Technik

Schöner Kraftakt: Mergelabbau mit Reißzahn

Hart geht es bei der Holcim (Deutschland) AG in ihrem Werk Höver bei Hannover zur Sache. Um den Kalkmergel zu gewinnen, wird das Rohmaterial seit elf Jahren nicht mehr sprengtechnisch abgebaut. Der Steinbruch ist mit dem Fortschreiten des Abbaus immer näher an die nächste Ortschaft gerückt, so dass der genehmigungsrechtliche Mindestabstand bei Sprengungen unterschritten worden ist. Deswegen müssen alternative Methoden angewendet werden, um den Rohstoff für die Zementproduktion zu gewinnen. Im konkreten Fall sind seit 2003 Cat Dozer D11 zugange, welche das Gestein mit dem Reißzahn lösen. Inzwischen hat Holcim bereits vier dieser Raupen in Betrieb genommen. Zwei Cat Baumaschinen vom Typ D11 übernehmen in Höver die Gewinnung von jährlich 1,7 Millionen Tonnen Kalkmergel an verschiedenen Abbaustellen, um eine ausgewogene Materialmischung herzustellen. Die Geräte werden im Schnitt alle fünf Jahre erneuert, wenn sie 10.000 Betriebsstunden erreicht haben. Kürzlich war es mal wieder soweit: Eine Cat Raupe D11R wurde gegen das neue Modell D11T getauscht.

Selbst für Experten der Branche, wie Holcim-Werksleiter Marius Seglias, ist die Inbetriebnahme der Baumaschine in dieser Größenklasse etwas Besonderes. „Eine D11 in den Einsatz zu schicken ist wirklich kein Tagesgeschäft“, meinte er bei der Übergabe durch die Zeppelin Niederlassung Hannover. Inzwischen hat die neue Cat D11T bereits einige Betriebsstunden auf dem Buckel. „Sie ist schon gut eingefahren“, lautet der Kommentar von Erik Jantzen, Produktionsleiter bei Holcim in Höver.

Die Raupenfahrer rammen den Reißzahn der Baumaschine bis zu zwei Meter tief in den Untergrund und lösen das Material. Mit dem Dozerschild wird dann der gelockerte Naturstein zum mobilen Brecher geschoben.
Die Raupenfahrer rammen den Reißzahn der Baumaschine bis zu zwei Meter tief in den Untergrund und lösen das Material. Mit dem Dozerschild wird dann der gelockerte Naturstein zum mobilen Brecher geschoben.

Zweischichtbetrieb

Gearbeitet wird dort im Zweischichtbetrieb. Beide Raupen werden von vier für diesen Maschinentyp ausgebildeten Mitarbeitern sowie zwei Springern bedient, die bei Urlaub oder Krankheit aushelfen. Die Raupenfahrer rammen den Reißzahn der Baumaschine bis zu zwei Meter tief in den Untergrund und lösen das Material mit einer Druck- und Zugbewegung des Reißzahns auf das Gestein. Mit dem Dozerschild wird dann der gelockerte Naturstein zum mobilen Brecher geschoben. Mit einem Hochlöffelbagger wird der abgebaute Kalkmergel auf die Brecheranlage verladen. Zwei von drei Brechern sind ständig in Betrieb, um das Material verschiedener Qualität über zwei stationäre und 2,3 Kilometer lange Bänder zum Zementwerk zu befördern. Dabei werden die zwei Qualitäten bis zur Aufgabe in die Rohmehlmühle getrennt gefahren. Erst da erfolgt die Vermischung, um die gewünschte Rohmehlqualität zu erhalten.

