Arbeitssicherheit

34. Informationstagung Sprengtechnik

BG RCI: Die neue BGR 241 „Sprengarbeiten“

Die Veranstaltung hat Tradition: Sprengexperten trafen sich kürzlich wieder in der Fachhochschule Siegen zu einer Tagung, die jährlich vom Deutschen Sprengverband organisiert wird.

Der Tagung vorangestellt wurden zwei Workshops mit diesen Themen:

  1. Praktische Umsetzung der EU- Kennzeichnungsrichtlinie 2008/43/EG am Beispiel der Software TTE (Tracking und Tracing von Explosivstoffen).
  2. Aspekte der Vorbereitung und Durchführung von Bauwerkssprengungen.

Die EU- Kennzeichnungsrichtlinie verpflichtet Hersteller und Anwender von Explosivstoffen ihre Zünder und Sprengstoffe so zu kennzeichnen, dass sie mit elektronischen Lesegeräten eingescannt und identifiziert werden können und somit eine Datenerfassung über den gesamten Lebenszyklus gewährleistet wird. Ziel dieser Richtlinie ist es, kriminellen Missbrauch zu unterbinden und effektiver bekämpfen zu können.

Die praktische und zeitliche Umsetzung (Terminvorgabe ist der 5. April 2013) stößt zur Zeit auf heftige Kritik bei den Herstellern und Lieferanten und sorgte während der Tagung für Gesprächsstoff. Ein westfälischer Sprengstoffhändler aus Anröchte startete nun ein Projekt, um das Erfassungsverfahren zu testen. Für den Anwender (wie Steinbruchbetreiber) gilt 2015 als Stichdatum und verlangt die Führung eines elektronischen Lagerbuches.

Tagungsprogramm

Die eigentliche Tagung fand im Hörsaal der Fachhochschule vor einem Fachpublikum von rund 280 Teilnehmern statt. Sie war geprägt durch 25 Vorträge, in der folgende Themenbereiche behandelt wurden:

Die Vorträge sowie die Diskussionsrunden wurden vom Vorsitzenden des Deutschen Sprengverbandes Jörg Rennert (Sprengschule Dresden) und seinem Stellvertreter Manfred Dax (SpreWa, Nördlingen) moderiert.

Aus der Sicht des Arbeitsschutzes sind folgende Vorträge erwähnenswert:

Neue BGR 241

Jochen Stürz, Aufsichtsperson der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), stellte als Intro den Zuhörern, denen der zuständige gesetzliche Unfallversicherungsträger noch als „Steinbruchs- Berufsgenossenschaft“ bekannt war, die Branche Baustoffe – Steine – Erden nach der Fusion zur BG RCI vor.

In seinem Vortrag berichtete Stürz über die Entwicklungsgeschichte und Inhalte der neuen BGR/GUV- R 241, die als Regel für Sprengarbeiten die bisherige Unfallverhütungsvorschrift BGV C 24 „Sprengarbeiten“ ablöst. Hierzu wurde bereits in der vorigen Ausgabe der Steine+Erden 2/2012 ausführlich berichtet. 


Initiative zur Steinflugvermeidung

Eine  besondere Beachtung verdiente die gemeinsam vom Deutschen Sprengverband (DSV) und dem Verband mineralischer Rohstoffe (MIRO) entwickelte Handlungshilfe zur Steinflugverhinderung für die Betreiber von Steinbrüchen. So referierte Walter Nelles (MIRO) über die Gründe, weshalb ein solches Papier zustande kam.

In der jüngsten Vergangenheit hatte Steinflug Sachschäden an Gebäuden  von Anliegern verursacht und eine besondere Sensibilität der Betroffenen sowie entsprechende Reaktionen in der Öffentlichkeit ausgelöst.

Diese prekären Situationen führen dazu, dass die betroffenen Steinbruchbetreiber einem Zugzwang ausgesetzt sind, der nicht immer zu bewältigen zu sein scheint. Genehmigungs-Behörden und Unfallversicherer müssen hier unter Umständen tätig werden, was in ungünstiger Konstellation zur Entziehung der Sprengerlaubnis führen und somit die Existenz des Betriebs bedrohen kann.

Solche unvorhergesehenen Ereignisse ziehen in Folge große Kreise, sodass auf die ganze Branche ein schlechtes Licht geworfen wird und sie dabei einen erheblichen Imageverlust erleidet.

Warum passieren solche Steinflüge? Die Untersuchungen und Gutachten durch Sprengsachverständige zeigen ein eindeutiges Ergebnis: Die Sprengarbeiten wurden in der Regel nicht gewissenhaft und nicht ordnungsgemäß durchgeführt.

Um dieser Schieflage entgegenzuwirken wurde am Rande der 33. Informationstagung Sprengtechnik 2011 ein Expertenteam einberufen, das ein Empfehlungspapier erarbeiten sollte, welches den Anwendern zur Umsetzung von fachgerechten und ordnungsgemäßen Sprengarbeiten verhelfen soll.

