Technik

Innovation in der Fassadengestaltung

3-D-textilbewehrte Betonfassadenelemente mit einer Dicke von nur drei Zentimetern

Eine Innovation für die Textilbewehrung von Betonfassadenplatten hat die Firma V. Fraas Solutions in Textile entwickelt und in Architekturbetonfassaden von Hering Bau integriert. An der Fassade eines Neubaus der Technischen Universität Dresden kommen diese 3-D-textilbewehrten Fassadenplatten betoShell BIG von Hering Bau mit integriertem SITgrid von V. Fraas erstmalig zum Einsatz. Hier wurden 530 Fassa­den­elemente in Abmessungen bis 1,30 x 2,00 Meter und einer Dicke von nur drei Zentimeter montiert. 1.070 Quadratmeter Fassade wurden so gestaltet.

TU Dresden als Pilotprojekt

Der Neubau des Institutsgebäudes der Fakultät Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Dresden sollte in der Außengestaltung die Nutzung des Gebäu­des widerspiegeln. Da das Gebäude vom Institut für Baustoffkunde bezogen wird, sollte ein besonders innovativer Werkstoff für die Fassadengestaltung gewählt werden. So planten Schubert Horst Architekten aus Dresden eine weiß eingefärbte, vorgehängte, 3D-textilbewehrte Betonfassade mit abgesäuerter Oberfläche aus betoShell BIG-Elementen mit integriertem SITgrid und machten damit das Gebäude zum Pilotpro­jekt für diesen innovativen Architekturbeton. betoShell BIG mit integriertem SITgrid besitzt die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung vom Deutschen Institut für Bautechnik.

Das besondere des neuen Fassadensystems ist die Bewehrung in Form eines 3-D- Textils. Sie besteht aus zwei Textillagen im Abstand von zehn Millimetern, die durch sogenannte Polfäden drucksteif miteinander verbunden sind. 3-D-Textilien zeichnen sich im Verbund mit Materialien wie Beton oder Kunststoff durch enorme Tragfähigkeit bei äußerst geringem Eigengewicht aus. Der Firma V. Fraas Solutions in Textile ist es gelungen, eine Fertigungsstraße zu entwickeln, mit der diese 3-D-Textilbewehrungen erstmals in großen Abmessungen hergestellt werden können. Damit ist es möglich geworden, schlanke und leichte Betonfassadenplatten in großen Abmessungen von bis zu 1,20 x 2,40 m zu produzieren. Zum Vergleich: Eine mit Stahl bewehrte Fassadenplatte vergleichbarer Größe müsste aufgrund des Korrosionsschutzes eine Dicke von mindestens 80 mm haben.

Die Vorteile eines dünneren und leichteren Wandaufbaus mit textilbewehrten Betonelementen sind vielfältig. Zum einen kann eine dickere Dämmung eingesetzt werden, ohne dass sich die gesamte Gebäudehülle zu stark verdickt. Eine dünnere Gesamtwand­stärke lässt außerdem größere Innenräume zu. Das geringere Gewicht der dünneren Architekturbetonplatten erleichtert den Transport und die Montage. Geringere Lasten an der Fassade benötigen weniger hohe statische Anforderungen. So eignen sich textilbewehrte Betonfassaden besonders für die energetische Fassadensanierung, aber auch für Neubauten. Weitere Vorteile ergeben sich aus ökologischer Sicht: Bei den dünnwandigen textilbewehrten betoShell-Elementen können im Verhältnis zu einer vergleichbaren stahlbewehrten Fassade bis zu 80 Prozent der für die Fertigung benötigten Ressourcen eingespart werden.

Es werden nicht nur Rohstoffe geschont, sondern auch bei Herstellung, Transport und Rückbau Energie gespart und weniger CO2-Emissionen freigesetzt. Dünnere und schlankere Architekturbetonelemente bieten mehr Freiheit in der Fassadengestaltung. Zusätzliche individuelle Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich in den unterschiedlichsten Möglichkeiten der Oberflächenbearbeitung von betoShell. Neben Pigmenten und  verschiedenfarbigen Gesteinskörnungen oder Glaszuschlägen und der Variation der Formen können betoShell-Fassaden  verschieden behandelt werden, etwa gestrahlt, geschliffen oder gesäuert. Reliefstrukturen und individuelle Gestaltungen sind ebenfalls möglich.

Fassade
Die neue Fassade des Institutsgebäudes der Fakultät Bauingenieurwesen der TU Dresden (Architekten: schubert + horst Architektenpartnerschaft).
Herstellung der Fassadenelemente
Die Herstellung der Fassadenelemente im Fertigteilwerk von Hering Bau. // Foto: BetonBild/Hering
 
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