Unternehmensführung

IBB: Führungsrollen müssen neu erfunden werden

Vom Befehlsgeber zum Moderator

Dank digitaler Vernetzung agieren Menschen, Maschinen und Systeme in der Industrie 4.0 zunehmend autonomer, intelligenter und schneller. Das Management hält unterdessen kaum mit: Althergebrachte Führungssysteme erweisen sich immer öfter als Bremse.

„Damit der Technologiewandel gelingt, muss er durch einen Führungswandel flankiert werden“, betont Stefanie Meise, Leiterin der Business Akademie des IBB. Chefs und Manager müssen sich und ihre Rolle neu (er)finden – Führung auf Augenhöhe lautet die neue Maxime.

Neue Technik: Veränderung durch Digitalisierung

Alte Führungskonzepte mit ihrer hierarchischen Top-down-Mentalität sind oft hinderlich und kommen aus einer Zeit, in der Stabilität und Planbarkeit weit größer waren als heute. Sie sind schlichtweg zu langsam und schwerfällig. Die Digitalisierung ermöglicht vernetztes und flexibles Arbeiten – und fordert es zugleich. „Mitarbeiter müssen und möchten zunehmend in Netzwerken, Communities und virtuellen Teams arbeiten“, sagt Stefanie Meise. Führungskräfte seien gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zur Vernetzung der Mitarbeiter zu schaffen – und ihre eigene Rolle dabei neu zu definieren.

Neuer Chef: Moderator statt Befehlsgeber

Netzwerkbasierte Kommunikationskanäle stellen die bisherige Unternehmensführung in Frage: Hier treffen Mitarbeiter mit all ihrem Wissen und ihren Ideen aufeinander und tauschen sich aus. Moderne Führungskräfte müssen sich diese offenen, nicht-hierarchischen Strukturen zu Nutze machen, indem sie von „Befehlsgebern“ zu Moderatoren werden und (Frei-)Räume für selbstorganisierte Kommunikation und autonomes Arbeiten schaffen. Damit schöpfen sie Mitarbeiterpotenziale aus und unterstützen agile Prozesse. Vor allem aber schaffen sie damit ein Innovationsklima, das der Marktdynamik gerecht wird und näher am Kunden und seinen Präferenzen ausgerichtet ist.

„Die neue Form der Führung kennt noch keinen Management-Standard“, sagt Stefanie Meise. „Die neuen Strukturen müssen von Führungskräften selbst gestaltet werden – zusammen mit allen Mitarbeitern, die nicht mehr in vorgegebenen Systemen, sondern stärker am System arbeiten wollen. Die Motivation und Zufriedenheit von Mitarbeitern steigt, wenn sie zum Mitgestalten sowohl der Form als auch des Inhalts eingeladen sind“, so Meise weiter.

Neues Wissen: Corporate Learning durch möglichst viel Austausch

Wissen vermehrt sich, wenn man es teilt: Es wird dann durch neuen Input, neue Perspektiven und Diskussionen weiterentwickelt und ergänzt. Netzwerkstrukturen schaffen die Möglichkeit für den notwendigen funktions- und abteilungsübergreifenden Austausch – von der Führungsebene erfordert das Vertrauen und Loslassen, denn sie verliert an Kontrolle über die Informationsströme. „Wissen steht nicht mehr exklusiv bestimmten Gruppen zur Verfügung“, so Meise. „Aber dafür entsteht ein großer Vorteil: Die kollektive Intelligenz steigt enorm.“

Die Hände mehrerer Menschen zeichnen gemeinsam eine erleuchtete Glühlampe
Althergebrachte, autoritäre Hierarchien, bei denen nur einer denkt und lenkt, haben ausgedient. Eine zukunftsfähige, den digitalen Wandel unterstützende Unternehmenskultur basiert auf kollektiver Wissenserweiterung und Problemlösung. Die Rolle des Chefs ändert sich dabei vom Befehlshaber zum Moderator. // Gajus - Fotolia.com
 
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