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bauma98: Silberstreifen am Münchner Himmel (Teil 1)

Am 5. April 1998 schloß die bauma '98, die 25. Baumaschinenmesse, mit einem glänzenden Jubiläum und Rekordbeteiligung ihre Tore. Mit 1.993 Ausstellern waren 220 Anbieter mehr vertreten als bei der letzten bauma – eine Höchstmarke. Fast 10 % mehr Besucher bescherten der bauma '98 mit über 380.000 Besuchern, davon 119.000 aus dem Ausland, einen neuen Rekord. Die Messebeteiligung wurde seitens der Aussteller zu mehr als 90 % als optimal bewertet. Auch die Besucher zeigten sich mit dem Angebot auf dem neuen Münchner Messegelände sehr zufrieden.
Flaechenentwicklung

Auf insgesamt 435.000 m2 Bruttoausstellungsfläche (Abb.1) präsentierten die Aussteller an sieben Messetagen den Besuchern aus aller Welt ihre Exponate. Als erste große Investitionsgüterfachmesse auf dem neuen Messegelände in München Riem brachte die bauma '98 auch wertvolle Erfahrungen für die Veranstalter. Die Messe auf dem neuen Messegelände an sich hat gut funktioniert, wurde von Ausstellern und Besuchern sehr gut angenommen. Zeitweilige Engpässe gab es bei der umliegenden Verkehrsinfrastruktur. Dies ist auf die noch immer fehlende U-Bahnanbindung zurückzuführen.

Jacques Santer

Anläßlich der Eröffnungsfeier der bauma '98 appellierte der Präsident der Europäischen Kommission, Jacques Santer (Abb. 2), an Hersteller und Kunden der Bau- und Baustoffmaschinenindustrie, die ungeheuren Chancen zu sehen, welche die derzeitigen Umbrüche in Europa mit sich bringen. Er zeigte sich überzeugt, daß die dritte Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion, die gemeinsame Währung, zum 1. Januar 1999 kommen werde und verwies auf die Chancen. Nach seiner Ansicht werden sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa deutlich verändern. Für die Unternehmen, für die Verbraucher, aber auch für die Regierungen. Die Preistransparenz und damit die Intensität des Wettbewerbs werde weiter zunehmen. Daran gebe es nach Ansicht Santers keinen Zweifel. Dies bedeute aber auch: bessere Marktchancen für innovative und dynamische Unternehmen. Bessere Entwicklungsmöglichkeiten für Leute mit Initiativgeist und neuen Ideen. Er forderte alle Hersteller auf, die Chancen zu erkennen und am Schopfe zu ergreifen.

Aufgrund der steigenden Internationalität der Fachbesucher sahen die Aussteller für das Auslandsgeschäft positive Tendenzen. Auch die Entwicklung der Inlandsnachfrage wird nach den vergangenen schweren Jahren positiver beurteilt.

Man rechnet mit einer langsam beginnenden und damit leichten, aber stetigen Erholung auf dem Inlandsmarkt, weil inzwischen ein erheblicher Ersatz- und Modernisierungsbedarf besteht. Die Gespräche an den Messeständen der Aussteller waren durchweg von einer positiven Grundhaltung bestimmt. In einigen Bereichen konnte eine regelrechte Aufbruchstimmung verzeichnet werden. Es gab Aussteller, die bereits zur Messehalbzeit Maschinen für mehr als 100 Millionen DM verkauft hatten. Auch der VDMA sah die Auftragsentwicklung in seinem zur bauma '98 herausgegebenen Konjunkturbericht positiv. In Teilbereichen war sogar von einer "explodierenden Nachfrage" in den letzten Monaten des Jahres 1997 die Rede.

Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft – Dienstleister der Steine und Erden-Industrie

Messestand der Berufsgenossenschaften

Auch diesmal war die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gemeinsam mit der Tiefbau-Berufsgenossenschaft und den Bau-Berufsgenossenschaften auf der bauma '98 vertreten. In einem Gemeinschaftsmessestand in Halle A 1 (Abb. 3) präsentierte man innovative Konzepte für mehr Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Thema der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft war diesmal die Risikobeurteilung beim Umgang mit schweren Erdbaumaschinen und der Förderpreis Arbeit · Sicherheit · Gesundheit. In zwei eigens produzierten Videospots waren 10 Sequenzen beim Umgang mit Erdbaumaschinen zu sehen. Zunächst sollten die Betrachter anhand von Negativbeispielen sicherheitstechnische Defizite erkennen und diese auf einem Auswerteblatt schriftlich festhalten. Auf einem zweiten Monitor konnten sich die Teilnehmer dann davon überzeugen, ob sie alle Fehler beim Umgang mit Muldenkipper richtig erkannt und die geeigneten Maßnahmen festgehalten hatten. Alle Teilnehmer hatten die Chance, an einer kleinen Verlosung teilzunehmen und mit einem Preis an das Mitmachen erinnert zu werden. Auch diesmal bot die StBG einer Gruppe von Unternehmern ein kombiniertes Seminar-Messe-Paket an. In der Nähe von München fanden zwei Unternehmerseminare statt, in deren Ablauf ein bauma-Besuch mit dem Schwerpunkt Arbeitssicherheit integriert war. Natürlich mußten die Teilnehmer am Messestand der StBG auch den Sicherheits-Check für den Umgang mit Erdbaumaschinen mitmachen. Sie taten dies mit viel Initiative und großer Begeisterung (Abb. 4).

