Technik

Rückblick Bauma 2016

Show der Rekorde

Rund 580.000 Besucher aus 200 Ländern kamen vom 11. bis 17. April auf das Messegelände nach München. Das entspricht einem Plus von mehr als neun Prozent. Insgesamt 3.423 Aussteller – 1.263 nationale und 2.160 internationale Unternehmen – aus 58 Ländern präsentierten auf einer Rekordfläche von 605.000 Quadratmetern ihre neuesten Produkte, Weiterentwicklungen und Innovationen. Dabei lag der Anteil der internationalen Aussteller mit 63 Prozent so hoch wie noch nie.

Besucher
Rekordbesucherzahl auf der diesjährigen Bauma.
Messestand Freigelände
Doppstadt präsentierte auf dem Freigelände unter anderem den neuen Splitter X2.

Impulse für Branchenwachstum

Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, zur Bilanz der diesjährigen Bauma: „Die Resonanz der Teilnehmer dieses Jahr ist unglaublich. Die Investitionsbereitschaft der Besucher war deutlich höher als erwartet. Viele Aussteller sprechen sogar von einer Rekordnachfrage auf der Bauma 2016. Gerade vor dem Hintergrund der unsteten Zeiten ist das ein mehr als positives Signal.“ Genauso sieht das auch Johann Sailer, Vorsitzender des Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, VDMA: „Die Bauma ist die ideale Plattform zur Vorstellung für zukunftsweisende Neuheiten, mit einer immensen Ausstrahlung in die ganze Welt. Auch 2016 wird die weltgrößte Baumaschinenmesse Impulse für das weitere Wachstum unserer Branche liefern.“

Zufriedenheit bei Ausstellern

Dabei steht die Bauma aber nicht nur für Rekordwerte bei Ausstellern, Besuchern und Fläche, sondern vor allem auch für ganz konkrete Geschäftsabschlüsse, wie Stefan Heissler, Mitglied des Direktoriums von Liebherr-International, bestätigt: „Die Bauma 2016 war für Liebherr ein voller Erfolg. Wir haben zahlreiche Aufträge aus den unterschiedlichsten Märkten erhalten. In einigen Bereichen wurden unsere Erwartungen sogar übertroffen.“ Für Michael Heidemann, Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung bei Zeppelin, steht fest, „dass die Bauma 2016 mal wieder allen gezeigt hat, dass sie völlig zu Recht Impulsgeber für Innovationen ist und ihrem Anspruch, eine Leitmesse zu sein, gerecht wird.“ Eine Einschätzung, der sich Jürgen und Stefan Wirtgen, Geschäftsführende Gesellschafter bei der Wirtgen Group, nur anschließen können: „Die Bauma ist als Leitmesse seit jeher der Gradmesser der Branche und hatte von Anfang an eine ganz besondere Bedeutung für unser Unternehmen. Unser diesjähriger Bauma Auftritt ist der bislang erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte.“ Auch der Miningbereich erfuhr auf der Bauma in diesem Zusammenhang eine äußerst positive Resonanz, wie Erwin Schneller, Geschäftsführer bei SBM Minerals, berichtet: „Die Bauma ist sehr international. Wir hatten Besucher von Chile bis Kanada, von China bis Russland, von Afrika bis Norwegen. Mein persönliches Highlight war, dass wir nicht geplante Verkäufe direkt auf der Messe hatten.“

Auch bei Wacker Neuson zeigte man sich zufrieden. „Die Bauma ist und bleibt ein wichtiges Forum, um einem fachkundigen Publikum unsere Innovationskraft und unser breites Leistungsspektrum zu präsentieren. Wir sind überwältigt von dem dauerhaft großen Andrang und dem hohen Interesse europäischer und internationaler Besucher auf unserem Messestand“, so Cem Peksaglam, Vorstandsvorsitzender der Wacker Neuson Group. Die meisten Besucher am Stand der Wacker Neuson Group kamen in diesem Jahr aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Frankreich. Insgesamt konnte das Unternehmen mehr als 15 Prozent mehr Gäste begrüßen als in 2013. „Mit dem Messeergebnis sind wir sehr zufrieden. Die Besucher waren über die gesamt Woche sehr interessiert, wir konnten hochqualitative Gespräche führen und die Anzahl der Aufträge, die während der Messe und nun in der Nachbearbeitung geschlossen werden, hat unsere Erwartungen übertroffen“, so Cem Peksaglam weiter.

Erdbaumaschinen in Messehalle
Schwere Technik in der Komatsu-Halle.

