Förderpreis Arbeit – Sicherheit – Gesundheit: Die Kampagne wird für alle Branchen der BG RCI weitergeführt

„Arbeitssicherheits-Oscar“ für kluge Köpfe verliehen

Skulptur

Arbeitsschutz als Anreiz im Lohnsystem, Betonproduktion – frei von gesundheitsgefährdenden Lösungsmitteln und Hilfsmittel zur verbesserten Ladungssicherung auf Lastwagen: Die Branchen Baustoffe – Steine – Erden und Bergbau der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie zeichneten im März die klugen Köpfe hinter diesen Ideen mit dem Förderpreis Arbeit – Sicherheit – Gesundheit aus.

Während der Feierstunde vor der Kulisse der Zeche Zollverein in Essen wurde der mit insgesamt 100.000 Euro dotierte „Arbeitssicherheits-Oscar“ zum 13. Mal vergeben. Gudrun Loeb moderierte die Übergabe im Casino auf Schacht XII. Den Förderpreis gibt es seit 1997 – und er wird nun für alle Branchen der BG RCI weitergeführt. Seit seinem Bestehen erreichten 4255 Beiträge von 7863 Teilnehmern die Jury. Darunter nicht nur klassische Themen der Sicherheitstechnik. Organisations-, Motivations- und Ausbildungsfragen nehmen als Leitmotive einen hohen Stellenwert ein. „Diese Fragen werden wichtiger“, sagte BG RCI-Vorstandsmitglied Dr. Hans Otto Gardeik während der Pressekonferenz. „Stichwort Verhältnisprävention: Wenn wir die Unfallzahlen weiter reduzieren wollen, brauchen wir Mitarbeiter in den Unternehmen, die sich für die Arbeitssicherheit engagieren.“

Die Kampagne ist ein Erfolgsmodell, den Präventionsauftrag der Berufsgenossenschaften, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren mit allen geeigneten Mitteln zu verhüten, umzusetzen. „Früher bedeutete dies Vorschriften, heute sind es solche Dinge wie der Förderpreis“, sagte Helmut Ehnes, Leiter der Prävention der BG RCI, „Ideen sind gefragt.“

Gruppenbild
Die Gewinner des Förderpreis Arbeit – Sicherheit – Gesundheit 2010

Das Gros der Beiträge stammt folgerichtig nicht aus Konzeptschmieden, sondern von den Beschäftigten in den Betrieben. Ziel des Preises ist es, Verbesserungspotenziale zu entdecken und sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 2010 erhielt beispielsweise die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH eine Auszeichnung dafür, dass sie das „Mibrag Schülerprojekt“ ins Leben gerufen hat. Die Mitarbeiter unterstützen Schulen bei der Sicherheits- und Verkehrserziehung. Integriert sind Themen wie Lärm, Brandbekämpfung und Erste Hilfe. Wenn diese Punkte frühzeitig an-gesprochen werden, kann späteren Defiziten bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Job vorgebeugt werden.

BG RCI-Vorstandsmitglied Xaver Schmidt absolvierte 1978 seine Ausbildung auf der Schachtanlage, wo 2010 die Bistrotische zur Preisverleihung standen. „Hier wird messbar, was Prävention in der Lage ist, zu leisten“, sagte Schmidt, als IG BCEMitglied auch Arbeitnehmervertreter. „Wir hatten im Abbau die schwersten Unfälle.“ Durch solide Präventionsarbeit seien die Unfallzahlen im Bergbau jedoch von 70 pro Million Arbeitsstunden 1995 auf 18 im Vergleichszeitraum 2009 zurückgegangen.

Musiker

Dafür stehen auch klassische Lösungen wie das Schlaucheinbaugerät der RWE Power AG. Im rheinischen Braunkohlerevier sorgen Tauchmotorpumpen für die Entwässerung der Tagebaue. Wenn sie ausgetauscht werden müssen, entstehen Gefahren durch laute und vibrierende Schlagschrauber, Wasser ergießt sich über den oft unebenen Montageplatz, macht ihn rutschig, Beschäftigte müssen unter schwebenden Lasten arbeiten. Das Produkt schafft Abhilfe.