Messestand der StBG

Zusätzlich zu den Aktivitäten und Beratungsgesprächen am Messestand waren fünf Messekommissionen auf dem Messegelände unterwegs, um die ausgestellten Exponate sicherheitstechnisch zu beurteilen und die Hersteller zu beraten. Auch dieses Angebot wurde erneut positiv aufgenommen.

Das Verhältnis zwischen Berufsgenossenschaft, Mitgliedsunternehmen und Herstellern hat sich – dies wurde auch anläßlich der bauma '98 bestätigt – inzwischen zu einer Sicherheitspartnerschaft entwickelt, von der alle Seiten profitieren.

Neuentwicklungen bei Erdbaumaschinen

Erdbaumaschinen waren auch diesmal eine der größten Präsentationsgruppen auf der bauma. Die Hersteller setzen auf Evolution statt Revolution. Oberstes Ziel ist, die Geräte mit einer Minimierung der Kosten betreiben zu können. Dies erfordert den Einsatz modernster Technik. Hinsichtlich der Gestaltung der Arbeitsplätze und der Optimierung der Ergonomie haben die Hersteller viel getan, um dem Fahrer ein ermüdungsfreies Arbeiten, ein sicheres Arbeiten, aber auch höhere Leistungen zu ermöglichen. Insbesondere fiel auf, daß die Kabinen eine verbesserte Rundumsicht zulassen. Manches, was früher noch Sonderausstattung war, ist in die Standardversionen eingeflossen.

Eine neue Radladerbaureihe präsentierte Liebherr in den Leistungsklassen zwischen 2,8 m3 und 4,5 m3 Schaufelinhalt (Abb. 5).

Liebherr Radlader

Die neuen Maschinen zeichnen sich durch niedrigen Treibstoffverbrauch, aufgrund des neuen feinsteuerbaren Antriebskonzeptes minimierten Reifenverschleiß, nahezu verschleiß-freie Bremsen und geringere Emissionen aus. Die Fahrerkabine sitzt jetzt auf dem Hinterwagen, wobei Klimaanlage und Fahrschwingungsdämpfer bei den neuen Radladern zum Standardumfang gehören. Aufgrund der Formgebung des neuen Laders und abgerundeten Hinterwagens hat der Fahrer jetzt eine verbesserte Sicht nach hinten. Ebenfalls reduziert wurden die Lärmwerte sowohl in der Kabine als auch außerhalb der Kabine.

Quarry-Spezialradlader von Case

Case präsentiert einen neuen Radlader in einer spezialisierten Ausführung als "Quarry Special" (Abb. 6). Erfreulicherweise wird auch hier der Bedienerkomfort durch Klimaanlage und luftgefederten Fahrersitz gesteigert. Außerdem gehört serienmäßig ein Ride-Control System zur Ausstattung, welches das Fahrverhalten durch Dämpfung der Nachschwingungen bei allen Lade- und Leerfahrten verbessert. Die Außengeräusche wurden um 7 dB(A) gesenkt.

Caterpillar 962 G

Caterpillar präsentierte die neuen Radlader und Industrielader der G-Serie (Abb. 7). Die Geräte sind auf Anhieb an dem geräumigen Fahrerhaus und der einteiligen Motorverkleidung erkennbar. Auch hier bietet ein ergonomisches Fahrerhaus mehr Platz, großzügigere Verglasung und leicht zu bedienende Steuerhebel. Der Fahrerkomfort wird erhöht und ein effizienteres Arbeiten ermöglicht. Der Innengeräuschpegel ist abgesenkt worden - die großzügigere Verglasung und die abgeschrägte Motorverkleidung bietet dem Fahrer eine bessere Rundumsicht.

