Unternehmensführung

Von den diesjährigen protecT-Kongressen der BG RCI

Arbeitsbedingte Rückenbelastungen – die Ursachen sind vielfältig

Die beiden diesjährigen protecT-Veranstaltungen standen ganz im Zeichen des Rückens. Auf ihnen wurde der Startschuss für die neue, noch bis Ende 2015 laufende Präventionskampagne der BG RCI „Denk an mich. Dein Rücken“ gegeben. Das Programm reichte von der Vorstellung erfolgreicher Einzelmaßnahmen und Gesamtkonzepte aus den Mitgliedsbetrieben über die Präsentation des reichhaltigen Informations- und Mitmachangebotes der BG RCI bis hin zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen.
Logo Denk an mich. Dein Rücken

Das Thema brennt den Unternehmen auf den Nägeln. Kein Wunder also, dass die Veranstaltungshäuser in Bad Wildungen und Dresden mit über 500 Gästen nicht nur bis auf den letzten Platz belegt, sondern am Ende der jeweils zweitägigen Kongresse auch alle Materialien restlos vergriffen waren. Erstmals in der Geschichte der protecT wird es daher im Herbst noch eine dritte Veranstaltung geben; aber auch diese ist bereits ausgebucht. 

Rund 80 Prozent der Rückenschmerzen haben ihre Ursache in verspannter Muskulatur. Die beste Therapie dagegen ist Bewegung. „Sie sollten einmal am Tag so richtig ins Schwitzen kommen“, erklärte Deutschlands wohl prominentester Mediziner, Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, den begeisterten Teilnehmern der protecT. Der Anfang dazu kann schon beim morgendlichen Zähneputzen gemacht werden: „Abwechselnd jeweils auf einem Bein stehen und dabei Kniebeugen machen“, so der Tipp des „Rücken-Papstes“. Diese drei Minuten sorgten nicht nur für das körperliche, sondern auch für das innere Gleichgewicht: „Jeder kann privat und bei der Arbeit viel dafür tun, dass der Rücken lange gesund und fit bleibt.“

Ziel der Rücken-Kampagne ist es, „die arbeitsbedingten Rückenbelastungen im Unternehmen zu erkennen und zu reduzieren, die Ursachen für Rückenbeschwerden zu beseitigen und damit die Rückengesundheit der Beschäftigten zu fördern“, erklärte Kampagnenleiter Dr. Helmut Nold, Leiter des KC Gesundheitsschutz der BG RCI. Lange und häufige Ausfalltage von Beschäftigten haben ihre Ursache oft in Rückenbeschwerden. Ungünstige Arbeitsbedingungen, das Bewegen schwerer Lasten, immer wiederkehrende gleiche Handhabungsaufgaben oder Bewegungsmangel bei lang andauerndem Stehen oder Sitzen ohne wirksame Pausen belasten das Muskel-Skelett-System. Hinzu kommt der „Stress“ aufgrund von psychischen Belas­tungsfaktoren, die oft mit Rückenbeschwerden in Verbindung gebracht werden. Als besonders gravierend wird die Problematik dort angesehen, wo sich körperliche Belastungen mit einem hohen Niveau psychischer Belastungen verbinden. Rückenerkrankungen erfolgen zunehmend auch vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Belegschaft. „Wir wollen Sie mit unserer Kampagne dabei unterstützen, diesen Herausforderungen gerecht zu werden“, so Ulrich Meesmann, Mitglied der Geschäftsführung der BG RCI.

„Rücken-Papst“ Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer empfahl den protecT-Teilnehmern sogenannte Barfußschuhe für eine gesunde Körperhaltung.
„Rücken-Papst“ Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer empfahl den protecT-Teilnehmern sogenannte Barfußschuhe für eine gesunde Körperhaltung.