Fachbesucher aus aller Welt

Ohne jeden Zweifel ist diese 31. Weltleitmesse für Baumaschinen, Bau-

stoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte der Branchenprimus. Alexander Schwörer, Geschäftsführer bei Peri, bestätigt: „Die Bauma 2016 war für uns ein großer Erfolg, wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz und mit der hohen Qualität der Fachbesucher.“ Auch Frank W. Reschke, Gesamtvertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsführung bei Masa, zeigt sich beeindruckt: „Mit dem Verlauf der Messe sind wir sehr zufrieden und seit dem ersten Messetag begrüßen wir fast minütlich Gäste aus aller Welt. Die Qualität des Fachpublikums ist wie schon vor drei Jahren sehr hochwertig und wir konnten sehr gute Gespräche führen.“

Bauma-Innovationspreis 2016

Im Rahmen eines Festaktes wurden sechs Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit dem Bauma-Innovationspreis ausgezeichnet. Dieser sei ein „Spiegelbild der Innovationskraft der deutschen und internationalen Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinenindustrie“ und zeige nicht nur, was technisch möglich sei, sondern eröffne auch einen Blick in die Zukunft, lobte die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner die Preisträger und alle Unternehmen, die sich beteiligt hatten.

Johann Sailer, Vorsitzender der im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zusammengeschlossenen deutschen Hersteller von Bau- und Baustoffmaschinen, betonte anlässlich der Preisverleihung das steigende Interesse ausländischer Unternehmen an dem Wettbewerb. Fast die Hälfte der Bewerbungen stamme von internationalen Unternehmen. Bayerns Wirtschaftsministerin Aigner hob die Bedeutung des Preises für die Wirtschaft hervor: „Die Preisträger, die wir heute auszeichnen, haben die Zeichen der Zeit erkannt und leisten mit ihren Innovationen einen aktiven Beitrag zu nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklungen mit hohem Praxis-Bezug.“

Andrang auf dem Freigelände.
Andrang auf dem Freigelände.
Sonde
Mit der Sono-WZ-Sonde von IMKO lässt sich der Wassergehalt von Frischbeton schnell und sicher bestimmen. // Foto: IMKO

Die preisgekrönten Produkte im Überblick

Gewinner in der Kategorie Maschine sind die Kramer-Werke. Sie erhielten den Preis für den vollelektrisch angetriebenen und allradgelenkten Radlader 5055e. Die emissionsfreie Maschine ist optimal vor allem für den Einsatz in Gebäuden und Tunneln geeignet. Kostspielige Be- und Entlüftungsanlagen sind nicht mehr nötig. Fahrantrieb und Arbeitshydraulik werden von jeweils einem Elektromotor angetrieben, wobei der Motor für die Arbeitshydraulik immer nur so viel Kraft liefert, wie gerade gebraucht wird. Da der Radlader einen extrem niedrigen Geräuschpegel hat, kann er auch in lärmsensitiven Bereichen problemlos eingesetzt werden. Außerdem sind die Wartungskosten, da die Elektromotoren weitgehend verschleißfrei arbeiten, geringer als bei herkömmlichen Maschinen.

Der Preis in der Kategorie Komponente ging an IMKO. Das Unternehmen bekam die Auszeichnung für seine selbstentwickelte Sono-WZ Sonde, einem Hand-Messgerät, mit dem sich schnell und sicher der Wassergehalt von Frischbeton bestimmen lässt. Es müssen lediglich die Parameter des Betons eingegeben und die an einem Stab befestigte Sonde mehrmals in einen mit dem Beton gefüllten Eimer getaucht werden. Das Display zeigt dann den jeweiligen Wassergehalt an. Lange Wartezeiten wie beim derzeit gebräuchlichen Darr-Verfahren gibt es nicht. Ein vorzeitiges Abbinden des Betons wird so verhindert und damit die Qualität und Lebensdauer von Betonbauwerken erhöht.

Die Auszeichnung in der Kategorie Bauwerk/Bauverfahren erhielt Leonhard Weiss für ein Pilotprojekt, bei dem die marode Fahrbahn einer Stahlbrücke mit verhältnismäßig geringem Aufwand saniert wurde. Auf die vorher instandgesetzte Stahlplatte, aus der die Fahrbahn besteht, wurde ein Kunstharzkleber aufgetragen und das Ganze dann mit Bauxit-Splitt abgestreut. Darauf wurden ein engmaschiges Bewehrungsnetz und ein spezieller von der Firma Contec International entwickelter hochfester Beton eingebaut. Da die etwa sechs Zentimeter starke Betonschicht über den Splitt fest mit der Stahlplatte verbunden ist, entstand eine völlig neue, erheblich belastbarere Fahrbahn. Das Verfahren macht es nicht nur möglich, marode Stahlbrücken kostengünstig und in kurzer Zeit zu reparieren. Auch die Tragfähigkeit bestehender Brücken kann erhöht werden.

Siebtechnik auf dem Freigelände
Siebtechnik von Backers.
MAN stellte dem Publikum unter anderem seinen Leichtbaumischer vor.
MAN stellte dem Publikum unter anderem seinen Leichtbaumischer vor.

