Arbeitssicherheit

Die Gewinner 2016 des Förderpreises der BG RCI

Ausgezeichnet sicher und gesund

Logo Förderpreis Arbeit • Sicherheit • Gesundheit

Der Förderpreis Arbeit • Sicherheit • Gesundheit der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie ist der höchst dotierte Arbeitsschutzpreis in Deutschland. Innovationen werden in den Kategorien Sicherheitstechnik, Gesundheitsschutz, Organisation und Motivation, Transport und Verkehr, Produkte sowie Auszubildende ausgezeichnet. Zudem gibt es einen Sonderpreis für kleine und mittelständische Betriebe.

Seit 1997 haben sich mehr als 12.500 Menschen aus über 4.000 Betrieben mit rund 6.200 Ideen an dem Wettbewerb beteiligt. Wie lassen sich Beschäftigte für den toten Winkel im Staplerverkehr sensibilisieren? Wie können die häufig auftretenden Unfälle bei Instandhaltungsarbeiten vermieden werden, und auf welchem Weg lassen sich schon junge Menschen im Betrieb wirksam in den Arbeitsschutz einbinden? 520 Frauen und Männer haben sich mit 220 Beiträgen am Förderpreis Arbeit • Sicherheit • Gesundheit der BG RCI beteiligt und auch für diese Herausforderungen clevere Lösungen gefunden. Mit ihren Ideen rückt das Ziel der VISION ZERO, einer Arbeitswelt ohne schwere Unfälle, wieder ein Stück näher. 14 Preisträgerinnen und Preisträger aus sieben Unternehmen sowie die Nominierten wurden bei der festlichen Preisverleihung am 8. April in Frankfurt geehrt.

Förderpreis 2016: Sicherheitstechnik

Neuartiger Schutzhandschuh zur Vermeidung von Schnitt- und Stichverletzungen beim Beschneiden von Fördergurten und Abdichtungen

Rolf Aretz – RWE Power AG Köln, Tagebau Hambach

Safet Medex GmbH, Düsseldorf

Bei Untersuchungen wurde ein erhöhtes Verletzungsrisiko beim Beschneiden von Fördergurten und Abdichtgummis festgestellt. Um die Gefährdungen nachhaltig zu minimieren, wurde eine Marktrecherche zu Schutzhandschuhen durchgeführt. Diese führte zu dem Ergebnis, dass keiner der im Handel erhältlichen Handschuhe zum Schutz gegen Schnitt- und Stichverletzungen dem Anforderungsprofil entsprach. Daraufhin wurden die gewünschten Spezifikationen festgelegt und in Eigenregie ein Handschuh entwickelt und produziert, der sowohl die messerführende als auch die das Produkt haltende Hand vor Schnitten und Stichen schützt. Die Handschuhe sind bequem, taktil, robust und rutschhemmend und zwar sowohl im trockenen als auch im nassen Zustand. Seit diese Handschuhe eingesetzt werden, hat es keine Schnittverletzungen mehr beim Beschneiden von Gummigurten oder Abdichtgummis gegeben.

Handschuh
Abb. 1: Der Handschuh wurde vom prämierten Unternehmen selbst entwickelt.

Förderpreis 2016: Gesundheitsschutz

Manuelle Umreifung von kommissionierten Betonprodukten

Nico Kurth – Lithonplus GmbH & Co. KG

Die Lithonplus GmbH & Co. KG stellt Betonprodukte für den Garten-, Straßen- und Landschaftsbau her. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz nehmen dabei einen hohen Stellenwert ein.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Idee, wie man die manuelle Umreifung von kommissionierten Betonwaren gesundheitsgerechter gestalten kann. Die Produkte lagern auf Holzpaletten und müssen zur Sicherung gegen Umfallen manuell mit Kunststoffbändern umreift werden. Ohne Hilfsmittel ist das ein unergonomischer Prozess, da sich die Mitarbeiter tief bücken müssen, um das Band unter der Palette hindurchzuschieben. Zudem rollen sich die Bänder selbstständig wieder auf und müssen per Hand korrigiert bzw. geführt werden. Alles in allem ein beschwerlicher Arbeitsvorgang. Die Lösung ist eine L-förmige Führungsschiene mit einem Kastenprofil, mit deren Hilfe man das Umreifungsband unter der Palette durchschieben kann, ohne sich zu bücken. Das Band kann dann aufgenommen und mit dem anderen Ende verschweißt werden. Die Führungsschiene wird anschließend herausgezogen.

