Unternehmensführung

Aufbruchstimmung beim Hauptstadtkongress der Offensive Mittelstand

Lothar Späth stärkte den rund 200 Teilnehmern des Hauptstadtkongresses der „Offensive Mittelstand - Gut für Deutschland!“ mit seinen Analysen den Rücken. „Unsere Ausgangsposition nach der Finanzkrise ist durch die gemachten Hausaufgaben unglaublich gut“, sagte der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident den Gästen des Netzwerkes vor kurzem in Berlin: „Wir haben 1150 Unternehmen, die auf ihrem Gebiet Weltmarktführer sind.“ In der Krise clever mit dem Instrument der Kurzarbeit kombinierte Weiterbildung, gut ausgebildete Azubis, gesenkte Lohnstückkosten, all das trage zu einer guten Ausgangssituation des Mittelstands bei.

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth.
Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth.

Wo Lothar Späth die Aus- und Weiterbildungsbereitschaft der Betriebe als einen der Faktoren für erfolgreiche Personalentwicklung im Mittelstand beschrieb, brach der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel eine Lanze für den Erhalt der Ressourcen erfahrener Arbeitskräfte: „Rente mit 67 oder Arbeiten bis 67, das ist ein fundamentaler Unterschied.“ Die verlängerte Lebensarbeitszeit mit Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und intensiven Weiterbildungsmaßnahmen zu flankieren, sei deshalb erklärtes Ziel seines Ministeriums, sagte der Mitarbeiter von Bundesministerin Ursula von der Leyen, die zum Kongress in Ihr Ministerium eingeladen hatte.

„Erfolgreich im Mittelstand: Fachkräfte binden - Wettbewerbsfähigkeit sichern!“ lautete entsprechend das Motto der Veranstaltung, mit der die Offensive Mittelstand ihr Angebot einem bundesweiten Publikum vorstellte. Im Mittelpunkt stand das zentrale Instrument der Offensive, der in einem Leitfaden definierte, gemeinsame Qualitätsstandard „Guter Mittelstand: Erfolg ist kein Zufall“. Hier sind elf Themenfelder festgehalten, deren Bearbeitung es Firmen erleichtert, sich im Wettbewerb erfolgreich zu positionieren. Dazu gehört - besonders aktuell - die Personalentwicklung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

Innovative Firmenlenker

Der Kongress atmete die Aufbruchstimmung der deutschen Wirtschaft nach der Finanzkrise. Innovative Geschäftsführer aus kleinen und mittleren Unternehmen erläuterten ihre Erfolgskonzepte und gaben eindrucksvolle Beispiele guter Praxis.

Markus Tenwinkel produziert Hightech-Betongegengewichte und erläuterte, wie sein Unternehmen durch konsequente Entwicklung und Umsetzung seines Leitbildes in kurzer Zeit den Schritt von der Feierabendfirma zum führenden Zulieferer namhafter Nutzfahrzeughersteller schaffen konnte. Sein Vortrag illustrierte anschaulich, was Michael Kleiß, Werkleiter VW Nutzfahrzeuge in Poznan, zuvor dargestellt hatte: die Chancen für mittelständische Unternehmen, die sich aus Umstrukturierungen der Automobilbranche ergeben werden, wenn diese sich den Anforderungen der Auftraggeber nach Qualität und Liefertreue konsequent stellen.

Mehr als 200 Teilnehmer im Saal des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
Mehr als 200 Teilnehmer im Saal des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Thomas Pollmeier verbesserte die betrieblichen Kommunika-tionsstrukturen und stärkte so die Identifikation der Beschäftigten und Kunden mit seinem Bäckereiunternehmen. Stärkere Einbindung in Entscheidungsprozesse, mehr Motivation der Beschäftigten, mehr Spaß bei der Arbeit - mehr Ertrag lautet seine Erfolgsbotschaft.

Haben die Gedanken der Offensive Mittelstand verinnerlicht und gut Lachen: Expeditionsunternehmer und Schirmherr Arved Fuchs (links) und Bäckermeister Thomas Pollmeier.
Haben die Gedanken der Offensive Mittelstand verinnerlicht und gut Lachen: Expeditionsunternehmer und Schirmherr Arved Fuchs (links) und Bäckermeister Thomas Pollmeier.

„Wir wollen doch Projekte im Geschäftsleben nicht auf Fortune aufbauen.“ Arved Fuchs hat als weltweit aktiver Expeditionsunternehmer mehrfach Extremsituationen gemeistert, deren Überwindung andere nur dem Glück zugeschrieben hätten. Der Schirmherr der Offensive Mittelstand bezog sich jedoch strikt auf die Punkte Führung, Strategie und Risikobewertung aus dem Themen-Kanon der Initiative. „Man muss mit Menschen umgehen können, sie nicht nur führen, sondern Akzeptanz schaffen, sonst sind Krisen nicht zu bewältigen“, schrieb der Polarforscher den Entscheidern in Berlin ins Stammbuch.

Neue Kapitalmarktchancen

Zum unbequemen Thema Liquidität sprach Prof. Rolf Peffekoven, 1991 bis 2001 Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, klare Worte: „Eine Kreditklemme hat es nicht gegeben.“ Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken hätten das Gesamtvolumen ihrer Unternehmenskredite sogar ausgeweitet. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags seien in jüngster Zeit nur drei Prozent der Kreditanträge abgelehnt worden. Neben der klassischen Eigenkapitalfinanzierung empfahl er den Mittelständlern, durchaus Fremdinvestoren in die Betriebe zu lassen, wenn sie eher an Minderheitsbeteiligungen und langfristigem Engagement interessiert seien. Zudem sieht er eine Chance, dass sich der Kapitalmarkt mit den Instrumenten Anleihen und Schuldverschreibungen kleineren Firmen öffnet.

Die  „Offensive Mittelstand - Gut für Deutschland“ ist das eigenständige Mittelstandsnetzwerk der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Unter den mehr als 100 Partnern der Offensive finden sich Unternehmen, Bund und Länder, Unternehmerverbände, Fachverbände, Innungen, Handwerkskammern, Qualitätssiegel, Gewerkschaften, Berufsgenossenschaften, Krankenkassen, Forschungsinstitute und Dienstleister.

Die Offensive Mittelstand hat bereits mehr als 200 Berater autorisiert, die kleinen und mittleren Firmen helfen sollen, mit dem zentralen Werkzeug der Offensive, dem „Check guter Mittelstand - Erfolg ist kein Zufall“, eine Potenzialanalyse vorzunehmen. Sie stehen den interessierten Unternehmen bei Bedarf zur Seite, Änderungsmaßnahmen umzusetzen, um die Betriebe in den elf Handlungsfeldern gut aufzustellen.

Nicht nur der Mitinitiator und Vorsitzender des Netzwerks, Helmut Ehnes von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie, sah am Ende des Kongresses im Zusammenwirken und den gemeinsamen Aktivitäten aller Partner eine große Chance für den Mittelstand.

Dafür, dass die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz beim wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen erkennbar werden, hat er gesorgt: Die Aufsichtspersonen seiner BG werden bereits in der Anwendung der Praxishilfen der Offensive Mittelstand geschult und können künftig Synergien zu anderen Mittelstandsberatern in ihrer betrieblichen Praxis nutzen.

Jörg Nierzwicki, BGRCI

Marcus Tenwinkel stellte seine Erfolgsstrategie mit innovativen Betongegengewichten vor.
Marcus Tenwinkel stellte seine Erfolgsstrategie mit innovativen Betongegengewichten vor.
 
Weitere Informationen

Offensive Mittelstand-Logo

Weitere Informationen: www.offensive-mittelstand.de