Arbeitssicherheit

„Standards in Lieferketten“ ist Schwerpunktthema im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft

Gute Arbeit weltweit fördern

Katastrophen wie der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza im April 2013 haben das Bewusstsein dafür geschärft, dass wir in einer globalen Wirtschaft mit Verantwortung dafür tragen, dass Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards weltweit effektiv umgesetzt werden.

Nach Zahlen der International Labour Organization (ILO) sterben jährlich 2,3 Millionen Menschen an Folgen der Arbeit, davon ca. 350.000 bei Arbeitsunfällen und ca. 2 Millionen an arbeitsbezogenen Krankheiten. 168 Millionen Kinder arbeiten, davon 85 Millionen unter extrem gefährlichen Bedingungen. Zudem sind mehr als 21 Millionen Menschen Opfer von Zwangsarbeit. Die menschlichen und wirtschaftlichen Verluste sind enorm. Allein die arbeitsbedingten Todesfälle bedeuten einen gesamtwirtschaftlichen Verlust von 4 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts jährlich. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt sich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft dafür ein, dass internationale Standards entlang der globalen Lieferkette effektiv umgesetzt und eingehalten werden. Vorschläge zu konkreten Aktionen der G7-Regierungen zielen auf Produktionsländer, Unternehmen mit Sitz in G7-Ländern und Kunden in G7-Ländern.

Ein besonderes Augenmerk soll auf Verbesserungen in folgenden Themenfeldern gerichtet werden:

Titel Zukunftspapier
Das Zukunftspapier von Bundesminister Dr. Gerd Müller und Bundesministerin Andrea Nahles ruft dazu auf, gemeinsame Verantwortung wahrzunehmen.

Internationale Konferenz startet Initiative „Standards in Lieferketten“

Den Auftakt der gemeinsamen Initiative von BMAS und BMZ bildete die internationale G7 Stakeholder-Konferenz „Promoting decent work worldwide through sustainable supply chains“ am 10. und 11. März 2015 in Berlin. Im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung diskutierten und entwickelten hochrangige Vertreter von Regierungen, Unternehmen, Sozialpartnern, Internationalen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Akteuren wichtige Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Lieferketten, die nun in den weiteren G7-Prozess eingehen. Mit der Konferenz haben Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, und Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die gemeinsame Initiative „Standards in Lieferketten“ im Rahmen der deutschen G7 Präsidentschaft gestartet. 88 Tage vor dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau berieten sie mit Vertretern von Regierungen, Unternehmen, Sozialpartnern, Internationalen Organisationen und Zivilgesellschaft Vorschläge zur Umsetzung von Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards in globalen Lieferketten. Deutschland setzt mit der Initiative ein klares Signal, sozialverantwortliches und umweltverträgliches Handeln in der globalen Warenproduktion zu einem der Top-Themen der sieben größten Industrieländer zu machen.

Dr. Joachim Breuer (DGUV), Manfred Wirsch (DGUV), Herr Atiqul Islam (Präsident des Arbeitgeberverbandes Textil, Bangladesch), Dr. Rainhardt Freiherr von Leoprechting (DGUV), Miran Ali (Bitopi Group, Bangladesch), Dr. Gregor Kemper (DGUV)
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat intensiv zur G7-Konferenz beigetragen – sowohl durch konkrete Initiativen und Vorschläge als auch durch die aktive Beteiligung an den Foren. Während der Konferenz wurden viele interessante Gespräche geführt, unter anderem mit Delegierten aus Bangladesch und Vertretern internationaler Organisationen. Von links: Dr. Joachim Breuer (DGUV), Manfred Wirsch (DGUV), Herr Atiqul Islam (Präsident des Arbeitgeberverbandes Textil, Bangladesch), Dr. Rainhardt Freiherr von Leoprechting (DGUV), Miran Ali (Bitopi Group, Bangladesch), Dr. Gregor Kemper (DGUV). // Foto: DGUV

„Gerechtigkeit schafft Frieden“

„Wenn 10 Prozent der Menschen 90 Prozent des Vermögens halten und 20 Prozent der Länder 80 Prozent der Ressourcen verbrauchen, haben wir ein Gerechtigkeits- und ein Verteilungsproblem“, sagt Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Lieferketten in der Globalisierung gerecht zu gestalten sei ein Gebot. „Gerechtigkeit schafft Frieden“, ergänzte Müller. Die gemeinsame Initiative der beiden Ministerien will durch nachhaltige Lieferketten gute Arbeit fördern, ergänzt Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Alle 15 Sekunden sterbe ein Mensch an den Folgen der Arbeit, die Zahl der Kinderarbeiter werde auf 168 Millionen geschätzt. Der jährliche Verlust durch Unfälle bei der Arbeit betrage 2,8 Milliarden US-Dollar. Nahles möchte bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ansetzen und fragen, wie Lieferketten nachhaltig gestaltet werden können. Wichtig sind für die Bundesministerin wirksame Beschwerdemechanismen und ein Schlichtungsmanagement. Zur Prävention zähle, auf die Auftraggeber einzuwirken. Ein globaler Vision Zero-Fonds soll Menschen in Not unterstützen und aus freiwilligen Zahlungen der G7-Länder gespeist werden. „Ich habe die Vision, Unfallversicherungen auf der ganzen Welt aufzubauen“, sagte Nahles. Die Opferzahlen müssen reduziert und Arbeitsinspektoren ausgebildet werden.

Dr. Gerd Müller

Dr. Gerd Müller: Wir haben als Industrienationen die Möglichkeit, die globalen Produktionsabläufe zu beeinflussen. Wenn wir Hungerlöhne in Textilfabriken, Kinderarbeit, Müllhalden voll Elektronikschrott, vergiftete Flüsse als Folge unseres Konsumhungers nicht wollen, müssen wir einen fairen Handel politisch gestalten. Dafür gibt es viele Hebel. Deutschland hat das Thema auf die G7-Agenda gestellt, denn zusammen haben unsere Länder die Marktmacht und damit auch die Verantwortung, die Ausbeutung von Mensch und Natur zu beenden.

Andrea Nahles

Andrea Nahles: Allein durch Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen entsteht weltweit ein Schaden von 2,8 Billionen US-Dollar pro Jahr. Dies entspricht vier Prozent des globalen BIP. Das können und dürfen wir uns nicht leisten. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen müssen überall und weltweit gelten. Deshalb suchen wir den Dialog mit allen Beteiligten, aus Produktionsländern und aus Abnehmerländern, um gemeinsam mit ganz konkreten Maßnahmen dafür zu sorgen, den international verbindlichen Arbeits- und Sozialstandards weltweit mehr Geltung zu verschaffen.

 
Weitere Informationen

Initiative „Gute Arbeit weltweit fördern“ sowie Download des Zukunftspapiers von Bundesminister Dr. Gerd Müller und Bundesministerin Andrea Nahles: http://tinyurl.com/zukunftspapier

Rückblick Internationale G7 Stakeholder-Konferenz Promoting decent work worldwide through sustainable supply chains:

http://tinyurl.com/stakeholder-konferenz

Video G7 Stakeholder Konferenz „Gute Arbeit weltweit fördern“:

http://tinyurl.com/video-stakeholder-konferenz

G7-Gipfel in Schloss Elmau:

www.g7germany.de