Technik

Stärkung des deutschen Komatsu-Standorts

Die Komatsu Hanomag GmbH (Kohag), eine 100-prozentige Tochter des japanischen Komatsu-Konzerns (Komatsu Ltd.), blickt wieder optimistisch in die Zukunft.

Im Geschäftsjahr 2010 wurde die Produktion um mehr als 50 Prozent von 1001 Einheiten auf 1543 Einheiten gesteigert. Im Boomjahr 2007 waren es 4070. Dieser Anstieg ist sowohl auf eine Erholung der Nachfrage in Europa als auch auf den nicht mehr erforderlichen Bestandsabbau bei den Distributoren zurückzuführen. In den letzten Monaten wurde festgestellt, dass die Nachfrageentwicklung immer mehr an Dynamik gewinnt, so dass für 2011 eine weitere Steigerung der Produktion um mehr als 60 Prozent auf 2.500 Einheiten vorgesehen ist. Damit soll im neuen Geschäftsjahr erstmalig wieder eine Vollauslastung nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht werden.

Zudem hat Komatsu als globaler Konzern seinen Vertrieb auf mittelständische Distributoren übertragen. „Der Wegfall der eigenen Vertriebsgesellschaft ermöglicht uns schlankere Kommunikationsstrukturen und eine größere Nähe zum Endkunden“, sagte Hubert Brüning von Komatsu Europe.


Hybrid-Verkaufsoffensive

Ganz aktuell sind die ersten Exemplare des während der Bauma 2010 vorgestellten Hybridbaggers HB 215 HB LC an Endkunden in Mitteldeutschland ausgeliefert worden. Produktmanager Bernd Eschenhagen betonte den Wert der in rund zehnjähriger Entwicklungszeit zur Marktreife gebrachten und nun für den hiesigen Markt angepassten Zukunftstechnologie. „Im Vergleich zu einem herkömmlichen   Komatsu PC 210 LC8 scheidet der Antrieb des Hybridbaggers rund ein Drittel weniger klimaschädliches CO2 aus“, sagte er in Hannover. Wenn man zusätzlich betrachte, dass der herkömmliche Bagger rund 40 mal so viel Klimagas ausscheide, wie ein VW Golf, sei die Reduzierung der Abgaswerte bei Baumaschinen umweltpolitisch nachvollziehbar. Thomas Schlüter, Geschäftsführender Gesellschafter des Distributors Schlüter, rechnete vor, dass beim momentanen Dieselpreis rund 5500 Betriebsstunden mehr nötig sind, bis sich die Maschine amortisiert hat. „Aber der Sprit wird langfristig sicher nicht billiger.“ „Im Herbst beginnen wir mit einer Verkaufsoffensive zum Hybrid“, kündigte Vertriebsmanager Hubert Brüning an.

Radlader
Die kleinen Radlader werden komplett in Hannover gefertigt.

Aktuell werden am Standort Hannover drei Produktgruppen gefertigt. Die Kleinradlader und die Mobilbagger werden ausschließlich hier entwickelt und produziert, um den weltweiten Bedarf abzudecken. Bei den mittleren Radladern handelt es sich um Lizenzprodukte aus Japan, die lokal weiterentwickelt werden, um die regionalen Bedürfnisse abzudecken und die hauptsächlich für den europäischen Markt produziert werden.

Mit dieser globalen Verantwortung hat die Komatsu Hanomag eine absolute Sonderstellung innerhalb des Konzerns. Um dieser Sonderstellung gerecht zu werden und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu verbessern, wurden in den vergangenen Jahren mehr als 50 Mio. Euro in den Standort investiert. „Vor allem in Qualität, Arbeitssicherheit und Personalmanagement”, wie Göksel Güner, Geschäftsführer der Komatsu Hanomag GmbH, betonte.

Um die Wünsche und Forderungen der europäischen Kunden in der Produktentwicklung besser umsetzen zu können, entschied Komatsu in 2006, ein European Technical Center (EUTC) zu gründen. In diesem wurden die auf die einzelnen europäischen Produktionsstandorte verteilten Entwicklungsaktivitäten in einer zentralen Organisation am Standort Hannover zusammengeschlossen.

Die Hauptaufgabe des EUTC ist die Neu- und Weiterentwicklung der beiden Modellreihen Mobilbagger und Kompakte Radlader gemäß Komatsu Richtlinien. Derzeit liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Modellen, die den neuen Abgasvorschriften gerecht werden. Zusätzlich zum EUTC gibt es eine lokale Entwicklungsabteilung: KOHAG Research & Development (R&D). Dieser Bereich ist verantwortlich für die Produkt- und Produktionseinführung der Lizenzprodukte aus Japan sowie die Entwicklung von Optionen, um speziellen europäischen Marktanforderungen gerecht zu werden.