Ein wichtiges Merkmal ist das Caterpillar-Überwachungssystem (CMS). Es ermöglicht die Überwachungderwichtigsten Maschinenfunktionen und warnt den Fahrer automatisch bei allen eintretenden oder unmittelbar bevorstehenden Störungen. Sicherheitstechnisch günstig wirken sich die vom Boden aus erreichbaren, in Gruppen zusammengelegten Schmiernippel für den vorderen und hinteren Rahmen aus.

O & K Bagger

Bei O & K waren die neuen Fahrerhäuser bei den Baggern der Renner. Zur bauma wurden alle Fahrerhäuser neu gestaltet. Äußerlich fällt vor allem die abgerundete Frontscheibe ins Auge (Abb. 8). Der Innenraum der Kabine bietet jetzt großzügigeren Platz. Außerdem werden durch die Scheibenrundung Blendungen verhindert und die Sicht nach vorn oben verbessert. Serienmäßig lassen sich der obere Teil der Scheibe hochschieben und der untere Teil ganz herausnehmen. Auch innen hat sich etwas getan.

Ergonomisch gestaltete Bedienelemente ermöglichen dem Fahrer ein effizienteres und sichereres Arbeiten (Abb. 9).

Radlader-Kabine

Komatsu Hanomag hat eine Kampagne unter dem Begriff "aktiV" gestartet. Dies bedeutet Modellpflege als kontinuierlichen Prozeß. Die Umweltverträglichkeit spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Komatsu Hanomag hat sich zum Ziel gesetzt, die gesetzlichen Grenzen zu übertreffen und alle Umweltrichtlinien zu erfüllen. Präsentiert wurde der neue HD 785-5 Muldenkipper der 90 t Klasse. Bei nochmals erhöhter Nutzlast sollen durch verschiedene Maßnahmen die Betriebskosten reduziert werden. Insgesamt können jetzt 60 m3 transportiert werden. Zur Erhöhung des Fahrkomforts und der Sicherheit ist als Option eine Bremsautomatik (ARSC) verfügbar. Der Fahrer stellt lediglich die gewünschte Bergab-Fahrgeschwindigkeit ein, und die Maschine erledigt den Rest automatisch. In diesem Modus bleibt der SKW automatisch bei der eingestellten Geschwindigkeit,und der Fahrer kann sich ausschließlich auf das Lenken konzentrieren. Geschwindigkeitsanpassungen lassen sich mit einem Steuerhebel vornehmen. In der aktiV-Serie sind Klimaanlagen serienmäßig (Abb. 10).

Komatsu Hanomag HD 785-5

Reifen spielen beim Einsatz von Erdbaumaschinen eine wichtige Rolle, die häufig unterschätzt wird. Ein Jubiläum ganz besonderer Art feierte Michelin. Seit 1898 wirbt das Michelin-Männchen BIBENDUM für Michelin-Produkte. Auch auf der bauma war es in überdimensionaler Größe präsent (Abb. 11).

Bibendum

Natürlich präsentierte Michelin auch neue Produkte. Der Michelin X-Quarry für Steinbrüche ist ein neuer Reifen, der speziell für Muldenkipper entwickelt wurde, die auf verschleißintensiven Pisten in Steinbrüchen im Einsatz sind. Er verfügt über eine verschleißfeste Laufflächenmischung und ist widerstandsfähig gegen Anprall- und Schnittverletzungen (Abb. 12).

Michelin X-Quarry Muldenkipperreifen
Vibrationen werden vermindert und damit der Fahrkomfort erhöht. Dies wirkt sich günstig gegen eine vorschnelle Ermüdung des Fahrers aus. Für das zweite Halbjahr 1998 hat Michelin ein neues Reifenkontrollsystem angekündigt, welches unter der Bezeichnung MEMS (Michelin Earth Mover Manager System) auf den Markt kommen soll. Das neue System, welches zu-nächst bei großen Muldenkipperreifen angewandt werden soll, mißt kontinuierlich Luftdruck und Reifentemperatur und vergleicht sie mit den zulässigen Höchstwerten. So werden Wartung und Standzeiten des Fahrzeugs zur Überprüfung des Luftdrucks erheblich reduziert. Die Reifen werden dauerhaft gegen Beschädigungen geschützt, die sich aufgrund überhöhter Betriebstemperaturen ergeben können. Der richtige Luftdruck garantiert optimale Lebensdauer, angemessenen Treibstoffverbrauch und Sicherheit beim Umgang mit dem Fahrzeug.

Dunlop präsentierte mit dem PG 64 T einen Transportreifen für Muldenkipper. Er zeichnet sich durch gute Traktion und Selbstreinigung, gute Laufruhe und Fahrkomfort sowie gute Seitenführung auf unbefestigtem Untergrund aus (Abb. 13).

