmitteln, physikalische Einwirkung durch Wärme und UV-Strahlung z. B. beim Schweißen. Wer eine normale Brille trägt, besitzt damit noch keine Schutzbrille. Diese haben ein Gestell aus bruchfestem, allergiearmem Material, frei von störenden Ecken und Kanten sowie Gläser oder Sichtscheiben, die Stoßbelastungen oder Einwirkungen von Säuren und Laugen aushalten. Entsprechend dem Einsatzzweck gibt es eine spezielle Kennzeichnung und Ausführung. Nicht immer ist es mit einer Schutzbrille getan. Oft muss das ganze Gesicht geschützt werden, zum Beispiel bei Arbeiten an unter Spannung stehenden Anlagen, beim Umgang mit Säuren und Laugen (Ein- und Ausbauen von Fahrzeugbatterien) oder beim Lichtbogenschweißen. Dafür gibt es Schutzschilde und Schutzhauben. Für jeden Einsatzzweck sollte nur die dazu geeignete Schutzausrüstung verwendet werden! Die Steinbruchs-BG hilft hier gern mit ihrer fachkundigen Beratung durch die Ingenieure und Arbeitsmediziner.



Sekunden entscheiden – Erste Hilfe rechtzeitig organisieren

Gelangen Chemikalienspritzer ins Auge, ist es äußerst wichtig, sofort zu spülen. Eine Augenspülmöglichkeit ist an allen gefährdeten Arbeitsplätzen als Mittel zur Ersten Hilfe vorgeschrieben. Sinnvolle Ergänzung solcher stationärer Einrichtungen kann z. B. bei Arbeiten im Gelände eine Augenspülflasche sein. Hier sind hohe Anforderungen an den Schutz vor Verkeimung zu stellen. Aber auch weitere Maßnahmen der Ersten Hilfe wie keimfreie Abdeckung der Augen und Aufsuchen eines Augenarztes sollten organisiert und geübt sein. Bei metallischen Fremdkörpern ist eine übliche Methode die Magnetextraktion. Bei der Magnetextraktion, der ältesten Methode, wird der Fremdkörper mit Hilfe eines Magneten aus dem Auge gezogen. Rein technisch ist dies bei bis zu 90 Prozent aller Fremdkörper möglich. Hierbei stellt sich jedoch das Problem, den Weg des Fremdkörpers aus dem Auge durch das Magnetfeld so zu steuern, dass keine weiteren Schäden angerichtet werden. Also kein Fall für den medizinischen Laien, nur der fachkompetente Arzt darf hier tätig werden.



Augenschutz – Aufgabe für Unternehmer und Beschäftige

Der Unternehmer stellt geeigneten Augenschutz als „Persönliche Schutzausrüstung" zur Verfügung, unterweist regelmäßig in geeigneter Weise, kontrolliert, ob die Schutzausrüstung benutzt wird und beteiligt die Beschäftigten bei der Auswahl und Erprobung. Der Beschäftigte wendet die Persönliche Schutzausrüstung an, zeigt Mängel an und macht Auswahl-Vorschläge.


Eine Kombination von Arbeitsschutzbrille und Kapselgehörschutz Eine Kombination von Arbeitsschutzbrille und Kapselgehörschutz



Bildschirmarbeit – eine besondere Beanspruchung für die Augen?>

Die Bildschirme selbst stellen nach dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis keine Gefahr für die Gesundheit dar. Danach ist erwiesen, dass weder Erkrankungen durch Strahlen (Röntgen- und elektromagnetische Strahlung und elektrostatische Felder) möglich sind, da ihre Intensität weit unterhalb der durch die Strahlenschutz-Verordnung und das Immissionsschutzgesetz festgelegten zulässigen Grenzen liegen, noch organische Veränderungen am Auge auftreten.

Das visuelle Belastungsprofil bei der Arbeit am Bildschirm ist jedoch durch die Vielzahl von Blickwechseln – bis zu 30.000 pro Tag – geprägt. Um Überanstrengungen der Augen zu vermeiden, müssen am Bildschirm-Arbeitsplatz spezielle Voraussetzungen erfüllt sein.

