Arbeitssicherheit

Europäisches Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen

Alternde Bevölkerung: Ein Thema für die Wirtschaft

2012 ist das Europäische Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen. Neben den Aspekten der Teilhabe an der Gesellschaft und der eigenständigen Lebensführung im Alter ist die Beschäftigung ein Kernelement der Initiative.

Alternde Bevölkerung

Die EU-Bevölkerung altert. Ab dem Jahr 2012 wird der Anteil an Europäern im arbeitsfähigen Alter abnehmen, wobei die Zahl der über 60-Jährigen, um etwa zwei Millionen Menschen pro Jahr, rasant zunimmt. Dieser demografische Wandel resultiert daraus, dass die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegsgeneration jetzt das Rentenalter erreichen. Das Durchschnittsalter in der Europäischen Union beträgt heute in etwa 40 Jahre, 2060 wird sich dies auf 47 erhöht haben. Der Anteil der EU-Bürger, die 55 Jahre und älter sind ist von 25 Prozent im Jahr 1990 auf 30 Prozent im Jahr 2010 gestiegen und wird schätzungsweise 2060 bei 40 Prozent liegen. Europäer leben nicht nur länger, sie sind auch gesünder als jemals zuvor. Dies stellt ein wichtiges Potential für die Gesellschaft und die Wirtschaft dar.

Älterer Arbeitnehmer an der Waage

Das Europäische Jahr

Das Europäische Jahr soll die Öffentlichkeit für den gesellschaftlichen Beitrag älterer Menschen sensibilisieren. Mit dieser Initiative sollen die politischen Entscheidungsträger und die Interessenträger auf allen Ebenen dazu angehalten werden, auf bessere Rahmenbedingungen für aktives Altern und die Stärkung der Solidarität zwischen den Generationen hinzuwirken.

Logo Europäisches Jahr

Aktives Altern im Beruf

In einem Arbeitsmarkt, in dem immer weniger junge Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, ist die Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit ein überlebenswichtiges Kriterium für Unternehmen. Insbesondere der sich abzeichnende Facharbeitermangel bedingt, die Arbeitsplätze gesundheitsfördernd und altersgerecht zu gestalten. Um ältere Mitmenschen zu ermutigen, weiter beruflich tätig zu sein, ist es notwendig, deren Arbeitsbedingungen zu verbessern. Diese müssen an den Gesundheitszustand und die Bedürfnisse der Älteren angepasst werden. Weiterhin müssen die Fähigkeiten älterer Arbeitnehmer durch einen einfacheren Zugang zu Maßnahmen des lebenslangen Lernens verbessert und das Steuer- und Leis­tungs­system geprüft werden, um sicherzugehen, dass wirkungsvolle Anreize zum längeren Arbeiten bestehen.

"Beim aktiven Altern geht es darum, älteren Mitmenschen zu helfen, weiter zu arbeiten und ihre Erfahrungen zu teilen", erklärt László Andor, EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration. "Dabei sollen sie weiterhin eine aktive Rolle in der Gesellschaft spielen und so gesund, unabhängig und erfüllt wie möglich leben. Aktives Altern ist maßgeblich, wenn wir unser Ziel einer Beschäftigungsrate von 75 Prozent erreichen und bis 2020 mindestens 20 Millionen Menschen aus der Armut helfen wollen. Das Europäische Jahr ruft in verschiedenen Bereichen zum Handeln auf - Arbeit, soziale Absicherung, Aus- und Weiterbildung, Gesundheit und Soziales, Wohnen und öffentliche Infrastruktur."

 
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Empfehlungen des Experten

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat Professor Juhani Ilmarinen, einen international renommierten Experten auf diesem Gebiet, gebeten, einen Artikel zu schreiben, in dem er seine Ansichten über die Förderung des aktiven Alterns am Arbeitsplatz darlegt.

Dieser Artikel ist der erste Beitrag, den die Agentur zum Europäischen Jahr 2012 beisteuert um den Beitrag hervorzuheben, den ein angemessener Umgang mit Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit leisten kann, um für ein längeres und gesünderes Arbeitsleben zu sorgen.

Wir haben für die Steine + Erden die wichtigsten Aspekte des englischen Textes zusammengefasst:

Die Arbeitnehmer in Europa werden älter sein als jemals zuvor. Die Gruppe der 55- bis 64-jährigen wird zwischen 2010 und 2030 um rund 16Prozent zunehmen - dies entspricht etwa 10 Millionen Menschen. Gleichzeitig wird der Anteil aller jüngeren Altersgruppen deutlich sinken.

Der Arbeitsschutz spielt eine entscheidende Rolle um durch ein besseres und längeres Arbeitsleben das "aktive Altern" zu fördern.

Fakten zum Altern

Gesundheitliche Probleme und chronische Erkrankungen nehmen mit steigendem Alter zu. Für etwa ein Drittel der Beschäftigten zwischen 50 und 64 Jahren in der EU sind Anpassungen der Arbeitsplatzgestaltung erforderlich, um der Erwerbsunfähigkeit und vorzeitigem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben vorzubeugen. Im Vordergrund stehen Erkrankungen des Bewegungsapparates (Muskel- und Skelettsystem); Depressionen sind vermehrt eine weitere Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung.

Älterer Arbeitnehmer bei der Steinbearbeitung

Die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislaufsystems nimmt ab etwa 30 Jahren regelmäßig ab, ebenso sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit. Etwa 30 Prozent der Arbeitsplätze in der EU erfordern derzeit Zwangshaltungen, das Bewegen von schweren Lasten oder stereotype Belastungen.

Während die körperliche Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter abnimmt, entwickeln sich gleichzeitig verbesserte Fähigkeiten. Strategisches Denken, rationales Handeln, die Fähigkeit zur ganzheitlichen Bewertung einer Situation sowie die Entwicklung von sprachlichen Fähigkeiten sind nur einige der Qualitäten, die sich im Alter weiter entwickeln. Ältere Arbeitnehmer zeigen zudem eine höhere Identifikation mit dem Unternehmen, engagieren sich stärker und zeigen höhere Loya­lität dem Arbeitgeber gegenüber.

Deshalb hat jede Generation von Arbeitnehmern individuelle Stärken und Schwächen. Die Stärken älterer Arbeitnehmer sollten identifiziert und berücksichtigt werden.

„Altersmanagement“

Acht Ziele sollten durch die Unternehmensleitung und in allen Aspekten unternehmerischen Handelns berücksichtigt werden, um altersgerechte Beschäftigung zu ermöglichen

Wirtschaftlichkeit

Beispiele aus der Praxis zeigen, dass die positiven Effekte des Altersmanagements höher sind als die Investitionen. Die altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung bedeutet höhere Produktivität, eine verbesserte Arbeitsatmosphäre und den Rückgang altersbedingter Probleme. In Kosten-Nutzen-Untersuchungen wurde gezeigt, dass der „Return on Investment“ nach einigen Jahren bei drei bis fünf Euro je investiertem Euro liegt, bedingt durch verringerte Fehlzeiten, geringere Kosten durch Arbeitsunfähigkeit und erhöhte Produktivität.

 
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