Technik

Pipe Conveyor von Beumer in Bernburg

Mit wenig Aufwand ans Ziel

Um im Zementwerk in Bernburg nahe Magdeburg alternative Brennstoffe wie zerkleinertes Kunststoffmaterial, Textilien und Papier von der Lagerhalle zu den Beschickungssystemen des Ofens zu fördern, ersetzt Schwenk Zement die alte Trogkettenförderlinie durch einen modernen Pipe Conveyor der Beumer Group.

Dieses komplett geschlossene Fördersystem sorgt nicht nur für einen umweltfreundlicheren und energieeffizienteren Transport des Schüttguts. Der Wartungsaufwand ist erheblich geringer, und die Anlage lässt sich optimal an die Umgebungsbedingungen anpassen. Das Schwenk Zementwerk in Bernburg ist eines der größten Baustoffwerke Deutschlands. Zur Zementherstellung wird Kalkstein abgebaut, zerkleinert und mit weiteren Rohstoffen homogenisiert. Gurtförderer transportieren diesen Rohschotter und weitere Stoffe anschließend vom Mischbett ins Werk. Dort werden sie in den Rohmühlen auf die für den Brennprozess notwendige Feinheit gemahlen und getrocknet. Das Rohmehl wird anschließend in großen Silos homogenisiert und zwischengelagert. Um den Portlandklinker – ein grobstückiges Zwischenprodukt – zu erhalten, gelangt das Rohmehl zunächst in den Zyklonvorwärmer, anschließend in den sogenannten Kalzinator, die beide mit den alternativen Brennstoffen befeuert werden. Bei Temperaturen von mehr als 950 Grad Celsius wird der Kalksteinanteil im Rohmehl entsäuert. Danach erreicht das Material das Drehrohr und wird dort bei Temperaturen von etwa 1.450 Grad Celsius gebrannt. Um die Brennstoffe von der Lagerhalle zu den Beschickungssystemen für den Hauptbrenner zu transportieren, setzte Schwenk bisher auf eine Trogkettenförderlinie. Bei diesen mechanischen Stetigförderern sind Mitnehmer an einer endlos geschlossenen Kette installiert, die das Schüttgut in einem Trog transportieren. „Wir hatten diese Anlage nun schon seit mehr als zehn Jahren im Einsatz. Deswegen mussten wir sie auch immer häufiger warten“, berichtet Dirk Fabian, Produktionsleiter bei Schwenk in Bernburg. Ein weiteres Problem: Der Trogkettenförderer konnte das Schüttgut, das eine Dichte von nur 0,2 Tonnen pro Kubikmeter aufweist, nach dem weiteren Ausbau der Dosiertechnik nicht mehr in ausreichender Menge zu den Dosierwaagen (und damit zum Hauptbrenner) fördern. „Wir suchten eine alternative Lösung, die sowohl ökologisch als auch wartungsarm ist“, beschreibt Dirk Fabian. Der neue Förderer sollte zudem aufgrund seiner Konstruktion optimal an die kurvige Streckenführung im Werk angepasst sein. Als Lieferant für die passende Fördertechnik wählte der Baustoffhersteller Beumer.

Die erste Stütze ist direkt an der Lagerhalle befestigt.
Die erste Stütze ist direkt an der Lagerhalle befestigt.

Hoher Umweltschutz, geringe Wartung

„Gemeinsam mit den Verantwortlichen in Bernburg entwickelten wir eine Lösung, die auf die Anforderungen ideal abgestimmt ist“, sagt Michal Mikulec, Geschäftsführer der Beumer Group Czech Republic, der das Projekt betreut hat. Im Gespräch war zunächst eine Kombination aus einem neuen Trogkettenförderer und mehreren offenen Gurtförderern, doch diese Lösung wurde schnell verworfen. Aufgrund des Umweltschutzes und des geringeren Wartungsaufwands kristallisierte sich rasch ein Pipe Conveyor für das Zementwerk heraus. „Mit seiner geschlossenen Bauform schützt dieser die Umwelt sicher vor herabfallenden Transportgütern. Auf laufender Strecke kann sich außerdem kein Staub entwickeln“, erklärt Michal Mikulec. Diese Förderer bieten noch weitere Vorteile. Sie können lange Distanzen und enge Kurvenradien bewältigen. Und wegen ihrer Kurvengängigkeit sind im Vergleich zu anderen Gurtförderern wesentlich weniger Verteilertürme nötig. Damit spart der Anwender deutlich Kosten, und Beumer kann mit dieser Eigenschaft das System an individuelle Streckenführungen anpassen. Die Unternehmensgruppe lieferte und installierte eine Anlage mit einem Durchmesser von 200 Millimetern und einer Länge von 230 Metern. Sie fördert bis zu 15 Tonnen Material in der Stunde. Beumer war zudem für den Gesamtprozess verantwortlich. Dazu gehörten die verfahrenstechnische Auslegung sowie der komplette Stahlbau. Eingesetzt werden zugfeste und langlebige Fördergurte. „Um bei Schwenk die optimale Gurtausführung zu ermitteln, berechneten wir die Zugkräfte sowie die Kräfte, die durch Beschleunigung und Verzögerung entstehen – und das immer unter Berücksichtigung des Eigengewichts des Gurts und des Förderguts“, berichtet Michal Mikulec. Vorausberechnet haben die Ingenieure weiterhin die Gurtlagen in den entsprechenden Kurvenradien für den leeren und den beladenen Gurt. Ein weiterer Vorteil ist die geringe Geräuschemission der Pipe Conveyor. „Mit speziellen Tragrollen sowie geräuscharmen Lagern und Elektromotoren arbeiten diese sehr leise. Das macht den Betriebsalltag für unsere Mitarbeiter angenehmer und die Menschen in der Umgebung des Werkes werden nicht belästigt“, sagt Dirk Fabian.

Lagerhalle
In der Lagerhalle wird der Ersatzbrennstoff mit einem Kran in die Austragsbunker abgeworfen.

Reibungsloser Betrieb

In der Lagerhalle nehmen Kräne die aufbereiteten Ersatzbrennstoffe auf und werfen sie in die Austragsbunker mit dem Austragssystem. Von dort schafft der Kettengurtförderer das Material kontinuierlich zum neuen Pipe Conveyor. Dieser fördert es zu den Dosierwaagen des Hauptbrenners. Beumer passte die Linienführung des Förderers an das Werk an. Eine weitere Anforderung, die erfüllt wurde: Stützen sollten hier den Lkw-Verkehr unter dem Pipe Conveyor auf keinen Fall behindern. Deshalb befestigten die Techniker die erste Stütze direkt an der Lagerhalle. Das Spannsystem des Förderers hat Beumer als Spannturm ausgelegt. Dieser befindet sich direkt bei der Aufgabestation.

Kettengurtförderer
Der hebt das Material auf das Niveau des Pipe Conveyors an.
 
Weitere Informationen