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[Die Industrie der Steine + Erden]






Stationäre und mobile Siloanlagen

Silos (Foto Sehring) Silos sind unverzichtbare Bauteile bei der Aufbereitung und Produktion von Baustoffen und deren Weiterverarbeitung auf Baustellen. In ihnen werden die Baustoffe platzsparend zwischengelagert sowie produktschonend für die Weiterverarbeitung vorgehalten. Dabei ist der Einsatz von Silos in den stationären Betrieben der Steine und Erden-Industrie bereits seit Jahrzehnten gängige Praxis. Demgegenüber hat der Einsatz von Silos auf Baustellen erst in den letzten Jahren rasant an Bedeutung zugenommen. Wir wollen sie über Neuentwicklungen bei der Projektierung und beim Einsatz stationärer sowie mobiler Siloanlagen informieren. Breiten Raum nimmt auch die Vorstellung von Neuerungen aus dem Bereich Silo-Zubehör ein.

 



Silokonzept für Europas modernstes Transportbetonwerk

Eines der größten und modernsten Transportbetonwerke Europas wurde im Mai 2000 von der Sehring AG, Frankfurt am Main, in Betrieb genommen. Für die Projektierung und den Bau zeichnete die in Memmingen ansässige Stetter GmbH als Generalunternehmer verantwortlich, die auch die rund 40 am Bau beteiligten Firmen über die sehr kurze Bauzeit von nur sechs Monaten koordiniert hat.

Die hochmoderne Doppel-Turmanlage verfügt über eine Stundenleistung von rund 300 m3 Transportbeton und über Silos für 14 Sorten Zement bei einem Vorrat von 1.600 Tonnen. Die Zuschlagssilos für Sand und Kies haben eine Kapazität von 7.900 Tonnen.

Die am Main gelegene Anlage ist mit einer leistungsfähigen eigenen Kranentladung ausgestattet. Stündlich können damit 400 Tonnen per Binnenschiff oder Bahn gelieferte Sand- und Kiesmengen gelöscht und direkt in die acht parallel zum Main und zur Bahnschiene aufgestellten Passivsilos eingelagert werden.

Die Passivsilos haben jeweils einen Durchmesser von ca. 7,4 m und ein Fassungsvermögen von je 750 Tonnen. Da einige Zuschlagsstoffe, z. B. Leichtsande, seltener gebraucht werden, genügen hierfür halbe Silos; daher wurden drei der Passivsilos mit Trennwänden ausgestattet. Bei geöffneten Auslauforganen kann das gelagerte Material durch die Schwerkraft nach unten abfließen; leicht auslaufende Kiessorten können über Schieber reguliert werden. Für Sande, die zum Verklumpen neigen, wurden spezielle Austragsförderbänder installiert. Selbstverständlich kann aus jeder der acht Kammern auf beide der 70 m langen Abzugsbänder aufgegeben werden.

Ein ebenfalls ca. 70 m langes Steigband fördert bis zu 450 Tonnen Material pro Stunde in den Mischturm. Da dieser zwei Mehrkammersilos enthält, wird das Material über ein Zwischenband wahlweise in das linke oder rechte Silo befördert. Beide Mehrkammersilos sind sternförmig in sieben Kammern unterteilt und werden mit je einem Drehverteilerband befüllt, das sich unter dem Verbindungsband befindet. Jedes Mehrkammersilo kann rund 750 Tonnen aufnehmen.

Da bei einem Standard-Betonrezept der benötigte Zement etwa 1/7 des Gewichtes von Sand und Kies ausmacht, war für die außerordentlich großen Produktionsmengen eine entsprechend große Lagerkapazität für Zement zu schaffen. Dazu wurden acht Zementsilos mit je 200 Tonnen Kapazität aufgestellt. Der von Silofahrzeugen angelieferte Zement wird über eigene besonders lärmgedämmte Kompressoren in die Silos hochgeblasen, da die fahrzeugeigenen Kompressoren aus Lärmschutzgründen nicht eingesetzt werden dürfen.

Die Sehring AG, ein 1927 gegründetes Familienunternehmen, betreibt heute sieben Kieswerke in Deutschland und ist in Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt an insgesamt 18 Werken beteiligt. Sie ist damit eines der größten konzernunabhängigen Unternehmen ihrer Branche in Deutschland und verfügt nun auch über eines der leistungsfähigsten und modernsten Transportbetonwerke in Europa.

