Arbeitssicherheit

Förderpreis 2014 für Arbeit – Sicherheit – Gesundheit

Bühne frei für geniale Ideen

Im stilvollen Ambiente von Palmengarten und Mozartsaal der Alten Oper in Frankfurt/Main konnten die Preisträger für ihre prämierten Ideen am 16. Mai den „Oscar der Arbeitssicherheit“ entgegennehmen. STEINE+ERDEN war natürlich dabei.

Ein großes Ereignis war am 15. und 16. Mai die Verleihung des Förderpreises der BG RCI in Frankfurt. Zur fünften Wettbewerbsrunde hatten sich 764 Teilnehmer- innen und Teilnehmer in 346 Projekten mit ihren Ideen beworben und die Jury vor eine schwierige Entscheidung gestellt. Gefordert waren Beiträge für mehr Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, also etwa sicherheitstechnische Lösungen, betriebliche Aktivitäten für mehr Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, Ideen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit, Organisations- und Motivationskonzepte, praxisnahe Lösungen für kleine und mittelgroße Unternehmen oder sichere Maschinen und Werkzeuge. Ob Einzelpersonen oder Teams, Unternehmer oder Auszubildende, Anwender oder Hersteller: Teilnehmen konnte jeder ohne Einschränkung. Einzige Vorgabe: Die vorgestellte Idee muss bereits umgesetzt und das Neue daran klar erkennbar sein.

Große Resonanz bei allen Mitgliedern

Zur feierlichen Auszeichnung der Preisträger waren alle Teilnehmer, Vertreter der BG RCI sowie Branchenvertreter und Journalisten geladen. Mehr als 300 Gäste versammelten sich am Abend des 15. Mai im Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengartens. In einer unterhaltsamen Rede richtete Thomas Köhler, Sprecher der Geschäftsführung der BG RCI, seine Begrüßungsworte an die designierten Preisträger: „Sie haben Beharrlichkeit und Courage bei der Realisierung Ihrer Ideen gezeigt. Mut und Bewegung sind vonnöten, Arbeitsplätze sicherer zu machen. Sie waren aktiv und dürfen sich nun verdientermaßen verwöhnen lassen.“ So ließen sie sich das anschließende Dinner schmecken. Die fünfköpfige Damenband „Les Cirque“ aus Belgien sorgte für fetzigen Swing. Zum eigentlichen Festakt fanden sich am nächsten Morgen rund 500 Gäste in der Alten Oper ein. Die Spannung im Publikum wurde zunächst gelockert durch das musikalische Intro der Band „stay tuned“ aus Lübeck und die charmante Moderation von Gudrun Loeb. Hans Paul Frey, Vorstandsvorsitzender der BG RCI, bat um eine stille Gedenkminute für die Opfer des Grubenunglücks in der Türkei, bevor er die Preisverleihung offiziell eröffnete. „Wir freuen uns über die große Resonanz, die der Förderpreis (…) bei allen angeschlossenen Mitgliedern zeigt“, begann Frey. „Er beeinflusst nachhaltig die Entwicklung unserer Zukunftsgestaltung im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Praktische Ideen können nur von Menschen vor Ort in ihrem konkreten Arbeitsumfeld entwickelt werden. Daher sind es nicht nur die großen Firmen, die sich beteiligen, sondern auch viele kleine und mittelständische Betriebe, die mit Preisen ausgezeichnet werden.“

Gruppenbild aller Preisträger
// BG RCI/Armin Plöger

Infotainment erster Güte

Es folgte ein Power-Point-Vortrag zur „Vorhersage von Trends im Arbeitsschutz“, den Prof. Dr. Helmut Blome, ehemaliger Direktor des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), mit Humor und verblüffenden Infos aus der Praxis würzte. Frei nach der Maxime „Aus Fehlern und Erfahrungen lernen“, servierte er den Zuhörern kurzweilige Statistiken und Geschichten. Doch auch ernsthafte Risiken der Zukunft sprach Blome an, wie die steigende Zahl von psychischen Erkrankungen, von Lärm-, Haut- und Augenschäden als Symptome einer älter werdenden (Arbeits-)Gesellschaft.

Helmut Ehnes, Leiter der Prävention der BG RCI, und Ulrich Meesmann, Mitglied der Geschäftsführung der BG RCI, erläuterten kurz die Kriterien der Jury, die die eingereichten Projekte nach deren Nutzbarkeit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit, aber auch nach Übertragbarkeit bewertet hatte. Besonderes Augenmerk richtete sich auf Ideen, die zum Nachahmen in anderen Firmen und Branchen animieren.

Manchmal einfach und doch effizient

Zu Beginn der Prämierung wurden die neun Sonderpreise verliehen. Anschließend folgten Vorstellung und festliche Verleihung der sechs Förderpreise in den Branchen Baustoffe – Steine – Erden, Bergbau, Chemische Industrie, Lederindustrie, Papierherstellung und Ausrüs­tung sowie Zucker. Ein Videoclip stellte jedes der sechs preistragenden Teams und dessen Förderpreis-Beitrag vor. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von den teils einfachen und doch genialen Lösungen für Alltagsprobleme in der Arbeitssicherheit. Von riesigen Spindel-Traversen zum Heben von Gurtbandrollen im Bergbau über vielfältige Absturzsicherungen bis hin zu maßgeschneiderten Bewegungsübungen am Arbeitsplatz reichten die Projektideen. (Mehr dazu siehe Kasten.)

