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[Die Industrie der Steine + Erden]






Recycling von Altbaustoffen

Die Verknappung natürlicher Ressourcen, der geringer werdende Deponieraum und der Schutz der Umwelt erfordern gezielte Recycling-Konzepte. Durch Einsatz modernster Technik ist es möglich, aus Straßenaufbruch und Bauschutt hochwertigen Baustoff rückzugewinnen. Dieser recycelte Baustoff sichert natürliche Mineralstofflagerstätten und entlastet die Umwelt.


Foto: Nordberg

 



Recycling total mobil

Bauschutt-Recycling mit Mobilanlagen bringt immer zwei gegenläufige Forderungen mit sich. Einerseits soll die Anlage groß und leistungsfähig sein, andererseits für den Straßentransport möglichst leicht und einfach zu handhaben. Für den Einsatz an der Baustelle gilt selbstverständlich die bekannte Regel: "Eine Brechanlage kann nie groß und leistungsfähig genug sein". Diese Aussage bezieht sich nicht nur auf die Aufgabe bzw. Brechleistung der Anlage, sondern insbesondere auf die maximal möglichen Stückgrößen, die der Anlage aufgegeben werden können, ohne Materialverstopfungen zu erzeugen. Da eine Vorzerkleinerung teuer ist, wünschen sich die Betreiber im Recyclinggeschäft eine entsprechend große Anlage, die aber unabhängig davon möglichst einfach auf der Straße zu transportieren ist, ohne dass Einzel-Sondergenehmigungen mit Begleitfahrzeug oder Polizeibegleitung bzw. Spezialtieflader erforderlich sind.

Der Göppinger Anlagenbauer Kleemann + Reiner hat diese gegensätzlichen Anforderungen bei der Neuentwicklung einer mobilen Brechanlage berücksichtigt. Das Gerät ist mit einer Backenbrechanlage der Größe 1.100 mm x 700 mm ausgerüstet. Damit kann je nach Aufgabe Material bis zu 150 t/h verarbeitet werden. Eine entsprechende Anlage gibt es auch mit einer Prallmühle der Größe 1.300 mm x 900 mm. Der Brecher kann im laufenden Betrieb im Spalt hydraulisch verstellt werden, und durch spezielle Einrichtungen ist das Starten des Brechers selbst bei vollem Brechermaul möglich. Das heißt, selbst wenn im schwierigen Recycling durch Fremdkörper wie Holzstücke der Brecher einmal verstopft sein sollte, kann dieser mit wenigen Handgriffen wieder freigemacht werden. Stillstandszeiten für Ausräumen des Brechers sind bei dieser Anlage nach Angaben des Herstellers ein Fremdwort. Deshalb können die theoretischen Angaben der stündlichen Brechleistung auch in der Praxis durchaus gehalten werden, auch bei schwierigstem Material.

Der große Vorratsbunker mit der darunter liegenden Aufgaberinne kann sowohl mit Bagger als auch mit Radlader beschickt werden und sichert durch sein Volumen eine kontinuierliche Beschickung des Brechers. Große Freiräume unter dem Brecher und ein breites Austragsband stellen sicher, dass weder in der Breite noch in der Höhe eine Verengung beim Austrag des gebrochenen Materials besteht. Dadurch können Stahlbewehrungen im Beton ohne Probleme ausgetragen werden, und durch einen speziellen patentierten Mechanismus ist sichergestellt, dass ein Zerschneiden des Gurtes im Bereich des Magnetbandabscheiders weitgehend ausgeschlossen werden kann.

Die Anlage wird besonders rentabel durch ihre hochmobile Einsatzfähigkeit. So ist sie für das Verfahren im Gelände mit einem Kettenfahrwerk ausgerüstet. Zum Straßentransport wird mit wenigen Handgriffen ein Dolly-Achssystem geflanscht, so dass die Anlage innerhalb einer halben Stunde auf der Straße transportierbar ist. Für dieses Gerät ist eine Dauerausnahmegenehmigung zu erhalten. Die Praxis zeigt, dass dadurch nahezu keine Stillstandszeiten, Warten auf Genehmigung, Warten auf Transportfahrzeuge usw. anfallen und damit der Nutzungsgrad der Anlage erhöht wird.


Foto: Kleemann + Reiner Foto: Kleemann + Reiner

 



Top-Recycling-Baustoff aus dem Sieb

Foto: Nordberg Von der Firma Nordberg, Groß-Umstadt, wurde jetzt eine neuentwickelte Drei-Band-Siebanlage auf den Markt gebracht. Die Siebanlage mit der Typenbezeichnung SW 348 ist mit einem 1,2 x 2,4-m-Zweideck-Exzentersieb ausgestattet, dessen Siebkasten über eine Wartungsplattform von drei Seiten zugänglich ist. Die 13,8-Tonnen-Maschine lässt sich für den Transport innerhalb von zehn Minuten auf Transportmaße von 12,3 x 2,5 x 4,0 m (L x B x H) bringen. Sowohl das hintere Austragsband als auch die beiden Seitenförderer sind hydraulisch faltbar. Für den Straßentransport mit einem Sattelschlepper (Zulassung bis 80 km/h) ist die Siebanlage mit einem Beleuchtungssystem ausgestattet.