Diese 34-seitige Handlungshilfe  zur Verhinderung von Steinflug stellt vorerst auf die Beachtung von Vorschriften und behördlichen Nebenbestimmungen ab, die von Jürgen Schroer (Bez.-Reg. Arnsberg) vorgestellt wurden. Hierbei sind nicht nur die Steinflugwirkung, sondern auch andere schädliche Umwelteinwirkungen – insbesondere Erschütterungen – im Sinne des Bundes-Immissions-Schutzgesetzes gemeint.

Handlungshilfe (Titel)
Die Handlungshilfe ist auf der Webseite des DSV erhältlich.

In diesem Zusammenhang wird dringlich auf die Verpflichtung des Unternehmers (Betreibers) zur Anwendung von Maßnahmen hingewiesen, die dem Stand der Technik entsprechen. Weiterhin ist eine geeignete und durchgängige Organisation für Sprengarbeiten von übergeordneter Bedeutung. Hierzu zählen vor allem eine nachvollziehbare Gefährdungsbeurteilung, sowie die konkrete Festlegung von Verantwortlichkeiten, fachgerechtes Arbeiten bei Bohr-, Vermessungs- und Ladearbeiten inklusive einer vollständigen und gerichtsfesten Dokumentation.

Ursachen für Steinflug

Rolf Landmann, Geschäftsführer der EPC Deutschland Sprengstoffe GmbH, stellte anschließend die Ursachen für das Entstehen von Steinflug vor. Die Voraussetzung, dass eine punktuelle Überladung vorliegt, wird insbesondere durch geologisch bedingte Ursachen (Tektonik, Hohlraumbildung, hydrogeologische Konstellationen), bohrtechnische sowie sprengtechnische Ursachen und vor allem infolge organisatorischer und kommunikativer Defizite weiter negativ verstärkt oder gar in der Weise beeinflusst, dass  Steinflug entstehen kann.

Bei der erforderlichen durchgängigen Organisation ist nicht nur die unveränderte Informationsweitergabe in mündlicher und schriftlicher Form gemeint, sondern auch die grafische Information. wie unmissverständliche Bohr- und Vermessungspläne. Immense Bedeutung kommt den Informationen aus den Bohrarbeiten für den Sprengberechtigten zu, der die Ladungsberechnung eventuell anpassen muss, um punktuelle Überladung auszuschließen.

Hinsichtlich der konkreten Regelung der Verantwortung wird der „Verantwortliche Leiter einer Großbohrlochsprengung“ in Form einer schriftliche Bestellung unabdingbare Pflicht, daher gerichtsfestes Instrument.

Besucher
Besucher diskutierten über das Verbot von Horizontalbohrungen. Wesentliche Neuerungen der BGR 241 wurden auf den Displays am Stand der BG RCI erläutert. // Foto: Bösel, BG RCI

Ausführlich wurde auf die Bereitstellungsverpflichtung von geeigneten Messgeräten durch den Erlaubnisinhaber hingewiesen. Konventionelle Messgeräte und moderne elektronische Messsysteme mit zugehöriger Software für Bohrlochverlaufs- und Bruchwandvermessung wurden vorgestellt und deren fachgerechte Handhabungserfordernisse erläutert.

Eine Empfehlung gab es für Video – und Fotodokumentation zwecks Analyse von Gewinnungssprengungen im Sinne des Stands der Technik. Abschließend wurde eine  Übersicht zur weiteren Qualifikation der Sprengberechtigten vorgestellt.

Unter der Prämisse, dass die vorgestellte Handlungshilfe bei der Planung und Durchführung von Sprengarbeiten vollständig umgesetzt wird, ist es möglich, den Steinflug mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen.

Die Handlungshilfe kann auf der Webseite des DSV www.sprengverband.de heruntergeladen werden.

Standgespräche

Weiterhin präsentierten 24 Aussteller auf den Fluretagen und im Außenbereich ihre Produkte und Dienstleistungen:    

Diesmal präsentierte die BG RCI neben den Lehrgangsangeboten für Sprengberechtigte die neue BGR/GUV-R 241 „Sprengarbeiten“.

Die wesentlichen Erneuerungen wurden auf zwei Displays vorgestellt. Hierbei sorgte das Verbot von Horizontalbohrungen für regen Meinungsaustausch mit den Besuchern. In lebhaften Diskussionen stellte sich heraus, dass in vielen Fällen auf das Sohlenbohren weitgehend verzichtet werden kann, wenn die Sprengparameter entsprechend verändert werden. Das Sohlenbohrverfahren hat sich im wesentlichen in den alten Bundesländern etabliert und war den Arbeitsschützern aber auch den Dienstleistern von Bohr- und Sprengunternehmern ein Dorn im Auge.

Die in der neuen BGR 241 geforderte Gefährdungsbeurteilung in Form einer schriftlichen Dokumentation regte die Standbesucher zu Fachgesprächen an und stellte die Notwendigkeit dieser Maßnahme in den Vordergrund.

So gab es eine große Nachfrage nach der neuen BGR „Sprengarbeiten“. Diese konnte sozusagen druckfrisch übergeben werden. 

Die 35. Informationstagung Sprengtechnik findet vom 4. bis 6. April 2013 im Berufskolleg Technik in Siegen statt.

Jochen Stürz, Winfried Stieldorf, BG RCI

Kongressbesucher
Produkte und Dienstleistungen rund um das Sprengen. // Foto: Bösel, BG RCI
 
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