Von A bis ZED

Ulrich Meesmann

Ob beim Entsorgen von Baumaterial, bei bestimmten Tätigkeiten in Laboratorien, bei Schweißarbeiten oder bei der Holz- und Metallbearbeitung: Noch immer können Beschäftigte mit krebserzeugenden und erbgutverändernden Stoffen in Kontakt kommen. 2010 machten Krebserkrankungen fast 15 Prozent aller anerkannten Berufskrankheiten aus.

Deshalb müssen Betriebe schon seit Jahren hohe technische Standards einhalten. Die möglichen Folgen erfordern aber auch, dass Expositionen akribisch aufgezeichnet werden: War ein Mitarbeiter im Laufe des Berufslebens durch derart riskante Stoffe gefährdet? Wenn ja: Bei welchen Tätigkeiten, wie lange und in welcher Höhe? Die Arbeitgeber müssen diesen Teil der Erwerbsbiografie ihrer Beschäftigten in jedem Fall über vier Jahrzehnte aufbewahren. So wollen es die Gefahrstoffverordnung und das Europäische Chemikalienrecht. Das Ziel ist die langfristige Beweissicherung für mögliche künftige Berufskrankheiten. Denn die Latenzzeit zwischen der gefahrvollen Tätigkeit und der Erkrankung kann bis zu 40 Jahre oder sogar länger betragen. Nach aktueller Rechtslage ist den Beschäftigten am Ende des Beschäftigungsverhältnisses ein Auszug des Expositionsverzeichnisses mit ihren persönlichen Daten auszuhändigen.

Die praktische Umsetzung dieser Forderung stellt viele Unternehmen vor Probleme. Die DGUV hat daher eine Lösung entwickelt, die eine Alternative zur betriebsinternen Führung eines solchen Verzeichnisses darstellt: Die Datenbank zur Zentralen Erfassung gegenüber krebserzeugenden Stoffen exponierter Beschäftigter (ZED) ist ein freiwilliges, kostenfreies Angebot der DGUV an die Unternehmen. Via Internetportal können die geforderten Daten mit überschaubarem Aufwand erfasst werden. Die teilnehmenden Unternehmen übertragen hierzu in eigener Verantwortung die Informationen in die Datenbank; die DGUV verwaltet diese dann treuhänderisch. Sie bleiben in der uneingeschränkten Verfügungsgewalt des Unternehmens mit geschütztem Zugang und sicherer Speicherung.

Unternehmen, die die ZED nutzen, werden von der Aufgabe der langfristigen Aufbewahrung der Daten entlastet. Beim Ausscheiden von Beschäftigten können diese Daten von der DGUV kostenfrei abgerufen werden. Auch die Beschäftigten selbst müssen die Unterlagen nicht mehr über Jahrzehnte aufbewahren. Die Daten liegen auch dann noch vor, wenn ein Betrieb seine Tore längst geschlossen hat.

Falls doch eine beruflich verursachte Krebserkrankung auftritt, wird die ZED mit ihrer Dokumentation einen wichtigen Beitrag leisten können, dass den Betroffenen die rechtlich gesicherten Ansprüche zuteil werden und, bei allem persönlichen Leid, Rehabilitations- und Entschädigungsleistungen gewährt werden können. Möglicherweise lassen sich aus den dokumentierten Informationen in Zukunft auch neue Erkenntnisse für die Prävention gewinnen, um einen Beitrag zum Durchbruch im Kampf gegen den Krebs am Arbeitsplatz zu leisten.

Herzlichst Ihr
Ulrich Meesmann