Was den Raupen abverlangt wird, insbesondere der neuen D11T, ist ein ganz schöner Kraftakt. Doch dafür ist die Baumaschine ausgelegt. Der neue Dozer bringt mit seinem Dieselmotor C32 mehr Leistung im Vergleich zu seinem Vorgänger. „Wir müssen mit Kraft in den Mergel eindringen, um das feste Gestein lösen zu können. Natürlich ist es leichter, wenn wir die oberen Schichten beackern und je tiefer wir kommen, desto schwerer wird es“, erklärt Jens Leschonski, Meister für den Steinbruchbetrieb. Abgebaut wird der Mergel in sogenannten Sätzen. Ein Satz macht rund 2000 Quadratmeter aus. Das darin gelockerte Material wird dem Brecher zugeschoben. „Dabei muss eine konstant hohe Leistung gegeben sein“, definiert Marius Seglias eine der Anforderungen.

Leiter zum Festhalten

Eine weitere lautet: Der Dozer muss den Raupenfahrern Sicherheit geben. Die neue D11T zeichnet sich gegenüber der D11R durch eine Leiter sowie eine Plattform rund um das Fahrerhaus aus. Dieses Feature bietet Cat optional für die D11T an. Holcim orderte es, als bei Ulrich Lissakowski die Baumaschine bestellt wurde. Der Zeppelin Konzernkundenleiter betreut das Unternehmen von der Vertriebsseite aus und hatte es entsprechend beraten. Mit der Leiter und der Plattform soll der Auf- und Abstieg für die Fahrer sicherer werden. Hat der Fahrer dann seinen Arbeitsplatz erreicht, klappt die Leiter nach oben. Erst dann kann er mit der Maschine Gas geben – ansonsten fährt sie nicht. Das dient zu seinem Schutz. „Bis zu einem Drittel der Unfälle sind laut Berufsgenossenschaft sogenannte SRS-Unfälle (Stolpern-Rutschen-Stürzen). Während bei der D11R der Fahrer über den Schubrahmen und das Laufwerk nach oben beziehungsweise unten steigen muss, hat er es bei der D11T deutlich leichter. Er kann sich nun festhalten und direkt über die Leiter eine Plattform zum Fahrerhaus erreichen. Dieser Vorteil wird vor allem im Einsatz in den Wintermonaten sichtbar, wenn der feuchte Mergel im Laufwerk hängt und somit kein fester Stand beim Auf- und Absteigen möglich ist“, sagt Werksleiter Marius Seglias.

Um dem Fahrer eine gute Sicht auf seinen Arbeitsbereich zu bieten, verfügt die neue D11T auch über eine eingebaute Kamera, welche die Fahrer beim Vorwärts- und Rückwärtsfahren nutzen. „Das war eine Umstellung, doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Allerdings wird eine Kamera nie das menschliche Auge ersetzen können“, meint Raupenfahrer Torsten Aue, der seit 15 Jahren bei Holcim Dozer in der Größe der D11 bewegt. Auch seine Kollegen sind ausgewiesene Profis und langjährige Raupenfahrer. „Der ergonomische Sitz, der Neigungswinkel und die Lehne lassen sich mühelos verstellen und sich ganz dem Körper anpassen“, beurteilt Aue seinen neuen Arbeitsplatz.

1,8 Millionen Tonnen Kalkmergel werden pro Jahr im Werk Höver für die Zementproduktion abgebaut.
1,8 Millionen Tonnen Kalkmergel werden pro Jahr im Werk Höver für die Zementproduktion abgebaut.

Endmontage mit Kran

Ausgeliefert wurde die größte Cat Raupe Ende Dezember 2010. Doch sie konnte nicht gleich ihre Arbeit aufnehmen, denn aufgrund ihrer Größe wurde sie in Einzelteilen angeliefert. „Die D11T hat eine lange Reise hinter sich und war rund fünf Wochen auf dem Seeweg von Amerika nach Europa unterwegs, bis sie Deutschland erreichte. Die grobe Vormontage fand in Bremen statt, wo beispielsweise der Ripper angebaut wurde“, erklärt Frank Fischer, Leiter des Servicezentrums bei Zeppelin. Nach Höver wurde das Grundgerät geliefert – Fahrerkabine, Überrollbügel, Schubrahmen, Zylinder, Auspuff und Schild mussten die Zeppelin Monteure Lothar Legat und Andre Neumann vor Ort anbauen. Auch die Leiter und die Plattform waren noch nicht angebracht, als die Maschine auf dem Tieflader eintraf. Ein Autokran stand den Zeppelin Monteuren unterstützend zu Seite, um die schweren Einzelteile anheben zu können. Fünf Wochen waren sie mit dem Zusammenbau beschäftigt.