Führungsschiene
Abb. 2: Mit der Führungsschiene kann man das Umreifungsband unter der Palette durchschieben.

Förderpreis 2016: Organisation / Motivation

Sicherheit bei Instandhaltungsmaßnahmen – Lockout Tagout

Thorsten Fröscher – Catalent Germany Eberbach GmbH

Das Unternehmen Catalent Germany Eberbach GmbH, ein führender globaler Anbieter von Technologien für die Arzneimitteldarreichung, produziert am Standort Eberbach Weichgelatinekapseln. Dazu bietet Catalent seinen Kunden Produktions- und Verpackungslösungen. Die verketteten Produktionsanlagen sind einzigartig und müssen gemäß den hohen Anforderungen der Arzneimittelindustrie aufwendig instandgehalten werden. Problematisch sind dabei insbesondere Arbeiten an abgeschalteten, großräumigen Anlagen.

Ein unabgestimmtes Wiedereinschalten durch Dritte könnte zu einer erheblichen Gefährdung des Instandhaltungspersonals führen. Zur sicheren Verriegelung und Kennzeichnung von Ventilen oder Schalteinheiten bietet der Markt verschiedene Lösungen an. Doch welche Maßnahme ist die richtige, ist sie vor Ort verfügbar und wie wird sie richtig angewendet? Für die Instandhaltungsmitarbeiter sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, jederzeit das eingesetzte Lockout Tagout-Verfahren trainieren zu können. Thorsten Fröscher und Ulrich Schaffer von der Catalent Germany Eberbach GmbH in Eberbach haben zu diesem Problem eine überzeugende Antwort gefunden. Sie entwickelten das sogenannte „Lockout Tagout Trainingsboard“. An dem Board sind alle vom Unternehmen zugelassenen Verriegelungstechniken übersichtlich zusammengestellt. Das Board und die entsprechenden Materialien stehen an einer zentralen Stelle im Unternehmen den Beschäftigten jederzeit zum Training und zur Umsetzung zur Verfügung.

Der Beitrag überzeugt durch die übersichtliche und gelungene Zusammenstellung der Verriegelungselemente. Durch die Möglichkeit des praxisnahen Trainings werden Unterweisungen besonders wirkungsvoll. Kreative und wirtschaftliche Lösungen wie diese sind beispielhaft und stellen einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung des Arbeitsschutzes dar.

Mann vor einer Wand mit Schlössern
Abb. 3: Am Board sind alle zugelassenen Verriegelungstechniken zusammengestellt.

Förderpreis 2016: Transport und Verkehr

Arbeitssicherheit im Verladebereich mit intensivem Staplerverkehr

Karén Förster – Saint-Gobain Rigips GmbH, Werk Brieselang

Die Saint-Gobain-Gruppe ist ein weltweit tätiges Technologieunternehmen, in dem Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit einen hohen Stellenwert einnehmen. So ist es selbstverständlich, dass Unfälle und Beinaheunfälle im Betrieb sofort untersucht und die Ursachen ausführlich analysiert werden.

Am Standort Brieselang werden Gipskartonplatten produziert, die in den verschiedensten Bereichen des Baugewerbes eingesetzt werden. Der innerbetriebliche Transport der Produkte und deren Verladung erfolgt mithilfe von Gabelstaplern. Hier kommt es immer wieder zu Situationen, in denen sich Gabelstapler und Fußgänger im Betrieb sehr nahe kommen. Zuletzt gab es einen Unfall, weil ein Fahrer aufgrund des toten Winkels eine Person übersehen und angefahren hatte.