Im Mittelpunkt der protecT-Veranstaltungen stand die Frage, welche Gesundheitsprogramme und Maßnahmen (Verhältnisprävention) zielführend sind und wie die Belegschaft motiviert werden kann, diese auch anzunehmen (Verhaltensprävention). „Das Ziel der betrieblichen Prävention von Rückenbeschwerden muss die Verhinderung der Chronifizierung durch Reduktion von Risikofaktoren und der Stärkung von Ressourcen sein“, erläuterte dazu Prof. Dr. Bernd Zimolong von der Ruhr-Universität Bochum. Betriebliche Gesundheitsförderung funktioniere aber nur, wenn Arbeitsgestaltung, Führung und Personalentwicklung, Information und Kommunikation sowie Gesundheitsaktivitäten aufeinander abgestimmt seien und die Unternehmenskultur prägten.

Für Dr. Thomas Linz von der Bayer Pharma AG in Berlin ist eines völlig klar: Systematischer Gesundheitsschutz im Betrieb funktioniert nur, wenn „man sich aktiv dem Thema stellt“. Fast 30 Prozent aller Akutberatungen beim Betriebsarzt sind bei Bayer durch Schmerzen im Schulter-Nacken- bzw. Lendenwirbelbereich verursacht. Meist spielten dabei psychische Belastungen ebenfalls eine Rolle. „Die Ursachen sind aber vielfältig und die Reaktionsmuster sehr individuell“, berichtete Linz. Bayer hat daher ein Gesundheitsprogramm entwickelt, das alle Unternehmensbereiche umfasst. Neben Aufklärung und individueller Beratung durch den Betriebsarzt und die Sicherheitsfachkraft gehört dazu die ergonomische Arbeitsplatzausstattung sowie die Ermittlung und Reduzierung psychischer Belastungsfaktoren. Hinzu kommt ein reichhaltiges Sport-, Ausgleichs- und Seminarangebot. „Besonders wichtig aber ist es, die Leute zu motivieren, in sich hineinzuhören. Man muss das Handy auch mal ausschalten!“, so sein Appell.

Übungen im Seminar
Zur Rückentheorie gesellte sich die Praxis.

Aber auch im kleineren Maßstab funktionieren Programme zur Rückengesundheit, wie das Beispiel des mittelständischen Baustofffachbetriebs M. & J. Schmickler aus Sinzig zeigt. Die Belegschaft trainiert unter fachlicher Anleitung seit kurzem in einem Fitnessstudio. „Neben der körperlichen Fitness fördern die gemeinsamen sportlichen Aktivitäten der Kollegen auch das soziale Miteinander im Betrieb“, erklärte Geschäftsführer Norbert Schmickler.

Am Ende der zweitägigen protecT-Veranstaltungen waren sich alle Anwesenden einig: jeder kann ganz persönlich viel für seinen Rücken tun. Für die Unternehmen zahlt sich jeder in die Rückengesundheit der Belegschaft investierte Cent doppelt und dreifach aus. Die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigt, der Krankenstand sinkt und damit bleibt die Produktivität erhalten. Nicht zuletzt genießen Firmen mit einem entsprechenden Gesundheitsprogramm auch einen Wettbewerbsvorteil bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Im Zeichen des demographischen Wandels und der immer knapper werdenden Fachkräfte ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt.

In der Präventionskampagne „Denk an mich. Dein Rücken" arbeiten die Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, ihr Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau und die Knappschaft zusammen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, Rückenbelastungen zu verringern. Mehr zu „Denk an mich. Dein Rücken“ unter www.bgrci.de, Seiten ID: #1926.

Das Forum protecT ist ein zweimal jährlich stattfindender Kongress für Führungskräfte, Unternehmer aus dem Unternehmermodell und Spezialisten aus den Mitgliedsbetrieben der BG RCI. Seine Schwerpunkte sind die arbeitsschutzrelevanten Aspekte aus den Bereichen Unternehmensorganisation und Führung. Weitere Informationen sowie die Referate zum Herunterladen finden Sie unter www.forum-protect.de.

Ulrike Jansen, Jörg Nierzwicki (Fotos) BG RCI

Ulrich Meesmann, Mitglied der Geschäftsführung der BG RCI, gab den symbolischen Startschuss (linkes Bild). Kampagnenleiter Dr. Helmut Nold, Leiter des KC Gesundheitsschutz der BG RCI, und Arbeitspsychologin Nicole Jansen stellten Praxisbeispiele zur Gesundheit im Betrieb vor.
 
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