Technik

Interview mit Julia Isert, Toyota Material Handling Deutschland

Neuartige Antriebstechnologien im Fokus

Unter dem Motto „Responsible Together“ rückte Toyota Material Handling Europe (TMHE) auf der CeMAT in Hannover die wirtschaftlichen, sozialen und umweltrelevanten Aspekte von Nachhaltigkeit in den Fokus und zeigte, wie der aktuelle Entwicklungsstand und die Zukunft von verschiedenartigen Antriebstechnologien und Energiequellen aussehen. TMHE verfolgt dabei seinen Portfolio-Ansatz mit dem Ziel, jedem Markt und Unternehmen das passende Antriebssystem anzubieten. Dazu zählen die Lithium-Ionen-Batterie, Wasserstoff-Brennstoffzellen, Diesel-Hybridlösungen sowie weiterentwickelte konventionelle Antriebstechniken. Einen Vorgeschmack gab TMHD mit der Präsentation seines Hybrid-Staplers. Dazu im Interview Julia Isert, Leiterin Marketing und Produktmanagement bei Toyota Material Handling.

Staplerantrieb
Toyota profitierte bei der Entwicklung des Staplerantriebs davon, dass die Automobilsparte weltweit bereits mehr als drei Millionen Hybridfahrzeuge verkauft hat.

Welche Vorteile bietet die Technologie des Toyota Hybridstaplers?

Isert: „Der Toyota Hybridstapler verbindet die Vorteile eines Elektro- und Dieselstaplers, indem er die spezifischen Stärken beider Energiequellen nutzt. Verbrennungsmotorische Stapler sind dafür bekannt, dass sie mit ihren kurzen Tankzeiten einen problemlosen Dauerbetrieb ermöglichen. Elektrostapler überzeugen hingegen durch einen abgasfreien Betrieb. Indem sowohl der Verbrennungsmotor als auch die Batterie zur Gesamtleistung beitragen, werden beide Energiequellen mit maximaler Effizienz genutzt. Der Stapler bietet dadurch dieselbe hohe Leistung wie ein verbrennungsmotorischer Stapler und lässt sich genau so schnell betanken, verbraucht jedoch nur halb so viel Kraftstoff und erzeugt nur halb so viel Emissionen. Die Umschlagsleistung liegt auf dem Niveau vergleichbarer Dieselstapler, der Fahrkomfort nimmt jedoch aufgrund der niedrigeren Lärm- und Vibrationsentwicklung deutlich zu. Zudem bietet der Toyota Hybridstapler eine Reihe von Komfortvorteilen, die man sonst eher von Elektrostaplern kennt – etwa automatisches Bremsen durch Loslassen des Fahrpedals und automatische Drehzahlanpassung des Motors beim Betätigen der Hydraulikhebel.“

Welche Modelle des Toyota Hybridstaplers werden derzeit produziert?

Isert: „Der Toyota Hybridstapler verfügt über eine Tragfähigkeit von 3,5 Tonnen bei einem Lastschwerpunktabstand von 600 Millimetern. Er wird in unserer japanischen Fabrik in Takahama in Serie gefertigt und auf dem japanischen Markt vertrieben.“

Wann wird der Hybridstapler in Europa erhältlich sein?

Isert: „Der Toyota Hybridstapler wird in Japan seit Anfang 2010 produziert. TMHE untersucht derzeit das Potenzial für Hybridstapler in Europa und den möglichen Kundennutzen. Bisher wurde jedoch noch keine Entscheidung über eine Markteinführung in Europa getroffen. Ein Unterschied zwischen dem europäischen und japanischen Markt ist unter anderem die deutlich stärkere Verbreitung von Elektrostaplern in Europa gegenüber Japan. TMHE bietet in diesem Segment mit seiner Elektrostapler-Baureihe Traigo ein komplettes Sortiment mit Geräten von 1,0 bis 8,5 Tonnen Tragfähigkeit. Unseren Kunden steht daher bereits jetzt eine breite Modellauswahl zur Verfügung.“

Sollen Hybridstapler die herkömmlichen Elektro- und/oder verbrennungsmotorischen Stapler ablösen?

Isert: „Toyota verfolgt im Bereich der neuen Energiequellen einen Ansatz, welcher der Tatsache Rechnung trägt, dass unterschiedliche Lösungen - darunter der Hybridantrieb, Lithium-Ionen-Akkus und Brennstoffzellen - je nach Markt ein unterschiedliches Potenzial haben. Wir möchten die vorhandenen elektrischen und verbrennungsmotorischen Modelle daher nicht ablösen, sondern vielmehr die unterschiedlichen Antriebssysteme so kombinieren, dass jedes System seine spezifischen Stärken voll ausspielen kann. Unsere Strategie liegt in der gleichzeitigen Erforschung einer breiten Vielfalt von Lösungsansätzen für saubere, effiziente und produktive Flurförderzeuge.“

Was kostet der Hybridstapler und wie hoch liegen die Gesamtbetriebskosten?

Isert: „In Japan liegt der Anschaffungspreis für den Toyota Hybridstapler höher als bei herkömmlichen Modellen. Durch den niedrigeren Kraftstoffverbrauch können die Gesamtbetriebskosten jedoch, je nach Nutzungsumfang und Kraftstoffpreis, letztendlich niedriger liegen als bei einem verbrennungsmotorischen Stapler. Da der Stapler in Europa nicht verkauft wird, liegen derzeit keine Preisinformationen für den europäischen Markt vor.“

Welche Synergieeffekte haben sich aus der Zusammenarbeit mit der Toyota Motor Corporation ergeben?