Diesen Zwischenfall nahmen die Mitarbeiter im Werk Brieselang zum Anlass, den innerbetrieblichen Verkehr genauer zu betrachten. Es stellte sich heraus, dass die meisten Beschäftigten die Sichtverhältnisse aus einem Stapler heraus nicht kannten bzw. falsch einschätzten. Allen Mitarbeitern wurde daraufhin die Gelegenheit gegeben, die eingeschränkten Sichtverhältnisse eines Gabelstaplerfahrers persönlich kennen zu lernen.

Für eine nachhaltige Wirkung dieser Schulungen hat man die Sichtverhältnisse aus einem Stapler heraus und insbesondere die toten Winkel als maßstabsgetreues Foto auf Wände und Böden der Lagerhallen übertragen. Diese Abbildungen dienen auch dazu, die Fahrer der Speditionen, die regelmäßig den Betrieb anfahren, auf diese besondere Problematik hinzuweisen.

Produktionshalle mit roter Markierung auf dem Boden, die zeigt, welchen Bereich Staplerfahrer einsehen können
Abb. 4: In Brieselang werden die Staplerfahrer darin geschult, trotz eingeschränkter Sicht sicher durch die Hallen zu manövrieren. // (Foto: Karén Förster)

Förderpreis 2016: Produkte

Feuerwehrhandschuh mit integriertem Temperaturmesser

Rainer Seiz – Friedrich Seiz GmbH

Bei Bränden in Gebäuden sind die Einsatzkräfte regelmäßig gezwungen, in diese Gebäude hineinzugehen, um das Feuer an der Brandstelle direkt zu bekämpfen. Dabei müssen sich die Feuerwehrleute wegen starker Rauchentwicklung häufig zur Brandstelle vortasten und auch Türen und Tore öffnen. Hierbei kommt es immer wieder zu schweren Unfällen durch den sogenannten Flash-over, also eine Rauchgasdurchzündung.

Bei einer Rauchgastemperatur von über 500 °C entzünden sich die Oberflächen brennbarer Gegenstände schlagartig, sobald durch die geöffnete Tür Frischluft in den Raum gelangt. Das Resultat ist ein Vollbrand des Raumes mit Temperaturen von 1.000 °C und mehr. Daher ist es für die Feuerwehrleute wichtig, vor dem Öffnen der Türen Informationen über deren Oberflächentemperaturen zu erhalten, um daraus Rückschlüsse auf die aktuelle Situation hinter der Tür zu ziehen.

Da Feuerwehrleute generell eine Reihe von Ausrüstungsgegenständen mit sich tragen müssen, ist es nicht praktikabel, dass zusätzliche Messgeräte permanent mitgeführt werden. Außerdem sind diese in einem verrauchten Raum nicht einfach zu bedienen. Bei Friedrich Seiz wurde daher ein Handschuh entwickelt, in dem ein Temperatur-Messgerät integriert ist. Mit diesem Gerät kann die Oberflächentemperatur von Objekten wie Türen und Toren leicht gemessen werden. Eingeschaltet wird das „Lasertemp“ durch ruckartiges Handschütteln. Die aktuelle Temperatur der Oberfläche wird in °C angezeigt. Zusätzlich leuchten LEDs: grün für bis zu 60 °C Oberflächentemperatur, rot ab 60 °C. Der eingebaute Akku muss nach spätestens 800 Stunden Stand-by-Zeit aufgeladen werden. Mit dem im Feuerwehrhandschuh integrierten Temperaturmessgerät kann man bei der Brandbekämpfung problemlos Oberflächentemperaturen messen. Damit lässt sich die Gefahr eines befürchteten Flash-overs frühzeitig erkennen und die Einsatzkräfte können entsprechend reagieren

Handschuh mit integriertem Temperatur-Messgerät
Abb. 5: Handschuh mit integriertem Temperatur-Messgerät.