Dunlop PG 64 T

Ein weiteres sicherheitstechnisch relevantes Zubehör für den Einsatz von Erdbaumaschinen sind Systeme, welche die toten Winkel im seitlichen oder hinteren Bereich der Fahrzeuge ausschalten können und dem Fahrer somit bei der ihm obliegenden Verpflichtung, die Fahrzeuge auch bei Rückwärtsfahrt sicher zu betreiben und Personen nicht zu gefährden, eine wichtige Hilfestellung leisten. Die Firma Motec präsentierte hierzu ein Kamerasystem, welches zu einem Preis von knapp 2.000,– DM mit Weitwinkelobjektiven einen maximalen Bildwinkel von 100° gewährleistet (Abb. 14).

Motec Kameraüberwachung

Auch MCS Mobile Control Systems S.A. bietet derartige Hilfsmittel. MCS hat ein Kamerasystem in der Angebotspalette, welches ein horizontales Sichtfeld von 125° und vertikales Sichtfeld von 100° ermöglicht (Abb. 15).

MCS-Kamerasystem

Eine Besonderheit ist, daß die Kamera auch mit Schutzklappe verfügbar ist, welche nur bei Rückwärtsfahrt öffnet.

Daneben vertreibt MCS auch das bewährte Visor-HT System – eine Ultraschallsichthilfe für Muldenkipper und Radlader (Abb. 16).

WISOR-HT-System von MCS

Eine interessante Neuerung zeigte Caterpillar unter der Bezeichnung CAES (Computer Aided Erdbewegungssystem). Es integriert Betriebsplanung und Konstruktion und bietet die Möglichkeit, den Fahrern genau aufzuzeigen, wo sie sich entsprechend dem Abbauplan befinden. Beim CAES-System informiert ein Farbcomputer-Baustellen- oder -Abbauplan den Fahrer über seine Arbeitsstelle. Exakt wird aufgezeigt, wieviel Material an welcher Stelle entnommen oder eingefüllt werden muß. Das ursprünglich für den Baustellenbereich entwickelte System kann nach Aussage von Caterpillar auch in Gewinnungsbetrieben eingesetzt werden, wenn es auf die Entnahme unterschiedlicher Rohstoffkomponenten für eine exakte Dosierung ankommt.

Mit CAES werdenmit Hilfe des GPS Standortbestimmungssystems und einer Geländeplan-Software Daten zwischen den stationären Computern und den Abbaumaschinen ausgetauscht.

Der Fahrer erhält stets aktuelle Farbbildanzeigen mit zweidimensionalen Geländekarten, exakter Beschreibung der Lagerstätten und kann so stets die geforderten Materialqualitäten sicherstellen. Zur Zeit ist das neue System an einigen Standorten in Nordamerika im Einsatz und hat sich bereits bewährt (Abb. 17).

Caterpoillar CAES-System

VDO präsentierte ein neues System zur Informationsdarstellung für Baumaschinen und -fahrzeuge, welches unter der Bezeichnung VDO D'MAC bei eingeschränkten Platzverhältnissen eingesetzt werden kann (Abb. 18).

VDO D'MAC

Großflächige Verglasungen zur Verbesserung der Rundumsicht in den Fahrerkabinen moderner Baumaschinen schränken den Platz zur Unterbringung von detaillierten Fahrer- und Benutzerinformationen im primären Sichtfeld ein. Das neue System von VDO zieht hieraus die Konsequenz. Es vermittelt übersichtlich die wichtigsten Motordaten sowie Überwachungs- und Kontrollhinweise.

Die in diesem Beitrag vorgestellten Innovationen in und um Erdbaumaschinen bestätigen, daß die Hersteller der Geräte, aber auch die Zubehörhersteller, sich intensiv um die Verbesserung der Ergonomie und Wirtschaftlichkeit der Geräte kümmern. Alle Systeme zeichnen sich dadurch aus, daß sie nicht nur die Wirtschaftlichkeit erhöhen, sondern auch einen sicheren, ermüdungsfreien und optimierten Betrieb für den Fahrzeugführer ermöglichen. In einer der nächsten Ausgaben werden weitere sicherheitstechnisch relevante Innovationen aus den Bereichen Transportbeton, Herstellung von Betonfertigteilen und Aufbereitungstechnik, die bei der bauma '98 präsentiert wurden, vorgestellt. Schon jetzt steht fest, die bauma '98 war für Hersteller und Kunden ein voller Erfolg – die nächste bauma wird vom 2. bis 8. April 2001 auf dem neuen Messegelände in München Riem stattfinden

 

Anschrift des Verfassers:
Steinbruchs-Berufsgenossenschaft,
Theodor-Heuss-Str. 160,
30853 Langenhagen




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