Jutta Kleinschmidt wirbt für die Reduzierung der Unfallzahlen

Rallye-Siegerin gab Tipps beim „Risiko raus!“-Kampagnentag

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Vor der Kulisse historischer Autos und Lastwagen informierte die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie die Vertreter ihrer Mitgliedsunternehmen und Auszubildende über die Präventionskampagne „Risiko raus!“. Rund 400 Gäste kamen ins Auto&Technik Museum im badischen Sinsheim. Spannende Vorträge und eine Halle voller praktischer Modelle und Exponate zum Thema sicher Fahren und Transportieren erwarteten sie.

Unfälle im innerbetrieblichen Transport und auf dem Weg zur Arbeit entstehen einerseits durch mangelnde Organisation und andererseits durch Unachtsamkeit des Fahrers. Als auf überlebenswichtige Sicherheit angewiesener Profi lässt Jutta Kleinschmidt beides nicht durchgehen. Bei einem Sprung mit dem Motorrad über eine Düne in der Sahara wäre ihr die laxe Auslegung einer Wegbeschreibung fast zum Verhängnis geworden. „Anweisungen sind unbedingt zu beachten, ob bei der Rallye Paris-Dakar oder im täglichen Arbeitsleben“, appellierte die Rennfahrerin an die Gäste im Kino des Museums. Einem Werksteam kehrte sie den Rücken, weil Mechaniker eingespart wurden. Die Organisation einer verlässlichen Wartung des Autos war nicht mehr gewährleistet, Unfälle drohten.

Zwölf Wegeunfälle im Zuständigkeitsbereich der BG RCI endeten 2009 tödlich. 4700 Arbeitsunfälle ereigneten sich im gleichen Zeitraum im innerbetrieblichen Transport und Verkehr. „Und die Unfälle beim Fahren und Transportieren sind schwerwiegender als in anderen Bereichen“, erläuterte Helmut Ehnes. Der Leiter der Prävention der BG RCI stellte die Schwerpunkte der Kampagne für die BG vor. So gehörten zum Thema sicheres Fahren und Geschwindigkeit eine vernünftige Zeitplanung und sinnvolle Verkehrslenkung im Betrieb. „Sehen und gesehen werden“ erfordere Diskussionen über Systeme zum Ausgleich von Sichtbeeinträchtigungen und gute Beleuchtung.


Wissensdefizite müssten beim Thema Ladungssicherung ausgeglichen und geeignete Zurrmittel eingesetzt werden. Die von Ehnes geforderte Ausrüstung aller Fahrzeuge mit Rückhaltesystemen und die konsequentere Nutzung von Sicherheitsgurten gehören zum vierten Schwerpunkt.

Die Wanderausstellung in der gut besuchten Exponathalle
Die Wanderausstellung in der gut besuchten Exponathalle

„Jeder Unternehmer ist verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen für betriebliche Abläufe zu erstellen. Leider hält sich daran nicht jeder oder die Vorgaben werden ignoriert. Das muss sich ändern!“, mahnte Ulrich Meesmann in seiner Rede an. Das Mitglied der Geschäftsführung der BG RCI wies darauf hin, dass es ein Ziel der Kampagne sei, die Akzeptanz der Sicherheits- und Unfallverhütungsvorschriften zu erhöhen: „Wir haben viele Regeln und Vorschriften. Sie alle dienen einzig und allein der Aufrechterhaltung der Gesundheit unserer Versicherten.“

Empfang der Gäste vor den „American Dream Cars“ im Museum
Empfang der Gäste vor den „American Dream Cars“ im Museum

Kurzfristig auf Risiko zu setzen, um sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen, zahlt sich nie aus. Diese Erfahrung hat Jutta Kleinschmidt im Laufe ihrer Karriere öfter gemacht. Sie sah Kollegen, die ihr Limit überschritten – und schnell wegen einem Crash oder technischen Defekt ausschieden. „Rallyes wie die Paris-Dakar sind auf langfristiges Durchhalten angelegt, da hat Risiko nichts zu suchen.“ Kleinschmidt stand auch später beim praktischen Teil in der Ausstellungshalle unter dem Flugzeugveteran Ju 52 den Fragestellern mit Tipps und Tricks zur Verfügung. Mancher BG RCIBeschäftigte, wie der Heidelberger Karl Leibl, erwies sich dabei als profunder Kenner des Rallyesports.

Rüdiger Babic (rechts) informiert Besucher in der Wanderausstellung
Rüdiger Babic (rechts) informiert Besucher in der Wanderausstellung

Neben dem Pkw-Überschlagsimulator und der „Operation Safety“, einer dreidimensionalen Simulation der realen Arbeitswelt mit ihren Gefahren, standen in der Halle die Aktionsmedien, die für die Umsetzung der Kampagne in die Betriebe ausgeliehen werden können. Dazu gehören das Wiener Testsystem zum Stressverhalten genauso wie das Ladungssicherungsmodell. Zusätzlich bietet die BG RCI die Wanderausstellung „Risiko raus!“ an. Sie richtet sich mit ihren Inhalten an Führungskräfte und Mitarbeiter in Mittel- und Großbetrieben. Mit praktischen Modellen wie einem fernsteuerbaren Gabelstapler und Simulationen werden die Besucher dort auf Präventionsschwerpunkte hingewiesen.

Jutta Kleinschmidt, Helmut Ehnes und Ulrich Meesmann beim SWR4-Interview
Jutta Kleinschmidt, Helmut Ehnes und Ulrich Meesmann beim SWR4-Interview

Die BG RCI-Präventionsberater stehen den Interessenten weiter zur Verfügung, um mit ihnen passgenaue Vorschläge zur Kampagne für Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe zu entwickeln. Beim Bildungs- und Seminarangebot gibt es eine Neuerung: Verkehrssicherheitstrainings werden nun für alle Branchen der BG mit 100 Euro pro Teilnehmer bezuschusst.

Rallye-Paris-Dakar-Siegerin Jutta Kleinschmidt (3. von links) gab nicht nur während der Pressekonferenz Moderatorin Gudrun Loeb kompetent Auskunft zum Thema „Sicher fahren und Transportieren“. Links Präventionsleiter Helmut Ehnes, rechts Ulrich Meesmann, Mitglied der BG RCI-Geschäftsführung.
Rallye-Paris-Dakar-Siegerin Jutta Kleinschmidt (3. von links) gab nicht nur während der Pressekonferenz Moderatorin Gudrun Loeb kompetent Auskunft zum Thema „Sicher fahren und Transportieren“. Links Präventionsleiter Helmut Ehnes, rechts Ulrich Meesmann, Mitglied der BG RCI-Geschäftsführung.

Zum Schluss gab es die Gelegenheit, die Ausstellungsstücke aus der Welt der Verkehrstechnik in Sinsheim zu bestaunen. Wer in den schräg aufgestellten Überschallverkehrsflugzeugen Concorde und Tupolev TU-144 leicht ins Wanken geriet, musste nach dem vorher Gelernten unwillkürlich an das Thema Ladungssicherung denken.

Das vollbesetzte Kino zu Beginn der Veranstaltung
Das vollbesetzte Kino zu Beginn der Veranstaltung

Informationen zur BG RCI-Kampagne gibt es unter www.risiko-raus-kampagne.de Die Exponate können unter www.aktionsmedien-bg.de angesehen und gebucht werden.