Die Beschäftigten der BHR GmbH in Würselen gehen beim Gesundheitsschutz mit gutem Beispiel voran

„Hautschutz ist auch ein wenig Gefühlssache“

Bemühungen zur Verbesserung des Hautschutzes beginnen bei der Analyse von Arbeitsplatz und Umfeld. Manchmal aber auch bei der eigenen Befindlichkeit. Die Mitarbeiter und Chefs der BHR GmbH in Würselen haben sich damit auseinandergesetzt – und gute Erfahrungen gesammelt.

Damit es mit dem täglichen Hautschutz vor der Arbeit ein wenig schneller geht, hängt nun der Cremespender direkt im Durchgang von den Sozialräumen nach draußen. Maschinist Manfred Mandelartz lächelt verschmitzt. Der 42-Jährige kam auf die Idee, den Spender dort zu platzieren. So bleibt das Vorhaben, seiner Haut etwas Gutes zu tun, bevor er sie den Belastungen eines Recyclingbetriebes aussetzt, immer im Blick. Ein gutes Beispiel für seine Kollegen. BG RCI-Arbeitsmediziner Matthias Bradatsch berät den Betrieb seit 2004 intensiv zum Thema Haut- und Handschutz.

Nach einer Kennenlernphase haben er und Christof Göbel, Leitender Sicherheitsingenieur, regelmäßige Schulungen für die Belegschaft durchgeführt. Grundlage für die Arbeit ist die Gefährdungsbeurteilung. Zunächst exerzierten dies die BG-Mitarbeiter anhand eines Brückenabbruchs bei Overath durch, analysierten die Arbeitsschritte.

Betriebswirt Andreas Recker, BGRCI-Arbeitsmediziner Matthias Bradatsch und BHR-Geschäftsführer Bernd Nein besprechen die nächsten Schritte
Betriebswirt Andreas Recker, BGRCI-Arbeitsmediziner Matthias Bradatsch und BHR-Geschäftsführer Bernd Nein besprechen die nächsten Schritte

Später kam der Haut- und Handschutz dazu. Wie vielfältig die Anforderungen bei BHR sind, sagt schon der Firmenname: „Baumaschinenbetrieb Handel mit Baustoffen und Maschinen Recycling GmbH“. In jeder Branche, jedem Betrieb, kommen die Beschäftigten mit unterschiedlichen Gefahrstoffen in Kontakt. Sind die Stoffe ermittelt, können die Schutzmaßnahmen definiert werden. In Würselen reicht die Palette von Wartungsarbeiten an Baggern und Brechern, wo Hydrauliköl, Fett und andere Schmierstoffe auf die Haut gelangen, die zusätzlich vor mechanischen Belastungen geschützt werden muss, bis zum Sortierband mit Bauschutt. So muss auch unsachgemäßer Hautreinigung als einer der stärksten Provokationsfaktoren berufsbedingter Hauterkrankungen vorgebeugt werden.

Handarbeit: Der Brückenabriss bei Overath
Handarbeit: Der Brückenabriss bei Overath

Geschäftsführer Bernd Nein und Kollege Andreas Recker hatten schon vor längerer Zeit bei ihrem Zulieferer Montagehandschuhe nach Empfehlung der BG-Handschuhdatenbank bestellt. Das Modell „Perfect Black“ hat einen atmungsaktiven Handrücken und eine wasserundurchlässige Innenhand. Noch wichtiger: Lederhandschuhe, wie sie traditionell für viele Tätigkeiten verwendet werden, stehen seit langem in der Kritik. Einige Produkte können das Allergien auslösende Chromatsalz aus dem Gerbprozess enthalten. Und das steht im Verdacht, sich im schweißig-nassen Milieu dieser Handschuhe zu lösen.

In diesem Moment betritt Wolfgang Collette das Büro. Er soll die Arbeit am Sortierband zeigen und trägt dazu bereits einen individuell angepassten Gehörschutz. Matthias Bradatsch sieht’s mit Wohlwollen: Das Thema Lärm steht bei BHR schon länger auf der Agenda. Aber die Hände von Collette stecken gewohnheitsmäßig in Leder. „Zu den Handschuhen, die wir zu Testzwecken bestellt haben, sind die Rückmeldungen leider dürftig gewesen“, sagt Andreas Recker. Die meisten Mitarbeiter seien zunächst beim Altvertrauten geblieben.

