Technik

Der Boomlader: Teleskoplader und Boomlifterarbeitsbühne in einem

Sicherheit bei Wartungsarbeiten im Kali-Bergbau

Nicht nur um bergmännische Arbeiten in großen Höhen sicher, schnell und ökonomisch erledigen zu können, verfügt man bei der K+S Kali GmbH am Standort Unterbreizbach seit Anfang des Jahres 2012 über einen Boomlader. Er bietet als einziger Teleskoplader mit Arbeitskorb die Möglichkeit, die gesamte Einheit bei hochgefahrenem Ausleger verfahren zu können. Mit diesem einzigartigen Arbeitsbühnenkonzept löst der Boomlader gleich mehrere Anforderungen auf einmal.

Kalibergwerk
Seit neuestem im Einsatz im Kalibergwerk in Unterbreizbach: der Boomlader von Meis, der als einziger seiner Art bei angehobenem Ausleger Versetzfahrten der kompletten Einheit erlaubt.

Tief unter der Tagesoberfläche, im hessisch-thüringischen Werratal, werden von der K+S Kali GmbH Kali-Rohsalze abgebaut. Das Kalirevier umfasst etwa 1.500 Quadratkilometer. Hier haben Bergleute mittlerweile eine Fläche bearbeitet, die so groß ist wie das Stadtgebiet von München. In 500 bis 1.100 Metern Tiefe wird mit bergmännischem Geschick und modernen Geräten das „weiße Gold“ gewonnen. Aus ihm wird eine umfangreiche Palette von Düngemitteln und maßgeschneiderten Produkten für industrielle Anwendungen bis hin zu Pharmasalzen gefertigt.

Das K+S-Verbundwerk Werra gewinnt und verarbeitet an den drei produzierenden Standorten Hattorf und Wintershall in Hessen und Unterbreizbach in Thüringen. Im ebenfalls thüringischen Standort Merkers, wo heute Verwahrungsarbeiten betrieben werden, lockt das Erlebnis Bergwerk Merkers als bekannte touristische Attraktion jedes Jahr über 80.000 Besucher an. Mit mehr als 4.300 Beschäftigten, darunter 300 Auszubildende, ist das K+S-Werk Werra einer der großen regionalen Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe.

Arbeits- und Betriebssicherheit im Bergwerk wird groß geschrieben, um die Sicherheit der Bergleute und den gefahrlosen Betrieb der Anlage zu gewährleisten. Zum Beispiel werden zur Kontrolle von gebirgsmechanischen Veränderungen und der Firstsicherheit – als Firste bezeichnet man die Decke eines Abbaus – an ausgewählten Orten so genannte Tastlöcher gebohrt. Mit deren Hilfe können Veränderungen rechtzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden. Eine aufwändige Aufgabe, denn in der Grube müssen heute 80 Kilometer Stollenlänge betrieben werden und gesichert sein. Alleine dort, wo aktuell Rohsalz abgebaut wird, sind 5.000 Tastlöcher in der Frequenz von vier Wochen zu kontrollieren.

Neben Tastlöchern werden auch so genannte Anker kontrolliert. Anker sind eine Art Schraube-Dübel-Kombination, die über ein Bohrloch in die Stollenfirste eingesetzt werden, um den Stollen vor möglichen Ablösungen der Deckgebirgsschichten zu sichern.

Um diese Arbeit sicher, schnell und ökonomisch erledigen zu können, suchten die Verantwortlichen von K+S nach geeigneter Maschinentechnik. Nachdem sie bei einer Messe das Boomlader-Konzept kennen lernten, war klar, dass man mit diesem Arbeitsbühnenkonzept mehrere Anforderungen auf einmal lösen kann. 

Der Boomlader besteht aus einem herkömmlichen, starren Bobcat-Teleskoplader mit angebautem Arbeitskorb, der bei angehobenem Ausleger aus dem Arbeitskorb verfahren werden kann. Meis Baumaschinen, Bobcat-Vertragshändler aus Reken im Münsterland, hat diese Besonderheit in Eigenregie entwickelt und zur Marktreife gebracht. Auch deshalb, weil nach eigenen Angaben bisher kein anderer Anbieter mit einem solchen System auf dem Markt ist.

Auslegersystem
Neu: Bei einteleskopiertem Auslegersystem können mit dem Boomlader alle Fahrfunktionen des Teleskopladers inklusive der Abstützvorgänge direkt aus dem für 320 Kilo zugelassenen Arbeitskorb gesteuert werden.