Auf dem Testgelände in Hannover wird den Radladern das Äußerste abverlangt.
Auf dem Testgelände in Hannover wird den Radladern das Äußerste abverlangt.

Ingenieurssuche

Die beiden Bereiche EUTC und KOHAG R&D arbeiten eng zusammen. Und für  beide sucht Komatsu nach den Worten von Geschäftsführer Güner nach der Finanzkrise verstärkt Maschinenbau- und Elektrotechnik-Ingenieure – nicht nur, weil einige Modellreihen überarbeitet werden. Jörg Hermanns vom EUTC stellte dazu die Kooperation mit der Uni Hannover und den Fachhochschulen aus der Region vor. Mit den Partnern wird unter anderem an der Ergonomie und der Geräuschreduzierung der Fahrzeuge gearbeitet. Sauberere Motoren erfordern zusätzliche Komponenten. Die Ingenieure versuchen, trotzdem die Motorhaube der Radlader niedrig zu halten, um die Übersicht nicht zu verschlechtern. Sichere Aufstiege, Sitzgurtüberwachung sowie ein außenliegender Notausschalter für den Motor sind weitere Themen. Auch wegweisende Designideen für die Fahrerkabine, wie einen an der Decke aufgehängten Sitz oder ins Lenkrad integrierten Monitor, werden angedacht.

Für Komatsu war unter anderem die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Fachkräften und Ingenieuren der ausschlaggebende Grund, als die Standortentscheidung für das EUTC zugunsten Deutschlands fiel. Momentan werden 14 Bachelor-Studenten im dualen Studium bei Komatsu in Hannover ausgebildet. Dazu kommen16 Azubis bei insgesamt rund 600 Beschäftigten in Hannover.

Zwar wurden während der Finanzkrise Jobs abgebaut, nach den Worten von Göksel Güner aber die Stammbelegschaft gehalten. „Uns war klar, dass der Markt nicht verschwindet und wir beim Anziehen der Konjunktur sofort spezialisierte Fachkräfte brauchen.“ Fast jede Maschine, die die Hallen verlasse, sehe nach Kundenwünschen anders aus. „Es vergehen bis zu sechs Monate, um neue Kräfte auf diese hohen Anforderungen zu schulen.“


Erdbebenfolgen

Über die Erdbebenkatastrophe und deren Folgen in Japan ist man am Standort Hannover nach wie vor betroffen. Obwohl keine Komatsu Mitarbeiter persönlich zu Schaden gekommen sind, nimmt die Belegschaft Anteil und ist berührt, welch großes Leid viele Menschen ertragen müssen. Um die von dieser dramatischen Katastrophe betroffenen Regionen wieder aufzubauen, hat Komatsu Ltd. unverzüglich entschieden, Baumaschinen, Gabelstapler, Fertighäuser, Generatoren und andere Gerätschaften mit einem Wert von über 7 Mio. Euro zur Verfügung zu stellen. Drei von insgesamt zwölf der japanischen Komatsu Produktionsstätten sind durch das Erdbeben leicht beschädigt worden. Darunter das Werk für Muldenkipper und Großradlader in Ibaraki und die Anlage in Oyama (Motoren, Hydraulikkomponenten). Dort wurden Anlagen beschädigt, die Produktion unterbrochen. Seit Ende März konnte die Produktion jedoch in allen Werken wieder aufgenommen werden. Allerdings haben einige Vorlieferanten von Komatsu, insbesondere für Elektronikteile, teilweise größere Schäden zu verzeichnen. Auch die eingeschränkte Stromversorgung stellt nach wie vor ein Problem dar.

Dank Komatsus globaler Aufstellung wurde die Produktion am Standort Hannover durch die Folgen dieser gewaltigen Naturkatastrophe bis dato nicht negativ beeinflusst. Durch ein flexibles Produktionssystem wird die Produktion auch in den nächsten Monaten weitestgehend aufrecht erhalten werden können.

Die Komatsu Ltd. hat das Geschäftsjahr 2010 mit einem Umsatz von 22,2 Mrd. US Dollar abgeschlossen, dies zeigt eine Steigerung von 28,7 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr. Der operative Gewinn belief sich auf 2,7 Mrd. US Dollar und verzeichnet somit einen Anstieg von 232,6 Prozent verglichen mit 2009.

Jörg Nierzwicki, BG RCI

Komatsu-Hanomag-Chef Göksel Güner (rechts) im Gespräch mit Michael Wadsack (Komatsu Europe) vor den historischen Fertigungshallen von Hanomag in Hannover-Linden.
Komatsu-Hanomag-Chef Göksel Güner (rechts) im Gespräch mit Michael Wadsack (Komatsu Europe) vor den historischen Fertigungshallen von Hanomag in Hannover-Linden.
 
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