Arbeitssicherheit

Wissenschaftler entwickeln neuartige Schweißausrüstung

Schutzschild gegen heiße Spritzer

Im Gemeinschaftsprojekt des Hohenstein Instituts für Textilinnovation (HIT) und des Deutschen Textilforschungszentrums Nord-West (DTNW) soll eine Ausrüstung entwickelt werden, mit der sich die abweisende Wirkung von Schweißerschutzkleidung gegenüber geschmolzenen Metallen verbessern lässt.

Um sich bei der Bearbeitung des Metalls vor Schweißspritzern zu schützen, tragen die Schweißarbeiter üblicherweise persönliche Schutzausrüstung (PSA), die zumeist aus dicht gewebten Baumwollstoffen mit einem sehr hohen Flächengewicht besteht. Der Nachteil einer solchen schweren Schutzbekleidung aus steifen Materialien ist ein eingeschränkter Tragekomfort und damit eine geringe Akzeptanz beim Träger. Hinzu kommt eine oftmals sehr geringe Nutzungsdauer, da das verwendete Textilmaterial aufgrund der bis zu über 1.000°C heißen Metallspritzer selbst bei flammfester Ausrüstung bereits beim ersten Gebrauch zerstört wird. Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich die Wissenschaftler des Hohenstein Instituts für Textilinnovation (HIT) und des Deutschen Textilforschungszentrums Nord-West (DTNW) im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts mit der Entwicklung einer neuen Textilausrüstung. Sie bietet einen verbesserten Schutz vor flüssigen Metallspritzern und weist gleichzeitig eine ausreichende Waschbeständigkeit unter industriellen Pflegebedingungen auf. Die Forscher versprechen sich auch eine Verbesserung des Tragekomforts, da eine effizientere Ausrüstung auf leichtere und weniger steife Textilgewebe aufgebracht werden kann.

Schnelles Ablaufen

Das beim Schweißen abtropfende, geschmolzene Metall kann bis zu 1.600°C heiß sein. Deshalb muss eine verbesserte Textilausrüstung in erster Linie über eine hohe Stabilität gegenüber thermischen und oxidativen Einflüssen verfügen. Außerdem muss sie durch ihre abweisenden Eigenschaften ein möglichst rasches Ablaufen des flüssigen Metalls gewährleisten. Ziel der Forscher ist es deshalb, mithilfe der Sol-Gel-Technik thermisch besonders beständige Dünnschichten mit einem hohen anorganischen Anteil herzustellen. Gleichzeitig soll durch die Modifizierung der Basis-Sole mit funktionellen Silanen oder anderen Additiven zusätzlich eine hohe Abweisung der Beschichtungen erzielt werden. Alternativ dazu untersuchen die Forschungspartner im Laufe des Projekts aber auch nasschemische Ausrüstungen mit organischen Polymeren wie Silikon und Fluorcarbonen, in die keramische Mikrohohlkugeln eingebracht werden, auf die gewünschten Eigenschaften.

Umfangreiches Testverfahren

Zur Durchführung des Projekts werden textile Monitore unterschiedlicher Beschaffenheit mit den jeweiligen Beschichtungen ausgerüstet. Diese werden anschließend auf Abweisung von Metallspritzern anhand der Norm ISO 9150 (einem Bestandteil der Norm ISO 11611) und auf ihren Tragekomfort untersucht. In einem weiteren Schritt wird die entwickelte Ausrüstung dann im Hinblick auf ihre Wasch- und Scheuerbeständigkeit optimiert. Aus den Forschungsergebnissen leiten die Wissenschaftler abschließend Richtlinien für eine möglichst effektive Ausrüstung von Schweißerschutzkleidung sowie für ihre sachgemäße Wiederaufbereitung ab.

Schweißarbeiter
Das Forschungsprojekt will sichere Schutzkleidung für Schweißarbeiter entwickeln.
 
Weitere Informationen