So bleibt es eine Aufgabe von Betriebsarzt und Führungskräften, immer wieder mit neuen Ansätzen auf das Verhalten der Mitarbeiter einzuwirken.


Neue Schutzhandschuhe im Test

Später am Band trägt Colette dann die zu Testzwecken mitgebrachten „Helix C3 foam“ Schutzhandschuhe von Uvex-Profas. Level3-Schnittschutz und Level4-Abriebfestigkeit werden versprochen. Innen sorgt ein Futter aus Bambus-Viskose, Dyneema, Glas und Polyamid für Tragekomfort. Im Zusammenspiel mit der zuvor angewendeten Hautpflege unter den geeigneten Handschuhen bleibt die Haut des Arbeiters nun geschützt vor dem Kontakt mit dem möglicherweise mit Schadstoffen belasteten Bauschutt. Für Colette ein angenehmes Gefühl.

„Früher stand nur Seife und eine Handwaschpaste zu Verfügung“, berichtet Andreas Recker. Nach der vergleichsweise geringen Erstinvestition von rund 600 Euro stehen nun in den Sozialräumen die Hautschutz, -reinigungs- und -pflegemittel zur Verfügung, die auf der Gefährdungsbeurteilung beruhen. Hand- und Hautschutzplan zeigen, welche Schutz-, Reinigungs- und Pflegemittel zu verwenden sind, welche Handschuhe zum Einsatz kommen und welche Schutzsalbe die Haut im Handschuh vor Aufweichen schützt.

Manfred Mandelartz zieht sich vor dem Abschmieren des Baggers die Schutzhandschuhe über
Manfred Mandelartz zieht sich vor dem Abschmieren des Baggers die Schutzhandschuhe über

Matthias Bradatsch stößt mit seinen Vorträgen im Betrieb immer auf reges Interesse. Wenn es um den Aufbau der Haut, mögliche Überlastung der „wichtigsten zwei Quadratmeter eines Lebens“ geht, kommen sofort Nachfragen. Ein Mitarbeiter hatte schon mit Problemen zu tun. Dennoch hört man ab und zu – sicher scherzhaft gemeinte, aber von einer gewissen Unsicherheit zeugende – Bemerkungen der durchweg männlichen gewerblichen Mitarbeiter wie „Creme dich gut ein, dann bekommst du zarte Frauenhände“. Geschäftsführer Bernd Nein sieht aber auch hier einen langsamen, aber steten Bewusstseinswandel: „Die Jungs, die jetzt ins Berufsleben treten, gehen da anders mit um.“

Mit der nächsten Stufe ihres Gesundheitsschutzes haben sich die Beschäftigten von BHR schon jetzt angefreundet. Sieben von ihnen haben ein persönlich angepasstes Gehörschutzset von Cotral erhalten. Sie sind persönlich für die Pflege des über 100 Euro teuren Sets verantwortlich und haben eine Schulung dazu erhalten.

Für einen bodenständigen Kleinbetrieb wie BHR mit seinen momentan zwölf Beschäftigten ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der BG RCI bei Beratung und Schulung vorbildlich. Sobald es ihre Kapazitäten erlauben, wollen Bernd Nein und Andreas Recker zusammen mit ihrem Betriebsleiter Rolf Gutbier auf das Gütesiegel „Sicher mit System“ hinarbeiten. Das positive Beispiel der systematischen Integration des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in ihrem Unternehmen soll ja schließlich auch öffentlichkeitswirksame Früchte tragen.

www.bhr-recycling.de

Matthias Bradatsch, BG RCI
Jörg Nierzwicki, BG RCI

Manfred Mandelartz (links) und Karl-Heinz Keilhauer fühlen sich jetzt wohl in ihrer Haut
Manfred Mandelartz (links) und Karl-Heinz Keilhauer fühlen sich jetzt wohl in ihrer Haut

Hautschutz: Hinweise, Produkte und Werkzeuge für die Praxis

Was passiert mit meiner Haut, wenn ich sie nicht schütze?

