Arbeitssicherheit

Europäische Kampagne gegen arbeitsbedingten Stress gestartet

Ein Kontinent packt an

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) startete am 7. April 2014 in Brüssel die europaweite Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“, die über zwei Jahre laufen wird.

Psychische Fehlbelastung: ein häufiges Problem

Es ist besorgniserregend, wie sich arbeitsbedingter Stress in Europa ausbreitet. Laut der aktuellen gesamteuropäischen Meinungsumfrage zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit der EU-OSHA meinen 51 Prozent der Arbeitnehmer, Fälle von arbeitsbedingtem Stress kämen an ihrem Arbeitsplatz oft vor. Vier von zehn Arbeitnehmern geben außerdem an, dessen Minderung werde an ihrem Arbeitsplatz nicht gut gehandhabt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können jedoch gemeinsam erfolgreich diesen Stress sowie psychosoziale Risiken bewältigen und verhindern. Die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze“ unterstützt Unternehmen bei diesem Vorhaben.

Zum Kampagnenstart kamen Vertreter verschiedener Organisationen zusammen: der Europäische Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration, László Andor, der griechische Vizeminister für Arbeit und Soziales, Vasilis Kegkeroglou, als Repräsentant des griechischen EU-Ratsvorsitzes, sowie die Direktorin der EU-OSHA, Dr. Christa Sedlatschek. Sie forderten die privaten und öffentlichen Unternehmen des Kontinents dazu auf, anzuerkennen, wie wichtig die Bekämpfung von arbeitsbedingtem Stress ist – sowohl für den Schutz der Gesundheit ihrer Arbeitnehmer als auch für die Produktivität der Betriebe.

Stress ist auch ein Wirtschaftsfaktor

László Andor sagt dazu: „Das Management von arbeitsbedingtem Stress ist eine wichtige Grundlage für die Gewährleistung der Gesundheit, der Sicherheit und des Wohlbefindens aller europäischen Arbeitnehmer. Arbeitgeber können es sich nicht leisten, arbeitsbedingten Stress zu ignorieren, denn dieser führt verstärkt zu Fehlzeiten und schwächt die Produktivität. Im kommenden strategischen Rahmen der EU zu Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz 2014–2020 wird hervorgehoben, dass ein besserer Schutz der psychischen Gesundheit von Arbeitnehmern einen wichtigen Faktor bei der Prävention arbeitsbedingter Krankheiten darstellt. Es werden verschiedene Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz vorgeschlagen, wie etwa der Austausch praktischer Lösungen. Eine positive Arbeitsumgebung ist nicht nur wichtig, damit Arbeitnehmer ein längeres Arbeitsleben haben, sondern auch, damit gewährleistet wird, dass sie sich im Ruhestand noch guter Gesundheit erfreuen. Ich bin davon überzeugt, dass die neue Kampagne der EU-OSHA zu Stress und psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz in hohem Maße zu diesem Ziel beitragen wird.“

„Die Kampagne schafft eine hervorragende Gelegenheit, die Notwendigkeit der Bekämpfung von psychosozialen Risiken und arbeitsbedingtem Stress in europäischen Unternehmen zu betonen“, fügt Vasilis Kegkeroglou hinzu. „Die Kampagne bietet Arbeitgebern, Managern, Arbeitnehmern und ihren Vertretern alle erforderlichen Hilfsmittel und Unterstützung“, so der griechische Vizeminister. EU-OSHA-Chefin Dr. Sedlatschek schließlich erläutert die Ziele der Kampagne: „Obwohl sich arbeitsbedingter Stress weiter ausbreitet und zu immer höheren Kosten führt, mangelt es nach wie vor an Verständnis für die Problematik und das Thema bleibt weiterhin sensibel. Ergebnissen der ESENER-Umfrage der EU-OSHA zufolge sind über 40 Prozent der Arbeitgeber der Ansicht, das Management von psychosozialen Risiken gestalte sich deutlich komplizierter als das von „herkömmlichen“ Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit. Mit dieser Kampagne möchten wir auf das Problem aufmerksam machen und die Bewältigung psychosozialer Risiken unterstützen. Arbeitsbedingter Stress ist ein Unternehmensproblem und sollte als solches von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam bekämpft werden.“

Dr. Christa Sedlatschek (li.) und Europäischer Kommissar László Andor
Starteten die Kampagne: Dr. Christa Sedlatschek (li.) und Europäischer Kommissar László Andor. // © EU-OSHA

Praxisgerechte Werkzeuge für Unternehmen und Arbeitsschützer

Die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze“ soll zeigen, dass Unternehmen mit psychosozialen Risiken genauso systematisch umgehen können wie mit anderen Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit. Die Kampagne will den Einsatz einfacher Werkzeuge fördern, mit denen Unternehmen diese Risiken effektiv managen können, und hebt dessen positive Auswirkungen hervor. Alle Unternehmen und Einzelpersonen auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene sind zur Teilnahme aufgefordert. Auf nationaler Ebene erfolgt die Koordinierung in mehr als 30 europäischen Ländern durch die nationalen Focalpoints der EU-OSHA und wird außerdem von den offiziellen Kampagnenpartnern unterstützt – diese sind europaweite Organisationen und multinationale Unternehmen sowie die Medien-partner der Kampagne. Diese wird darüber hinaus durch den EU-Ratsvorsitz, das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und die europäischen Sozialpartner gefördert. Die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“ läuft über einen Zeitraum von zwei Jahren (2014/2015) unter der Beteiligung von Hunderten von Organisationen aus ganz Europa. Sie umfasst Aktivitäten  wie Schulungen, Konferenzen und Workshops, Plakat-, Film- und Fotowettbewerbe, Quizspiele, Vorschlagsprogramme, Anzeigen- und Werbekampagnen sowie Pressekonferenzen. Einer der wichtigsten Punkte im Kampagnenkalender ist der Europäische Wettbewerb für gute praktische Lösungen, der am 15. April angelaufen ist. Alle europäischen Organisationen, die Maßnahmen zur Reduzierung und Beseitigung von Stress erfolgreich einführen, sind zur Teilnahme herzlich eingeladen.

Alles Wissenswerte zur Kampagne und ihren Veranstaltungen ist einem Leitfaden und ihrer Website zu entnehmen, wo Sie das offizielle Kampagnenmaterial in 25 Sprachen herunterladen können.

Peter Schrandt, BG RCI

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