Förderpreis 2016: Auszubildende

Auszubildende schaffen Sicherheit (AsS)

Dieter Geiß – Freudenberg Vliesstoffe SE & Co. KG

Das Unternehmen Freudenberg Performance Materials produziert am Standort Kaiserslautern industrielle Vliesstoffe, die in den verschiedensten Bereichen von der Automobilindustrie über die Bekleidungsindustrie bis zur Bauwirtschaft eingesetzt werden. Für das weltweit aufgestellte Technologieunternehmen ist der ganzheitliche Ansatz bei den Themen Gesundheit, Arbeitssicherheit, Umwelt, Qualität und Energie von ganz besonderem Interesse. So gehört eine intensive Sensibilisierung der Auszubildenden für alle Themen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes zur gelebten Arbeitsschutzkultur.

Es stellte sich die Frage, wie die Auszubildenden noch enger an die Problemstellungen der Produktion herangeführt werden und gleichzeitig ihr Wissen und ihre Kreativität einbringen können.Dieter Geiß, Christian Mitteregger und Ralf Schneider haben zu diesem Problem eine überzeugende Antwort gefunden. Sie entwickelten das System „Auszubildende schaffen Sicherheit“ (AsS). Dabei können Beschäftigte aus der Produktion Problemstellungen über eine Intranetseite an die Ausbildung melden. Nach einer Bewertung werden interdisziplinäre Teams aus Auszubildenden zusammengestellt, die Lösungen erarbeiten und im Betrieb umsetzen. Umgesetzte Maßnahmen werden mit dem Logo der Aktion und den Namen der Beteiligten als sichtbarem Ausdruck der Wertschätzung gekennzeichnet. Der Beitrag überzeugt durch die gelungene Sensibilisierung der Auszubildenden für das Thema Arbeitsschutz. Hervorzuheben ist auch der wirtschaftliche und ganzheitliche Ansatz. Kreative und wirtschaftliche Lösungen wie diese sind beispielhaft und stellen einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung des Arbeitsschutzes dar.

Mehrere junge Männer sitzen an einem Tisch
Abb. 6: Bei der Initiative AsS werden Problemstellungen über eine Intranetseite an die Ausbildungsverantwortlichen gemeldet.

Sonderpreis 2016

Sichere Reinigung des Einfülltrichters an Fahrmischern

Josefine Kühnbach-Zech – Kühnbach KG Kies + Transportbeton

Die Kühnbach KG Kies + Transportbeton ist ein mittelständisches Unternehmen, das mit eigenen Fahrmischern Fertigbeton zum Kunden transportiert. Bei der Beladung von Fahrmischern bleiben regelmäßig Betonreste im Einfülltrichter zurück. Damit diese während der Fahrt nicht aushärten, steigen die Fahrer nach dem Beladen auf die Mischerplattform und reinigen den Trichter mithilfe eines herkömmlichen Wasserschlauches. Dabei kam es zu Stolper- und Absturzunfällen beim Besteigen sowie zu Verletzungen der Hände beim Einschieben bzw. Ausziehen der Aufstiegsleiter. Aus diesem Anlass wurde in Kooperation mit einem Unternehmen für Hochdruckreinigungssysteme eine automatische Waschanlage entwickelt und installiert. Die Fahrmischer fahren nach der Beladung unter diese Anlage. Der Reinigungsvorgang wird vom Mischmeister gestartet, sodass die Fahrer im Fahrzeug bleiben und danach losfahren können. Durch die Installation dieser Anlage wurden alle Gefährdungen, denen die Fahrer bisher ausgesetzt waren, beseitigt.

Fahrmischer im Reinigungsstand
Abb. 7: Der Fahrer muss während der Reinigung seine Kabine nicht verlassen.

Fotos: BG RCI/Armin Plöger

 
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