Durch sich ständig wiederholende hautbelastende Tätigkeiten (häufiges Arbeiten mit Handschuhen, ungeschützter Umgang mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, Fetten und Ölen, Zement usw.) kommt es zu einer Abnutzung der Haut und einer Schädigung der Hautbarriere. Mögliche Erstsymptome sind Rötung und Schuppung vor allem im Bereich der dünneren Haut der Fingerzwischenräume. Bei dauerhafter chronischer Überlastung der Haut können alle oben genannten Symptome auftreten. Dies nennt man Abnutzungsdermatose. Diese führt langfristig zu dauerhafter Schädigung und durch die so geschädigte Haut können viele schädigende und Allergie auslösende Stoffe eindringen.

Worauf müssen die Unternehmen achten? (Betonproduktion hat andere Bedürfnisse als Recycling)

In den Branchen treten unterschiedliche Gefahrstoffe auf, welche die Haut schädigen können. Jeder Betrieb muss zunächst eine Gefährdungsbeurteilung machen. So werden die gefährdenden Stoffe, mit denen die Mitarbeiter in Kontakt kommen, ermittelt. Danach können Schutzmaßnahmen definiert werden.

Welche Produkte brauche ich?

Jeder Betrieb braucht spezifische Produkte zu Hautreinigung, Hautschutz und Hautpflege, je nach Gefährdungsbeurteilung. Möglichst nicht verwendet werden sollten Hautreinigungsprodukte mit Bestandteilen in Form von aggressiven Reibekörpern, wie Sand. Heutzutage helfen Hautreiniger mit Schmutz bindenden, weichen Rizinus-Wachsperlen, wie Active Pearls Plus von Physioderm, Schädigungen zu vermeiden. Eine Creme wie „cUrea soft“ pflegt die Haut nach der Reinigung. Urea, Harnstoff, macht die Haut geschmeidig und überzieht sie nicht mit einer öligen Schicht. Weiterhin sollte auf Lederhandschuhe verzichtet werden. Alternativen sind vorhanden, der Betriebsarzt berät gerne, in der Handschuhdatenbank gibt es geprüfte Produkte. Im Internet auf den entsprechenden Seiten der Hersteller oder über den Lieferanten für Arbeitschutzprodukte lassen sich alle Produkte besorgen. Wichtig ist immer, den Betriebsarzt als Berater hinzuzuziehen!

Gibt es weitere Hilfsmittel?

Werden Handschuhe und Stiefel durch das Arbeiten beispielsweise mit Beton oder beim nassen Sägen und Schleifen in der Natursteinindustrie ständig feucht, drohen Hauterweichungen. Der auf der Haut haftende und schützende Hydrolipidfilm verschwindet zusehends. Die Haut reagiert mit Schwellung, Rötung und Schuppung.

Der österreichische Hersteller Top Trock bietet Trockensysteme für Arbeitsschutz und Industrie an. Handschuhe und Stiefel werden auf Paneele gesteckt, die einen Warmluftstrom direkt in die zu trocknende Ausrüstung führen. Die Angebote reichen bis zu Trockenanlagen für Schutzanzüge.

www.toptrock.com

Trockensystem
Trockensystem

Das Angebot der BG RCI

www.deinehaut-bg.de

Hier finden sich Unterlagen zur Gefährdungsbeurteilung, die Handschuhdatenbank und Schulungsunterlagen und das gesamte Serviceangebot der BG RCI.

www.bauz.net/web/checklisten/checklisten.html

Unter dem Motto „Unfälle sind keine Zufälle - sie können vermieden werden“ widmet sich die BAUZ-Kampagne der Branche Baustoffe - Steine - Erden in der BG RCI seit 2001 bundesweit verschiedenen Themen und Unfallschwerpunkten. Hier finden sich ebenfalls Checklisten zum Hand- und Hautschutz..

Maschinenbedienung mit Schutzhandschuhen