Isert: „Die Hybridtechnologie ist inzwischen ein Synonym für das Unternehmen Toyota geworden, das weltweit bereits über drei Millionen Hybridfahrzeuge verkauft hat. Um von dieser technologischen Führungsposition bei der Entwicklung von Hybridfahrzeugen zu profitieren, wurde die Technik des Toyota Hybridstaplers in Zusammenarbeit mit der Toyota Motor Corporation (TMC) entwickelt. Dadurch konnte die Toyota Industries Corporation (TICO) auf die hochentwickelten Technologielösungen von TMC zurückgreifen sowie in starkem Maße standardisierte Bauteile einsetzen. Dies hat den Vorteil, dass das entstehende Gesamtsystem nicht nur auf dem aktuellen Stand der Technik ist, sondern auch optimierte Leistung bietet und kostengünstig ist. Auch in Zukunft soll diese Entwicklungszusammenarbeit fortgesetzt werden.“

Welche Vorteile und Grenzen haben Brennstoffzellen auf Wasserstoffbasis?

Isert: „Brennstoffzellen-Technologie kann potenziell die Nachteile verbrennungsmotorischer und elektrischer Stapler beseitigen. Ein Brennstoffzellen-Stapler bietet nicht nur hohe Produktivität ohne CO2-Emissionen sowie eine niedrige Lärm- und Vibrationsentwicklung, sondern lässt sich auch in wenigen Minuten betanken, was dem Dauerbetrieb zugute kommt. Damit sich Wasserstoff in Zukunft zu einer alltäglichen Energiequelle entwickeln kann, muss jedoch eine Infrastruktur aufgebaut werden, um ihn zuverlässig am Verwendungsort bereitzustellen. Auch für die kosteneffiziente, umweltschonende Produktion von Wasserstoff in ausreichender Menge müssen noch tragfähige Lösungen gefunden werden.“

Hybridstapler
Noch gibt es kein festes Datum zur Einführung des Hybridstaplers in Europa.

Welchen Standpunkt nimmt Toyota mit Blick auf die Brennstoffzellentechnologie ein?

Isert: „Brennstoffzellen auf Wasserstoffbasis sind eine der Lösungen, die Toyota als mögliche Energiequellen der Zukunft untersucht. Bereits zur CeMAT 2005 hat Toyota mit seinem Brennstoffzellen-Stapler eine Konzeptstudie vorgestellt. Auch weiterhin untersuchen wir Möglichkeiten für einen Einsatz dieser Technologie. Um Brennstoffzellen zu einem tragfähigen Energiekonzept für die Zukunft zu machen, sind jedoch noch erhebliche Investitionen in eine entsprechende Infrastruktur notwendig.“

Welche Vorteile und Grenzen haben Lithium-Ionen-Batterien?

Isert: „Lithium-Ionen-Batterien ermöglichen eine effizientere Nutzung und Speicherung von elektrischer Energie und bieten somit eine Reihe von Vorteilen für Elektrostapler. Sie haben eine höhere Energiedichte als Blei-Säure-Batterien und können auf gleichem Raum daher mehr Energie speichern. Dies kommt der Verfügbarkeit des Staplers zugute. Gleichzeitig bieten sie einen höheren Wirkungsgrad als Blei-Säure-Batterien  mit 10 bis 20 Prozent weniger Energieverlust. Durch ihre konstante Entladespannung steigt zudem die Leistung des Geräts.

Lithium-Ionen-Batterien lassen sich schnell wieder aufladen, was ebenfalls ein Vorteil in Bezug auf die Verfügbarkeit des Staplers ist. Gleichzeitig können sie auch in Arbeitspausen nachgeladen werden, ohne dass ein Risiko von Schäden an der Batterie besteht. Anders als herkömmliche Batterien sind sie außerdem wartungsfrei. Vorteile von Elektrostaplern mit Lithium-Ionen-Batterien sind zusammengefasst die geringe Lärm- und Vibrationsentwicklung, der Betrieb ohne lokale CO2-Emissionen sowie eine verbesserte Verfügbarkeit.

Ihre Grenzen liegen in der sehr starken Gewöhnung der Kunden an Blei-Säure-Batterien sowie den höheren Kosten im Vergleich zum letztgenannten Batterietyp. Allerdings entwickelt sich diese Technologie rasant weiter, und durch die höhere Produktivität im Mehrschichteinsatz machen sich Lithium-Ionen-Batterien bereits jetzt in vielen Fällen bezahlt.“

Welchen Standpunkt nimmt Toyota mit Blick auf die Lithium-Ionen Technologie ein?

Isert: „Wir sehen in Lithium-Ionen-Batterien großes Potenzial. Ihr Einsatz wird von TMHE daher derzeit intensiv erforscht. Unter anderem führen wir Feldversuche mit BT Reflex Schubmaststaplern durch, die mit diesen Batterien ausgestattet sind. Auch bei dieser Technologie möchten wir unseren Kunden zudem höchstmögliche Qualität und maximalen Mehrwert bieten. Hierzu arbeiten wir mit denjenigen Herstellern von Lithium-Ionen-Batterien zusammen, deren Lösungen die höchste Zuverlässigkeit und Kosteneffizienz unter Beweis gestellt haben. Allerdings wird die technische Entwicklung im Bereich der Lithium-Ionen-Batterien auch von einer Reihe anderer Branchen (etwa der Automobilindustrie) vorangetrieben. Wann und wie geeignete Angebote in die Massenproduktion gehen können, hängt daher auch von diesen externen Faktoren ab.“

 
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