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Betriebliches Gesundheitsmanagement

Doppelmesse auf Erfolgskurs

Mit einem Plus in Angebot und Nachfrage schlossen am 21. Mai 2014 die Messen PERSONAL 2014 Süd und Corporate Health Convention: Die 15. Fachmesse für Personalmanagement führte 298 Aussteller und 5.101 Besuchern  nach Stuttgart, die 4. Messe für betriebliche Gesundheitsförderung und Demografie zog 139 Aussteller und 2.565 Besucher an.

Das Konzept des Messe-Duos ging auf: Erstmals waren Personalsoftwarelösungen und Dienstleistungen für das Recruiting in Halle 5 konzentriert, während sich Angebote für Weiterbildung und Betriebliches Gesundheitsmanagement messeübergreifend Halle 7 teilten.

„Die Themen Sicherheit, Digitalisierung und Big Data in Human Resources (HR) werfen derzeit viele Fragen auf“, benannte Natascha Hoffner, Geschäftsführerin des Messe-Veranstalters, in der Pressekonferenz die inhaltlichen Schwerpunkte. Die fortschreitende Digitalisierung berge Risiken und Chancen, die aktuell intensiv zur Diskussion stünden. „Die mobilen Produkte vieler Anbieter sind schon sehr weit ausgereift, etwa in Sachen Apps für die Digitale Personalakte oder zur Zeiterfassung.“ Für Unternehmen bedeute diese Entwicklung gleichwohl noch eine große Herausforderung, vor allem beim Thema Recruiting. „Jobbörsen fungieren deshalb zunehmend als Berater, um Stellenanzeigen und Karrierewebseiten mobil zu optimieren.“

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung erhalte auch die betriebliche Gesundheitsförderung verstärkt Bedeutung. Betriebliches Gesundheitsmanagement sei eindeutig ein Wachstumsmarkt, so Hoffner. Angebote für Prävention, Ergonomie, eHealth, Fitness, Ernährung und Weiterbildung verzeichneten dabei allesamt eine dynamische Entwicklung.

Eine „große, ungelöste Herausforderung“ stelle noch das Thema mobile Bildschirmarbeit dar, so Prof. Dr. Jochen Prümper (HTW Berlin) vor den Pressevertretern. „Die Zahl der Laptop-Nomaden nimmt zu. Die Frage ‚Große Freiheit oder elektronische Fußfessel’ ist aus arbeitsgestalterischer Sicht noch nicht beantwortet.“

Unternehmen benötigen Unterstützung im Gesundheitsmanagement

Professor Prümper und Dr. Heidrun Kleefeld (SAP AG) betonten in der Konferenz die Berührungspunkte zwischen einem erfolgreichen HR-Management und einer gesunden, leistungsfähigen Belegschaft. Professor Prümper stützte sich dazu auf die aktuelle „Trendstudie Betriebliches Gesundheitsmanagement“, für die im November 556 Unternehmensvertreter befragt wurden. 43 Prozent der Teilnehmer – in der Mehrzahl Personalmanager – gaben an, Betriebliches Gesundheitsmanagement zu betreiben, weitere 29 Prozent erklärten, dies in Planung zu haben. „Damit kümmern sich immerhin rund 70 Prozent um bessere Verhältnisse am Arbeitsplatz“, folgerte Prof. Prümper.

Die Hauptinitiative dazu ginge vom Personalmanagement aus. Allerdings hätten die Befragten – auch in vertiefenden Telefoninterviews im März 2014 – überraschend offen ein großes Bedürfnis nach Unterstützung in diesem Zusammenhang signalisiert.

Psychische Gefährdungsbeurteilung zumeist Fehlanzeige

Im Verhältnis zur explodierenden Krankheitsquote täten die Unternehmen jedoch „eindeutig zu wenig“, bemängelte der Professor für Wirtschafts- und Organisationspsychologie: Eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen werde kaum vorgenommen. Nach verschiedenen Studien erfüllten nur 15 bis 20 Prozent der Arbeitgeber die gesetzlichen Vorgaben in dieser Hinsicht. Der Professor sieht hier eindeutig Handlungsbedarf: „Da die Unternehmen ihre Hausaufgaben nicht machen, bin ich für eine Anti-Stress-Verordnung.“

Im ureigenen Interesse: Gesundheitsförderung bei SAP

Weitere gesetzliche Verpflichtungen seien für ihr Unternehmen wenig zielführend, erklärte hingegen Dr. Heidrun Kleefeld. „Wir gehen davon aus, dass gesunde Mitarbeiter produktiver und motivierter arbeiten“, so die HR-Expertin (Business Partner, Project Lead „Mature Talents“) der SAP AG. Das sei die Basis für Innovation. „Wir monitoren uns seit Jahren selbst, nicht weil es Vorschrift ist.“ Gesundheit sei ein lebenslanges Thema, das die SAP AG durch lebensphasenbezogene Angebote wie etwa das Eltern-Kind-Büro oder Awareness-Schulungen fördere.

Von Spezialangeboten für Ältere habe man Abstand genommen. „Wir haben einmal einen Newsletter mit dem Betreff BGM 45+ verschickt, der gar nicht gut angekommen ist“.

Ressourcen-Mangel beim Führungsverhalten und in der Gratifikation

Zu diesem Reifezustand müssen wir hinkommen, unterstrich Prof. Prümper die Vorreiterposition des Software-Konzerns. Generell sei nicht die Arbeitsmenge das Problem, sondern die nicht mitwachsenden Ressourcen. Dazu gehörten vor allem das Führungsverhalten, Handlungsspielräume, Verlässlichkeit sowie fachliche und emotionale Unterstützung. „Wir haben eine Gratifikationskrise – nicht nur monetärer Art.“

Führungskräfte seien kaum noch Sozialmanager, sondern selbst aufgaben- und ergebnisgetrieben, ergänzte der Professor. Ein Grund dafür seien auch fragliche Karrierewege, verwies er auf eine weitere Schnittstelle zum Personalmanagement.

Ruderteam im Boot
Ein gesundes Team ist einfach stärker – eine Erkenntnis, die sich laut Trendstudie bei immer mehr Personalmanagern durchsetzt. // Foto: corepics - Fotolia.com
 
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