 



Mobiles Wechsel-Silo Flexsil mit 60 m3 Füllvolumen

Silos (Foto Posch) Als Spezialist für die Logistik auf Großbaustellen im Hoch- und Tiefbau hat die Jürgen Posch GmbH, Göppingen, ein neuartiges Wechsel-Silo entwickelt. Die mobile Einheit namens Flexsil besteht aus einem Silo mit einem Fassungsvolumen von 60 m3 für Bindemittel und Vorgemische sowie einem Spezial-Transportfahrzeug. Das Ausstellverfahren ist patentiert und nimmt lediglich 15 Minuten in Anspruch. Danach ist das System komplett betriebsbereit. So ist vor allem bei wiederholten Einsätzen die hohe Wirtschaftlichkeit dieser mobilen Neuheit beachtlich.

Als Besonderheit gilt die Kombination des großen Fassungsvolumens von 60 m3 mit den Vorteilen herkömmlicher Kleinsilos beim Aufstellen. Vorwiegend auf Baustellen, wo größere Mengen an Bindemitteln wie Zement, Kalk, Bentonit, Flugasche sowie Vorgemische wie Zement, diverse Putze und Mörtelgemische benötigt werden, ist Flexsil für den Einsatz geeignet. Mit seinen 60 m3 bietet dieses Silosystem zum einen sehr viel Fassungsvolumen für die Herstellung von Baumaterialien direkt vor Ort auf der Baustelle – zum anderen sehr viel Freiraum für die Logistik in Bezug auf die bedarfsgerechte Silobefüllung. Gerade dieser Faktor ist oftmals ein kostspieliger Knackpunkt für Baustellenbetreiber: Erfolgt die Anlieferung zu früh, wenn das Silo noch nicht vollkommen entleert ist, entstehen teure Fahrzeugwartezeiten. Kommt die Baustoffanlieferung zu spät, entstehen ebenfalls unerwünschte Kosten durch Produktionsstillstand, der schlimmstenfalls die ganze Baustelle zum Erliegen bringt. Das Wechsel-Silo wird von einem Spezial-Shuttle-Trailer transportiert, der bei Bedarf angemietet werden kann. Weil hierbei die einschlägigen Zulassungsvorschriften für den Straßentransport sowie das Gesamtgewicht eingehalten werden, sind Zeit und kostenaufwendige Sondergenehmigungen nicht erforderlich. Zudem kann ein Trailer für beliebig viele Baustellensilos genutzt werden. Der Auf- bzw. Abbauvorgang erfolgt ohne zusätzlich benötigte Kran- und Hebezeuge: Die bordeigene Hydraulik des Shuttle-Trailers macht dies möglich. Außerdem werden die Mobilfundamente gleich mit angeliefert. Diese Fundamente sind aus belastbaren Fertigbetonteilen hergestellt. Auf diese Weise ist das problemlose Abtragen der Windkräfte über die mobilen Fundamente und somit das erforderliche Maß an Standsicherheit gewährleistet. Posch weist darauf hin, dass dadurch aufwendige Erd- und Fundamentarbeiten sowie entsprechende Statikberechnungen, wie sie bei Silos mit vergleichbarer Größe notwendig sind, entfallen. Darüber hinaus erspart sich der Anwender auch die übliche und ebenfalls mit Zusatzkosten verbundene Extra-Baugenehmigung für das Silo-Aufstellen. Die Silobefüllung und Entleerung ist sowohl pneumatisch als auch mechanisch möglich. Flexsil wird komplett betriebsbereit, also einschließlich aller Austrags- und Transportorgane wie beispielsweise Förderschnecke, Entstaubungsanlage, Steigleiter und die sonst übliche Siloausrüstung angeliefert.

 



Rohrbögen – flexibel und verschleißfest

Silos (Foto Kalenborn Kalprotect) Mit dem neuen Produkt Kalflex ergänzt der Verschleißschutzspezialist Kalenborn Kalprotect, Vettelschoss, jetzt seine Palette an Werkstoffen und Systemen. Viele Anlagen-Bauteile bewegen sich aufgrund von Vibrationen, Temperaturänderungen oder auch bewussten Bewegungseinwirkungen.

Starre Rohrleitungssysteme können dann nicht eingesetzt werden. Sonderlösungen sind häufig sehr teuer. Hier bietet Kalflex eine Alternative.

Kern des Systems sind verschleißfeste Kalmetall-Segmente, die ineinander gesteckt werden und flexibel ineinander verschoben werden können. Die gießtechnisch hergestellten Segmente können entsprechend den jeweiligen Anforderungen anwendungsoptimiert aus verschiedenen Ni-Hard und Durit-Chromguss-Sorten produziert werden. Diese Spezial-Hartguss-Werkstoffe, für die umfassende Betriebserfahrungen vorliegen, weisen eine hohe Unempfindlichkeit gegen Prall- und Gleitverschleiß auf. Das System der Segmente wird von einem Gummimantel mit Gewebeeinlage umschlossen. Um eine schnelle und leichte Montage in vorhandene Anlagen zu gewährleisten, können alle bekannten Flansche und Kupplungen eingesetzt werden.