Der Aufgabebunker fasst ein Volumen von 5,2 m3 und lässt sich aus einer Höhe von 3,4 m beschicken. Das Grobsiebrost des Bunkers hat einen Stababstand von 127 mm und ist hydraulisch kippbar. Über eine Funkfernsteuerung kann der Rost vom Radlader aus bedient werden.

Mit einem 3,2 m langen und 0,75 m breiten Abzugsförderer wird das Material aus dem Aufgabebunker auf das Siebbeschickungsband abgezogen. Das in seiner Laufgeschwindigkeit regelbare Band ist für eine Förderleistung von 350 t/h ausgelegt. Über zwei hydraulisch angetriebene seitliche Haldenbänder wird das Über- und Mittelkorn auf eine Abwurfhöhe von 4,3 m transportiert. Damit kann ein Haldenvolumen von 250 t erreicht werden. Die Steigung des nach hinten führenden Feingut-Haldenbandes lässt sich von fünf bis 24 Grad einstellen, so dass hier ein maximales Haldenvolumen von 200 t erreicht wird. Kraftquelle der Siebanlage ist ein luftgekühlter Vier-Zylinder-Dieselmotor Typ Deutz F4L 1011 mit einer Leistung von 42 kW bei 2.800 U/min.


Foto: Nordberg

 



Hochmobile Einfachtrommel-Siebmaschine

Nach der Markteinführung der Doppeltrommel-Siebmaschine, Typ 798, vor zwei Jahren hat der irische Siebanlagen-Hersteller Finlay jetzt eine neue Einfachtrommel-Siebmaschine entwickelt. Diese Anlage ist für die Absiebung verschiedenster Materialien geeignet, wie z. B. Bauschutt, Mutterboden, Kompost, Aushubmaterial etc. Bei dieser Neuentwicklung, die unter der Typenbezeichnung 790 geführt wird, handelt es sich ebenfalls wie bei der Doppeltrommel um ein voll mobiles Gerät, das aufgesattelt mit einer Zugmaschine verfahren werden kann. Die 23,3 t schwere Anlage ist daher mit einer gefederten und gebremsten Doppelachse ausgerüstet.

Das zu siebende Material wird bei dieser Anlage über einen 7 m3 großen Aufnahmetrichter aufgegeben und über ein Zuführband in die 6,8 m lange Siebtrommel mit einem Durchmesser von zwei Metern geführt. Nach erfolgtem Trennschnitt werden die beiden gewonnenen Fraktionen jeweils über die integrierten Förderbänder auf Halde gezogen. Die Siebleistung beträgt bis zu 200 t/h mit einem diesel-hydraulischen Antrieb. Der Vertrieb in Deutschland erfolgt über den Generalimporteur Oppermann & Fuss, Quickborn.

 



Betonzuschläge aus recyceltem Autobahnaufbruch

Im Rahmen der Autobahnerneuerung der A 27 Walsrode / Bremen bereitet die Norderstedter Firma UTN-Umwelt-Technics-Nord GmbH die anfallenden Fahrbahnbetonmassen auf. Die besondere Aufgabenstellung hierbei lautete, aus dem gebrochenen Material wieder Betonzuschläge herzustellen.

Mit einer UTN-Prallbrechanlage wird der aufgenommene alte Fahrbahnbeton heruntergebrochen und anschließend einer Powerscreen Kompaktsiebanlage Typ Turbo Chieftain 1600 zugeführt. Die große Kompaktsiebanlage mit 5 x 1,5 m großem DD-Siebdeck trennt den Materialstrom bei 2 und 16 mm, so dass als Mittelkorn ein 2 bis 16 mm Korn einer zweiten Powerscreen Kompaktsiebanlage Typ Turbo Chieftain 1200 mit 3 x 1,5 m großem DD-Siebdeck übergeben wird. Diese zweite Anlage trennt die Splitte bei 8 mm und hat im Unterdeck ein 2-mm-Kontrollsieb. So wird der aus dem Prallbrecher kommende Materialstrom von 160 t/h in die Kornfraktionen 0 bis 2 mm, 2 bis 8 mm, 8 bis 16 mm und 16 bis 32 mm zerlegt und damit hochwertige Zuschlagsstoffe gewonnen. Dabei wird von UTN Norderstedt besonders der konstant "aggressive Hub" der eingesetzten Powerscreen-Zwangssiebe hervorgehoben, der zum einen das Zuwachsen der feinen 2-mm-Siebe verhindert und zum anderen das Material sauberer als bei den zuvor eingesetzten Freischwingersieben separiert.

Nachdem sich die Zusammenarbeit mit Christophel, Lübeck, an der Baustelle in Walsrode bewährt hatte, wurde von UTN bereits eine zweite Powerscreen-Anlagenkombination in Betrieb genommen. An der A 5 bei Heppenheim wird die gleiche Aufgabenstellung jetzt mit zwei Turbo Chieftain 1200 bewältigt.


