Arbeitssicherheit

Bericht und Analyse eines Absturz-Unfalls

Vermeidbares Drama

In einem Mitgliedsunternehmen der BG RCI sollte Ende letzten Jahres ein Schwerlastregal demontiert werden. Dabei ereignete sich ein Absturz-Unfall. In der Analyse wird erkennbar, dass dieser Unfall einfach zu verhindern gewesen wäre.

Die nach dem Unfall durch die zuständige Aufsichtsperson erfolgte Unfalluntersuchung brachte diese Erkenntnisse:

Der Meister des Betriebes, Klaus Meyer*, gab zunächst mündlich einen Demontageauftrag an den Vorarbeiter Jürgen Müller weiter.

Jürgen Müller entschied sich für eine Demontage von einer Gitterbox aus, die mit einem Gabelstapler angehoben werden sollte. Eine Gitterbox, die man benutzen konnte, fand sich noch auf dem Firmengelände.

Der ausgebildete Staplerfahrer Mark Schulze bediente den Stapler. Zwei Mitarbeiter standen in der ca. zwei Meter hoch angehobenen Gitterbox und lösten mit Hammerschlägen den waagerechten Querträger des Schwerlastregals. Als sich beide gleichzeitig auf einer Seite der Gitterbox aufhielten und mit dem Querträger hantierten, kippte die unbefestigte Gitterbox zur Seite und fiel mit den beiden Mitarbeitern zu Boden.

Einer zog sich diverse Rippenbrüche, der zweite eine Prellung zu. Unglücklicherweise befand sich im Bereich der Absturzstelle, also unterhalb der kippenden Gitterbox, ein weiterer Mitarbeiter, Marko Schnell, der von der Gitterbox getroffen wurde und sich hierbei ebenfalls diverse Prellungen zuzog.

Schwerlastregal mit Gitterbox.
Schwerlastregal mit Gitterbox.

Was waren nun die Unfallursachen bzw. wie konnte es zu diesem Unfall kommen?

Die im Nachgang erfolgte Unfalluntersuchung hat folgende Punkte ergeben:

· Durch den Meister Klaus Meyer wurde lediglich ein pauschaler Arbeitsauftrag „Schwerlastregal demontieren“ an den Vorarbeiter Jürgen Müller ausgegeben. Auf welche Art und Weise diese Arbeiten ausgeführt werden sollten, wurde nicht konkret besprochen. Eine Unterweisung, wie das Schwerlastregal gefahrlos abgebaut werden kann, ist nicht erfolgt. Die Art der Ausführung wurde also den beteiligten Personen komplett selbst überlassen, obwohl diese sonst in der Handarbeitsabteilung für Betonteile arbeiten und somit womöglich für diesen Arbeitsauftrag nicht geeignet waren.

Nachgestellte Unfallsituation mit lose aufliegender Gitterbox.
Nachgestellte Unfallsituation mit lose aufliegender Gitterbox.

Eine geplante Demontage in zwei Metern Arbeitshöhe hat von einem sicheren Arbeitsmittel aus zu erfolgen. Im beschriebenen Fall hätte sich z.B. die vorhandene Hubarbeitsbühne oder der vorhandene Personenaufnahmekorb angeboten.

Welche unsicheren Handlungen bzw. Verstöße gegen Vorschriften lagen hier nun möglicherweise vor?

Hier heißt es: „Der Fahrer darf Versicherte mit der Arbeitsbühne erst auf- oder abwärtsfahren, wenn die Arbeitsbühne sicher befestigt und die Umwehrung ordnungsgemäß geschlossen ist.“

Die Unfallursachen waren also vorrangig im organisatorischen sowie personenbezogenen Bereich zu finden. Wie so oft war es auch in diesem Unfallbeispiel eine Verkettung mehrerer Umstände, die zu diesem Unfall geführt haben. Und er wäre doch so einfach zu verhindern gewesen!

* Alle Namen von der Redaktion geändert.

Dipl.-Ing. Maik Schlademann, BG RCI

Hubarbeitsbühne
Blieb ungenutzt: die Hubarbeitsbühne.
Personenaufnahmekorb
Personenaufnahmekorb