Fahren vom Korb aus

Die von Meis umgebauten Maschinen verfügen über die notwendige TÜV-Zertifizierung und CE-Norm. Das Besondere besteht darin, dass der Bediener des Teleskopladers, bei einer Anwendung mit Arbeitskorb, nicht mehr in die Grundstellung des Gerätes zurückfahren muss, um aus der Kabine des Teleskopladers die nächste Arbeitsposition anzufahren. Bei einteleskopiertem Auslegersystem – mit einer maximalen Arbeitshöhe von acht Metern – können mit dem Boomlader alle Fahrfunktionen des Teleskopladers inklusive der Abstützvorgänge direkt aus dem Arbeitskorb gesteuert werden. Für alle Anwender – auch für die Tastloch- und Anker-Kontrolleure im Kalibergwerk Unterbreizbach – bedeutet diese Ausstattung einen erheblichen Zeit-, Effizienz- und Handlingsvorteil.

Wichtig ist aber auch, dass die Multifunktionalität des Teleskopladers erhalten bleibt. Über die Schnellverschlüsse des Bobcat-Systems ist der Arbeitskorb in Minuten demontiert und eine Gabel oder Schaufel angebracht, die im Lieferumfang eines Boomladers von Meis inklusive sind. Der Arbeitskorb ist im Transportzustand 2,53 Meter breit und kann auf 4,2 Meter ausgezogen werden. In beiden Breiten ist der Arbeitskorb um 180 Grad drehbar und auf eine Korbtragfähigkeit von 320 Kilo (für bis zu drei Personen plus Werkzeug) ausgelegt. Die Hetronic-Steuerung gewährleistet ein sicheres Bediengefühl, denn sowohl die Fahr-, Lenk- wie auch die Arbeitsbühnenbewegungen des Boomladers können feinfühlig und proportional angesteuert werden.

Ausgeliefert wurde der Boomlader im Bergwerk Unterbreizbach Anfang 2012. Bevor der Boomlader jedoch in Betrieb genommen werden konnte, hatte Meis einige Hürden nehmen müssen. Auf Grund der Dimensionen des Teleskopladers konnte er nicht im komplett montierten Zustand über den Versorgungsschacht in den Stollen verbracht werden. Somit wurde die Einheit in mehreren Baugruppen geliefert. Diese wurden einzeln im Schacht abgelassen und unter Tage montiert. Nach Fertigstellung wurde der Boomlader getestet und in Betrieb genommen.

Bedienelemente

Wartung von Krananlagen

Nach wenigen Wochen zeigten sich bereits die Vorteile für den Anwender. Sie bestehen in der sicheren Schnelligkeit des Boomladers, der für enorme Arbeitseffizienz sorgt und somit wirtschaftlich für Arbeitssicherheit sorgt. Die Tastlochkontrolleure können, bei angehobenem Ausleger, den Teleskoplader von Tastloch zu Tastloch, von Anker zu Anker manövrieren, ohne abstützen zu müssen, denn die Stollen sind meist nicht höher als vier bis fünf Meter. Längere Fahrstrecken können mit dem Teleskoplader in Grundstellung aus der Kabine bei relativ zügigem Tempo absolviert werden. Mittlerweile wird der Boomlader allerdings auch für viele andere Aufgaben im Bergwerk genutzt. Die Wartung und Reparatur von Krananlagen in der Untertage-Werkstatt, das Wechseln von Leuchtstofflampen oder das Aufhängen von First-Netzen im Aufenthaltsbereich der Mitarbeiter werden mit Bravour erledigt.

Neben der Abteilung Firstsicherung hat jetzt auch die Abteilung Elektrotechnik Interesse am Boomlader bekundet. Sie will mit dem Boomlader zukünftig Versorgungsleitungen in den Strecken des Bergwerks verlegen, die meistenteils in montierten Kabelkanälen am oberen Stoßrand (Wände heißen bei den Bergleuten Stoß) montiert sind.

Bisher setzte K+S für diese Arbeiten ebenfalls einen speziellen Teleskoplader mit Arbeitsbühne ein. Der Nachteil dieser Einheit liegt darin, dass man – bevor man den Korb anheben kann – abstützen muss. Das verhinderte somit auch ein Verfahren der Einheit bei angehobenem Teleskop-Ausleger, wodurch die Kontrollarbeiten viel Zeit in Anspruch nahmen und Kosten verursachten.

Boomlader sind also auch für den Einsatz in Bergwerken ein effizientes und sicheres Werkzeug. Die Korb-Steuerung ist einzigartig in Europa und amortisiert sich nach kurzer Einsatzdauer. Wichtig ist, dass die Einheit jederzeit auch für alltägliche Teleskoplader-Arbeitseinsätze mit Gabel oder Schaufel verwendet werden kann.

 
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