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Nachbericht Hannover Messe 2016

Alles nur Viernull?

Viel gab es nicht zu sehen für Leute, die auf der Hannover Messe nach der neuesten Technik für die Branche Baustoffe – Steine – Erden Ausschau hielten. Kein Wunder so kurz nach der Bauma. Ein paar durchaus interessante Produkte konnten wir dennoch für Sie aufstöbern.

Zwei Männer mit Robotermasken auf einer Bühne; einer hält die Ziffer 4, der andere die Ziffer 0
// Deutsche Messe

„I LOVE TTIP“: So prangte es in riesigen Lettern auf der Fassade eines Messehotels. Im Großen und Ganzen entsprach diese Botschaft wohl dem Befinden der meisten Aussteller und auch die Bilanz in der abschließenden Pressekonferenz war rosig: Deutschland und die anderen führenden Industrienationen der EU befänden sich mit den USA in einem Dialog auf Augenhöhe, so Dr. Jochen Köckler, Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe AG.

Auch statistisch gesehen gab es Grund für Optimismus. Über 190.000 Besucher – und damit rund 15.000 mehr als 2014 – kamen zur Hannover Messe, gut 50.000 davon aus dem Ausland. Besonders stark vertreten war das Publikum aus China und natürlich aus dem Partnerland USA. China war mit 6.000 Besuchern die größte Besuchernation nach Deutschland; aus Europa wurden 30.000 Besucher gezählt.

Zwischen Politik und Tagesgeschäft

Hätte die Messe nur ein paar Tage später stattgefunden – unter dem Eindruck der Enthüllungen von Greenpeace –, wäre die allgemeine Freude auf TTIP sicherlich magerer ausgefallen. Wie sich jetzt herausstellt, sind sich die Verhandlungspartner EU und USA vor allem in puncto Sicherheits- und Umweltstandards weit weniger grün, als die offizielle Seite immer kolportiert. Was letztlich aber wohl nichts daran ändert, dass TTIP kommen wird. Schauen wir mal, zu welchem Preis ...

Abseits der großen Politik war die Hannover Messe wieder ein Trendbarometer – für die industrielle Produktion wie auch für das Messewesen selbst. Gab es hier noch vor wenigen Jahren Erdbaumaschinen, Stapler und andere schwere Gerätschaften zu sehen, die auch für die Baustoffbranche interessant waren, konzentriert sich die Hannover Messe nun immer mehr auf Automatisierung, Hightech und digital vernetzte Produktionsprozesse – sprich: Industrie 4.0. Erdbaumaschinen und Co? Fehlanzeige, nicht mal mehr auf dem Freigelände fanden sich dicke Brummer. Für die gab es ja zwei Wochen zuvor die Bauma in München – was unterstreicht, dass sich die Messebranche genauso ausdifferenziert wie die industrielle Produktion und die globalen Märkte.

Trotzdem: Zwischen Fertigungsrobotern, Leichtbau-Showpieces und digital gesteuerten Kraftwerkblöcken konnten wir ein paar Rosinen herauspicken, die auch Ihnen schmecken dürften.

Lasergestützte Messungen in Tagebau und Schüttgut-Transport

Wieviel Material befindet sich in meiner Halde, wieviel wird exakt gefördert? Wie hoch sind die Waggons gefüllt? Kollidiert meine Maschine mit Personen, anderen Maschinen oder der Halde? Wo liegt das Material für den automatischen Betrieb meines Absetzers oder Rückförderers? Welches Transportvolumen sollte mein Gurtbandförderer optimalerweise haben? Antworten auf solche Fragen geben die laser-basierten Messsysteme des Weseler Unternehmens Lase. Mining-Betriebe und Schüttgut-Produzenten können mit den nachrüstbaren Laser-Abtastern und mitgelieferter Software die Gewinnungs- und Transportprozesse am PC analysieren und optimieren. Obendrein erfasst der Laser auch Personen – und sorgt damit für höhere Sicherheit auf dem Betriebsgelände. – www.lase.de

Scanner und Display
Alles im Blick: Der Scanner von Lase (oben) tastet Oberflächen und Volumen ab, eine Software generiert daraus 3D-Ansichten am PC. Auch Personen und Fahrzeuge (unteres Display) werden erfasst.