Der Förderpreis zielt auf neue Lösungen sicherheitstechnischer Probleme, Konzepte zur Organisation sicherer Arbeitsabläufe und betriebliche Aktivitäten für mehr Gesundheit am Arbeitsplatz. Kreative Ideen von und für Auszubildende sowie die Verbesserung der Verkehrssicherheit stehen zunehmend im Fokus.

Dr. Hans Otto Gardeik begrüßt die Gäste im Casino der Zeche
Dr. Hans Otto Gardeik begrüßt die Gäste im Casino der Zeche
Zeche Zollverein

Wenn die Spanngurtschoner für den Transport schwerer Betonrohre auf Lastwagen durch die Erfindung Franz Xaver Kopps besser positioniert werden können, ist auch der nachfolgende Verkehr auf der sicheren Seite. Die Gurte verschleißen weniger, die Ladung bleibt stabil verzurrt.

„Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz müssen in den Köpfen der Menschen verankert werden und als gleichrangige Unternehmensziele neben Wirtschaftlichkeit, Produktivität, Qualität sowie der Schonung der Umwelt gelten.“ So formulierte Helmut Ehnes einen Grundgedanken der Kampagne.

Die Entwicklung eines Polymerbetons auf Bioölbasis vereint mehrere Ziele. Die Firmen Meyer Rohr+Schacht GmbH aus Stendal und Wienhold Consult (Magdeburg) arbeiteten hier mit dem Institut für Fertigteiltechnik und Fertigbau Weimar (IFF) zusammen. Es entstand ein Produkt, das chemikalienbeständig und abriebfest wie lösemittelhaltiger Polymerbeton, aber nahezu frei von gesundheitsgefährdenden Belastungen ist.

Die Prävention setzt direkt beim Menschen an. Das Verständnis für eine sichere Arbeitsumgebung muss immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden. Reparaturen, Inspektionen, und Reinigungsarbeiten in Behältern, Silos, Schächten und engen Räumen gehören zu den risikoreichsten Tätigkeiten in der Baustoffindustrie. Theoretische Schulungen bleiben manchmal mangels Trainingsmöglichkeiten ohne praktischen Bezug. Hier hat die Firma Dräger Safety mit ihrer mobilen Trainingseinheit „CSE“ Abhilfe geschaffen. Hitze, Nebel, Teilflutung, unterschiedliche Einstiege und Rohrsysteme lassen sich realistisch auf kleinem Raum simulieren. Dafür gab’s den Herstellerpreis.

„Gerade im Rahmen der BG RCI sind die beteiligten Branchen aufgefordert, auch in Sachen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz über den Tellerrand zu schauen und zu sehen, was es jenseits der eigenen Grenzen an Nachahmenswertem zu entdecken gibt.

Wenn dies erfolgreich wahrgenommen wird, haben Fusion und Förderpreis ihren speziellen Zweck, insbesondere in präventiver Hinsicht, erfüllt“, gab Xaver Schmidt den Gästen der Verleihung mit auf den Heimweg. Prävention als bewusstes, aktives Mitdenken im Arbeitsalltag – das Vordenken möglicher Gefahren und das Nachdenken, wie sich diese vermeiden oder entschärfen lassen: Grit Schellbach (Lafarge Gips GmbH) ließ sich von diesen Gedanken inspirieren und reichte in zehn Jahren 21 Ideen ein. Dafür gab’s einen Sonderpreis. Ein Vorbild auch für die weiteren Preisträger, die im Internet unter www.arbeit-sicherheit-gesundheit.de zu sehen sind.

Ulrich Meesmann gratuliert Grit Schelbach (MItte) zu ihrem Sonderpreis, links: Moderatorin Gudrun Loeb
Ulrich Meesmann gratuliert Grit Schelbach (MItte) zu ihrem Sonderpreis, links: Moderatorin Gudrun Loeb
Pressekonferenz