Industrienachrichten

150 Jahre TÜV SÜD

Urknall der technischen Sicherheit

Januar 1865: Die Explosion eines Dampfkessels in Mannheim mit einem Toten und vier Verletzten veranlasste die Betreiber ein Jahr später zur Gründung einer „Gesellschaft zur Ueberwachung und Versicherung von Dampfkesseln“ – Keimzelle des heutigen TÜV.

Die Vorläuferorganisation sollte für mehr Sicherheit technischer Anlagen sorgen. Die Idee einer unabhängigen, neutralen Prüforganisation hat sich in den folgenden 150 Jahren weltweit durchgesetzt.

Doch sie keimte schon vor dem Mannheimer Unglück. Im Zuge der Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts forderten immer häufiger schwere Kesselexplosionen Todesopfer und verursachten große Schäden. Technischer Fortschritt bei höherer Sicherheit: Dies miteinander in Einklang zu bringen, wurde zu einem gesellschaftlichen Bedürfnis. Darauf reagierten schließlich die Mannheimer Kesselbetreiber mit ihrem Überwachungsverein. Dessen Auftrag, Menschen, Sachgüter und Umwelt vor den schädlichen Auswirkungen der Technik zu schützen, besteht für den TÜV SÜD noch heute.

Carl Isambert
Carl Isambert war der erste festangestellte Prüfingenieur. Er arbeitete seit 1868 für die ab 1883 unter dem Namen Badische Gesellschaft für Überwachung von Dampfkesseln tätige Organisation.

Eine Idee setzt sich durch

Schon bald zeigten sich Erfolge: Kontrollierte Kessel waren zwanzigmal sicherer. Dies führte zu immer mehr Vereinsmitgliedern sowie Sachverständigen, die Anlagen prüften. Nach zehn Jahren gab es bereits rund 20 Überwachungsvereine in Deutschland. Der Verein in Baden etwa befasste sich auch mit Druckbehältern sowie mit Fragen der Werkstoff- und Schweißtechnik; bereits 1870 erstellten Ingenieure ein erstes Umweltschutz-Gutachten zur Rauchgasbelästigung.

Erweitertes Prüfspektrum

Nach 1900 erschloss sich der Verein das weite Feld der Elektro- und Fördertechnik. Hinzu kamen bald sicherheitstechnische Prüfungen von Fernleitungen, Lagertanks, Versammlungsstätten und Seilbahnen. Weiterer Meilenstein: 1910 gründete der Stuttgarter Dampfkessel-Revisionsverein eine Abteilung zur Prüfung von Fahrzeugen und deren Führern – Geburtsstunde der regelmäßigen Fahrzeugprüfung in Süddeutschland. Dem erweiterten Leistungsspektrum trug später die Umbenennung in „Technischer Überwachungs-Verein“ Rechnung.

Neue Themen, neue Länder

Den Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg gestalteten die Vereine aktiv mit, etwa der damalige TÜV Bayern: Konsequent wandte er sich der Prüfung kompletter Raffinerien zu und stieg in die Kunststofftechnik ein. Um die Sicherheit jedes Einzelnen zu erhöhen, begannen die Ingenieure zudem mit Baumusterprüfungen von Geräten für Heim, Freizeit und Büro. Seit den 1970er Jahren erweiterte sich die Palette der Prüfleistungen auf Computer- und Mikroprozessor-Technik, den Datenschutz und den Schutz des Menschen am Arbeitsplatz. Zudem forschten und berieten die Ingenieure auch in puncto Ressourcen-Einsparung, alternative Energien und Umweltschutz. Neue Felder wie E-Business, Lebensmittelsicherheit, Medizintechnik und Fahrzeugentwicklung runden seitdem das Spektrum ab. Durch die Liberalisierung der Märkte und die damit einhergehende Fusion verschiedener TÜV-Organisationen entstand der TÜV SÜD. Heute ist er mit rund 22.000 Mitarbeitern an 800 Standorten weltweit vertreten.

Dampfkessel
Durch explodierende Dampfkessel kamen häufig Menschen ums Leben.
 
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