Mit dem Preis in der Kategorie Forschung wurde die Professur für Baumaschinen an der Technischen Universität Dresden für das derzeit laufende Forschungsprojekt zum 3D-Druck für Beton ausgezeichnet. Bei den bisherigen Bestrebungen, derartige Verfahren praxisreif zu machen, ging es vorrangig darum, in den Produktionsstätten und je nach Kundenwunsch individuell gefertigte Betonteile herzustellen. Die Wissenschaftler aus Dresden dagegen wollen den 3D-Druck nicht nur direkt auf die Baustelle bringen, sie wollen auch vorhandene Maschinen als Basis für ihre neue Technik nutzen. Und zwar so, dass diese Maschinen weiterhin auch für ihren ursprünglichen Zweck eingesetzt werden können. Entwickelt werden sollen eine großräumig agierende Robotertechnik und ein Druckkopf, mit dem schnell härtender Beton in Schichten aufgetragen wird und so ganze Bauwerke entstehen. Nicht nur die Bauprozesse, sondern auch die Bauformen könnten so revolutioniert werden.

In der Kategorie Design wurde der Preis gleich zwei Mal vergeben. Mecalac erhielt die Auszeichnung für seine neue Mobilbaggergeneration und die Technische Universität Dresden sowie die im Concept Cluster zusammengeschlossenen Unternehmen für die gemeinsam entwickelte Fahrerkabine Genius Cab. Die neuen Mobilbagger von Mecalac zeichneten sich durch ein Design aus, das nicht nur Kraft und Stabilität, sondern auch Dynamik und Wertigkeit ausstrahle, urteilte die Jury. Als gelungen bewertete die Jury auch die Integration des drehbaren Ober- in den Unterwagen. Sie stelle ein gutes Beispiel dafür dar, wie gut sich technischer Fortschritt und Design miteinander kombinieren ließen.

Die ebenfalls ausgezeichnete Genius Cab wertete die Jury als eine gelungene Symbiose aus Technik und Design, die dem Betrachter ein Gefühl von Sicherheit und Stärke vermittle. Alleinstellungsmerkmale wie Verkleidungselemente und die mit facettierten Fenstern ausgestattete Glaskanzel zeigten, wie Design Markenbildung unterstützen könne.

Livedemonstration auf dem Außengelände
Zahlreiche Livedemonstrationen konnten Besucher auf dem Außengelände erleben.
Interessierte Besucher am Gemeinschaftsstand der Berufsgenossenschaften.
Interessierte Besucher am Gemeinschaftsstand der Berufsgenossenschaften.

Sicher hoch hinaus

Auch die BG RCI war wieder mit einem Stand gemeinsam mit weiteren Berufsgenossenschaften auf der Messe vertreten. Und der stieß auf reges Interesse. Unter dem Motto „Sicher hoch hinaus“ demonstrierten die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU), die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BG HM), die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat e. V. (DVR) gemeinsam Neuerungen rund um das Thema sicheres Arbeiten auf hochgelegenen Arbeitsplätzen. Die Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, die Sicherheitseinrichtungen selbst zu testen und „am eigenen Leib“ die Notwendigkeit der Sicherungssysteme zu erfahren. Die BG RCI präsentierte die Gewinner des Förderpreises „Arbeit – Sicherheit – Gesundheit“ aus dem Jahr 2015, Siegfried Zipprick und Thomas Koll, mit einem innovativen Gerüstbausystem. Mit zwei einfachen Sicherungselementen gehören Stolpern und Stürzen auf Gerüsten der Vergangenheit an, weil eine ebene Arbeitsfläche gewährleistet wird.

Auch für Inspektionsaufgaben müssen Mitarbeiter häufig auf hohe Arbeitsplätze gelangen. Das können Silos, Brücken oder auch Windräder sein. Ferngesteuerte, mit HD-Kameras ausgerüstete Drohnen können solche Inspektionsaufgaben erledigen, während der Bediener sie von einem sicheren Standplatz aus lenkt. Die BG RCI zeigte eine Drohne der Firma GEO-Konzept aus Adelschlag in Aktion.

Ein zweiter großer Schwerpunkt waren die Sichteinschränkungen an Erdbaumaschinen und Lkw. Jeder kennt den so genannten „toten Winkel“. Er führt jedes Jahr zu vielen schweren und tödlichen Unfällen im Straßenverkehr wie auch auf Baustellen und in Betrieben. Mit neuen Kamerasystemen, die dem Fahrer eine Sicht aus der Vogelperspektive zeigen, können diese Unfälle verhindert werden.

Eingebettet wurden die Exponate in eine Präventionsshow mit anschließenden Experteninterviews.

Stefan Möller

Redaktion STEINE+ERDEN

Fachgespräche am BG-Stand.
Fachgespräche am BG-Stand.
Genius Cab
Für die Entwicklung der Genius Cab gab es den Innovationspreis im Bereich Design. // Foto: CCC Cab Concept Cluster / Tom Gonsior

Fotos: Helmut Ehnes / Stefan Möller