Der Zeppelin Service war jedoch nicht nur bei der Montage gefragt, sondern wird vor allem dann gebraucht, wenn mit der Maschine gearbeitet wird. Weil mit der D11 die gesamte Produktion am Standort Höver steht und fällt, wird von der Baumaschine absolute Verfügbarkeit erwartet. Die Zeppelin Niederlassung Hannover hat sich mit ihrem Full Service darauf eingestellt. Bei Fragen können sich die Mitarbeiter an den Vertriebsleiter Michael Rolf sowie den Leiter des Servicezentrums Frank Fischer und sein Team wenden. Außendienstmeister Hans-Joachim Woicke kümmert sich vor Ort darum, dass die Maschine schnell wieder ihre Arbeit aufnehmen kann. „Es gibt nicht viele, die eine Maschine in dieser Größenklasse anbieten und zugleich den Service und eine Ersatzteilversorgung in der Region sicherstellen. Zeppelin ist hier gut positioniert. Fällt der Reißzahn aus, müssen wir innerhalb der nächsten 24 Stunden weiterarbeiten können. Zum Glück ist die Niederlassung Hannover in Reichweite“, so Erik Jantzen.

Überzeugten sich vom Einsatz der Cat D11T und dem sicheren Aufstieg über die Leiter (von links): Hans-Joachim Woicke, Zeppelin Außendienstmeister, Marius Seglias, Holcim-Werksleiter in Höver, Michael Rolf, Zeppelin Vertriebsleiter, Frank Fischer, Leiter des Zeppelin Servicezentrums, Erik Jantzen, Holcim-Produktionsleiter in Höver sowie Jens Leschonski, Meister für den Steinbruchbetrieb in Höver.
Überzeugten sich vom Einsatz der Cat D11T und dem sicheren Aufstieg über die Leiter (von links): Hans-Joachim Woicke, Zeppelin Außendienstmeister, Marius Seglias, Holcim-Werksleiter in Höver, Michael Rolf, Zeppelin Vertriebsleiter, Frank Fischer, Leiter des Zeppelin Servicezentrums, Erik Jantzen, Holcim-Produktionsleiter in Höver sowie Jens Leschonski, Meister für den Steinbruchbetrieb in Höver.

Robustes Gerät

Bei der D11T handelt es sich um ein robustes Gerät. „Beim Vorgänger haben wir nie Probleme mit dem Rahmen gehabt“, ergänzt er. Außerdem haben die Mitarbeiter von Holcim ein wachsames Auge darauf, dass die Maschinen reibungslos funktionieren. Bevor sie den Zündschlüssel ins Schloss stecken, machen sie täglich eine Inspektion an der Maschine, kontrollieren die Ölstande und führen eine Sichtprüfung durch, die sie auf mögliche Unregelmäßigkeiten aufmerksam machen soll. Doch dies bleiben nicht die einzigen Kontrollen. Holcim analysiert monatlich den Spritverbrauch der eingesetzten Baumaschinen, um so einen Überblick über die Wirtschaftlichkeit zu gewinnen. „Caterpillar hat gerade hier einiges bewegt, um den Spritverbrauch zu senken“, sagt Michael Rolf. Ob die neue D11T weniger Kraftstoff verbrauchen wird als ihr Vorgänger, wird sich in einigen Wochen zeigen, wenn sich die neue Raupe im Abbau von Kalkmergel behauptet hat.

 
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