Arbeitssicherheit

BG RCI vergibt höchst dotierten Arbeitsschutzpreis in Deutschland

Ausgezeichnete Ideen prämiert!

Die „Arbeitsschutz-Oscars“ wurden in diesem Jahr zum 18. Mal verliehen. An dem Wettbewerb 2015 haben deutschlandweit 689 Frauen und Männer mit 279 Beiträgen teilgenommen.

Der Förderpreis Arbeit·Sicherheit·Gesundheit der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) ist der höchst dotierte Arbeitsschutzpreis in Deutschland. Insgesamt werden 100.000 Euro an Preisgeldern vergeben. Der Preis stand in diesem Jahr unter dem Motto „Sicherheit auf allen Wegen“ und wurde am 24. April 2015 in der Alten Oper in Frankfurt/Main verliehen.

BG-RCI-Förderpreis

Erstmals in diesem Jahr gab es zwei branchenübergreifende Förderpreise. Zum einen wurde Streeprotec (Marienhausen) für den von ihnen entwickelten „Auslaufschutz für Betonrutschen“. Fahrmischer liefern den wichtigen Baustoff Beton zu den Baustellen. Dort wird er über eine fest mit dem Fahrzeug verbundene Rutsche entladen. Oftmals aber bleiben Betonreste auf dieser Rutsche, die dann die Straße verschmutzen und somit eine Verkehrsgefährdung darstellen können. Michael und Alexandra Gräbe von der Firma Streeprotec (Marienhausen) haben einen „Auslaufschutz für Betonrutschen“ entwickelt, der genau dies verhindert. Für diesen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit verlieh ihnen die Jury branchenübergreifenden Förderpreis „Sicherheit auf allen Wegen“ der BG RCI.

Michael Gräbe mit dem von ihm entwickelten Auslaufschutz für die Betonrutschen an Fahrmischern.
Michael Gräbe mit dem von ihm entwickelten Auslaufschutz für die Betonrutschen an Fahrmischern.

Total Bitumen Deutschland produziert am Standort Brunsbüttel verschiedene Bitumensorten für den Straßenbau. Dabei werden pro Jahr ca. 20.000 Tankkraftwagen-Transporte (TKW) durchgeführt. Die Verladung und der Transport des heißen Materials erfolgt über externe Speditionsfirmen. Jörg Bley und Stefan Pein hatten die Idee, unter den TKW-Fahrern einen Sicherheitswettbewerb zu etablieren. Der Erfolg kann sich sehen lassen: die rund 40.000 Be- und Entladungen im letzten Jahr verliefen unfallfrei! Für ihre „Optimierung Transportsicherheit bei Gefahrgut“ verlieh ihnen die Jury den zweiten gemeinsamen Förderpreis der BG RCI.

Stefan Pein und Jörg Bley
Stefan Pein und Jörg Bley hatten die Idee zur Optimierung der Transportsicherheit.

Förderpreis Baustoffe – Steine – Erden

Sicheres Arbeiten auf Systemgerüsten (Gerüstbau Nordhoff, Leverkusen)

Überall dort, wo besondere Elemente wie Säulen, Balkone oder Nischen die Gleichmäßigkeit der Gebäudehülle unterbrechen, müssen die Gerüstbeläge entsprechend angepasst werden. Weit verbreitet ist hier die Nutzung von Holzbohlen verschiedener Größen, die neben- und übereinander mit Hilfe von Schrauben und Nägeln befestigt werden. Aus dieser Vorgehensweise resultieren aber Stolperstellen, da die Bohlen nicht höhengleich zu den vorhandenen Belägen eingebracht werden können. Abhilfe schafft hier die von Siegfried Zipprick und Thomas Koll entwickelte Belagtraverse und Panzerbelagsicherung. Es handelt sich hierbei um einfach konstruierte Sicherungselemente aus Stahl, die man im Gerüstbau ohne zusätzlichen Aufwand einsetzen kann. Diese Sicherungselemente sorgen für eine formschlüssige und sichere Befestigung der Bodenelemente am Gerüst. Siegfried Zipprick und Thomas Koll erhielten den Förderpreis, weil hier mit zwei einfachen Sicherungselementen die typischen Gefahren bei der Nutzung von Gerüsten sehr effektiv vermieden werden.

