Unternehmensführung

Ex-Außenminister Fischer spricht bei MAN Truck & Bus über die Zukunft der Nutzfahrzeugtechnologie

„Die Zeiten ändern sich fundamental!“

Mit dem TGX EfficientLine hat MAN Truck & Bus ein Fahrzeug auf den Markt gebracht, das durch gezielte Weiterentwicklung der Antriebstechnik und einen konsequent auf Kraftstoffersparnis zugeschnittenen Ausstattungsumfang zeigt, dass im heutigen Güterfernverkehr Potenzial steckt, um bis zu drei Liter je 100 Kilometer zu sparen.

So weit, so gut. Einem ist das nicht genug. Joschka Fischer forderte beim Auftakt der MAN „Consistently Efficient“ Tour mehr: „Es muss eine Effizienzrevolution geben!“ Der ehemalige Außenminis­ter der Rot-Grünen Koalition mahnte vor dem Hintergrund der rapide steigenden Pro-Kopf-Verbräuche in China und boomenden Schwellenländern auch die Nutzfahrzeughersteller zu weiteren Anstrengungen auf dem Sektor neuer und effektiverer Antriebstechnologien. „Die Zeiten ändern sich gerade fundamental“, sagte Fischer – auch in Hinblick auf den Ausstieg aus der Atomtechnologie.

Es ginge nicht nur darum, weiter an Einsparungsmöglichkeiten zu arbeiten, sondern Alternativen wie die elektrische Antriebstechnik zu entwickeln: „Wer diese präsentiert, vorne weg fährt, wird auch bei den Erträgen vorne liegen.“ Bislang lebten die deutschen Hersteller sehr gut mit und vom Wachstum in China. Allerdings müsse man sich fragen, ob eine Abhängigkeit von einem Markt in diesem Maß verträglich sei: „Nur wer zu Hause stark ist, kann Schwankungen ausbalancieren.“

Stichwort Elektromobilität

Wo Joschka Fischer beim schnellen Ausstieg aus der Kernkraft durch die isolierte deutsche Position eher eine Chance sieht, wies der ehemalige deutsche Chefdiplomat bei den Fahrzeugantrieben auf ein Manko hin, das schnellstmöglich aufgeholt werden sollte.

„Der Einstieg in die erneuerbaren Energien wird einen großen industriellen Schwung auslösen“, prognostizierte der Politiker der Grünen. In den Schwellenländern werde es die Technologie sein. Auf dem Nutzfahrzeugmarkt dürften die Entwickler aber nicht länger auf die bewährten europäischen Kernkompetenzen bei den klassischen Motor- und Getriebekomponenten setzen. China wolle und müsse den Automobilmarkt aufrollen, um seine Megastädte vor dem Verkehrsinfarkt zu bewahren. „Das Elektrofahrzeug kennt diese Kernkompetenzen nicht. Hier geht es unter anderem um die Energiespeichertechnologie. Und da liegt China heute schon vorn!“

Dass der Güterverkehr auf der Straße bei anziehendem Wirtschaftswachstum auch weiter zunehmen werde, sei wohl trotz allem unausweichlich. „Da bin ich Realo, schließlich hängt unser gesamter Alltag davon ab“, gestand Fischer ein. „Nutzen Sie Ihre Speditionsflächen nachhaltig für erneuerbare Energien“, empfahl der Mann mit dem grünen Gewissen deshalb den Betreibern der Nutzfahrzeugflotten.

Jörg Nierzwicki, BG RCI (Text und Foto)

Joschka Fischer