„Wirklich gigantisch“

Am Buffet schließlich hatte die S+E-Redaktion Gelegenheit, mit einigen der Preisträger zu plauschen. Dr. Volker Nilles von der Firma Kleemann in Göppingen freute sich mit seinem Team über den Förderpreis für ein neues Prallbrecher-Sicherheitssystem: „Dieser Preis bestätigt uns auf unserem Weg. Besonders interessant finde ich die Vielfalt der Themen, die heute vorgestellt wurden. Mir gefallen die einfachen Lösungen, die ohne riesigen finanziellen Aufwand entwickelt wurden.“

Auch das Projektteam der Firma Wörnitz Transportbeton aus Oettingen (Sonderpreis  der Branche Baustoffe – Steine – Erden) war sichtlich begeistert von der Verleihung: „Der Preis kam überraschend für uns“, verriet Geschäftsführer Friedrich Hahn. „Unsere Mitarbeiter haben sich sehr gefreut und diese Veranstaltung hat uns sehr gefallen.“ Mitarbeiter Dirk Fritzsche ergänzte: „Das ist wirklich gigantisch, wie bei der Oscar-Verleihung.“

Schwer beeindruckt zeigte sich zu guter Letzt auch Dr. Christoph Hommertgen in seinem Schlusswort gegenüber den Preisträgern. Der alternierende Vorsitzende der Vertreterversammlung der BG RCI war zum Glück nicht so „sprachlos angesichts Ihres Engagements“, wie er behauptete. So endete er mit dem Aufruf an das Publikum, den Geist des Förderpreises weiterzutragen und andere zu animieren, für mehr Sicherheit und Prävention an ihrem Arbeitsplatz einzutreten. Dem schließen wir uns gern an – und freuen uns schon auf den Förderpreis 2015.

Julia Kerber

Redaktion STEINE+ERDEN

Gäste bei der Preisverleihung
Voller Mozartsaal: Rund 500 Gäste wohnten der Preisverleihung bei. // Foto: Julia Kerber

Sieben Hauptpreisträger im Kurzporträt

Förderpreis der Branche Baustoffe – Steine – Erden

Beim Auf- und Abbau mobiler Prallbrechanlagen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Die Kleemann GmbH (Göppingen) hat gezeigt, dass es auch anders geht und ein neues „Lock & Turn - Sicherheitssystem für mobile Prallbrechanlagen“ entwickelt. Die Geräte sind nun durch Schlüssel gesichert, die ein Arbeiten nur an bestimmten Teilen des Brechers erlauben und gleichzeitig die anderen Bereiche sperren. Daneben gibt es eine aufsteckbare Arretier- und Dreheinrichtung, die den Austausch der Schlagleisten sowie die Beseitigung von Verstopfungen manuell von außen und somit gefahrlos ermöglicht.

Preisträger
// BG RCI

Förderpreis der Branche Bergbau

Diese Auszeichnung ging an vier Mitarbeiter der Vattenfall Europe Mining AG (Jänschwalde). Ihre neue Spindel-Traverse zum Heben und Transportieren von Gurtbandrollen ermöglicht die sichere und schnelle Aufnahme der bis zu 30 Tonnen schweren und bis zu drei Meter breiten Fördergurtwickel. Bislang mussten zum Transport der Fördergurte schwere Stahlrohre in die Gurtwickel eingeführt werden. Bei der neuen Traverse bewegen Kettenräder eine Spindel, die die Greifarme passgenau in den Wickelkern bringt. Das neue Verfahren bietet nicht nur mehr Sicherheit, sondern hat auch erhebliche ergonomische Vorteile.

Preisträger
// BG RCI/Gerold Soestmeyer

Sonderpreis Baustoffe – Steine – Erden

Wörnitz Transportbeton GmbH & Co. KG, Oettingen, für ihre „Sichere Befüllung von Fließmittelbehältern auf Fahrmischern“

Sonderpreise Bergbau

Branchenübergreifender Förderpreis der BG RCI

Der Preis für die gelungene Umsetzung der aktuellen Präventionskampagne „Denk an mich. Dein Rücken“ ging an vier Mitarbeiter der Hilti GmbH Industriegesellschaft für Befestigungstechnik (Kaufering). Manfred Deininger, Adolf Schuster, Michael Seitz und Horst Schönfelder entwickelten mit ihrem „Ergo-Heber: Simples und ergonomisches Heben und Transportieren von Paletten“ einen ebenso einfachen wie sicheren Vakuumheber, der für alle verwendeten Paletten geeignet ist. Er lässt sich problemlos bewegen und verhindert somit Überlastungen des Rückens oder Verletzungen.

Preisträger
// BG RCI/Armin Plöger

Branchenübergreifender Sonderpreis der BG RCI

Dieser erstmals verliehene Preis ging an Maik Kaltenbach von der Bayer Bitterfeld GmbH (Bitterfeld-Wolfen). Er hat mit „Knix und Knax“ zwei Holzpuppen entwickelt, mit denen sich richtiges und falsches ergonomisches Verhalten anschaulich darstellen lässt. Ergänzt durch Plakate informierten „Knix und Knax – Haben Sie die richtige Einstellung?“ die Beschäftigten über acht verschiedene Themengebiete im Rahmen der Kampagne „Denk an mich. Dein Rücken“. 

Preisträger
// BG RCI/Armin Plöger
 
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