Industrienachrichten

HOZ: Zement- und Betonfachleute unter sich

Im April trafen sich rund 90 Zement- und Betonfachleute in Duisburg. Die Cemex HüttenZement GmbH hatte zum traditionsreichen Hochofenzement-Seminar (HOZ) eingeladen, um über aktuelle Entwicklungen und Trends im Bereich der Zemente, speziell der hüttensandhaltigen Zemente, zu informieren. Das Thema „umwelteffizient – leistungsfähig – dauerhaft – neue Baustofflösungen für anspruchsvolle Anwendungen“ wurde beleuchtet. Die sinnvolle Durchführung von Mess- und Prüfverfahren sowie deren fachkundige Bewertung wurden ebenso thematisiert wie der richtige Umgang mit Reklamationen. Die ThyssenKrupp Steel AG in Duisburg liefert seit Jahrzehnten den Hüttensand für die leis­tungsfähigen hüttensandhaltigen Zemente mit verbesserter CO2-Bilanz und eignete sich deshalb gut als Tagungsort.

Entwicklungen und Trends

Seit mehr als 130 Jahren setzen die deutschen Zementproduzenten auf eine gemeinsame Forschung und Qualitätsüberwachung mit dem Ziel, Zemente für dauerhafte Betonbauwerke bereitzustellen. Gleichzeitig sollen die Zemente die Grundanforderung aus der verarbeitenden Industrie erfüllen und „robuste“, das heißt gegen unerwünschte Einflussgrößen unempfindliche Betone ermöglichen, die eine termin- und abrufgerechte Produktion mit ausgezeichneter Qualität unter Einhaltung des geplanten wirtschaftlichen Aufwandes sicherstellen. Die Entwicklung von Zementen mit weiteren Hauptbestandteilen neben Portlandzementklinker, wie zum Beispiel Hüttensand, oder mit neuen Zementzusammensetzungen war immer mit der Erfüllung der beiden genannten Grundanforderungen verbunden.  In den vergangenen Jahrzehnten gewannen darüber hinaus die Aspekte Ökologie und Nachhaltigkeit an Bedeutung.

Hüttensandhaltigen Zemente

Nichts dokumentiert die Leistungsfähigkeit von Betonen mit hüttensandhaltigen Zementen so nachhaltig, wie Ergebnisse aus der Forschung und Anwendungsbeispiele der Baupraxis. Deshalb standen dazu gleich drei Vorträge auf dem Programm. Dr.-Ing. Volkert Feldrappe, Leiter des Zementlabors des FehS Instituts für Baustoff-Forschung in Duisburg, präsentierte die Ergebnisse eines umfangreichen Forschungsvorhabens zum Thema „LP-Beton mit hüttensandhaltigen Zementen – Einfluss der Wechselwirkungen zwischen Luftporen (LP) und Fließmittel (FM)“. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderte Vorhaben belegt, dass es wegen der Wechselwirkungen zwischen Luftporenbildner und Fließmittel bei LP-Betonen mit bestimmten Zusatzmittelkombinationen zu Problemen kommen kann.

Als eine Lösung für viele Anwendungsfälle in der Expositionsklasse XF4 stellten Prof. Dr.-Ing. Christoph Gehlen vom Centrum Baustoffe und Materialprüfung (cbm) der TU München und Dipl.-Ing. Daniel Kleeberg von der CEMEX Transportbeton ihre Ergebnisse und Erfahrungen mit XF4-Betonen ohne künstliche Luftporen vor. Anlass für ihre Arbeit war die in letzter Zeit bei Ausschreibungen immer öfter geforderte hohe Festigkeitsklasse (> C35/45) und ein hoher Widerstand gegenüber einer Frost-Tausalz- Einwirkung (Expositionsklasse XF4). Zu diesem Zweck wurden sechs Betonrezepturen mit vier hüttensandhaltigen Zementsorten von CEMEX entwickelt und untersucht. Inzwischen liegt für diese Rezepturen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des DIBt vor.

Betonfahrbahndecken mit hüttensandhaltigen Zementen widmete sich Prof. Dr.-Ing. Rolf Breitenbücher vom Lehrstuhl für Baustofftechnik der Ruhr-Universität Bochum. Seit Jahrzehnten in der Regel Einsatzgebiet von Betonen mit Portlandzementen, finden seit Jahren – speziell aus ökologischen Gründen – zunehmend CEM II- und CEM III-Zemente Eingang in diese Betonbauweise, zum Beispiel für Bundesautobahnen, hochbelastete Bundesstraßen und Flugverkehrsflächen. Auch ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass es dort inzwischen zahlreiche positive Erfahrungen mit dem Einsatz dieser Zemente im Fahrbahndeckenbau gibt. Damit Fahrbahndeckenbetone mit hüttensandhaltigen Zementen mit einer äquivalenten Qualität wie Betone mit Portlandzement hergestellt werden können, ist auf die Nachbehandlung der frischen Betonfläche besonders zu achten. Darüber hinaus spielen die Einhaltung des w/z- Wertes und ein stabiles Luftporensystem eine maßgebende Rolle.

Verfärbungen bei Betonwaren

Verfärbungen bei Betonwaren sind ein Ärgernis und meist ein Grund für Reklamationen. Ursachen und Maßnahmen zur Vermeidung von Kalkausblühungen, Gelb-/Braunverfärbungen, Blaufärbung und Grünbelägen wurden von Dipl.-Ing. Peter Bilgeri, Technisches Marketing Cemex Zement, umfassend erläutert. Bis heute gibt es keine Universallösung um Verfärbungen gänzlich auszuschließen. Dr.-Ing. Jürgen Krell, krell-consult, stellte zum Schluss dar, auf welche technischen Punkte bei der Abwicklung Reklamationen zu achten ist. Dabei wurde deutlich, dass die formal richtigen Abläufe oft das Ergebnis mehr beeinflussen als die technische Diskussion.

Der Rückblick auf 20 Jahre HOZ-Seminare zeigt die kontinuierliche Leistungssteigerung hüttensandhaltiger Zemente und deren vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für dauerhafte Betonbauwerke. Eine wichtige Etappe dabei war die Markteinführung der Hochofenzemente CEM III/B 42,5 N-LH/HS/NA und CEM III/A 52,5 N Ende der 1990er Jahre.

Interessierte finden die Vorträge im Internet unter www.cemex-zement.de beim Unterpunkt HOZ-Seminar 2011.

Betonage der Container-Umschlagfläche mit Beton XF4 ohne LP mit Hochofenzement CEM III/A 52,5 N im Hafen Köln-Niehl.
Betonage der Container-Umschlagfläche mit Beton XF4 ohne LP mit Hochofenzement CEM III/A 52,5 N im Hafen Köln-Niehl.