Sensoren und Lichtschranken für extreme Bedingungen

Betreiber, die für höhere Betriebs- und Personensicherheit besonders robuste Sensoren an ihren Anlagen nachrüsten möchten, werden bei EGE Elektronik fündig. Das Lieferprogramm des norddeutschen Unternehmens umfasst u.a. Produkte für die Erfassung von Materialströmen, Füllständen, Temperatur, Druck sowie von Metallteilen im mineralischen Brech-/Fördergut – viele davon auch für Staub- und Gas-Ex-Bereiche. Für die Arbeitssicherheit besonders interessant sind die induktiven Näherungssensoren, mit denen sich selbst unter widrigen Bedingungen z.B. recht einfach automatische Warn- und Not-Aus-Schaltungen realisieren lassen. www.ege-elektronik.de

Sensor
Kompakt und widerstandsfähig: Mit den Näherungssensoren von EGE lassen sich auch in Ex-Bereichen individuelle Warn- und Not-Aus-Anwendungen realisieren.

Auch Pantron aus dem niedersächsischen Bad Salzdetfurth sorgt mit seinen Systemen für höhere Sicherheit bei automatisierten Prozessen: Die Lichtschranken von Pantron bieten sich etwa an, um die Befüllung geschlossener Materialbehälter sowie das Hubhöhen-Limit von Gabelstaplern zu steuern. Die Reichweite der Lichtschranken beträgt dabei je nach Modell bis zu 70 Metern – selbst in staubiger und nasser Umgebung. – www.pantron.de

Mobile Inspektion von Fördergurten

Ein weiterer „Lichtblick“ kommt von Contitech: ein mobiles Inspektionssystem, das per Linienlaser den Zustand von Fördergurten im laufenden Betrieb scannt und direkt auf dem PC-Monitor sichtbar macht. Erkennt das System Schäden, kann der Betreiber umgehend Reparatur oder Austausch einleiten, bevor seine Förderanlage einen teuren und gefährlichen Totalausfall erleidet. Um diesen Vorteil zu nutzen, müssen Interessierte aber keine Hard- und Software kaufen, denn Contitech bietet die Hightech-Inspektion als Service an (siehe auch "Scanner von ContiTech macht Fördergurtschäden sichtbar"). – www.contitech.de

laser-gestütztes Inspektionssystem
Wartungsservice: Auf Wunsch checkt Contitech mit diesem laser-gestützten Inspektionssystem den Zustand von Fördergurten im laufenden Betrieb.

Mess- und Fernsteuermodule für Gewinnung und Erdbau

Präzises, elektronisch überwachtes Arbeiten ermöglichen die Komponenten der Berliner Firma FSG. Sie bestehen aus Geber-Einheiten, die an bestimmten Arbeitspunkten in Erdbaumaschinen, Kranen und Bohrlafetten installiert werden, sowie den Kontroll-Modulen, die dem Maschinenbediener im Cockpit alle relevanten Werte anzeigen. Die Systeme eignen sich für die Echtzeit-Analyse von Dreh-, Gelenk-, Schwenk- und Neigungswinkeln sowie für die exakte Bemessung von Seilzug- und Kabellängen. Ergonomische Joysticks und Fußpedalgeber runden speziell für Erdbaumaschinen das FSG-Programm ab.

www.fernsteuergeraete.de

Ferngesteuertes Videosystem für Gefahrenbereiche

Abitron produziert hauptsächlich universell konfigurierbare Funkfernsteuerungen für diverse Typen von Bau- und Transportmaschinen. Im Programm der Bayern befindet sich auch eine, die für gefährliche, weil schlecht einsehbare Arbeitsbereiche optimiert wurde: die Fernsteuerung GL mit Videofeedback, die Umgebungsbilder aus bis zu vier Kameras anzeigt und dem Bediener gefahrloses Manövrieren ohne tote Winkel ermöglicht.

www.abitronremote.com

Kunststoff-Stecksystem sichert Wege und Orte

Das Möllner Unternehmen A-Safe ist (nach eigenen Angaben) Weltmarktführer bei Anfahrschutzsystemen aus Kunststoff. Die stationären Steck-Elemente der Serie iFlex können einfach an fast jede Wege- und Umgebungssituation angepasst werden. Dank des Materialgemisches aus Polyolefinen und Kautschuk sowie speziellen Arretierungen von Ständern und Riegeln schlucken sie selbst hohe Aufprallenergie und bleiben lange in Form. Modularer Aufbau ermöglicht nachträgliche Modifikationen. www.asafe.de

Markus Hofmann
Redaktion STEINE+ERDEN

// Fotos: BG RCI / Markus Hofmann (3)