Kalflex kann mit Temperaturen von maximal 180 °C und Drücken bis ca. 10 bar beaufschlagt werden. Mit Nennweiten von 19 bis 150 mm ist ein komplettes Programm besonders für die pneumatische Förderung verfügbar.

 



Umweltfreundliche Entladung von Silofahrzeugen

Silos (Foto Gardner Denver Wittig) Silo-Lkw‘s, die Granulate und staubförmige Güter transportieren, werden mittels pneumatischer Förderung entladen. Der dafür notwendige Kompressor befindet sich entweder am Fahrzeug selbst, oder der Lkw wird durch einen an der Entladestelle fest installierten stationären Kompressor mit Druckluft versorgt. Bei häufigen und regelmäßigen Entladevorgängen geht der Trend aus Gründen der Umweltverträglichkeit eindeutig zu stationären Kompressoren.

Eine innovative Lösung für dieses Anwendungsgebiet bietet Gardner Denver Wittig, Schopfheim, mit den öleingespritzten, schallgedämmten Rotationskompressoren der Baureihe "RO topline". Diese Baureihe deckt einen Volumenstrombereich von 170 bis

946 m3 pro Stunde ab und das bei einem Schalldruckpegel von max. 75 dB(A) in einem Meter Abstand. Das anschlussfertige Kompressoraggregat hat durch die vertikale Bauform eine kleinstmögliche Grundfläche und passt ohne Fundament in "jede Ecke". Mit einem Hub- oder Gabelstapler ist der Transport zum Aufstellungsort einfach durchzuführen.

Eine moderne Mikroprozessorsteuerung mit Klartextanzeige übernimmt sämtliche Steuer- und Überwachungsfunktionen. Niedrige Betriebs- und Wartungskosten sowie eine hohe Lebensdauer der Anlage waren nach Angaben von Gardner Denver Wittig bei der Konstruktion der Kompressoren ausschlaggebend. So sind Öl- und Filterwechsel nur einmal im Jahr notwendig. Durch den Direktantrieb entfällt die Wartung von Keilriemen und Getriebe völlig, bei gleichzeitig absolut verschleißfreien Schiebern.

 



Neuartiges Vertikal-Dosiergerät

Silos (Foto Schäffer Verfahrenstechnik) Von der Firma Schäffer – Verfahrenstechnik, Thierhaupten, wurde jetzt ein neuartiges Vertikal-Dosiergerät entwickelt, welches einen gleichmäßigen dosierten Austrag kleiner bis mittelgroßer Massenströme von staubförmigen und feinkörnigen Schüttgütern, wie z. B. Zement und Kalk, ermöglicht. Durch einen relativ großen Einlauf wird in Verbindung mit einer mechanischen Auflockerung ein gleichmäßiger Produktzulauf sichergestellt. Das Vertikal-Dosiergerät kann in unterschiedlichen Werkstoffen wie z. B. Baustahl, Edelstahl und Kesselblech geliefert und in Temperaturbereichen bis zu 250°C eingesetzt werden.

 



Förderschnecken für trockene Schüttgüter

Silos (Foto Stanelle) Der Silo-Anlagenspezialist Stanelle bietet im Rahmen seines umfassenden Silo-Komponentenprogrammes jetzt auch Förderschnecken zur horizontalen und ansteigenden Förderung (bis 45°) von trockenen, pulverförmigen und körnigen Schüttgütern an. Das Sortiment bietet zum einen Standard-Modelle und zum anderen Getriebe nach Kundenwunsch. Die Standard-Getriebe wurden speziell für die Baustoff-Industrie entwickelt. Dafür stehen zwei Getriebetypen mit je drei Übersetzungen zur Auswahl. Die vierpoligen IEC-Normmotoren mit Leistungswerten von 2,2 bis 18,5 kW ermöglichen ein breites Spektrum unterschiedlicher Förderleistungen. Für die Förderung von stark verschleißenden Materialien bietet Stanelle entweder Harddox-Wendel oder durch Auftragsschweißung gepanzerte Wendel an. Das ermöglicht dem Betreiber optimale Standzeiten auch unter extremsten Einsatzbedingungen.

Eine Probenehmerschnecke rundet das Förderschneckensortiment von Stanelle ab. Die Probenehmerschnecke kann am Silokonus, an Übergängen zu Zellenradschleusen oder Schnecken eingebaut werden und ermöglicht eine sichere und unkomplizierte Probeentnahme des jeweiligen Schüttgutes.





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