Siegfried Zipprick (l.) und Thomas Koll (r.) mit den von ihnen entwickelten Bauteilen „Belagtraverse“ und „Panzerbelagsicherung“.
Siegfried Zipprick (l.) und Thomas Koll (r.) mit den von ihnen entwickelten Bauteilen „Belagtraverse“ und „Panzerbelagsicherung“.

Sonderpreise Baustoffe – Steine - Erden

Ergonomische Gestaltung eines Sortierarbeitsplatzes in der Betonindustrie (BraunBeton GmbH, Baiersbronn)

Im Unternehmen BraunBeton wurde im Rahmen eines Anlagenneubaus zur Herstellung von Betonsteinen eine automatische Aussortierung von beschädigten und optisch mangelhaften Betonsteinen entwickelt und installiert. Körperlich belastende und unergonomische Sortierarbeiten sollten entfallen. Die mangelbehafteten Steine werden nun durch das Auflegen eines rechteckigen Holzstückes markiert. Die Lage des Holzstückes wird nach dem Auflegen von einem Scanner erfasst. Liegt es flach, deutet es der Scanner als II. Wahl. Steht es aufrecht, identifiziert er es als Ausschuss. Dementsprechend werden die so markierten Betonsteine automatisch auf verschiedene Förderbänder geleitet und schließlich auf Paletten abgelegt bzw. aussortiert. Der Preis wurde an Christof Braun, Daniel Braun, Benjamin Braun und Karl Braun verliehen, weil man hier bei der Gestaltung eines ergonomischen Arbeitsplatzes von Beginn an konsequent auf eine technische Lösung gesetzt hat. Organisatorische oder persönliche Schutzmaßnahmen kamen als Alternative nicht in Betracht. Die Arbeitsbedingungen an diesem Sortierarbeitsplatz sind nun optimiert und die körperlich belastenden Tätigkeiten gehören der Vergangenheit an.

Auflegen von Holzklötzchen auf Betonplatten
Durch Auflegen von Holzklötzchen werden bei BraunBeton Betonplatten markiert, die nicht den Qualitätsanforderungen genügen.

„Tippen tötet“ – Eine Initiative für sicheres Autofahren

(ExxonMobil Production Deutschland, Hannover; Wintershall Holding GmbH, Barnstorf; Landesverkehrswacht Niedersachsen e. V., Hannover; Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e. V., Hannover)

Im Straßenverkehr sieht man immer wieder Verkehrsteilnehmer, die ihren Blick nicht auf der Straße haben, sondern auf dem Display ihres Smartphones. Dies war Anlass für junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens ExxonMobil Production Deutschland, diesem Verhalten mit einer Kampagne zu begegnen. Das Projekt wurde zusammen mit der Wintershall Holding GmbH, der Landesverkehrswacht Niedersachsen e. V. und dem Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. geplant und umgesetzt. In Form von 250 Spannbändern an vier Autobahnen, 500 Plakaten in sieben niedersächsischen Großstädten und 50.000 sogenannten Citycards wurde die Kampagne flächendeckend verbreitet. Deshalb wurden Axel Weiß, Lena Mohrlüder und Christian Riedemann (ExxonMobil Production Deutschland), Dr. Michael Bätcher, Katharina Meyer und Markus Meyer (Wintershall Holding GmbH), Burkhard Grundmeier (Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e. V.) sowie Dr. Wolfgang Schultze (Landesverkehrswacht Niedersachsen e. V.) im Rahmen des Förderpreises ausgezeichnet.