Die Lichtverhältnisse spielen eine ganz entscheidende Rolle, so erschwert eine zu hohe Beleuchtungsstärke die visuelle Wahrnehmung, bei einer zu niedrigen vermindert sich die Sehschärfe. Tageslicht gilt allgemein für jeden Arbeitsplatz als optimale Beleuchtung, für Arbeitsplätze im Fensterbereich kann es aber unter Umständen zu hell sein. In diesem Fall helfen Jalousien, die jedoch nicht weiß oder in kräftigen Farben gestaltet sein sollten. Um die erforderliche Beleuchtungsstärke zu erreichen – der Mindestwert liegt bei 500 Lux – kann man in der Regel auf Kunstlicht nicht verzichten. Neutralweiße Leuchtstoffröhren sollten in die Decke eingelassen sein oder längs zur Blickrichtung installiert sein, wobei sich Prismen- und Rasterleuchten bewährt haben. Häufig sind Reflexe auf dem Bildschirm Ursache für Beschwerden. Sie entstehen zum Beispiel bei weißer oder kontrastreicher heller Bekleidung oder sehr hellen Wänden und spiegelnden Möbeloberflächen. Auf dem Bildschirm haben auch kleinste Reflexe große Bedeutung, weil man unbewusst die Körperhaltung einnimmt, durch die man ihnen am besten ausweichen kann. Aus einer dadurch bedingten ständigen Fehlhaltung können Muskelverspannungen resultieren, die zu Kopfschmerzen bis hin zu Haltungsschäden führen.

Eine wichtige Voraussetzung für ermüdungsfreies Sehen ist die richtige Entfernung zwischen Auge und Bildschirm. Dabei liegt der individuelle Entfernungsabstand zwischen 50 und 70 Zentimetern. Der Bildschirm sollte so angeordnet sein, dass man mit einer leichten Neigung des Kopfes nach vorne die Oberfläche betrachtet. Ein guter Kontrast steigert die Sehschärfe. Stellt man jedoch den Bildschirmhintergrund schwarz ein, dann wirkt er wie eine dunkle Tunneleinfahrt, wodurch die Blendwirkung des hellen Umfeldes unangenehm erhöht wird. Eine „Positiveinstellung", also schwarze Schrift auf hellem Hintergrund, ist heute Standard. Eine Darstellung mit roten und blauen Bereichen aneinander führt zu Schwierigkeiten bei der Fokussierung und ist deshalb zu vermeiden.


Bildschirmarbeitsplatz



Welche Brille ist für die Bildschirmarbeit geeignet?

Jede konzentrierte Arbeit erfordert Phasen der Entspannung, wobei mehrere kurze Pausen wirkungsvoller als eine lange sind. Dabei muss berücksichtigt werden, dass jede andere Betätigung im normalen Arbeitsablauf ebenfalls einen Erholungsausgleich schafft. Gesunde Augen und eine gute Sehschärfe sind die wichtigsten Voraussetzungen, um den Anforderungen der Bildschirmarbeit gewachsen zu sein. Eine Fehlsichtigkeit kann in den meisten Fällen mit einer entsprechenden Brille korrigiert werden. Mit zunehmendem Alter nimmt die natürliche Nah-Sehschärfe ab. Das ist eine ganz normale Entwicklung, hervorgerufen durch die nachlassende Akkomodation, also die Fähigkeit der Augen, sich auf nähere Ziele einzustellen. Dieser Prozess beginnt mit dem 40. Lebensjahr und schreitet kontinuierlich fort bis zu einer Sehschärfenminderung von über 50 Prozent. Diese sogenannte Alterssichtigkeit lässt sich mit entsprechenden Brillen korrigieren. Da das Auge dazu neigt, mangelnde Sehschärfe durch größere Anstrengungen seines Sehapparates zu kompensieren, wird vielen Menschen gar nicht bewusst, dass ihre Sehfähigkeit nachlässt. Sie leiden dann „nur" unter den Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Verspannungen im Schulter/Nackenbereich und schnellerer Ermüdung.

Bevor die Akkomodation (natürliche Naheinstellung) nachlässt, ist die normale Brille auch für die Sehanforderung am Bildschirm geeignet. Bei fortgeschrittener Alterssichtigkeit kommt man mit einer „Lesebrille" oder mit Zweistärkengläsern, die im unteren Bereich die zum Lesen erforderliche Sehschärfe vermitteln, nicht mehr aus, weil die Distanz vom Auge zum Bildschirm oder zur Textvorlage eine andere als beim Lesen von Schriftstücken ist. Je weniger sich das Auge auf Entfernungsunterschiede einstellen kann, je geringer die Akkomodationsbreite wird, um so mehr kommt es darauf an, dass die Sehhilfe in Zusammenarbeit von verordnendem Augenarzt und dem Arbeitsmediziner (in Kenntnis der individuellen Arbeitsplatzsituation und Anforderung) ausgewählt wird. Getönte Gläser oder solche, die ihre Tönung automatisch den jeweiligen Lichtverhältnissen anpassen, eignen sich für die Arbeit am Bildschirm weniger gut, da sie die Leuchtdichteverhältnisse ungünstig verändern. Eine Entspiegelung ist dagegen zu empfehlen, weil sie möglicherweise auf dem Brillenglas auftretende Reflexe herabmindert.

 

Klaus Schlingplässer
StBG, Geschäftsstelle Berlin,
Tel. 0 30/5 46 00-0, Fax /5 46 00-3 05





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