Foto: UTN Norderstedt

 



Mobil-Siebanlage siebt Flakgranaten

Die Idylle der Baustelle am feinsandigen Ostseestrand trügt. In einer ca. 500 m langen Düne, die im Jahre 1997 mit insgesamt 60.000 m3 vom Ostseegrund aufgespült wurde, kam nach den schweren Herbststürmen des vergangenen Jahres wiederholt Flak-Munition zum Vorschein. Um diese Flakgranaten schnell und wirkungsvoll aus dem Sand zu separieren, wurde aus dem Mietpark der Firma Oppermann & Fuss eine Finlay-Mobil-Siebanlage, Typ 595, eingesetzt. Diese Siebanlage ist auf einem Raupenfahrwerk montiert, wodurch das Befahren der Baustelle ohne die Gefahr des Einsinkens ermöglicht wird. Die Maschine ist diesel-hydraulisch angetrieben und wird einschließlich des Vortriebes ferngesteuert. Die Stundenleistung liegt bei ca. 700 t.


Foto: Oppermann & Fuss

 



Leicht, leise und kraftvoll

Foto: Krupp Berco Bautechnik Von der Krupp Berco Bautechnik GmbH, Essen, wurde ein neues Hydraulik-Hammermodell mit der Typenbezeichnung HM 220 V entwickelt. Dieses eignet sich insbesondere für den Anbau an Trägergeräte der Klasse sieben bis zwölf Tonnen. Der HM 220 V wird ausschließlich in der Version "Vibrosilenced Plus" ausgeliefert. Seine Schall- und Vibrationsdämpfung entspricht damit dem hohen Niveau aller Krupp-Hämmer in der V-Version. Bei Auslegung und Konstruktion haben die Ingenieure neue Wege beschritten, um Produktivität, Zuverlässigkeit und Servicefreundlichkeit zu optimieren. Eine neue, zum Patent angemeldete Steuerung sichert einen ruhigen und exakten Lauf und bewirkt unter anderem den leichten Anlauf des Hammers bei allen Einsätzen. Gleichzeitig wurden nach Angaben von Krupp Wirkungsgrad und Standfestigkeit des Gerätes erhöht.

Weitere Merkmale des HM 220 V sind sein verbessertes Verhältnis von Leistung und Einsatzgewicht, hohe Zuverlässigkeit und hohe Verfügbarkeit. Durch seinen einfachen Aufbau ist das Gerät besonders wartungsfreundlich und kann auf Wunsch mit der automatischen Schmiereinrichtung "ContiLube II" nachgerüstet werden.



IDREX 2000: Internationale Messe für Abbruch und Recycling

Die IDREX 2000 ist in diesem Jahr die bedeutendste Veranstaltung für Abbruch und Recycling. Auf dieser internationalen Messe, die von der European Demolition Association (EDA) unterstützt wird, sind viele Aussteller vertreten, darunter auch viele der weltweit führenden Hersteller von Abbruch- und Recyclinganlagen. Die IDREX 2000 findet vom 21. bis 23. September auf dem Gelände des Messe- und Konferenzzentrums im niederländischen Maastricht statt.

Auf der IDREX 2000 trifft sich ein Industriezweig, der sich sehr dynamisch und schnell entwickelt. Bis zum Ende des letzten Jahres entstanden weltweit ca. 2,5 Milliarden Tonnen Abbruchmüll. Es wird erwartet, dass diese Menge noch weiter ansteigt, da die Bevölkerungszahl wächst und sich damit der Bedarf an verfügbarem Land erhöht. Dies gilt insbesondere für die Innenstadtbereiche, da die Behörden zunehmend Wert auf die neue Nutzung von Flächen legen, auf denen sich bisher noch Altbauten befinden.

Auf der Ausstellung werden unter anderem folgende Geräte zu sehen sein:

Minibagger, Ketten- und Radlader, Bagger mit langen Abbruchauslegern, Zerkleinerungsgeräte, Hydraulikhammer, Betonzerkleinerer und Prallmühlen, Schneidwerkzeuge, Kompressoren und pneumatische Werkzeuge, spezielle Anbaugeräte für Bagger sowie Kräne und Hebebühnen. Die Besucher der Messe haben außerdem die Möglichkeit, mehr über die aktuelle Gesetzgebung sowie über technische und umweltbezogene Fragen zu erfahren, die im 21. Jahrhundert die Abbau- und Recyclingbranche beeinflussen werden. Informationen zu diesem Thema werden dazu parallel zur Messe auf der von der EDA organisierten Fachtagung behandelt.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Adrian Barker, APEX 2000 Informations Centre,
Advertising & Marketing Solutions Limited, Milroy House,
Sayers Lane, Tenterden, Kent TN30 6BW, England,
Tel. + 44 15 80/76 77 20, Fax /76 77 25,
E-Mail: abarker@amsolutions.co.uk



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