Banner an einer Brücke über einer Straße
Kampagne gegen die Smartphonenutzung während der Autofahrt.

Förderpreis Bergbau

Mobile Anschlageinrichtung für PSA gegen Absturz zur Nutzung von Gebirgsankern (K+S KALI, Werk Werra / Grube Hattorf-Wintershall)

Im Kali- und Salzbergbau werden zur Sicherung der Grubenbaue Gebirgsanker eingesetzt. Diese werden in hoher Anzahl in die Firste eingebracht, um das Lösen und Herabfallen von Salzplatten zu verhindern. Zahlreiche Arbeiten unter Tage müssen unter Absturzgefahr durchgeführt werden. Eine neu entwickelte Mobile Anschlageinrichtung ermöglicht es jetzt erstmals, die vorstehenden Enden der Gebirgsanker als Anschlagpunkt für Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz zu nutzen. Dazu wird eine mobile und wiederverwendbare Anschlagöse auf die Anker aufgeschraubt. Da die Gebirgsanker ohne Hilfsmittel nicht erreichbar sind, wurde gleichzeitig eine Aufschraubvorrichtung entwickelt, die ein einfaches und sicheres Montieren von der Sohle aus ermöglicht. Die Anschlagöse wird von Hand aufgeschraubt und so fest wie möglich gegen die Ankermutter angezogen. Ein sogenannter „Stöpsel“ zeigt durch Herausfallen an, dass die Anschlagöse weit genug aufgeschraubt ist und ausreichend fest sitzt. Die Wirbelfunktion der Öse verhindert anschließend das unbeabsichtigte Lösen beim Gebrauch. Mit einer Teleskopstange wird anschließend ein Karabinerhaken in die Anschlagöse gehängt, um die Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz anzuschlagen. Wolfgang Sieling und Jürgen Radick hatten die Idee zu der neuen Vorrichtung. Dafür erhielten sie den Förderpreis der Branche.

Wolfgang Sieling und Jürgen Radick untertage
Wolfgang Sieling und Jürgen Radick tüftelten drei Jahre an ihrer Idee.

Sonderpreis Bergbau

Magnetschutzkappe für Fräsköpfe (RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH, Ibbenbüren)

Bei der Bearbeitung von Werkstücken in Fräsmaschinen kommen sehr scharfe Schneidköpfe zum Einsatz. Beim Ein- und Ausbauen der Fräsköpfe sowie bei Messvorgängen besteht die Gefahr von Schnittverletzungen und Infektionen durch Kühlschmierstoffe. Der Auszubildende Felix Röwekämper hatte die richtige Idee, um die Arbeiten sicherer zu machen. Er entwickelte eine neue Art individuell angepasster Schutzkappen für Fräsköpfe und eine passende Ablage zu deren Aufbewahrung. Wird ein mit einer Schutzkappe versehener Fräskopf in die Maschine eingesetzt, sorgt ein eingeklebter magnetischer Boden in der Kappe dafür, dass sie immer griffbereit verfügbar ist. Nach einem Fräskopfwechsel oder bei Beendigung der Arbeit kann die Kappe ohne Aufwand wieder auf den Fräskopf aufgesteckt werden. Eine Ablage für die Kappen sorgt für die sichere Lagerung und Entnahme der Fräsköpfe. Durch den einfachen, durchdachten Aufbau der Schutzkappen ist deren Fertigung kostengünstig und mit wenig Zeitaufwand zu realisieren. Die Verletzungsgefahr in der Zerspanung des Ausbildungszentrums wurde durch die Neuentwicklung deutlich verringert. Für sein Engagement und die wertvolle Verbesserung des Arbeitsschutzes wurde Felix Röwekämper der Sonderpreis der Branche Bergbau verliehen.

Schutzkappe in der Werkstatt
Die neuen, von Felix Röwekämper entwickelten Schutzkappen verhindern Verletzungen und schützen vor Infektionen durch Kühlschmierstoffe.
 
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