www.steine-und-erden.net > 1999 > Ausgabe 3/99 > Zur Qualität von QMS-Zertifizierern

[Die Industrie der Steine + Erden]






Zur Qualität von QMS-Zertifizierern

Dr. W. Fuchs

Aus dem angelsächsischen Bereich kommend, haben in den letzten 15 Jahren in der deutschen Industrie immer mehr Unternehmen ein QM-System (QMS) auf der Basis der DIN EN ISO 9000 ff aufgebaut. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Zum einen fordern die Kunden von ihren Lieferanten ein entsprechend organisiertes QM-System, zum anderen hoffen die Unternehmen, auf diesem Wege eine gerichtsfeste Organisation zu schaffen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen darüber hinaus sehr deutlich, daß der Aufbau eines QMS über die Erfassung und Strukturierung der Organisation zu einer erheblichen internen Kostensenkung, nicht nur der Fehlerkosten, beitragen kann.Auch immer mehr Unternehmen im Bereich der Steine und Erden-Industrie erkennen, daß ein QMS ein zentrales Führungsinstrument der Unternehmensleitung sein kann.
Es zeigt sich dabei auch, daß von den Unternehmen nicht nur der Aufbau eines QMS gewünscht wird, sondern auch die Zertifizierung dieses Systems. Die Anforderungen an ein QMS sind in der DIN EN ISO 9000er-Reihe festgelegt. Die Anforderungen an Zertifizierungsstellen ergeben sich aus der EN 45012. In der EN 45012 werden zum Beispiel Ausführungen zur Organisationsstruktur und zur Kompetenz der Organisation und des Personals getroffen. Nicht geregelt ist hingegen, wer die Erfüllung der Anforderungen an die QM-Zertifizierer überprüft. Formal gesehen handelt es sich nämlich bei dem Bereich der Zertifizierung von QMS um den privatrechtlichen Bereich (auch manchmal gesetzlich nicht geregelter Bereich genannt). Danach steht es im Belieben eines Zertifizierers, selbst zu erklären, daß er die Anforderungen der EN 45012 erfüllt.
Um diese Regelungslücke zu schließen, haben im Jahr 1990 die Spitzenverbände der deutschen Industrie unter Führung des BDI die Trägergemeinschaft für Akkreditierung (TGA) GmbH gegründet. Die TGA hat die Aufgabe, Zertifizierungsstellen des privatrechtlichen Bereiches, also auch für die Zertifizierung von QMS, zu akkreditieren und laufend zu überwachen. Weiterhin soll die TGA auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene mitwirken an der Interpretation der EN 45012, um auf diesem Wege die internationale Anerkennung vergebener Zertifikate zu sichern.
Damit ist ein Mindeststandard der Zertifizierungsstellen geschaffen worden. Unternehmen und deren Kunden sowie weitere Interessierte haben die Sicherheit, daß die Vergabe des Zertifikates nach international anerkannten Regeln unabhängig und kompetent auf dem Gebiet QMS erfolgte.Bei Zertifikaten, die von Zertifizierungsstellen stammen, die, aus welchen Gründen auch immer, auf eine Akkreditierung bei der TGA verzichtet haben, ist völlig unklar, welche "Güte" die Zertifizierung besitzt. Da der Aufbau und der Unterhalt eines QMS dem Unternehmen Kosten verursacht, muß es unmittelbar im Interesse der Unternehmen liegen, nur solche Zertifikate zu erlangen, die national und international anerkannt werden. Die Auswahl des Zertifizierers sollte demnach davon abhängig sein, ob er bei der TGA akkreditiert ist.Ein weiteres wesentliches Auswahlkriterium bezüglich des Zertifizierers ist, daß er nicht nur die Mindestanforderungen der TGA erfüllt, sondern daß der Zertifizierer ebenfalls eine besondere Kompetenz in der Branche, ihren Produkten und Strukturen besitzt. Im Bereich der Steine und Erden-Industrie haben sich in den vergangenen Jahren, aus der hoheitlich geforderten Fremdüberwachung kommend, eine Reihe von QM-Zertifizierern gegründet, die bei der TGA akkreditiert sind. Ein Unternehmen, das einen solchen Fremdüberwacher auch als QM-Zertifizierer wählt, kann sicher sein, daß er über die Mindestanforderungen der TGA hinaus mit dieser Stelle einen besonders kompetenten Zertifizierer ausgewählt hat.

Anschrift des Verfassers:
Dr. Werner Fuchs,
Arbeitsgemeinschaft akkreditierter Zertifizierungsstellen - Steine und Erden (ARGE-ZSE),
Annastr. 67-71, 50968 Köln





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