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[Die Industrie der Steine + Erden]






Quo vadis Rohstoffsicherung?

- Bundesverband Steine und Erden tagt bei Heidelberger Zement -


Abb. 1: Full house beim Workshop "Quo vadis Rohstoffsicherung" des Bundesverbandes Steine und Erden
Abb. 1: Full house beim Workshop "Quo vadis Rohstoffsicherung"
des Bundesverbandes Steine und Erden

"Die Bedeutung von mineralischen Baurohstoffen in Deutschland ist hoch - nur weiß es kaum jemand", so beschrieb Dr. Friedrich Häfner vom Geologischen Landesamt Rheinland-Pfalz die derzeitige Situation der rohstoffgewinnenden und -verarbeitenden Betriebe anläßlich eines Workshops des Bundesverbandes der Steine + Erden-Industrie. Im März trafen sich in Leimen in der Festhalle der Heidelberger Zement AG rund 120 Vertreter unterschiedlichster Institutionen aus ganz Deutschland, um die Auswirkungen der verschiedenen internationalen, vor allem der europäischen Naturschutzgesetzgebung im Alltag zu beleuchten. Eine zentrale Frage der Veranstaltung lautete "Quo vadis Rohstoffsicherung?". Einschränkungen von Lagerstätten bedeuten auf lange Sicht verknappte Rohstoffe und damit eine Verteuerung von Bauprodukten im Inland.

Die Einführung neuer Schutzziele im Rahmen des UNEP Programmes "Men and Biosphere" (Biosphärenreservate) und der europäischen Richtlinie Fauna-Flora-Habitat (FFH) mit ihrem Entwicklungsziel großräumig vernetzter Schutzgebiete betrifft die Rohstoff-Gewinnungsbetriebe in besonderem Maße." Dramatischer als für diejenigen, die sich leicht nach einer Alternative umsehen können, müssen diese Unternehmen ihre Rohstoffe dort gewinnen, wo sie vorkommen" umriß Dr. Karl Kroboth, Vorstandsmitglied von Heidelberger Zement, die Lagerstätten-Gebundenheit der Steine und Erden Betriebe. In Deutschland erwirtschaften mehr als 5.000 Betriebe mit 160.000 bis 170.000 Beschäftigten einen jährlichen Umsatz von rund 50 Milliarden Mark.

"Die Biosphärenreservate in Deutschland sollen als großflächige "Modell-Landschaften" nahezu verdoppelt werden" erklärte Dieter Mayerl vom Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen. Das bedeutet einen erheblichen Flächenzuwachs der geschützten Landesfläche Deutschlands von derzeit rund 4,4 Prozent. Vor allem die Gebietsmeldungen der FFH-Gebiete an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, insbesondere die umfangreichen Nachnominierungen, erreichen Größenordnungen, die beispielsweise in Niedersachsen einen Anteil von 6,5 Prozent der gesamten Landesfläche beträgt. Bei der Aufstellung der Flächen-Vorschlagslisten waren die Betroffenen bislang kaum beteiligt. "Der Bund hat als meldepflichtige Stelle gegenüber der Europäischen Union kaum Einfluß auf die Vorschläge. Verbesserte Mitwirkung in den Verfahren kann nur der Landesgesetzgeber herbeiführen", erklärte Klaus Iven vom Bundesministerium für Umwelt.

Derzeit sind allerdings noch nicht einmal annähernd die Gebiete gemeldet, die von verschiedenen Seiten in den Ländern vorgeschlagen werden und noch auf ihre Schutzeignung geprüft werden müssen. Das hat nach Einschätzung von Prof. Dr. Hans-Werner Rengeling, Institut für Europarecht der Universität Osnabrück, und Prof. Dr. Hans-Walter Louis von der Universität Hannover, fatale Folgen für die betroffenen Bürger und Unternehmen: Sie werden so eingeschränkt, als ob die Prüfung zugunsten des Naturschutzes bereits abgeschlossen wäre (virtueller Naturschutz). Damit dürfen sie diese Gebiete nur mit besonderer Genehmigung und scharfen Auflagen nutzen, als ob die Schutzeignung bereits feststünde. Wer also in einem lediglich vermuteten Schutzgebiet tätig werden will, muß den Nachweis erbringen, daß sein Projekt umweltverträglich realisierbar ist.

Daß dieses Thema gerade den rohstoffgewinnenden Baustoffherstellern auf den Nägeln brennt, liegt auf der Hand. Die überwiegend klein- und mittelständisch geprägte Branche in Deutschland beansprucht insgesamt nur 0,5 bis 0,7 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands, dennoch ist sie von diesen Gesetzen besonders tangiert. Weil sich jedoch gerade zum Beispiel ehemalige Steinbrüche und Kiesgruben durch eine große Artenvielfalt auszeichnen, besteht hier eine gestalterische Chance für den Naturschutz. Diesen Artenreichtum auch als Potential für mögliche Modell-Landschaften einzubringen, war eine der wichtigen Anregungen auf dieser Tagung. Gleichermaßen soll die Prüfung von schutzwürdigen FFH-Gebieten dieses Potential der Steine und Erden Industrie bei der Erarbeitung und Umsetzung frühestmöglich einbeziehen. Zentrales Ergebnis des Workshops war die breite Übereinstimmung, diese Probleme nur im gegenseitigen Verständnis bewältigen zu können.

Eine Exkursion in den Steinbruch Nußloch von Heidelberger Zement am Folgetag zeigte, wie gut sich Abbau und Naturschutz auch in der Praxis in Einklang bringen lassen.


Abb. 2: Steinbruchmeister Hermann Rothacher erklärt den Exkursionsteilnehmern des Steine und Erden-Workshops, wie der kalkstein im Steinbruch Nußloch gewonnen wird. Die abgebauten Flächen werden anschließend landschaftsgerecht rekutiviert oder renaturiert, wie im Bild hinten zu sehen ist.
Abb. 2: Steinbruchmeister Hermann Rothacher erklärt den Exkursionsteilnehmern
des Steine und Erden-Workshops, wie der Kalkstein im Steinbruch Nußloch
gewonnen wird. Die abgebauten Flächen werden anschließend
landschaftsgerecht rekutiviert oder renaturiert, wie im Bild hinten zu sehen ist.


Anschrift des Verfassers:
Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen





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